Sri Lanka

Drei Wochen Sri Lanka - 7 Tage Rundreise und zu Beginn und am Ende jeweils eine Woche Badeaufenthalt in Wadduwa, südlich von Colombo. 1990 steckte das Land noch mitten im Bürgerkrieg, deswegen war nur der Teil südlich der Linie Negombo - Trincomalee zugänglich und gefahrlos zu besichtigen. Die Tour führte bis an die Grenze des gesperrten Gebietes, in die alten Königsstädte Anuradhapura und Pollonaruwa. Es gab aber während der ganzen Reise keinen Grund zur Besorgnis, überall war es ruhig und friedlich, hätte ich nichts vom Bürgerkrieg gewusst, ich hätte auch nichts davon bemerkt. Der Ablauf der Reise war so:

Diese Aufteilung fand ich gar nicht so schlecht, denn so hatten wir nach der Tour einiges mehr an nützlichen Informationen und waren eher bereit, auch auf eigene Faust die Umgebung zu erkunden.

Vos Colombo nach Süden, immer der Küste entlang, geht die Fahrt zum Hotel. Ohne Unterbrechung, wie eine endlos lange Siedlung ziehen sich die Hütten dahin. Der Linksverkehr, die tropische Schwüle und die Strapazen des langen Fluges nehmen mich sehr her. An der Zufahrt zum Hotel hätte ich am liebsten wieder umgedreht und wäre heimgeflogen. Eine verwachsene, schlechte Zufahrt in einer scheinbar verwahrlosten Gegend. Und am blechernen Schiebetor dann Wachen, wie ein Gefängnis. Die volle Enttäuschung. Villa Ocean View. Nach dem ersten Schrecken zeigt sich aber, dass die Anlage aber sehr schön und gepflegt ist; ein Haupthaus mit einigen Zimmern, und die Doppelbungalows im weitläufigen, parkähnlichen Garten verteilt. Das Restaurant, die Rezeption und auch die Hotelbar sind nach aussen offen gebaut, gehen nahtlos in den Garten über. Rundherum aber eben Mauer, zum Strand hin ein Zaun und zwei kleine Posten, immer mit Wachpersonal besetzt. Verlässt man die Anlage, steht man nach wenigen Schritten mitten im Ceylonesischen Alltag - die Bahnlinie Colombo-Galle führt direkt an der Zufahrt vorbei und dahinter beginnt auch schon das undurchblickbare Dickicht. Die Anlage liegt ziemlich abgechieden, selbst bis zum nächsten Hotel ist es ein weites Stück Weg. Mit Bus oder Bahn kommt man entweder nach Colombo oder in das nähere Kalutara. Beides hat aber eher vorsintflutlichen Standard; alle Fahrzeuge des öffentlichen Verkehrs wären bei uns schon auf dem Schrottplatz gelandet. An der Küste nach Norden liegt ein kleines Dorf, aus Holz- und Strohhütten; am Strand liegen die handgefertigten, einfachen Einbaum-Auslegerboote, die "Oruvas". Der Zaun, der die Anlage zum Meer hin begrenzt, muss fast jeden Tag neu aufgestellt werden; die Wellen tragen so viel Sand ab, dass auch die Palmen am Wasser nach und nach kippen. Geht man nach Süden, steckt man nach wenigen Schritten im Dickicht fest. Hier, in den Palmenhainen, sind die Toddy-Zapfer am werken. Die Blütenstände der Palmen werden zugebunden und so am austreiben gehindert; der sich darin absondernde Saft, der "Toddy", wird in Tontöpfen geerntet und zu "Arrak" gebrannt. So verbringen wir die ersten Tage in und um die Anlage, spazieren immer wieder die Umgebung ab und gewinnen erste interessante Eindrücke vom Leben hier. Leider ist das Wetter ganz und gar nicht so, wie erwartet. Meistens dicht bewölkt, ziehen oft binnen weniger Minuten tiefe schwarze Wolken vom Meer her und Wolkenbrücke wie bei einem Weltuntergang gehen nieder. Manchmal so überraschend, dass es gar keinen Sinn macht, seine sieben Sachen zusammenzupacken und den Sonnenplatz zu räumen - man ist ja ohnehin dabei nicht schnell genug. Wie aus dem Nichts ist der Regenguss da und auch schon wieder weg.

Die landesübliche Kost hier ist schlicht: Reis und Curry; jede Speise ist eine Variante von Curry, nur eben verschieden scharf. Trotzdem sind die Speisen abwechslungsreich, es gibt immerhin 15 verschiedene Reissorten hier, die sich nicht nur der Form nach, sondern auch im Geschmack unterscheiden. Ausserdem sind auch die Zubereitung und die Beilagen vielfältig, so dass man nie den Eindruck hat, immer das selbe zu essen. Fisch, Fleisch, Geflügel oder Gemüse - man kann wählen zwischen scharf, sehr scharf und ungenießbar scharf. Schon bei der mildesten Version benötige ich immer vieles von der dazu gereichten Kokosraspel, was die Schärfe im Mund wieder erträglicher macht. Das Frühstück besteht aus Obst und süßen Pfannkuchen: ich habe keine Ahnung mehr, was da alles dabei war, aber neben einigem bekannten auch jede Menge gut schmeckende Früchte, die ich teilweise noch nie zuvor gesehen habe. Ananas, Mango, Avocado, Orangen, Grapefruits, Mandarinen, Passionsfrüchte, verschiedene Arten Bananen und vieles mehr. Und natürlich jede Menge an frischen Fruchtsäften dazu. Täglich eine Vitaminvergiftung!

