5000 Kilometer auf rot, gelb und weiss durch Griechenland

2. - 29.9.2002

Jack: Honda Transalp XL600V Bj. ´93, original
Robert: Honda Transalp XL600V Bj. 94, diverse Umbauten

02.09.2002

4.45 Uhr Abfahrt Wien / 7.45 Uhr Spielfeld - es war arschkalt vom Wechsel bis hierher - brrr! Durchgehend Autobahn, außer die 15 km über den Trojan Pass. / 11.45 Uhr Trieste - Sonne und blauer Himmel - Sommer!!! Wir beziehen die Kabine 6001 A4/d auf der Lefka Ori.

15.00 Uhr pünktlich (!) nach griechischer Zeit legt die Fähre ab.

 

03.09.2002

Ankunft um 13.45 Uhr in Igoumenitsa. Gyros me pita + Cola in der erstbesten Hafentaverne. Ich habe noch nicht die griechische Geduld. Nach 20 Minuten hole ich mir das Zeug selbst. Über Filiates nach Lia. Bin eigentlich ein bißchen enttäuscht, der einzige Hinweis auf Eleni's Geschichte ist eine nach ihr benannte Straße. Das Dorf selbst ist eigentlich kein Dorf, sondern nur ein paar weit verstreute Häuser. Niemand zu sehen. Am Perivoli ein Rohbau. Weiter nach Vrossina und über Ioanina nach Monodendri (1100 m). Viele Höhenmeter und rasch wird es kalt. Sonne und wolkenbruchartige Regenfälle wechseln sich im Minutentakt ab. Gibt es Falken mit 1,5 m Flügelspannweite? Dann wars wohl was anderes. Gibt ja Adler hier.

Bei der Ortstafel von Monodendri verabschiedet sich Jack in die Botanik. Nicht ungefährlich, über eine steile Böschung in den Wald. Plötzlich war hinter mir niemand mehr. Ich drehe um und sehe links von mir seinen schwarzen Helm aus einem Gebüsch herausragen. Da er sitzt und das Moped noch heil aussieht, denke ich kurz daran ein Foto zu machen - habe den Gedanken aber gleich wieder verworfen. Sein Fuß klemmt unter dem kopfüber verendeten Motorrad. Abgebrochene Äste und aus der Erde geackerte Steine runden das Bühnenbild ab. Eigentlich schlimm. Wie sollen wir die 220 kg schwere Alp + 30 kg Gepäck über diese Klippe wieder hochbringen? Sind ja doch gute 3 m steil aufwärts. Der liebe Gott schickt uns zwei Engel in Form von Albanern vorbei und zu viert hieven wir die Alp auf die Straße zurück. Das hätten wir zu zweit nie geschafft. Danach folgt therapeutische Behandlung von Jack, kombiniert mit mechanischer Behandlung der Transalp. Die komplette Verkleidung muß runter, was ja ohnehin schon fast erledigt war. Das "Geweih" ist verbogen, einiges an Plastik kaputt. Mit Spannriemen, einem Strommast, viel Geduld und vereinten Kräften biegen wir alles wieder gerade und schrauben die lädierte Verkleidung wieder halbwegs fest. Was hätten wir sonst diese drei Stunden lang getan? Gemütlich gegessen? Einen netten Abend gehabt? Oder uns einfach nur ausgeruht? Nein, nein! Bei Einbruch der Dunkelheit war alles erledigt und nichts war so wie vorher. Jack war ziemlich "stadschauad" in Anbetracht seiner "Wie komm ich bloß um diese Kurve" Krise. Außer einem riesen blauen Fleck am linken Fuß - vom Knöchel bis zur kleinen Zehe - bleibt nur mehr ein gewisser Respekt vor Kurven aller Art. Das schlägt sich auf unsere Reisegeschwindigkeit nieder. Ich verstehe es, denn ich hätte auch mächtig Schiß vor allen Abweichungen von einer Geraden nach so einem Ausritt. Da war Riesenglück dabei, daß nicht mehr passiert ist.

Hotel VIKOS - absolute Ruhe, keine Menschen, keine Autos. Nichts. Nur Grillen und Geräusche des Waldes.
Zimmer mit Frühstück Euro 40,--

 

04.09.2002

Strahlend blauer Himmel - 10 Grad Celsius.
8.00 Uhr ich gehe zur VIKOS-Schlucht. Diese steht im Buch der Rekorde, wegen ihrem Verhältnis von Tiefe / Breite. Sie ist 900 m tief und 1000 m breit. Nach ca. 700 m komme ich zum Kloster.
Herrlicher Blick in die Tiefe, Nebel zieht durch die Schlucht. Langsam kommt die Sonne. Am Kloster ist ein Weg zur alten Brücke beschildert. Dieser geht der Schluchtwand entlang, in den Fels gehauen. Wird immer schmäler, teilweise sind weggebrochene Stücke durch alte Bretter ersetzt. Irgendwann wird mir der Weg zu schmal, 0,5 m Breite bei mehreren hundert Metern Tiefe - man muß auch schon gebückt gehen, weil sich die Felswand so nach aussen wölbt. Plötzlich ist der Weg aus. Es geht überall runter. Ich kehre um - keine alte Brücke hier für mich.

Fahrt nach Oxya. Ein paar Kilometer nach Monodendri, nur Schotter und Steine. Tolle Landschaft. Die Straße endet am Rand der Schlucht: Grandioser Ausblick!!!

An einer Tankstelle entdecken wir ein Moped: PINNEBERG, 118 ccm, 4 PS, Baujahr 1957

Am Weg nach Kipi plötzlich die gesuchten Brücken! An der ersten fahren wir vorbei - dann aber die zwei bekannten. Die 3-Bogenbrücke schickt meinen rechten Seitenkoffer zu den Ahnen. Selber Schuld - warum muss ich auch versuchen, hinüber zu fahren???.

Es sieht schon wieder wolkig aus, ist aber irre heiß - 33 Grad Celsius.

In Kipi das erste richtige Kafenion - typisch, mit alten Männern und so. Weiter nach Negades, Frangades (dort ist denen der Asphalt ausgegangen, es sind immer einige hundert Meter asphaltiert, dann wieder nicht, wieder schon, ...), ziemlich schlechte Straße nach Leptokaria, aber noch gut befahrbar. Haben ja tolle Enduros! Von hier wollen wir nach Kavalari und diese Fahrt werden wir beide unser Leben lang nicht vergessen. Luftlinie 15 km - wir waren 5 Stunden unterwegs und haben 50 km zurückgelegt. Das war Enduro vom Feinsten: Waldwege, Schotter, lehmige Pfade sausteil! Regenrinnen in den Wegen, daß die Rasten aufsitzen, immer und überall rutschig und naß, teilweise sumpfige Abschnitte mit Gras bis zum Lenker, mindestens 20 Bachquerungen, stellenweise überhaupt im Bachbett unterwegs, Schlammlöcher bis auf Achshöhe, ... Zu Beginn wars ja lustig, aber ab 16.00 Uhr waren wir mit den Gedanken bei einer Nacht im Freien, ohne Verpflegung. Alle paar hundert Meter eine Abzweigung, aber keine Orientierungshilfe, nur Wald und Wald und Berge. Wir haben uns einfach nach Süden gehalten und versucht, bergab zu kommen. Jack hat das Motorrad zwei oder drei Mal hingelegt. Verkleidung kaputt, Spiegel kaputt, Frust, keine Kraft mehr - es war nach dieser langen Zeit für beide von uns schon nicht mehr einfach.

Um 18.30 Uhr kamen wir bei Karies wieder auf Asphalt - juhu!!! Dann gings flott nach Metsovo - 31 km nur Kurven, kein einziges gerades Straßenstück. Liegt ziemlich hoch. Morgen geht's über den Katara Paß (1705 m). Heute hat sich mein Moped einen Raki verdient.

Ergänzung: der, der uns den Weg nach Kavalari gezeigt hat, konnte uns eindeutig nicht leiden. Auf diesem Weg ist schon seit langer Zeit niemand mehr gefahren; hoch verwachsen, Bäume und Äste, teilweise schon vermodert, quer über den Weg und manchmal wußten wir nicht mehr, ob der Weg durch das Bachbett führt, oder der Bach aus Bequemlichkeit einfach den Weg entlang fließt.

