Reisetaugliche Alu-Koffer

Natürlich gibt es Alukoffer auch zu kaufen, diese entsprechen aber meistens nicht den persönlichen Anforderungen - zumindest war es bei mir so. Also blieb mir nichts anderes übrig, als selbst aktiv zu werden. Meine Anforderungen waren:

Stabilität:

bezieht sich weniger auf Umfaller als auf Vibrationsfestigkeit. Die letzte Zargesbox an meiner Transalp gab in Marokko schon im ersten Drittel der Reise den Geist auf. Die Piste entland des Plage Blanche nach Bou Jerif war dann der Todesstoß. An allen Montagepunkten riss das Material großflächig aus. Materialermüdung durch die Vibrationen. Aber wenigstens hielt sie länger als Rene´s Baumarktkiste...

Dichtheit:

Naja, eh klar. Staub und Dreck aus allen Richtungen und Wasser im speziellen von oben sollten schon draussen bleiben. Das kleinste Problem.

Größe und Geometrie:

Nicht zu breit und doch geräumig, annähernd dem üblichen Standardvolumen entsprechend; da ich aber unbedingt mein Zelt (VauDe Mark II) darin unterbringen wollte, musste die Länge auf 54cm wachsen. Somit ergab sich schon die Größe: links 54*25*37cm (50 Liter), rechts 54*20*37 (40 Liter). Also jede Menge Platz!

Was wollte ich noch? Die Deckel sollten abnehmbar und auch versperrbar sein, obenauf noch Laschen zum Festspannen von diversem Kleinkram; die bestehenden Givi-Halterungen müssen weiter verwendet werden können. Möglichst einfach abnehmbar und keine Schwergewichte runden das Profil ab, und der Preis sollte nicht an eine Edelstahlausführung schließen lassen...

 

Ausführung:

Jeder Koffer besteht aus zwei Teilen: Innenwand und dem Boden aus einem L-förmigen Stück 3mm-Blech, die anderen drei Seiten aus einem U-förmigen Stück 2mm-Blech. Der Deckel ist auch 2mm dick und schlüpft an allen vier Seiten über den Koffer. Das nahm ich mal als ausreichend stabil an. Damit die Koffer an der Oberkante auch seitlich etwas steifer werden, habe ich an den Deckeln innen kleine Winkelprofilen angeschweisst. Hier schlüpft die Seitenwand schön hinein und wird im Fall der Fälle etwas abgestützt. Der Zuschnitt erfolgte direkt beim Metallhändler nach meinem Schnittplan. Alle Kanten und Maße entsprechen so perfekt. Dann die Teile schön an einer Abkantmaschine gebogen, mit Schutzgas geschweißt und alles verschliffen. Klingt ruck-zuck, wars aber nur ruck... zuck...

Zur Montage an den Givi-Punkten habe ich die, von meinen ersten zerstörten Givi-Koffern in weiser Voraussicht abmontierten, Beschläge verwendet. Ein 5mm dickes Distanzplättchen an der Box angeschweisst dient als stabile Unterlage, daran ist dann das originale Givi-Plättchen mit durchgehenden Senkschrauben befestigt. Innen selbstsichernde Muttern dran und Kunststoff-Abdeckungen drüber. Hält bombenfest! Und oben, dort wo die Koffer normalerweise an den Halterungen einschnappen, hab ich die Nasen an den Kofferträgern abgeschraubt und die Boxen mit 2 Stück M6-Innensechskantschrauben (und einer 10mm dicken Alu-Beilage, mit Kontaktkleber befestigt) fest geschraubt. Da gehen die Boxen zwar nicht binnen Sekunden herunter, für mich ists aber ausreichend schnell und einfach. Und sie können von niemanden abgenommen werden - auch hier verwende ich innenliegend selbstsichernde Muttern! Ach ja, wichtig sind auch die Gummibeilagen: an der oberen Verschraubung liegt aussen und auch innen ein Stück 5mm dicker Gummi bei, und unten wo die Boxen an den Givi-Nippeln eingehängt werden, sind auch Gummi-scheiben beigelegt (die sind an den Givi-Nippeln wie Beilagscheiben mitgeschraubt). Ohne den Scheiben unten wären die Boxen etwas locker, mit den Gummibeilagen sitzen sie schön stramm. Von den Gummibeilagen hab ich auch einen Satz als Reserve mit. Mit diesen straff mitgeschraubten Gummibeilagen gibt es keinen metallischen Kontakt zwischen den Boxen und den Kofferträgern, was die für Alu tödlichen Vibrationen wirkungsvoll entschärft! Montiert sind die Boxen so weit vorne, wie es noch sinnvoll war; vor wegen dem Schwerpunkt, nicht zu weit vor wegen der Beinfreiheit beim "füsseln". So liegt die Vorderkante knapp hinter der hinteren Fußraste - Soziusbetrieb ist bei dieser Montage nicht möglich. Das lässt sich natürlich individuell vorab anpassen.