Bei einem Spaziergang durch Wadduwa zeigt sich das wahre, vom Tourismus abgewandte Gesicht des Landes: einfachstes Leben, schmutzige und verwahrloste Häuser und unbefestigte Ortsstraßen; die Autos alt und klapprig, für viele ist der Ochsenkarren Haupttransportmittel. Eine mir aus Europa unbekannte Welt. Manche der uralten Fahrzeuge sind aber auch noch halbwegs in Schuss, ganz besoders die Lkw´s sind manchmal zu richtigen Kunstwerken herausgeputzt. An jeder Ecke einfache Verkaufsstände und immer wieder fahrende Verkaufer; Essen und Trinken kann man hier immer und überall bekommen. Zumindest so gesehen ein Leben im Überfluss, auch wenn es abgesehen davon an allem uns gewohnten ermangelt.

 

1. Tag der Rundreise: Colombo

Nach einer Stadtrundfahrt im Kleinbus, mit dem wir nun die kommenden Tage unterwegs sein werden, kommen wir zum "Lanka Oberoi Hotel". Colombo hat sich heute auch nicht als schöne, saubere Stadt gezeigt. An den diversen Sehenswürdigkeiten zwar wunderbar herausgeputzt, versinkt es dazwischen in Schmutz und Unrat. Das "Lanka Oberoi" mit seinen 5 Sternen steht im krassen Gegensatz zur Welt ausserhalb.

 

2. Tag: Colombo - Anuradhapura - Sigiriya

Hinaus aus der Stadt, nach Norden. Kaum liegt das pulsierende Colombo hinter uns, stecken wir mitten in einer anderen Welt. Kein Dorf unterscheidet sich vom anderen, überall das selbe armselige Bild. Sri Lanka abseits vom Tourismus. Ein Holzhaus, das im vorbeifahren mit nicht zu übersehendem Stolz als Kino präsentiert wird, sieht für unsere Augen eher wie eine baufällige Baracke aus. In der Nacht hat es stark geregnet, immer wieder ist die Straße kniehoch überschwemmt; was aber weder für den Bus und auch nicht für die vielen Fahrräder ein Problem darstellt. Vorbei an Kokosnuss-Sammelstellen und mit Schilfmatten überdachten Raststätten für die vielen Ochsenkarren kommen wir nach Negombo. Den Fischmarkt hier an der Lagune riecht man schon aus Kilometern Entfernung. Auf einem riesigen Areal türmen sich Haufenweise die Fänge, liegen einfach im Sand und warten auf Käufer. Reste bleiben natürlich einfach liegen und so breitet sich ekelerregender Gestank hier am Strand aus. Keiner unserer Gruppe wagt sich aus dem Fahrzeug, auch mir bleibt im ersten Moment glatt die Luft weg und ich muss mich sehr zusammennehmen, um mich nicht zu übergeben. Den Menschen hier macht das natürlich gar nichts aus.

Bei Puttalam schwenkt die Straße ins Landesinnere. Jedesmal, wenn der Bus hält, strömen sofort die Menschen herbei und möchten ihre Waren verkaufen. Das sind Speisen und Getränke, Souvenirs und Bekleidung, aber auch verschiedene exotische Tiere, die man sich gegen Bezahlung fotografieren darf. Ich nütze meistens diese Gelegenheiten auch dazu. Denn einerseits ist niemand aufdringlich lästig, ich freue mich über die Fotos und dem kleinen Jungen oder dessen Familie ist mit ein bisschen Kleingeld auch geholfen. Da tut sich mit der Zeit natürlich eine große Problematik auf, dessen bin ich mir schon bewusst. Arbeit gegen betteln - ein willkommener Tausch. Aber immerhin bekomme ich ja auch eine Gegenleistung dafür, und wenns ein Gürteltier ist. Sich dem komplett zu verschließen, wäre sicher auch nicht richtig; es kommt immer auf die Art an. Nimal, unser Reisebegleiter, erklärt viel und gerne und schöpft seine Möglichkeiten, uns seine Heimat schön zu präsentieren, voll aus.

Die ehemalige Königsstadt Anuradhapura war ab 400 v. Chr. für die folgenden 1400 Jahre die Haupstsadt von Sri Lanka. Heute hat sich der Dschungel die Stadt zurückgeholt, viele der weit verstreuten Tempel und Bauwerke sind überwuchert, manchmal erinnert mich die Kulisse an das Dschungelbuch; verlassene Tempel mitten im Dschungel. Anuradhapura war zu dieser Zeit eine der großartigsten aller Städte. Im Gegensatz zu den antiken westlichen Kulturen ist aber nur von einigen Tempeln und Palästen etwas übriggeblieben; Da der einzige Lebensbereich, dem eine dauerhafte Existenz zugesprochen wurde, die buddhistische Religion war, wurde lediglich für die zu Ehren Buddhas errichteten Gebäude unverwüstliches Material, Stein, verwendet. Für den weltlichen Bereich reichten Holz und Lehm.