Es muß in dieser Gegend vor kurzem massiv geregnet haben, denn teilweise war die Wege metertief ausgewaschen. Das Wetter war eigentlich immer am kippen, dicke Wolken und Donnergrollen waren unsere ständigen Begleiter. Ich denke, wir hatten ziemliches Glück, daß sich die Wolkenbrücke von gestern heute nicht zu uns gesellt haben, denn dann wäre die Strecke für uns nicht mehr befahrbar gewesen. Es war so schon extrem genug. Als wir wieder auf Asphalt über eine wackelige Holzbrücke gefahren sind, habe ich ein Schild gesehen: "Vorsicht Fluß kann binnen kurzer Zeit gefährlich anschwellen. Brücke dann nicht befahren!" Und was, wären wir dann noch im Flussbett unterwegs gewesen? Na wui ...

Jack's Antwort auf bellende Hirtenhunde: "Mir haum nix zum Fressen und mir san nix zum Fressen. Oiso schleich di!"

 

05.09.2002

9.45 Uhr Abfahrt zum Katara Paß.

Eigentlich wundert es mich, warum Jack mit der ersten Zigarette wartet, bis er wach ist. Er könnte sich ja schon im Schlaf eine anrauchen ...? Automatisierter Ablauf? Der Mensch ist doch lernfähig!

Die Fahrt von Metsovo bis zum Flachland nach dem Katara Paß ist super. Die Straße toll ausgebaut - kein Vergleich mit dem Abschnitt davor. Schöner Asphalt, breite Fahrbahn und kaum Verkehr in unserer Richtung. Es gibt allerdings Regeln, die sollte man beachten, sonst wird man im griechischen Straßenverkehr nicht als vollwertiger Teilnehmer akzeptiert. Z.B.: Blinke nie! Überhole nur in unübersichtlichen Kurven! Und überfahre die doppelte Sperrlinie so oft und so weit, wie nur irgend möglich!

Die Strecke bis Kalambaka / Meteora ist gut und easy befahrbar. Die Kilometer laufen herunter und dann sieht man auch schon die hohen Felsen von Meteora. Dort dann Verkehrschaos pur. Die sich hinaufwindende Straße ist voll mit Fußgängern und Autobussen, bergauf - bergab. Die Klöster absolut sehenswert, sowohl von Innen als auch von Außen. Kletterer haben wir auch gesehen.

Ach ja, der Katara Paß, die höchste Passstrecke Griechenlands, ist einfach eine unscheinbare Kuppe inmitten von zig-millionen Kurven.

Alles hier ist auf Massentourismus eingestellt. Da wir aber solche Lokale meiden und uns lieber in kleinen Kafenions stärken, müssen wir uns auch mit den dortigen WC-Anlagen abfinden. Da gewinnt die "Schranz-Hocke" wieder an Bedeutung ... Und es bewahrheitet sich: Erst den Spülknopf drücken, wenn die Türe (nach Innen aufgehend) offen und der Fluchtweg frei ist! Sonst gibt´s nasse Füße...

So wie es aussieht, haben wir auch die Wetterscheide passiert. Seit dem Pindos trockenes Klima und viel heißer.

15.00 Uhr Rauch- und Kaffeepause in Nikea, an der Autobahn. Die Kilometer bis hierher sind nur zum Fressen. Heiß, breite Straße, schnurgerade. Aber es geht flott dahin.

Ergänzung zum Katara-Pass: die neue, dicke, weiße, doppelte Sperrlinie hat scheinbar doch noch eine Aufgabe bzw. stellt eine Herausforderung dar: Wie weit kann man eine fünf Milimeter dicke, frische Farbschicht zu einem klebrigen, rutschigen Streifen "zerfahren"? An manchen Stellen bis zu einem Meter! Früher gab es "Weißwandreifen" - hier sind scheinbar "Weißprofilreifen" aktuell!

Die Landschaft hat sich mittlerweile grundlegend geändert: vom alpinen, grünen, bergigen, kühlen Nordwesten zum mediteranen, trockenen, vegetationsarmen, typisch griechischen.

Ohne Unterbrechung - nur Kaffee-, Rauch- und Lulupausen - geht es durch bis Platania am Südende des Pilions. Nach 300 km hatten wir auch leider keine Augen mehr für die Schönheit dieser Halbinsel. Soviel ist sicher: Volos besteht nur aus Hafen und Industrie. Und auch die Westküste des Pilion kann mich nicht sonderlich begeistern. Hier in Platania haben wir erst mal gleich nach der Ankunft ein Bierli mit Tsipouro in einem netten, kleinen Lokal zu uns genommen. Und siehe da - ein Teller mit Meze war auch dabei, weil "es dazu gehört". Ganz und gar nicht mehr selbstverständlich, im tourismusverwöhnten Griechenland. Den heutigen Abend werden wir ausgiebig genießen. Es gibt jede Menge Gelsen hier - ich hasse Gelsen.

Ergänzung: Ich habe noch nie gesehen, daß man Heizkörper über der Türe, an der Zimmerdecke montiert. Greece is different ... Da fällt mir die Werbung mit der Steckdose (CA?) ein: "Ich sagte 20 cm ... !"

 


06.09.2002

Ruhe, spazieren, baden. Platania ist das urkleine Kaff. So überhaupt nichts los. Angenehm. Ein kleiner, aber netter Strand. Als uns zu heiß wird, ziehen wir uns in die "2. Reihe" zurück und liegen im Gras, unter Oliven- und Orangenbäumen. Das einzige, dasmich manchmal aus meinem Dös-Zustand holt, sind die Oliven, die auf mich herunterfallen (Anmerkung von Jack: Oder wenn das Handy wieder mal sms't). Der auffrischende Südwind hat auch die dicken Wolken, die ab Mittag sich so drohend über die Berge herüber gewälzt haben, wieder komplett vertrieben.

Am Abend waren wir im Nachbardorf, das so heißt wie es ist: MIKRO. Klein. Etwa 15 Minuten Fußmarsch, der Küste entlang, über einen ziemlich schroffen Weg, so 30 bis 40 m über dem Meer. Bei Dunkelheit ohne Taschenlampe absolut ungehbar. Wunderschöner Strand, vielleicht fünfzehn Häuser und zwei Lokale - beide geschlossen. Da hier die Saison vorbei zu sein scheint, hat man nur noch für die Tagesausflügler, die mit den Booten von Platania herübergeschifft werden, offen. Abends ist hier keine Menschenseele anzutreffen. Also Retourmarsch und wieder in unser "Stammlokal" auf Bier und Tsipouro - den Abend gemütlich ausklingen lassen.


07.09.2002

Um 9.00 Uhr geht's ab Richtung Volos, die Ostküste des Pilion hinauf. Die Straße schlängelt sich hoch an den steilen Flanken des Gebirges entlang und wieder hat man einen beeindruckenden Blick in die Tiefe auf das Meer. Wassermangel kann die Region nicht kennen. Die hohen Kämme, die immer wieder zu überqueren sind, sind zwar felsig und kahl, aber die tiefen Täler dazwischen sind so üppig grün, daß es schon aussieht wie in einem Märchenwald. Man fährt durch einen dunklen, grünen Kanal; Moos bis an den Straßenrand und ein sich über der Straße schließendes Blätterdach. Tsangarada liegt ganz nett; obwohl es mit Tavernen und Hotels vollgestopft ist, hat es sich doch noch sein nettes, natürliches Aussehen erhalten. Frappeepause, dann weiter nach Hania. Ich komm mir vor wie im Regenwald. Wolken, Nebel, Moos und Farne an jedem Baum, auf jeder freien Bodenfläche, bis zum Straßenrand. Hania liegt an höchsten Punkt der Strecke. Ab hier geht es abwärts Richtung Volos. Jetzt weiß ich auch, warum 40 km Luftlinie 120 Straßenkilometer sein können, für die man dann auch noch drei Stunden braucht. Wer nicht Kurven fahren kann, der lernt es hier oder nirgendwo. Volos + Lamia: Kaffeepause, häßlich. Und für beide Städte gilt: Es ist nicht möglich, eine Umfahrung zu beschildern. Beide Stadtumfahrten werden zu Stadtdurch- bzw. -rundfahrten, kosten jeweils mindestens eine halbe Stunde. Dem drohenden Regen sind wir immer eine Nasenlänge voraus. Bis Lamia nun gerade und trostlos dahin, danach ändert sich die Landschaft wieder, ins alpine. Bei Timfristos geht's dann bergauf. Das Dorf, das an einem steilen Hang liegt, wird auf mindestens 20 Kehren durchfahren - beeindruckend. Auf der Strecke weiter nach Karpenissi durchfahren wir auf etwa 1300 m Höhe den 1,4 km langen Timfristos-Tunnel. Ab hier ist es schweinekalt. Karpenissi, abgrundtief häßlich, versetzt uns so eine Breitseite, daß uns selbst das Unwetter, das uns nun doch endlich eingeholt hat, nicht davon abhalten kann, weiterzufahren. Zuerst nach Mikro Horio - kein Zimmer. Aber in Megalo Horio kommen wir im Hotel Antigoni unter. Zu meiner Überraschung die schönsten Zimmer, die ich je in Griechenland hatte. Toll! Und nur Euro 35,-- / DZ!