 

Die Kistenverschlüsse sind von Zarges; die sehen zwar ähnlich oder gleich aus wie die vom Baumarkt, sind aber nicht aus Stahlblech, sondern aus Alu. Das macht einen ganz schönen Gewichtsunterschied! Da ich nicht mit vier verschiedenen Schlüsseln herumlaufen möchte, besorgte ich bei EVVA vier gleichsperrende Vorhängeschlösser. Und zwar diese Type, die eine plane Seitenfläche haben, also nicht die bauchigen Standardkörper. Auch nicht billig, aber genau das was ich wollte. An dieser planen Fläche können die Schlösser dann per Klettverschluss am nervigen Scheppern gehindert werden. Und für die Tage, wo wir in den Pampas unterwegs sind, also keine Notwendigkeit zum Versperren besteht, sichere ich die Kistenverschlüsse mit kleinen Federsplinten, damit sie nicht aufklappen. Damit das manchmal notwendige Tragen der befüllten Koffer auch halbwegs einfach möglich ist, wurden auch Alu-Klappgriffe, ebenfalls von Zarges, angenietet. Ach ja, die Deckel wurden mit selbstklebenden Moosgummistreifen eingedichtet, dessen Dicke natürlich bei der Montage der Spannverschlüsse berücksichtigt sein wollte. So schließen die Deckel schön straff und sin auch wunderbar dicht.

Das abschließende Lackieren mit Hammerschlaglack, was eine Vorbehandluch mit Aluminium-Haftgrund erforderte, war eine überflüssige Draufgabe. Der Lack hält an den stärker belasteten Flächen trotz des schweineteuren Haftgrundes nicht so gut und springt mit selbigem ab. Also überall wo was scheuert oder anschlägt. Sonst hält die Farbe schon gut. Unnötiger Luxus. Innen mit TC-Fix-Folie - davon gibt es auch eine extra starke - ausgeklebt, damit es keinen Alu-Abrieb gibt. Von dieser Folie gab es zur Zeit nur eine weiss marmorierte, drum sehen meine Koffer innen aus wie eine Küchenarbeitsplatte. Naja. An den Deckeln sind noch gebogene Laschen aus 8mm-Alu von inne durchgeschraubt. Einerseits gut, um Sachen daran festzuspannen, andererseits können die Deckel dann auch beim Campen als stabil stehende Tischchen herhalten.

Die Kosten?

Etwa € 70,- das Material inklusive Zuschnitt beim Großhändler; Biegen, Schweissen und Beschleifen in einer befreundeten Werkstätte für eine Kaffespende; ca. € 60,- die 4 gleichsperrenden EVVA-Qualitätsschlösser; etwa € 40,- die Kistenverschlüsse und Federgriffe inklusive Alu-Nieten von Zarges; Schrauben, Kleinkram, Folie und der überflüssige Lack. Lässt man den Luxus des Lackierens weg, belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa € 220,-

Hab ich was vergessen?

Nach fast 5400 Kilometern quer durch Marokko hat sich gezeigt, dass sich die Arbeit gelohnt hat. Im Gegensatz zur ersten Marokkoreise, wo unsere Kisten schon sehr früh ab zu den Ahnen gingen, kam ich diesmal mit zwei völlig intakten Alu-Boxen zurück! Keinerlei Risse, Dellen oder sonstige Mängel. Ich bin sehr zufrieden damit! Einzig die Lackierung war fürn Hugo.