In einer finsteren, kühlen Felsspalte neben dem Felsentempel "Isurumuniya Vihara"hängen tausende von Fledermäuse vonder Decke und genießen ihre Nachtruhe. Wo man sich auch hin bewegt, überall flattern bunte Vögel um uns und turnen Affen auf den Felsen und Bäumen herum. Dieser kleine Tempel gehört zu jenen Plätzen besonderer Heiligkeit, die jeder fromme Pilger aufzusuchen hat. Die berühmteste Skulptur der Stadt ist auch hier zu finden und heisst "die Liebenden". Eine Frau, auf dem Schoße des Mannes sitzend, mit erhobenem Finger als Zeichen ihrer Keuschheit.

Der 2300 Jahre alte "Sri Maha Bodhi" soll ein Ableger des Bo-Baumes sein, unter dem Gautama Buddha einst seine Erleuchtung erfahren hat. Es gibt nichts heiligeres in Anuradhapura als diesen "ficus religiosa", der zugleich auch der älteste bekannte Baum auf Erden ist. Im Tempel viele farbenprächtig bemalte Statuen, unter anderem auch ein liegender, ins Nirwana eingehender Buddha. Die betenden Mönche wollen natürlich nicht gestört werden, mit angebrachtem Respekt ist es aber schon möglich einen Blick ins Innere zu machen. Ich habe den Eindruck, so lange man sich zurückhaltend und ruhig verhält, ist man überall gern gesehener Gast. Die Gesichter der buddhistischen Mönche in ihren orangenen Kleidern strahlen immer Freundlichkeit und Offenheit aus.

An Eingängen zu Klöstern und Tempeln sind oft so genannte "Mondsteine" im Boden verlegt; der von "Abhayagiri" ist ein ganz besonderer. Er gilt als einer der schönsten des Landes. Die Skulpturen im diesem halbrunden Stein symbolisieren den Übergang von der Begierde (die Flammen des Lebens) zum Nirwana (die Lotosblüte in der Mitte des Steines).

Erbaut im 3. Jahrhundert v. Chr. ist die "Thuparama Dagoba" die älteste Dagoba des Landes, in ihr wird die Schlüsselbein-Reliquie aufbewahrt. Die "Abhayagiri Dagoba" war einst mit ihren ursprünglichen 113m Höhe und einem Durchmesser von 110 m die zweitgrößte Dagoba der Welt. Heute verfallen und verwachsen, ist sie ob ihrer Größe aber noch immer ein beeindruckendes Bauwerk.

Ein Tag hier ist viel zu kurz, um die vielen interessanten Bauwerke zu besichtigen; es ist hier einfach ein Ausflug in eine andere Zeit. Am späten Nachmittag fahren wir weiter nach Sigirya. An der Strecke liegt auch der "Parakrama Samudra", ein riesiger See nordwestlich von Pollonaruwa; als Bewässerungsteich und Lebensnerv der Stadt vor Jahrhunderten angelegt, versorgt er auch heute noch die Menschen mit Wasser und ermöglicht den Anbau von Reis. Kurz vor Sonnenuntergang erreichen wir das Hotel, der imposante Löwenfelsen thront noch lange leuchtend im Abendlicht.

 

3. Tag: Polonnaruwa und Sigirya

Polonnaruwa, die erhabene Stadt, war vom 11. bis 13. Jhdt. Hauptstadt der Insel. Die Ruinen sind somit jünger und unvergleichbar besser erhalten als die in Anuradhapura. Nach einer bewegten Geschichte versank aus sie im Dschungel und wurde erst im 19. Jhdt. wieder entdeckt.

Im Zentrum der alten Stadt stehen einige sehenswerte Gebäude; die "Vatadage" im Zentrum der so genannten "Quadrangle" ist wahrscheinlich das älteste Bauwerk in Polonnaruwa. Zu beiden Seiten der Eingänge stehen "Wächtersteine", die das Böse fernhalten sollen. Die "Thuparama", das Bilderhaus, ist das besterhaltene Bauwerk hier; die aus millimetergenau behauenen Steinen bestehenden Mauern sind über zwei Meter dick. Auf einer Plattform stehen die Reste der "Blumenhalle", deren Säulen sich wie die Stiele der Lotosblüte hochranken.

Schnell vergeht die Zeit, natürlich ist man hier auf Tourismus eingestellt; es gibt Souvenirshops, wo man alles mögliche an Handwerkskunst kaufen kann, Händler mit Bauchläden ziehen im Areal herum und versuchen ihr Glück und wenns zu heiss wird, schlürft man eben eine gekühlte, mit der Machete geöffnete Kokosnuss. Herrlich - die besten Kokosnüsse der Welt... Im Schatten der Bäume und auch auf den Ruinen tummeln sich Affen, dann wieder bekommt man für etwas Kleingeld einen Mungo für ein Foto in die Hand gedrückt. Bei der Gelegenheit lasse ich mir auch gleich von einem Wahrsager die Zukunft aus der Hand lesen. Leider kann ich mich an das Ergebnis nicht mehr erinnern, wird wohl nicht so bewegend gewesen sein.