Haben einen gemütlichen Spaziergang durch das Dorf gemacht. Jack meinte, das ist hier so wie bei uns in Tirol, nur daß die Leute nicht tirolerisch sprechen. Aber das wäre eh egal, denn verstehen tut man weder die Einen noch die Anderen... Um in unser Zimmer zu gelangen, müssen wir durch den Uhrturm gehen.

Essen waren wir in dem einzigen Lokal, der einzigen Taverne im Dorf hier. Uuuurgemütlich, aber etwas problematisch zu Beginn. Wir wurden immer mißverstanden. Bei der Bestellung von zwei Bieren bekamen wir immer nur eines, wurden dann aber jedes Mal gefragt, ob wir es hier trinken wollen oder doch mitnehmen. Dieses Problem hat sich mit der Zeit gelöst - weiß aber nicht warum - und das Essen war ausgezeichnet. Spießchen, Salat, Lammkoteletts, Beilagen, dann wieder ein Bierli und ein Tsipouro, ... Ich glaube wir waren das Tagesgespräch hier. Zum Abschluß wurden wir noch vom Dorfpopen auf ein Bier eingeladen.

Zurück im Zimmer, weiß ich auch, warum hier dicke Decken zur Ausstattung gehören. Ich schlafe heute sicher mit Sweater. Es ist wieder einmal ein kalter Abend. 15 Grad Celsius ohne Heizung ...

Ergänzung: Ich finde es super, daß es Hinweistafeln gibt wie "Schneeketten anlegen" oder "Vorsicht, eisige Fahrbahn". Aber müssen diese Schilder auch im Sommer stehen? Genauso wie die Schneestangen am Fahrbahnrand ...

 

08.09.2002

(welcher Feiertag in Griechenland?)

Nach ausgiebig Schlaf - es ist ja Sonntag - geht's los Richtung Proussos. Die Straße ist wider erwarten gut befahrbar, bis auf den Umstand, daß Felsstürze in diesem engen Tal zur Tagesordnung gehören dürften. Es vergehen keine 100m, ohne daß mehr oder weniger Geröll auf der Straße liegt. So steinerne Fußbälle etwa. Die Fahrt ist aber sehr schön, immer wieder geht's über unzählige Kurven steil hinauf und dann wieder durch engste Schluchten runter. Wir kommen immer wieder an kleinen, alleine stehenden Tavernen vorbei und überall das selbe Bild: Lamm am Spieß, Kokoretsi vom Grill und das Lokal zum Bersten voll. Griechisches Sonntags-Festmahl. Die ganze Familie geht fein gekleidet aus. Die Gegend hier ist so abgeschieden und trotzdem sind diese versteckten Tavernen so voll. In Kato Lampiri machen auch wir Pause und genießen herrlich gutes Kokoretsi. Das wird nicht Portionsweise serviert, sondern nach Gewicht im Papier zu Tisch gereicht. Brot, Besteck und ein Haufen Fleisch am Tisch. Und es schmeckt sooo gut. Als ich die zwei Portionen bezahlen will, sagt der Wirt, daß sie hier keine Räuber sind und nach Gewicht berechnen. Kaffee, Getränke und Essen für uns beide € 6,-. Während wir hier sitzen und uns sauwol fühlen, werden 2 Lämmer und ein ganzer Spieß Kokoretsi verteilt.

Die Fahrt weiter nach Thermo ist zeitweise wieder ziemlich abenteuerlich. Die Straße ist sehr schmal, manchmal zu schmal für unsere beladenen Motorräder und ein allfällig entgegenkommendes Auto. Verschärft wird diese Situation durch die Tatsache, daß dort, wo rechts der Asphalt aus ist, auch der Boden aus ist und es ohne Zwischenstopp gut 20m ins Flußbett hinunter geht. Wenn ich während der Fahrt runter schaue, bekomm ich schon ein flaues Gefühl in der Magengegend und Jack bevorzugt den "englischen" Stil - links fahren.

Weiter geht es dann ab Thermo in gewohnter griechischer Landschaft; bergauf, bergab, aber schön geschwungen und weich. In Nafpaktos sind wir nach zwei Tagen endlich wieder am Meer. Schön. Eigentlich eine halbwegs große Stadt, gefällt es mirhier trotzdem sehr gut. Freundlich, sauber, hell, nicht so trist und grau wie anderswo. Das Kastell über dem Hafen, nette Lokale an den alten Wehrmauern, alles sieht ordentlich aus. Wenn wir nicht noch gute 100km vor uns hätten, würde ich gerne hier Quartier machen; dann wäre aber die morgige Etappe nach Piräus zu lange. So geht es nach einer gemütlichen Kaffeepause am Strand weiter nach Eratini, wo wir, ca. 50 km vor Itea, Quartier beziehen. Wir gehen noch an den Strand und mir fällt auf, daß wir wieder einmal die einzigen Touristen hier zu sein scheinen. Alle Lokale leer und kein Mensch am Strand.

Ach ja, wir sind wieder mal wo gefahren, wo laut Karten keine Straße ist: Von Proussos nach Kato Lampiri. Aber alles Asphalt.

 

09.09.2002

Der erste richtig sommerliche Morgen. An Jack's Thermometer stehen 31 Grad Celsius. Die 50 km bis Itea sind schnell heruntergestrampelt. Immer am Golf von Korinth entlang, allerlei kleine Dörfer und Siedlungen. Kaffeepause in Itea. Dann geht's rauf in die Berge nach Delfi. Die Anlage liegt beeindruckend, die Dame (die vom Orakel) hat sich damals ein schönes Plätzchen für ihre Weissagungen ausgesucht! Es ist Gott sei Dank - hier und jetzt aber leider - heiß geworden, mein Ledergwandl klebt an mir. Wir laufen die ganze Anlage rauf und runter, lassen nichts aus und düsen nach zwei Stunden weiter.

Es geht wieder mal über Kurven und Kurven und Kurven ins Gebirge, aber diemal nicht gar so hoch. Arahova im Parnassos-Schigebiet ist ein nettes Dorf am Scheitelpunkt. Die Straße schlängelt sich wieder runter ins Flachland bis nach Livadia. Ab hier bis Thiva geht es öde, flach und gerade dahin. Reines "Kilometerfressen". Von Thiva nach Süden, nach Mandra, wird es wieder ein bißchen interessanter. Hügelig, kurvig, rauf und runter, gut asphaltiert. Nur leider viel Schwerverkehr unterwegs. Und ein Haufen Wahnsinnige! Wenn ein Betonmischer (!) trotz doppelter Sperrlinie (!!) und Gegenverkehr (!!!) überholt, ist's am besten, abbremsen und schauen was rauskommt. Staub, gehupe, alles wieder vorbei. Ein bißchen später kommt mir dann ein Golf mit quietschenden Reifen in einer Rechtskurve auf meiner Seite entgegen...