Die Buddha-Statuen der "Gal Vihara" zählen von all den Bauwerken hier zu den Bekanntesten. Aus einer Granitwand schlug man im 12. Jhdt. vier Statuen heraus, die zu den Meisterwerken ceylonesischer Bildhauerkunst gehören: ein sitzender, meditierender Buddha; ein mitsamt der ihn beherbergenden Höhle aus dem Fels geschlagener Buddha; ein 7 Meter hoher, stehender Buddha mit gekreuzten Armen; die größte der vier Statuen ist aber der 14m lange, auf einem Kissen ruhende Buddha, an dessen Gesichtsausdruck man erkennen kann, dass er gerade ins "Paranirwana" eintritt. Alles in allem ist die alte Stadt hier eine äusserst beeindruckende Anlage.

Nach dem Rundgang durch die antike Stätte, die so wie schon in Anuradhapura auch gut zwei Tage ausgefüllt hätte, steht eine traditionelle Schnitzerei am Programm. Auch wenn der Besuch hier dazu dienen soll, ein wenig Geld ins Haus zu bringen, war es doch sehr interessant. Hier wird alles geschnitzt, gedrechselt und gestemmt, was sich aus Holz herstellen lässt: von der Mini-Schachfigur bis zum ein-Meter-großen Löwen oder Elefanten, der auch gerne mit der Post ins ferne Europa versendet wird. Hier werden Statuen, Figuren, Bilder und auch die bunten Balsa-Masken der Teufelstänzer hergestellt. Zu bewundern ist jedenfalls das handwerkliche Geschick der Arbeiter, die mit einfachsten Werkzeugen echte Kunstwerke schaffen.

Am späteren Nachmittag wartet dann noch der "Löwenfelsen" von Sigiriya auf uns. Ein massiver Monolith, der sich unvermittelt 200m hoch aus den Grün des Dschungels erhebt. Vor 1500 Jahren befand sich auf dem Gipfel ein weitläufiger Königspalsat, von dem heute nur mehr karge Reste vorhanden sind. Der Name stammt von der riesigen Löwenskulptur, die an einer Seite aus dem ganzen Felsen gehauen wurde. Auf halber Höhe liegen heute noch die riesigen Pranken des Tieres, weiter oben war das geöffnete Maul, durch das der Zugang zum Palast führte. Rund um den Felsen zieht sich ein Wassergraben, anschließend daran liegt ein parkähnlich angelegter Garten mit Teichen und Wegen; dieser zählt zu den ältesten asiatischen Landschaftsgärten.

Der Aufstieg führt zuerst vorbei an der "Kobrahalshöhle" und dann entlang der vor etwa 1500 Jahren errichteten Spiegelmauer, deren polierte Kalkoberfläche auch heute noch wie ein Spiegel reflektiert. Die Galerie mit den berühmten Fresken der "Wolkenmädchen" ist dann über eine stählerne Wendeltreppe zugänglich. 22 von den ehemals 500 an die Felswand gemalten Nymphen sind heute noch, durch einen Verschlag vor den Umwelteinflüssen geschützt, in bewundernswerter Qualität erhalten. Daran wurde bis heute nichts restauriert, alle Bilder sind noch im Originalzustand. Dann folgt die Löwenterasse, und hier ist der gemütliche Teil des Aufstieges vorbei: durch die Pranken führt der Weg weiter zum Gipfel und der ist, besonders im oberen Abschnitt, steil und schmal; teilweise sind alte Eisenleitern und Treppen montiert, dann wieder nur kleine Tritte aus dem Stein gehauen, ein rostiges Stahlgeländer dient als einzige Sicherung gegen eine ungewollten Abstieg. Allerdings haben viele freundliche Helferleins erkannt, dass man mit dem Begleiten nicht mehr ganz schrittfester Besucher auch ein Körberlgeld verdienen kann und somit sind immer helfende und stützende Hände da, manchmal aber auch ein bisserl zu viele...

Oben angelangt, treten die Überreste des Palastes - wohl auch wegen der Fülle an Bauwerken, die uns die vergangenen Tage präsentiert wurden - nach wenigen Augenblicken in den Hintergrund: zu überwältigend ist der sich bietende Blick über die Weiten des Dschungels und die in der schon niedrig stehenden Abendsonne geworfenen Schatten der Hügel und Berge. Einfach grandios! Der krönende Abschluss eines beeindruckenden Tages.

Bei der Rückfahrt zum Hotel hält der Fahrer den Wagen an und stellt Motor und Lichter ab - vor uns kreuzt eine Elefantenherde die Straße.

 

4. Tag: Sigiriya - Kandy

Das Batiken ist in Sri Lanka ein Kunsthandwerk mit Tradition. Überall findet man gebatikte Stoffe und Kleidungsstücke, der Besuch eines Betriebes steht heute am Programm. Man erklärt uns, wie Batiken hergestellt werden und führt uns alle dafür erforderlichen Arbeitsschritte vor. Zuerst wird das Muster mit flüssigem Wachs auf dem Stoff vorgezeichnet; dazu verwendet man kleine, trichterähnliche Gefäße. Alle Stellen, die nicht gefärbt werden sollen, werden gewachst. Dann wird der Stoff in großen eisernen Bottichen über offenem Feuer gefärbt und anschließend das Wachs wieder ausgekocht. Für jeder gewünschte Farbe muss dieser Vorgang wiederholt werden. Auch hier gilt: Qualität hat seinen Preis; vom simplen zweifärbigen Muster bis hin zum detaillierten, filigranen und farbenprächtigen Kunstwerk ist alles möglich.

Tagesziel ist das Hotel "Topaz" in Kandy, dem Zentrum des Hill Country. Die große Stadt liegt an einem künstlichen, mit Promenade und Bäumen gesäumten See in den Bergen Sri Lankas. Hier ist das Zentrum singhalesischer Kultur; nirgendwo sonst wird die Vergangenheit des Landes so lebendig wie hier. Während der Perahera, des größten und farbenprächtigsten Festes des Landes, wird die Zahnreliquie auf dem Rücken eines farbenprächtig geschmückten Elefanten und in einem pompösen Umzug durch die Strtaßen getragen. Die traditionelle Musik und der Tanz der Singhalesen, in anderen Städten schon vergessen, werden hier nach wie vor hochgehalten. Das Hotel liegt mit schönem Ausblick etwas ausserhalb der Stadt auf einer Anhöhe.

Der "Dalada Maligawa", der Zahntempel, liegt etwas abgeschieden, aber unmittelbar am See. Der Zahn Buddhas kam 1590 nach Sri Lanka und ist der wertvollste Schatz der Insel. Aus dem ursprünglichen Reliquienschrein wurde ein kleiner Tempel, der wiederum ist heute der innere Teil der großen Tempels. Durften früher nur der König und ausgewählte Mönche den Reliquienschrein sehen, können heute alle Besucher während der Puja-Stunde von der "Halle der glückseligen Erscheinung" aus einen Blick darauf werfen. Den Zahn selbst bekommt natürlich niemand zu Gesicht, lediglich die goldene, wie eine Dagoba gestaltete äusserste von sieben Hüllen ist zu sehen. Bevor es aber soweit ist, besuchen wir noch das Queens Hotel und schlürfen Tee in der Lounge; an Gebäuden wie diesem kann man erkennen, dass die Engländer lange Zeit Kolonialmacht dieser Insel waren und die britische Regierung an den schönsten Plätzen in den Bergen residierte und ihre Herrschaftssitze errichtete. Dann gehts endlich in den Palast. Hier, im inneren alten Tempel, gibt es vieles mehr als "nur" die Zahnreliquie zu sehen. Einen kleinen Smaragd-Buddha, sowie in einer silbernen Schatulle einen Buddha, der aus einem Bergkristall gearbeitet ist. Die Wände und Decken sind aus Holz geschnitzt und farbenprächtig bemalt, die Türen sind mit Silber oder mit Elfenbein beschlagen. In der Bibliothek, der achteckigen "Pittirippuva", gibt es neben vielen alten Büchern auch wertvolle Manuskripte zu sehen: in Palmblätter geritzte Texte, in Gold und Silber gebunden und mit Elfenbeinschnitzereien verziert. Ist schon das Innere des Palastes an und für sich beeindruckend, steht nun auch die Puja kurz bevor; überall brennen tausende Kerzen, Trommler und Trompeter veranstalten einen Höllenlärm, in ihren traditionellen Trachten, links und rechts der silberbeschlagenen Türe. Als diese dann geöffnet wird, strömen alle Menschen entlang der hölzernen Absperrungen nach vorne - Einheimische dürfen an der geöffneten Türe selbst vorbeigehen, Ausländische Gäste dürfen nur bis zu einem weiter hinten errichteten Geländer heran. Wenige Minuten bleibt das Tor geöffnet, ergreifend ist der Blick auf die goldene Dagoba, das allerhöchste Heiligtum dieses Landes.

Kandy ist das Zentrum von Tanz und Musik. Darum bekommen wir auch am Abend eine Vorführung verschiedener traditioneller Tänze präsentiert. In schönen, aufwändig gearbeiteten Kostümen tragen mehrere verschiedene Gruppen, gemischt aus Frauen und Männern bestehend, die Tänze vor, die mitunter aus anstrengenden akrobatischen Einlagen bestehen. Der Höhepunkt des Abends ist dann der "Teufelstanz" über glühende Kohlen. Große Fratzen-Masken, detailreich geschmückte Trachten, bemalte Körper - faszinierend bunt, zum immer lauter werdenden rhytmischen Trommelwirbel, der auch den Zuseher unwillkürlich in eine Art akustischen Rauschzustand versetzt.