Irgendwann ist dann Athen in Sicht. Tangentenähnlich wälzt sich die Lawine durch eine Smogwolke, die Ihresgleichen sucht. Die ungefähre Richtung kennen wir, totzdem kostet uns die Passage von Aspropirgos bis Piräus eine Stunde. Endlich stehen wir erschöpft am Hafen beim Schiff und sind heilfroh, hier zu sein. Und da kommt auch schon unser tägliches Gewitter... Endlich wieder patschnass... Eine halbe Stunde später und wir wären schon am Schiff gewesen. Aber immer noch besser als eine halbe Stunde früher und wir hätten bei so einem Wetter durch das Verkehrschaos müssen. Schnell noch ein Ticket kaufen (pro Person Euro 23,50, je Motorrad Euro 22,--) und rauf auf die Fähre, nach Agios Nikolaos/Kreta. Und ab morgen 7.00 Uhr wird es hoffentlich nur mehr Sonne für uns geben!

 

10.09.2002

7.15 Uhr Ankunft in Agios Nikolaos nach einer halb durchwachten Nacht in der Pullman-Klasse. 23 Grad Celsius und wieder Wolken. Wir können keine Wolken mehr sehen. Weil es Richtung Sitia wieder einmal - na was wohl? - genau! - schwarz und weltuntergangsmäßig dunkel wird, machen wir Pause in Mohlos. Das ist ein ganz kleines, aber ausgesprochen nett hergerichtetes Dörfchen, eigentlich nur eine 20 m breite Bucht mit einigen Häusern herum. Jedes davon mit Zimmer oder Taverne. Aber trotzdem schön und urig. Frühstückspause. Das üppige Omelette hat uns beiden sehr gut geschmeckt und vielleicht gerade deswegen sind wir beide froh, endlich Sitia zu erreichen. Das Essen drückt nicht nur auf die Magenwände, sondern auch auf die Augenlider und so ist ein Frappee dringend notwendig.

Nach der erholsamen Pause geht es weiter zum Kloster Toplou, wo wir uns aber nur kurz aufhalten. Von uns verlangt man, daß wir angepaßt gekleidet sind um hier nichts zu entehren, und das Pärchen an Kasse und Eingang beschimpft sich typisch griechisch aufs Wüsteste, weil man uns nicht gleich an der ersten Tür die € für den Eintritt abgeknöpft hat. Daraufhin machen wir am Absatz kehrt, Foto hab ich ja schon, zahlen gar nicht und fahren weiter. Durch die trostloseste Ecke Kretas geht es an den "Wunderstrand" Vai. Zahlen für den Parkplatz, zahlen für den Strand, Massen an Menschen. Nun kann ich zumindest auch sagen: "Ich war mal hier!" Denn mehr als ein Foto werde ich von hier nicht mitnehmen.

Nach einer schönen Fahrt über Palekastro und Zakros erreichen wir Kato Zakros. Wieder mal genau das was ich suche. Ein ganz kleines Nest, maximal 20 Häuser, 18 Touristenzimmer und 9 Gänse. Zum Tagesabschluß gibt es hier den ersten Tsikoudia und dazu Fangri vom Grill (€ 35,--/Kilo) - etwas teuer, aber trotzdem megamampf!

 

11.09.2002

Ächz. Halb neun und schon 26 Grad Celsius. Um 10.00 Uhr geht es los. Die Schotterpiste von Kato Zakros nach Xerokambos ist problemlos zu befahren. Ab hier schlängelt sich die Straße in unzähligen Kehren in die Berge rauf nach Plagias. Toller Ausblick! Es geht wieder bis auf über 800 m hoch, und dann bei Goudouras wieder an die Küste runter. Über Ierapetra, die südlichste Stadt Europas, fahren wir nach Kritsa. Dir Kirche Panagia Kera ist wegen der gut erhaltenen Fresken einen Besuch wert. Weiter geht's Richtung Lassithi-Ebene. Schöne Strecke, aber leider die ganze Hochebene im Dunst. Schade, wäre sonst ein toller Ausblick.

Von hier geht's direkt nach Agia Galini, worauf wir uns beide schon sehr freuen. Die Fahrt ist aber sehr anstrengend, weil wir uns ab Kastelli immer wieder in den kleinen Dörfern verfranzen. Brauchbare Beschilderung scheint es hier nicht zu geben und der Straßenverlauf deckt sich nicht immer mit unseren Karten. So fahren wir dann einfach Richtung Westen. Die täglichen Gewitterwolken hängen uns schon wieder im Nacken und die schlechten Straßen und ziemlich heruntergekommene Dörfer laden uns nicht mehr zum Anhalten ein. Ziemlich erschöpft und froh, endlich da zu sein, erreichen wir um 19.30 Uhr Agia Galini. Hier wird erst mal ein paar Tage Pause gemacht. Zimmer bei Nikos, Pension Stelios, am Abend alle mal besuchen, Miro und einiges an Raki.

 

15.09.2002

10.15 Uhr - ich bin am Gipfel des Psiloritis, mit 2456 m der höchste Gipfel Kretas. Es ist schon ein wunderbares Gefühl hier oben zu stehen! Es ist zwar etwas dunstig aber trotzdem kann ich sowohl die Süd- als auch die Nordküste gut sehen. Beides zum Greifen nah! Ich bin etwas überrascht, denn hier oben ist alles voller Marienkäfer, unzählige! Der Wind bläst ziemlich heftig aus Süden, aber an den Mauern der Kapelle, die eigentlich auch eine der "Mitades" ist, läßt es sich aushalten. Es stehen mehrere dieser igluförmigen Steinhütten am Weg herauf, als Unterkünfte für Schäfer und Jäger. Ein paar Dohlen oder Krähen vollführen ihre Flugkunststücke im harten Aufwind, sonst ist nichts zu hören und zu sehen. Warum sind hier so viele Marienkäfer?

Um sieben bin ich vom Hotel weg nach Lochria gefahren. Von dort führt eine schlechte Straße hinauf zur Kotilas-Alm auf etwa 1700 m. Dort bin ich um 08.15 Uhr abmarschiert. Weg gibt es natürlich keinen, also einfach gerade Richtung Gipfel. Es geht immer wieder auf und ab und ich mache einige zusätzliche Höhenmeter. Am Anfang fällt die Orientierung leicht, man sieht nach hinten immer die Hütte auf der Alm und nach vorne meistens auch den Gipfel. Aber dann kommt eine Strecke, wo man eigentlich nur nach Gefühl die Richtung hält. Immer loses Gestein, fast wie eine Mondlandschaft. Als ob der Berg aus Geröll aufgeschüttet wäre. Und dann plötzlich: wumms, der letzte Anstieg und oben drauf die Kapelle. Hier sehe ich die ersten Markierungen, gelb-schwarze Richtungspfeile.

Ich war mir am Morgen nicht sicher, ob ich gehen sollte. Der Gipfel war zwar nicht direkt in Wolken gehüllt, aber etwas höher hing eine dicke Decke. Ich wollte mich erst am Ende des Fahrweges entscheiden. Da war es dann auch noch bewölkt, aber nach einer Stunde klärte es komplett auf und die Sonne hat gezeigt, was sie kann. Erst am Rückweg zieht es wieder zu. Den Weg zurück gehe ich entlang der gelb-schwarzen Markierungen und der Weg führt am Nordhang entlang bis zur Abzweigung auf die Nida-Ebene. Von dort muß ich wieder einige Höhenmeter aufsteigen und endlich, ziemlich k.o., erreiche ich wieder die Ebene, auf der ich mein Motorrad abgestellt habe. Fahrt zurück nach Agia Galini und die Füße ins Wasser stecken. 2,5 Stunden rauf und 2 Stunden runter, ist für die Offroad-Variante des Weges ganz gut.

Am Abend treffe ich Jannis im Cafe "Miro". Wir haben Anfang der 80er zwei Jahre gemeinsam auf seinem Kaiki gearbeitet. Aber das ist eine andere Geschichte ...

 

die nächsten Tage verbringen wir hier in Agia Galini. Von hier aus machen wir einige kleine Ausflüge.

Agios Jorgos
Triopetra (18.00 Uhr 34 Grad Celsius, gutes Essen, Riesenportionen und spottbillig, tolle Wellen und angenehm ruhig ...)
mit Werner obligatorisch nach Kentrochori (Agamemnon´s Taverne - Schnecken, Ziege, Huhn, gebackene Pilze, gefüllte Paprika, Erbsenpüree, Paximadia mit Tomaten, griechischer Salat, Spinat, Würste, ...)
Moni Arkadi.