 

5. Tag: Kandy - Nuwara Eliya

Erste Station des Tages ist das Elefantenbad in Katugastota. Hier führen die Mahouts ihre Tiere zum Bad, nachdem sie ihre Arbeit verrichtet haben. Natürlich gibt es hier auch die Möglichkeit, auf den Elefanten zu reiten. Man kann Bananen kaufen und diese dann während des Rittes an das Tier verfüttern; leider war mein Elefant der Meinung, sich einfach alle Bananen auf einmal zu holen - ein zielgenauer Griff mit dem Rüssel über den Kopf nach hinten und schon war ich alle Früchte los. Lustig fand die dicken Haare am Rücken und an seinem Kopf! Wir marschierten einmal hin und retour, schon ein eigenartiges Gefühl auf dem Rücken so eines gutmütigen Dickhäuters. Ganz in der Nähe stand auch ein gewaltiger Bulle, mit wirklich Respekt einflößenden Stoßzähnen; die dicken Fußketten hatten sicher ihre Berechtigung. Man konnte beim Waschen der Tiere dabei sein, und für die war es scheinbar auch ein Spaß, die Besucher von oben bis unten nasszuspritzen. Hier möchte man meinen, dass ein Elefant keiner Fliege etwas zu Leide tun kann.

Gleich im Anschluss daran gab es etwas für Schlangenfreunde zu sehen: eine Cobra, die aus dem Korb heraus scheinbar nach der Flöte des Spielers tanzte und einen Python zum angreifen. Ist nicht jedermanns Sache, aber wenn sich schon mal die Gelegenheit bietet - also her mit dem Viech und auf die Schultern damit! Der Besitzer der Schlange achtete aber sehr wohl darauf, dass man die Schlange nicht falsch angreift oder irgendwie verschreckt, so schlang sich der Python einfach langsam von Schulter zu Schulter, die Arme entlang um den Nacken. Nach einigen Gewöhnungssekunden stellt sich ein interessantes Gefühl ein, eine bemerkenswerte Erfahrung, wie sich so eine Riesenschlange, auch wenn sie relativ klein ist, angreift.

Nächster Aufenthalt ist bei einem der unzähligen Juwelierläden. Hier kann man zusehen, wie die Steine geschnitten und geschliffen, die Ringe und Fassungen gefeilt und bearbeitet und das Ganze dann zu schönen Schmuckstücken vereint wird. Neben Rubinen, Amethysten und Aquamarinen werden auch noch viele andere Edelsteine hier gefunden, der König ist aber der blaue Saphir. Auch der 400karätige blaue Saphir der Britischen Krone, der "Blue Belle", stammt aus Sri Lanka. Hauptfundstätte ist die Gegend um Ratnapura, der "Stadt der Edelsteine". Bemerkenswert ist, dass in einer Grube oft viele verschiedene Arten Steine gefunden werden.

Nach diesem Exkurs in die Gemmologie ist unser nächstes Ziel der Botanische Garten von Peradeniya, der etwas südlich von Kandy an der Straße nach Colombo liegt. Gegründet 1816, wurde zunächst nur Kaffe und Zimt gepflanzt; später wurde der Artenreichtum größer, bis er alle inseltypischen Pflanzen umfasste und dann kamen mit der Zeit auch noch viele Pflanzen aus anderen Ländern dazu. Man kann stundenlang durch die etwa 60ha große Anlage wandern und wird immer wieder staunend Neues entdecken. Besonders sehenswert sind die Königspalmenallee, der von Riesenbambus gesäumte Riverside Drive und der Bat Drive mit seinen Riesenfledermäusen, die während des Tages kopfüber schlafend an den Bäumen hängen. Oder aber auch die 2300m² große Krone eines sich flach ausbreitenden Baumes, in dessen Schatten es sich angenehm ausruhen lässt. Unzählige Luftwurzeln stützen die weit ausladenden Äste wie ein Netz aus Säulen. Es gibt natürlich gewachsene sowie auch viele wunderschön parkähnlich gestaltete Abschnitte; einen Gewürz- und Kräutergarten, ein Orchideen- und ein Kakteenhaus und noch weitere Themenbereiche. Der Garten ist auch ein gerne besuchtes Erholungsgebiet für die Menschen der Stadt. HIer lässt es sich wunderbar spazieren und entspannen.

Die Fahrt führt uns weiter in die Berge, durch die sich wie ein endloses grünes Meer ausbreitenden Teeplantagen im Hill Country. Auch wenn jemand noch nie etwas von Sri Lanka gehört haben sollte, den Ceylon-Tee kennt jeder. Kein Wunder, denn auf dieser 65.000 km² großen Insel wächst mehr Tee, als in jedem anderen Land der Welt, ausgenommen Indien. Wirtschaftlich gesehen ist der Tee die Hauptstütze des Landes. Über 95% des Ertrages gehen in den Export. Unterwegs haben wir die Gelegenheit, die Glenloch-Teefabrik zu besuchen und bekommen so einen guten Einblick in die Verarbeitung des "grünen Goldes". Alt und einfach sind die Geräte, viele fleissige Hände müssen während des ganzen Prozesses zupacken, bis das geerntete Teeblatt fertig verpackt in einer Holzkiste landet. Nach dem Pflücken wird der Tee zuerst in einem warmen Luftstrom getrocknet; optimal ist die Restfeuchte, wenn das Blatt beim Falten noch nicht bricht. Nach dem Trocknen kommen die Blätter zum Rollen. Dabei werden sie in einer Art Mangel leicht gewalzt, damit die Zellen der Blätter platzen und die späteren Geschmacksstoffe oxydieren können. Dann folgt das so genannte Rollenbrechen; dabei werden die zusammenklebenden Blätter in einem vibrierenden Sieb wieder gelockerrt, was durchfällt geht in den nächsten Verarbeitungsschritt, der Rückstand kommt nochmals zum Rollen in die Mangel. Nun folgt die Fermentierung. Dieser Vorgang findet in einem luftigen, kühlen und feuchten Raum statt; dabei oxydiert nun die Gerbsäure im Tee. Dazu werden die gerollten Blätter gleichmäßig in dünnen Schichten aufgeschüttet; dieser Vorgang ist qualitätsentscheidend, hier entwickeln sich Bitterkeit und Geschmack. Es folgt noch der letzte Schritt der Verarbeitung, das Erhitzen; hier wird die Restflüssigkeit im Tee auf etwa 2% verringert. Nun kann der Tee in Qualitätsstufen und Kategorien eingeteilt und fertig verpackt werden.

Die Straße schlängelt sich durch die Teeplantagen, bis auf etwa 1900m Höhe Nuwara Eliya erreicht wird. Hier isr das Klima frisch und kühl, und die Architektur verbreitet einen Hauch von England. Wir sind in Grand Hotel untergebracht, das seit seiner Gründung 1891 offenbar keine großartigen Modifikationen erfahren hat; das Haus ist sicher schon durch glanzvollere Zeiten gegangen, ist aber trotzdem gut in Schuss und eine angenehme Unterkunft. Sehenswert ist neben vielen anderen Gebäuden auch der altmodische Hill Club, ein eleganter Steinbau oberhalb des Golfplatzes. Ausschließlich männliche Gäste haben hier Zutritt und das auch nur mit Krawatte - diese gibt es aber leihweise an der Rezeption. Einheimische werden in diesem elitären Club nach wie vor nur als Gäste ausländischer Besucher eingelassen!

 

6. Tag: Nuwara Eliya - Hambantota

Vom angenehm kühlen Hill Country geht es wieder nach Süden hinunter. Vorbei an den Rawana Ella Falls und am Ella Gap, von wo man einen schönen Ausblick auf das 900m tiefer liegende Flachland hat. Langsam wird das Klima wieder tropischer und bei Hambantota erreichen wir die Südküste der Insel. Nach den abwechslungsreichen Tagen in den Bergen endlich wieder am Indischen Ozean! Wir werden im Peacock Beach Hotel untergebracht, direkt am laggezogenen Sandstrand; beim Baden muss man sich hier zwar nicht vor den schönen hohen Wellen, wohl aber vor der starken Strömung in Acht nehmen. Der Bundala Nationalpark ist einen Besuch wert; am Nachmittag fahren wir mit kleinen Geländewägen tief in das Resevat hinein und bekommen so Gelegenheit, neben vielen verschiedenen kleinen und großen Vögeln, jeder Menge Affen und Waranen auch Krokodile und Elefanten - diese zwar mit angebrachtem Sicherheitsabstand, aber doch in freier Wildbahn - zu beobachten. Ein beeindruckendes Erlebnis!

 

7. Tag: Entlang der Südküste zurück nach Wadduwa

Irgendwo unterwegs halten wir an und haben die Möglichkeit, einen Wochenmarkt zu besuchen. Einige nehmen die Möglichkeit wahr, andere nicht; ich stürze mich ins Getümmel und versinke bald darauf im Farben- und Menschengetümmel. Jeder bietet hier etwas an, egal wie alt oder jung er ist und wieviel von einer Ware er hat; Körbe voll oder nur wenige Stücke. Feste Waren liegen einfach am Erdboden, Tücher und Stoffe kauft man vom Ballen oder aus dem Karton, Fleisch und Fisch liegen auf Zeitungspapier oder Nylonmatten. Bananen und Kokosnüsse, dazwischen ein Häufchen Fisch und gleich daneben grob vorgeschnittene Fleischstücke. Davor und dahinter und daneben haufenweise Gemüse, Gewürze und Obst. Ich kann mich an dem Treiben kaum satt sehen und schnell ist die uns zugestandene Stunde um. Viel zu schnell, denn als ich wieder beim Bus bin, waren alle schon abfahrbereit man wollte mich gerade suchen gehen...