 

19.09.2002

09.30 Uhr Abfahrt von Agia Galini. Es geht über Spili nach Mixorouma und von hier durch die Kourtaliotiko-Schlucht Richtung Plakias. Wir fahren aber nicht in den Ort hinunter, sondern am Berg entlang bis nach Kato Rodakino. Die Strecke ist schön, man fährt immer hoch über der Küste und hat einen tollen Ausblick. Weiter geht's über Frangokastello nach Hora Sfakion. Ab hier wird die Strecke wieder sehr interessant. In vielen Serpentinen schlängelt sich die Straße durch die mächtige Imbros-Schlucht hoch, bis die Landschaft wieder alpinen Charakter angenommen hat. Die 40 km bis nach Vrises sind einfach toll zu fahren. Am Horizont sind die Inseln Gavdos und Gavdopoula gut zu erkennen. Weil uns beiden nichts an breiten, viel befahrenen Straßen liegt, bleiben wir auf der alten Straße nach Chania. Plötzlich sind wir fast "eingeräuchert"; an einer großen Lichtung neben der Straße versehen zwei Köhler ihr Werk. Interessant zu sehen. Vorbei an Chania, erreichen wir um 17.30 Uhr Kastelli/Kissamos und quartieren uns ein. Eine durchwegs sehr schöne Strecke und hier in Kastelli ist scheinbar noch immer so wenig los wie vor acht Jahren. Ruhig, klein, sauber.

 

20.09.2002

Ausflug nach Gramvoussa. Um 09.30 Uhr geht es mit dem Ausflugsboot ab Kastelli Richtung Gramvoussa. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten und führt um die steile, zerklüftete nordwestliche Küste von Kreta herum, bis in die Lagune von Balos, auch Tigani genannt. Dort eine schöne Lagune: man geht und geht und geht und ist kaum bis zu den Waden im Wasser. Die zwei Stunden dort vergehen wie im Flug und so werden wir mit den kleinen Motorbooten wieder auf das Schiff zurückgebracht und weiter geht's zur Insel Gramvoussa, auf der die Überreste einer Festung thronen. Mit einer Flasche Wasser bewaffnet marschieren wir los, aber die 140 Höhenmeter sind in kaum 10 Minuten geschafft und der Ausblick entlohnt für jeden steilen Schritt. Ein grandioser Rundumblick tut sich auf: auf der einen Seite die Lagune, dahinter die 750 m hohen, steil, von der Küste weg ansteigenden Berge, zur anderen noch einige genauso schroffe, vorgelagerte Inseln und rundherum Meer in allen nur erdenklichen Blautönen. Die Südküste der Insel fällt 140 m so gut wie senkrecht ab, kein Wunder das man auf dieser Seite der Festung auf Mauern verzichtet hat und diese trotzdem viele Jahrzehnte uneinnehmbar war. Nach einem schönen Rundgang entlang der teilweise gut erhaltenen Mauern geht's wieder runter zum Schiff und wir legen bald wieder ab. Um 17.00 Uhr sind wir wieder zurück in Kastelli und es war ein sehr schöner Tag.

Hier in Kastelli gibt es, direkt an der Platia, eine kleine Tischlerei, wo diese herrlich unbequemen, typisch griechischen Holzsessel gebastelt werden.

 

21.09.2002

Von Kastelli aus, der alten Straße entlang, Richtung Chania. Irgendwann schlängelt sich die Straße ins Hinterland und es wird wieder bergiger. In der Schlucht von Topolia fahren wir dann durch einen wechselseitig befahrbaren, ampelgeregelten Straßentunnel! Die Hänge sind hier leider von einem der immer wieder wütenden Feuer kahlgebrannt. Bei Vlatos steht eine angeblich 1400 Jahre alte Platane - egal ob das jetzt stimmt oder nicht, der Stamm des Baumes ist beeindruckend. An der Basis sicher an die fünf Meter Durchmesser. Ab hier wird es total grün. Oliven, Kastanien, Zitronen, Orangen, Nüsse, Maulbeeren, Palmen und zwischendurch immer wieder Wein. Sehr schön und geschmeidig schlängelt sich die Straße durch die Landschaft. Kaffeepause in Plemeniana, wo wir wieder auf die "Hauptstraße" nach Paleohora kommen.

Paleohora hat sich in den vergangenen 15 Jahren nicht wirklich verändert. Ein paar Häuser dazu, der Hafen größer, aber das war's schon. Na ja, und der Strand voller Schirme, wie Jesolo. Wir stärken uns mit Gyros me Pita, spazieren eine Runde durch die Stadt und fahren weiter, weil ja Elafonissi lockt. Wider Erwarten ist die Straße gut und neu asphaltiert und so geht es flott den Berg hinauf, Richtung Azogires. Und da ist dann auch Schluß mit der Straße. Endlich wieder schöner Schotter! Die 15 km bis Elafonissi holen wir uns zwar keine Staublunge, aber ein grauer Film bedeckt uns doch, als wir dann unten sind.

Irgendwie erinnert es mich hier an Vai. Viele Leute, ganz nett, aber es reicht mir, das mal gesehen zu haben. Und mit der Lagune von gestern, Balos, kann das hier sowieso nicht mithalten. Kein Vergleich. Wir verschieben unseren Badenachmittag auf später, nach Falassarna. Ein bißchen herumschauen, dann fahren wir weiter.

Kurz darauf sind wir beim Kloster Hrissoskalitissa. Klein und nett anzusehen, liegt es an der Küste, verschachtelt zwischen die Felsen gebaut. Von hier geht es über eine alte, schmale Straße hinauf in die Berge Richtung Vathi. An einer "Snack Bar" am Straßenrand machen wir Pause - so eine Art Western-Kutsche. Die erste Budl in meinem Leben, wo ich nicht raufsehe - also zumindest, seit ich alleine fortgehen darf. Toller Ausblick auf die Serpentinen, die uns wieder hinuter führen. Jack meint, daß durch den Staub der letzten Kilometer meine Haare noch ein bißchen grauer geworden sind. So a Schas.

Nach einigen weiteren - wieder schönen - Kilometern der alten Straße entlang, durch Dörfer, wo man am Ortsanfang schon das Ortsende wieder sehen kann, erreichen wir das letzte Ziel des heutigen Tages, Falassarna. Normalerweise mag ich Sandstrände nicht so sehr. Aber hier ist so viel weicher Sand, daß es einfach toll ist. Ein wirklich würdiger Abschluß der schönen Tage auf Kreta!

 

22.09.2002

Um 05:00 Uhr aufstehen! Und das am Samstag, im Urlaub! Schnell haben wir gepackt und fahren rüber zum Hafen. Dort ist natürlich noch Sperrstunde. Aber um halb sieben dürfen wir endlich auf das Schiff. Da hätten wir ruhig um eine Stunde länger schlafen können. Abfahrt 07:00 Uhr. In der aufgehenden Sonne ein letzter Blick zurück auf Kreta; noch einmal die "wilde" und die "zahme" Gramvoussa, die beiden Halbinseln um Kastelli, sehen. Und während Kreta im Dunst verschwindet, ist schon deutlich Antikithira zu sehen, unsere erste Zwischenstation. Dann doch nicht, Antikithira laufen wir nicht an, es geht direkt nach Diakofti / Kithira - nun aber doch Antikithira. Scheinbar weiß auch die Besatzung nicht ganz genau Bescheid über den Fahrplan und die Route. Das Anlegemanöver hier ist jedenfalls einzigartig. Die winzige Mole liegt am Ende eines kleinen "Fjordes" und gewendet wird erst drinnen, vor dem Anlegen. Allerdings dürfte das Schiff nicht viel größer sein, denn viel mehr als 15m vorne und hinten waren nicht zwischen Bug, Heck und den Felswänden! Kehrwendung am Strand quasi! Der Hauptort, Potamos, besteht aus ca. 20 Häusern. Gleich wird wieder abgelegt und los geht's nach Kithira. In Diakofti gehen wir von Bord, die Fähre fährt weiter nach Githio und wir quer durch die Insel zum zweiten Hafen, Agia Pelagia. Weil wir noch genügend Zeit haben, machen wir einen Abstecher zum ehemaligen Kloster Paleochora. Von der Lage her toll, gibt es aber nur mehr einige Mauerreste und wenige Gewölbe zu sehen. Allerdings sind an manchen Ecken noch die originalen Fresken aus dem 14. Jahrhundert gut zu erkennen. Doch das scheint hier niemanden zu kümmern, alles bröckelt und fällt ab. Nach einem Rundgang durch die Anlage fahren wir die Schotterstraße zurück und weiter zum Hafen. Ticket haben wir noch keines und der Schalter ist ab 01.09. geschlossen. Aber wir werden am Schiff schon eines bekommen. Jetzt erst noch eine Kleinigkeit essen und vielleicht noch ein Stündchen Schlaf am Strand. Bis zur Fähre um 17.20 Uhr haben wir noch über 2 Stunden Zeit.