Kurz vor Galle, der von den Portogiesen gegründeten und später von den Holländern verwalteten Handelsstadt, machen wir einen Abstecher zum Strand. Hier werden mit den Einbaum-ähnlichen Holzbooten die Netze vor der Küste ausgelegt und dann vom Ufer aus eingeholt. So ähnlich wie beim Schleppnetzfischen, nur dass die Netze eben nicht hinter einem Boot her-, sondern von gut 50 Männern zum Strand zurück gezogen werden. Sieht anstrengend aus und ist es bestimmt auch. Eine weitere Attraktion dieser Gegend sind die Stelzenfischer, die mit ihren Angeln auf Pfählen im Wasser sitzen. Manche sind ja wirklich zum Fischen hier, aber bei einigen ist mir dann aus der Nähe aufgefallen, dass sie gar keine Schnur an der Angel hatten. Naja, die Touris kommen und fotografieren, und wenn sie schon mal da sind, kaufen sie vielleicht auch etwas an einem der Stände unter den Palmen. "Lockvogelfischen" könnte man das auch nennen...

Die Küste hier ist absolut paradiesisch; Sonne, Sand, Meer und Palmen glänzen in ihren jeweils schönsten Farben, das schönste Stück Strand bisher auf der Insel. Hier in Galle wird auch die Erinnerung an die schönsten alten Kolonialbauten wachgehalten; die meisten sind nun private Villen in traumhafter Lage. Das besterhaltene ist das "Closenberg", der ehemalige Wohnsitz eines hölländischen Kapitäns und jetzt eine ruhige Pension. Wir kehren ein und genießen ein ausgiebiges Essen auf der schattigen Veranda.

Damit geht diese wirklich schöne Rundreise ihrem Ende zu und am frühen Abend sind wir wieder zurück in der Villa Ocean View in Wadduwa.

 

Diese letzte Woche ist das Wetter wesentlich besser als zu Beginn; es regnet nicht mehr und es sind auch kaum mehr Wolken am Himmel. Einfach schönes Wetter! Ermutigt durch die Rundreise und die bisher gewonnenen Eindrücke, unternehmen wir noch Ausflüge auf eigene Faust oder spazieren in Wadduwa und Kalutara herum. Einmal fahren wir mit der Bahn nach Bentota und machen dort eine Bootsfahrt auf dem Bentota River, ein anderes Mal auch mit der Bahn wieder in den Süden nach Galle. Diese Stadt hat mir besonders gut gefallen, weil alle ehemaligen Kolonialmächte sich hier in unübersehbarer Weise verewigt haben; die verschiedenen Teile der Stadt sind jeweils stark portugiesisch, holländisch oder eben englisch geprägt. Auch ist die Bahnfahrt selbst schon ein Abenteuer für sich. Die klapprigen Waggons pendeln hinter der alten Dampflok die Geleise entlang, als ob diese eine Nummer zu groß wären. Mit maximal 30 km/h schlingert man durch dichten Dschungel oder durch fast bis an die Schienen herangebaute Dörfer. Manchmal hält der Zug, weil gerade jetzt fehlende Schrauben an den Schwellen ergänzt werden müssen oder sich sonst irgend ein Hindernis auf den Schienen befindet - ein hängengebliebenes Auto oder auch ein Rind, das gerade nich weitergehen mag. Bei dieser Gelegenheit kann man sich auch gleich etwas zu essen und trinken bei den Händlern kaufen, die bei jedem Halt den Zug umringen. Bei der Bahn gibt es zwei Klassen: eine bessere und eine billige, wobei diese Klassifizierung aber überhaupt nichts mit unseren gewohnten Klassen zu tun hat. "Besser" heisst, oben geschlossene Waggons mit Türen, Fenstern, Platzkarten und Sitzen; kostete etwa ATS 5,- für die 70km von Wadduwa nach Galle. "Schlechter" heisst, dass man in geschlossenen oder auch offenen Güterwaggons befördert wird, in denen nur provisorische Sitzbänke montiert sind. Ich hatte das Vergnügen, am Rückweg vom Bentota River so eine Fahrt genießen zu dürfen, weil ich den geplanten Zug versäumt hatte. Dafür war es noch billiger...

Eine Ausnahme sind jene Züge, die ausschließlich als Sonderzüge von Colombo nach Kandy geführt werden, wie zum Beispiel der "Viceroy Special"; die Strecke wird zwar auch mit Dampfloks bedient, aber eben mit erstklassig restaurierten Waggons fast ausschließlich in touristischem Auftrag.

Und auch die Fahrt mit dem Linienbus ist unvergesslich: der Zustand der Fahrzeuge schrottreif; wer in Europa mit so etwas fahren würde, käme ohne Verhandlung in eine geschlossene Anstalt. Am Armaturenbrett nur Löcher, alle Geräte ausgebaut; der Fahrer nur mit Lendenschurz bekleidet. Und der Fußboden besteht aus Holzbrettern, mit mehr oder weniger großen Spalten dazwischen. Was hier zu Boden fällt wechselt für immer den Besitzer. Es gibt aber auch noch, im innerstädtischen Nahverkehr, die so genannten "Killer Busse"; private Kleinbusse und Kastenwägen, aus denen die Menschen schon wie Trauben nach aussen hängen. Keine wirkliche Alternative.

 

Beim Durchblättern der Fotos erinnere ich mich heute noch gerne an diese schöne, abwechslungsreiche Reise.