Aus 17.20 Uhr wird 17.45 Uhr. Alle Autos raus, die anderen Autos rein, es läuft so richtig "griechisch - chaotisch" ab. Und das dauert halt. Die Überfahrt dauert auch länger als Plan und so ist es schon nach 19:00 Uhr, als wir im "Hafen" von Neapoli von Bord gehen. Die Straße in den Ort würde bei uns wohl eher als Baustellenausfahrt durchgehen. Eine unbefestigte Erdstraße, mit Schlaglöchern und Steinen so groß wie Fußbälle. Wir beeilen uns aus Neapoli hinaus und biegen nach Agios Elissaios auf die alte Straße ab. Die Straße wäre ganz toll, schmal aber guter Belag, wenn es nicht schon so spät wäre und so fahren wir in die Dämmerung hinein. In Monemvassia angekommen, ist es bereits stockdunkel. Zu dunkel, um die schöne Strecke genießen zu können, zu dunkel um noch irgendetwas vom Burgfelsen zu sehen, außer einem großen schwarzen Klotz und zu spät um noch auf Zimmersuche zu gehen. Wir wollen eine Dusche und so nehmen wir eines der ersten Zimmer. Ich versuche mich damit zu trösten, daß € 20,- nicht teuer ist und dass ich morgen irgendwo anders schlafen werde. Mehr als eine Nacht würde ich hier auch nicht für den halben Preis bleiben. Klein, primitiv, stickig, voller Gelsen und kaum warmes Wasser. Wenn einer von uns in seinem Koffer herumkramt, sollte der andere hinausgehen, wegen der Bewegungsfreiheit. Mit Abstand das mieseste Quartier seit wir in Griechenland sind. Ich freu mich schon auf morgen, es kann nur wieder besser werden.

 

23.09.02

Gleich nachdem wir das Zimmer geräumt haben, fahren wir rüber zum Burgberg und marschieren durch die Altstadt und hinauf auf den Berg. Das war sehr beeindruckend. Nur ein einziger, schmaler Eingang und drinnen nur verwinkelte Gässchen und Stiegen. Beim Aufstieg können wir schon die kräftige Morgensonne voll auskosten, aber es lohnt sich, der Ausblick ist einzigartig. Rundum fast senkrecht abfallende Felswände, nur an einer Stelle schlängeln sich die Stufen hoch. Nach Tyropita und Kakao machen wir uns auf den Weg nach Gythio. Die Straße führt, wenig abwechslungsreich, meistens flach und gerade durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet. Viele Oliven und Orangen, aber sonst nichts zu sehen. Kaffeepause am Hafen von Gythio. Es ist bewölkt und drückend schwül und vielleicht kann ich deswegen dieser Stadt nichts abgewinnen. Viel Leben in der ersten Reihe am Hafen, dahinter trostlos und kahl.

Meine Wespenstichkollektion habe ich um einen auf mittlerweile vier erweitert. Nach Wange, Hals und Rücken jetzt der linke Mittelfinger...

Die Seehöhle von Dirou / Glifada ist jeden der 12 Euro Eintritt wert. Mit kleinen Ruderbooten werden wir durch die 1,5 km lange Tropfsteinhöhle geschifft. Meistens ist die Höhle kaum höher und breiter als das Boot, da heißt es Achtung auf den Kopf, sonst gibt's Stalaktitenkontakt! An manchen Stellen ist es schon geräumig groß und an der tiefsten Stelle haben wir 30 m Wasser unter uns. Ein wirklich tolles Erlebnis, dieses Labyrinth!

Weiter geht die Fahrt nach Süden, Richtung Mani. Je weiter wir kommen, umso öfter haben die Häuser die für diese Gegend typische Bauform - die Wohntürme. Die Dörfer am Horizont und an der Bergflanken sehen alle aus wie kleine Festungen. Vathi ist ein schönes Beispiel dafür. Der Wind pfeift und tief unten sehen wir die weiße Gischt der Brandung an der schroffen Küste. Wir lassen Gerolimenas, unser heutiges Etappenziel, links liegen und fahren noch weiter, bis ans "Ende der Welt", den Südzipfel der Mani, ans Kap Tainaro. Karg, kahl, felsig, abweisend ist diese Gegend hier. Und doch wunderschön. Hier erinnert es mich sehr an den Süden von Kreta. Jetzt einfach ein bißchen sitzen und die Eindrücke aufnehmen. Schön. Den Abend verbringen wir in einer Taverne an der Mole von Gerolimenas. Der Wind frischt auf und die Wellen werden immer höher. Ein richtiges Spektakel, wenn es an der Mole zischt und kracht. Die ganz großen Wellen haben sicher an die 2 Meter.

Ich war in der Nacht mehrmals wach und draussen am Balkon, weil mich das Getöse vom Meer aufgeweckt hat. Es ging ziemlich starker Wind und die Wellen waren super!!! Manche klatschten über die Felsen und über die 2m hohe Mauer bis zu unseren Motorrädern herauf! Es ist einfach toll, diese Wassermassen zu beobachten.

In vielen Dörfern haben wir bisher gesehen, daß die Weihnachtsbeleuchtung gar nicht abgenommen wird. Da hängen Schlitten, Pakete, Christbäume, Sterne und Kerzen auch im Sommer über den Straßen, so wie zuletzt in Kastelli. Ja wozu denn auch, es hängt doch gut und Weihnachten kommt doch eh wieder...? Hier geht man allerdings noch einen Schritt weiter: denn mit der abendlichen Straßenbeleuchtung erstrahlen auch die Weihnachtsdekorationen...

 

24.09.02

Es hat 26 Grad Celsius. Hoffentlich bleiben wir heute trocken. Der Wind hat in der Früh gedreht und kommt jetzt aus den Bergen, und von dort bringt er dicke, schwarze Wolken.

Bis Areopoli sind wir quasi auf der Flucht vor dem Regen. Und dann müssen wir nach Osten, Richtung Gythio, mitten durch die graue über uns hängende Masse. Nach ein paar Kurven - auf einmal alle Wolken weg, blauer Himmel und die Sonne knallt herunter! Und das alles auf nicht einmal 10 Kilometer! Nun muß ich auch meine Meinung über Gythio revidieren - mit Sonnenschein sieht es hier schon viel freundlicher aus. Eh ganz nett.

Die 50km nach Sparta und Mistras sind schnell heruntergeradelt. Gute Straßen, immer schön am wuchtigen, 2400 m hohen Taigetos-Massiv entlang. Mistras selbst ist beeindruckend. Die Oberstadt liegt hoch über der Unterstadt und beides hoch über dem modernen Ort. Wir spazieren durch die ganze Anlage, man hat einen herrlichen Ausblick auf das Taigetos-Massiv und über die weite Ebene, in der Sparta liegt. In dieser Ruhe hier kann man sehr gut die Weite des Landes aufnehmen. Kurz nach Sparta stärken wir uns in einer kleinen, netten Taverne am Straßenrand bevor es nach Kalamata geht. Das Essen ist ja ganz gut; nur die Fliege, die auf den Pommes sitzt, reagiert nicht... mitfrittiert.

WOW! Die Fahrt von Sparta nach Kalamata hat es in sich! Tolle Strecke durch die Berge, unter überhängenden Felsen durch, unzählige Serpentinen rauf und runter. Die einzigen Geraden auf diesen 60 km sind die wenigen Brücken. Wir fahren an Kalamata vorbei und weiter nach Pylos. Leider sieht es hier nicht so aus wie ich es erwartet habe. Kein Strand, keine Möglichkeit noch gemütlich baden zu gehen. Schnell entschließen wir uns weiter zu fahren und treffen bezüglich der Richtung leider die falsche Wahl. Wir wählen Methoni im Süden - ist ja ganz nett hier, aber mit der Ochsenbauchbucht von Voidokilia kann es leider nicht mithalten. Mir ist es aber schon zu spät. Ich mag nicht mehr fahren.

 

25.09.02

Methoni - Diakofto. Leider haben wir nicht genug Zeit, um uns das Kastell von Methoni anzuschauen. Dadurch, daß wir schon in den Winterfahrplan fallen und Sonntag keine Fähre nach Trieste geht, müssen wir schon Samstags fahren. Und auf Kreta waren wir auch länger als geplant. Somit sind die 3 - 4 Tage, die ich als Reserve eingeplant hatte und eigentlich am Ende unserer Reise auf Lefkada verbringen wollte, schon weg. Und heute steht uns wieder eine Marathon-Etappe bevor.

Von Methoni über Kalo Nero bis Olympia ist die Strecke ziemlich öde. Meistens gerade und eben dahin, grün, feucht und fruchtbares Land links und rechts. Aber dafür wenig Abwechslung und viele Kilometer zu fahren. Die antike Anlage von Olympia ist der Höhepunkt des Tages und entschädigt für die bisherige Strecke. Beeindruckend die Größe der Anlage und die Vielfalt der Überreste. Besonders die wuchtigen Säulen des Zeus-Tempels zeugen von der imposanten Anlage. Da muß die Erde schon ganz schön gerüttelt haben, um diese Steinriesen zu Fall zu bringen. Beeindruckend auch die Getränkepreise. Bei € 2,50 für ein 0,2 l Cola geht mir leicht die Hutschnur hoch und nimmt meinen Blutdruck auch gleich mit.

Nachdem wir uns zwischen den Autobuskarawanen durchgeschlängelt haben, geht es weiter Richtung Kalavrita. Außer, dass es wieder in die Berge geht, ändert sich die Landschaft kaum. Kleine, reizlose Dörfer, trostlose Landschaft und darüber thronende Regenwolken. In Tripotama wagen wir den ersten Halt um einen Kaffee zu uns zu nehmen. Noch 50 km bis Kalavrita, dort werden wir dann entscheiden, ob wir bleiben oder noch nach Diakofto weiterfahren. Auf den letzten Kilometern war die Straße oft mit rotbrauner Erde bedeckt, viele Felsen und Steine auf der Fahrbahn. Und die Bach- und Flußbetten sind wieder wasserführend. Es sieht hier überhaupt nach viel Wasser von oben aus. Hoffentlich bleibt uns das noch erspart!!! Auch war es am letzten Stück schon ziemlich kühl, nur wenn die Sonne mal durchkommt, zeigt sie schon noch, was sie kann.

Die Strecke nach Tripotama in die Berge entschädigt wieder für die tristen Kilometer davor. Die Landschaft ändert sich schlagartig. Wir fahren in ein wunderschönes Hochtal - links und rechts felsige Hänge, viel Wald, in der Mitte ein Fluß und am Ende die hohen Gipfel. Richtig kitschig. Die kleinen Dörfer werden wieder schöner - triste Stahlbetonwürfel weichen Naturstein und Dachziegel. Am Ende des Tales klettern wir über die gut fahrbare Straße auf 1500m hoch und überschreiten die Wasserscheide. Nun fließt alles nach Norden. An den Bergen runter geht es wieder durch wunderbare Landschaft. Felsen, Wald, Kühe, Ziegen, Schafe, ... Ich glaube, ich bin damit überfordert, alle Eindrücke aufzunehmen. Ich bin in einem anderen Raum, in einer anderen Zeit. Als wir Kalavrita erreichen ist es als wenn ich aus einem Traum aufwache. Schnipp - alles aus, alles anders. Sieht zwar ganz nett aus, paßt aber nicht zu den eben durchfahrenen Kilometern.

Wir sind gut in der Zeit und das Wetter hält. Also fahren wir weiter nach Diakofto an den Golf von Korinth. Unterwegs besuchen wir noch das Kloster Mega Spileo, das wie ein Schwalbennest an den Felsen klebt. Optisch wenig eindrucksvoll - ausgenommen die Lage - ist es doch das älteste griechische Kloster und wird, wie es sich für einen Wallfahrtsort gehört, von den Einheimischen gut besucht. In Diakofto finden wir ein Zimmer, aber die Saison ist hier schon vorbei und dementsprechend hat alles geschlossen. Lediglich um den Bahnhof (!) gibt es noch Geschäfte und Lokale. Am Strand hat alles schon "Wintersperre". Tickets für die Zahnradbahn haben wir uns auf Anraten unseres Gastgebers schon besorgt, rauf nach Zahlorou und zu Fuß durch die Schlucht wieder 13 km runter.

Der Abend war lustig. Wie im Kino, erste Reihe fußfrei. Wir waren Gyros und Souvlaki essen, am Bahnhof. Dort befinden sich Taverne, Periptero, Super Market, Hauptplatz, Bahnhof und Taxistandplatz. Alles auf einem Fleck. Da ist schon was los! Und wenn dann noch ein Zug kommt ... Die Diesellok tuckert vor sich hin, die Fahrgäste schauen aus den Fenstern und der Lokführer sitzt am Nebentisch bei Souvlaki und Bier. Wir haben uns hier sehr gut unterhalten. Das Essen war gut und der Wein auch.

26.09.02

10.30 Uhr Abfahrt mit der Zahnradbahn Richtung Kalavrita. Schnell stellt sich in den Waggons heraus, daß die Plätze nummeriert sind, was natürlich ob der Enge für einige Turbulenzen sorgt. Bis endlich alles geordnet ist und jeder den richtigen Platz eingenommen hat, vergeht noch ein Weilchen, aber dann geht die Post ab. Die beiden Waggons sind so klein und eng, daß wir in den 4er-Ecken unsere Knie gegenseitig einfädeln müssen. Die drei oder vier 1. Klasse-Plätze gleich beim Führerstand haben es da besser. Von dort kann man auch schön nach vorne fotografieren und filmen. Das geht bei uns natürlich nicht, denn auch das Fenster läßt sich nicht öffnen. Ich habe nicht mal den Platz um aufzustehen und mich nach vorne umzudrehen. Zweimal halten wir an, um auf Zahnstangenbetrieb umzuschalten.

Es geht über viele Brücken, durch einige Tunnels immer die Schlucht entlang. Nach etwa 50 Minuten sind wir in Zahlorou/Mega Spileo, der Mittelstation. Einige Leute steigen aus, aber wir sind die einzigen, die sich auf den Weg nach unten machen. Und da wir jetzt 13 km auf den Geleisen vor uns haben, ist es auch vollkommen egal, wo und wie man während der Fahrt gesessen hat. Was wir beim Herauffahren nur erahnen konnten, erleben wir nun hautnah. Wir marschieren immer auf den Geleisen entlang. Und jetzt erst erkennt man, wie hoch die Brücken sind und wie schmal die Trasse ist! In den Tunnels gibt es natürlich immer wieder Nischen, aber die beiden Züge, die uns begegnen, treffen wir auf "freier Strecke". Und die Brücken haben es in sich. Bei den größeren, so ab 10m Höhe, gibt es gnädigerweise einen etwa 30 cm breiten Streifen zum hinübergehen. Bei den kleineren aber muß man sich gemsenähnlich von Schwelle zu Schwelle wagen. Und manchmal geht es wirklich tief runter! An die 30, 40 m geht es unmittelbar neben der Trasse abwärts. Da geht man besser an der Hangseite. Die Zeit vergeht schnell. Fotografieren ist jetzt viel einfacher als vom Zug aus und nach drei Stunden sind wir auch wieder in Diakofto zurück. Wir sind die Schienen natürlich bis zum Bahnsteig, wo wir eingestiegen sind, gegangen. Jetzt noch ein Stündchen an den Strand, ein wenig rasten, damit wir für das abendliche Kino am Bahnhof wieder fit sind. Viel ist hier nicht mehr los - wir sind die einzigen am Strand.

Den Abend verbringen wir wieder im "Kino" am Bahnhof, weil dort die Gyros me Pita und Souvlaki ja soo gut sind ...

 

27.09.02

Um 09.00 Uhr geht es ab Richtung Rio. Nach gutem Kaffee, entlang der alten Straße am Golf von Korinth bis wenige Kilometer vor Patras. Von weitem erkennt man schon die Pylone der im Bau befindlichen Brücke, die irgendwann die vielen Fährschiffe in den Ruhestand schicken wird. Die Fahrt bis hierher ist schön, immer ein toller Blick auf den Golf, die vielen kleinen Dörfer am schmalen Strand und die gegenüberliegenden Berge. Die Überfahrt kostet € 2,- inklusive Motorrad und dauert nur wenige Minuten.

Von hier über Mesolongi und die Kilometer danach geht es flott dahin, meistens flach und gerade durch landwirtschaftlich intensiv genutztes Land. Dafür aber wenig interessant zu durchfahren. Einfach nur Kilometer fressen. Aber soweit ist es nicht und bei Astakos kommen wir wieder ans Meer und auch landschaftlich wird es wieder interessanter. Die Stadt bietet, mit den Bergen im Hintergrund, einen schönen Anblick und im kleinen Hafen tummeln sich neben den Fischerbooten auch einige ganz ansehnliche Yachten. Den Cafes entlang der Mole zu schließen, dürfte hier in der Saison auch ganz schön was los sein.

Hier gibt es, kurz außerhalb des Ortes, auch eine kleine "Werft", besser gesagt eine Halle, wo die typischen Fischerboote, die Kaiki's, gebaut werden. An zwei Rümpfen wir hier zur Zeit gearbeitet. In der Halle die Bandsägen und eine Abrichtmaschine, sonst nur Handwerkzeug. Der einzige Plan ist ein am Boden aufgezeichneter Raster für die Spanten. Alles andere wird nach Augenmaß und "Gefühl" gebaut und nach acht Monaten ist so ein 20 m Boot auslaufbereit.

Weiter geht es über eine schöne Straße und durch abwechslungsreiches Gebiet über Mitikas nach Paleras, immer der Küste entlang. Hier sieht es oft so richtig "Werbeprospekt-griechisch" aus. Tiefblaues Wasser, schmale Strände dann wieder ins ionische grün übergehend, dazwischen kleine Buchten und viel Sonne. Kurz nach Paleras fällt mir eine alte Steinbrücke abseits der Straße auf. Diese steht ganz ohne "Anschluß" in einem sumpfigen, lagunenartigen Gebiet. Ein Weilchen bleiben wir, beobachten und genießen. Verschiedenfärbige Libellen, von klein bis riesengroß, manche auffallend rot, Störche, Reiher, Frösche und vieles mehr. Hier suchen wir eine Verbindung nach Plagia, die in meiner Karte als Weg eingezeichnet ist. Eine mittlerweile asphaltierte aber kleine Straße führt uns durch einen ganz tollen Landstrich; verlassene Dörfer, vorbei an Schafherden und nach dem höchsten Punkt mit tollem Blick auf Lefkada.

Über einen Fahrdamm kommt man auf die nahe dem Festland liegende Insel und in der Mitte gibt es eine hydraulische "Zugbrücke", die stündlich geöffnet wird. Wir haben Glück und können diese Prozedur miterleben. Auf der Insel führt uns unser Weg nach Nidri, der schönen Strände wegen. Nur leider finden wir dort Tourismus in Reinkultur. Das langgezogene, endlos erscheinende Dorf besteht nur aus "best food in town" - Lokalen und Souvenir-Shops. Wir brauchen kaum 30 Sekunden um uns darauf zu einigen, nach Vasiliki im Süden weiter zu fahren. Schön ist dieser Teil der Insel ja - es gibt hier sicher mehr Yachten als Autos - aber eben auch massenhaft Tourismus.

In Vasiliki finden wir sofort ein nettes Quartier am Strand und machen uns auch gleich auf zum Baden. Wird wohl das letzte mal für heuer sein. Unser Instinkt für nette Plätze hat uns auch hier nicht im Stich gelassen. Abendessen wieder mal beim "Greek Mac Donald", wo es Gyros, Kokoretsi und ähnliche Leckereien gibt. Dazu Ouzo, Tsiporo und Bier. Mampf!

 

28.09.02

08:00 Uhr aufstehen - 08:30 Uhr Abfahrt. Buääh. An der Westküste von Lefkada entlang, leider noch zu früh, um die Landschaft im Sonnenlicht genießen zu können. Und kühl - 14 Grad Celsius. Bei Preveza sollten wir nochmals mit einer Fähre übersetzen, aber mittlerweile unterfährt man die Lagune durch einen 2km langen Straßentunnel. Auch gut. Es geht immer weiter nordwärts und eigentlich geht es nur mehr um das Zurücklegen der Strecke. Nur bei Mesopotamo machen wir noch kurz halt, um uns das Nekromanteion anzusehen, die älteste Totenkultstätte Griechenlands, 3. Jahrhundert v. Chr. Interessante Geschichte, hier wurden die Geister der Toten über die Zukunft befragt.

Ab hier geht es rasch weiter, denn die Wolken werden immer dichter und dunkler und 15 km vor Igoumenitsa passiert was passieren muß - es beginnt zu regnen. Also ein bißchen schneller fahren und der Regen wird stärker. Bis wir am Hafen sind, sind wir einigermaßen naß aber es geht. Jetzt müssen wir nur noch unsere "offenen" Tickets umschreiben lassen. Auf den wenigen hundert Metern zum ANEK-Büro zeigt der Himmel, was "starker Regen" sein kann. Binnen einer Minute sind wir naß bis auf die Unterwäsche. Ich kann meinen Ärger nur mehr schwer oder auch gar nicht mehr verbergen. Wir müssen uns am Hafen, im freien Gelände umziehen, sonst werden wir todkrank. Ich bin stinksauer und als Gegenpol gibt sich Jack extra ruhig und gelassen. Das bremst mich dann doch ein bißchen. Endlich am Schiff, fühle ich mich wieder wohler. Solange mir mein Motorradgewand bis morgen wieder trocken wird...

Griechenland verabschiedet uns so, wie es uns begrüßt hat - mit heftigem Regen. Es war aber trotzdem ein toller Urlaub, wir haben viel gesehen und vieles erlebt.

Weil die Fähre schon ziemlich spät in Igoumenitsa angekommen ist, laufen wir auch erst um 17:30 Uhr mit zwei Stunden Verspätung aus.

 

29.09.02

Auf der Fähre. Windig, Regen, starker Wellengang in der Nacht, sogar die große Sophokles schaukelt bedenklich. Aber Richtung Trieste bessert sich das Wetter wieder. Wir haben eine Stunde der Verspätung aufgeholt. Allerdings geht diese Stunde und mehr im Hafen von Trieste wieder verloren - in einem der LKW´s vor uns findet man in den schmalen Spalten zwischen der Ladung blinde Passagiere. Und das hält natürlich alles auf, verursacht auch einen riesigen Auflauf im Schiffsbauch. Um 18:00 Uhr kommen wir endlich weg und beschließen, so weit wie möglich zu fahren. Bis zum Trojan-Paß geht es halbwegs gut, ein bißchen kühl. Wir haben beide einiges an, ich zwei T-Shirts, zwei Sweater und die Jacke. Nach Suppe und Tee fahren wir weiter, schon in die Nacht hinein. Es wir immer kälter. In Slowenien werden wir vor einem Tunnel auf der Autobahn gestoppt. Drinnen sehen wir dann einen PKW auf dem Dach liegen, zwei weitere stehen kurz danach. - Am hinteren Zylinder lassen sich wunderbar die Hände wärmen, allerdings leider nicht während der Fahrt. In Slowenien hat es noch 10 - 12 Grad Celsius, dann bei Spielfeld geht es echt bergab mit der Temperatur. Aber ab der Grenze wollen wir nur noch heim. Die Abstände unserer Aufwärmpausen werden immer kürzer, in jeder Raststätte ein Tee und Hände wärmen. Mittlerweile hat es nur noch 5 Grad Celsius und wir frieren uns den A.... ab. Die letzten 100 km ab Loipersdorf sind eine echte Qual. Um 02:00 Uhr sind wir durchfroren, aber doch fröhlich, daheim. Mir ist saukalt. Ich kann gar nicht mehr so schnell scheppern wie mir kalt ist. Nach einer Stunde auf der Wohnzimmerbank habe ich mich halbwegs erfangen. Der Urlaub ist aus.

 

Gesamtstrecke: 4921 km