Marokko, eine "halbe" Tour...

geplant: 9.5. - 15.6.2003
tatsächlich: 9. - 26.5.2003

Robert: Honda Transalp XL600V Bj ´94, diverse Umbauten
René: KTM Adventure 640 R Bj ´00 (?), diverse Umbauten


9.5.03

Die Motorräder sind am Hänger, das Auto ist vollgepackt und wir bereit und voller Tatendrang.
9:00 Abfahrt Viehtriftgasse, früher als geplant. Ich hatte zwar Nachtschicht, hätte aber vor Aufregung und Freude sowieso nicht schlafen können. Auto umräumen, Schlafsack ausbreiten und nach einer Jause endlich schlafen. Genau bis Zöbern - Kühler 110 Grad - kocht. Unser "Telefonjoker" Günther hilft uns erst mal weiter, aber der ÖAMTC bleibt uns nicht erspart. Einen nette Familie hilft uns noch mit Werkzeug aus und um 13.00, eigentlich jetzt planmäßig, geht's mit 70 Grad Kühlertemperatur weiter gen Süden. Jippi, und ich hole den fehlenden Schlaf der vergangenen vier Tage nach.

 

11.5.03

Nach 2980km, unzähligen Kühlstops, das Innenleben vom Thermostat ausgebaut, den Lüfter auf Dauerbetrieb kurzgeschlossen, wenig Schlaf und ungefähr 12 Liter nachgekippter Kühlflüssigkeit erreichen wir endlich Algeciras. Jetzt brauchen wir nur noch eine Stellmöglichkeit für Auto und Hänger, der öffentliche Parkplatz am Hafen gefällt uns da nicht so gut...
In Tarifa, am 3.Campingplatz den wir anfahren, können wir Auto und Hänger für 68€ / fünf Wochen einstellen, ohne dass wir selbst am Platz bleiben. Das war bei den beiden davor nicht möglich. Super.
Um 14.00 nehmen wir die Fähre nach Ceuta. Dort an der Grenze dann lähmende Formalitäten; es ist so gut wie nichts los, und trotzdem geht nichts weiter. Der Ablauf: mit Pass und dem Einreiseformular, das man schon am Schiff ausfüllt, zu Schalter 4; vom Zoll das Einfuhrformular holen und ausfüllen; rechts neben dem Bankschalter ist das Versicherungsbüro - wer noch keine grüne Versicherungskarte hat, muss hier eine kaufen (€ 84,- für 1 Monat); mit allen Unterlagen dann zum Zoll, das Moped in den Pass eintragen lassen (wird aber auch EDV-mäßig erfasst); nochmal zur Polizei und alle Unterlagen checken lassen. Der Mann vom Schalter ist aber Brot kaufen und kommt erst nach einer Stunde wieder...
Dann gehts aber doch endlich los. Ich muss mich erst mal an die schwere Kiste und die beiden Kanister kinter mir, an den Rucksack und die Bauchtasche an mir und das steife, weil noch neue Gewand gewöhnen. Die erste Etappe war zum einüben - guter Asphalt - schlechter Asphalt - kaum Asphalt - Feldweg - grober Schotter. Es wird schon dunkel, in der Nähe von Fes-El-Bali bauen wir zum ersten mal das Zelt auf, wir sind hundemüde und schlafen schnell ein.

 

12.05.03

Aufstehen! Der Hahn kräht, ein Esel schreit und Menschen plappern. Sonne, grüne Landschaft, ein schönes Plätzchen. Wir kochen uns Kaffee und beobachten die sich mit Respektabstand um uns mehrenden Kinder genauso wie wir sie. Das Packen läuft dann noch etwas "ungeübt" ab, das wird sich aber schon noch ändern.
Die Fahrt nach Fez geht ganz wider erwarten immer durch grüne, blühende Landschaft. Immer wieder Menschen an der Straße; Kinder, Männer, Frauen, alle scheinen nichts zu tun zu haben. Alles blüht, aber am auffälligsten sind die leuchtend roten Mohnfelder, das ist ja hier die Hauptanbaugegend. Unterwegs irgendwo in einem kleinen Cafe: mein erstes marokkanisches Frühstück; irgendein gebackenes Ding mit irgendeinem Aufstrich drauf - Laberl mit Streichkäse vielleicht?
Der Campingplatz Diamant Vert war nicht allzu schwer zu finden und ist empfehlenswert!
Ohne Gepäck fahren wir nach Fez hinein, ein bisschen herumspazieren und uns die Stadt ansehen. Vom Königspalast aus, den wir vom Hügel vor der Stadt schon erkannt haben, wagen wir uns zaghaft in die Medina vor, einem Labyrinth aus angeblich siebentausend Gassen, viele davon weniger als einen Meter breit und stellenweise gleicht das ganze einem Höhlensystem, weil klapprige Dächer darüber sind oder man durch tunnelartige, finstere Gänge unter den Häusern durchgehen muss. Und alle Einwohner Marokkos haben hier gerade was zu erledigen, so viel ist los. Nach spätestens drei Minuten und fünf Ecken ist hier keine Orientierung mehr möglich.
Irgendwann drängt sich einer dieser nicht offiziellen Führer auf, etwas zaghaft und skeptisch schwanken wir zwischen Akzeptieren und Ignorieren.
Aber es dauert nicht lange, bis wir erkennen, dass wir ohne ihn einfach aufgeschmissen wären. Wir würden hier nie mehr herausfinden.
Letztendlich verlässt uns diese Skepsis, dass wir irgendwo hängen gelassen werden, bis zum Schluss nicht; irgendwie beunruhigt mich auch die Tatsache, dass uns die ganze Zeit kein einziger Tourist oder etwas "polizeiähnliches" über den Weg läuft. Natürlich werden wir zu guter Letzt auch noch in ein Ledergeschäft beim Gerber-Souk gelotst, aber das haben wir sowieso erwartet und der Ausblick von hier oben ist beeindruckend. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren wir Adil, unserem "Führer" , einfach ausgeliefert. Als wir nach vier Stunden und wahrscheinlich fünf Kilometern durch das Gedränge der Medina endlich wieder aus dem Platzangst auslösenden Gassengewirr herauskommen, fällt uns beiden ein riesiger Stein vom Herzen.
Trotzdem kann ich behaupten, dass wir ohne Adil nichts von all dem gesehen hätten, wir wären alleine da nie hinein gegangen.
Auf der Rückfahrt zum Campingplatz beginnt es zu regnen. Wir schaffen es anschließend gerade noch, die Gulaschsuppe-Dosen zu wärmen. Essen müssen wir schon im Zelt, ein heftiges Gewitter geht nieder.
Alles in allem ein wahnsinnig interessanter Tag, nur waren wir beide von allem, was wir in der Medina gesehen haben, hoffnungslos überfordert - so viele Menschen, alle möglichen Moscheen, Gebäude, Werkstätten und Geschäfte - Messing, Tischlerei, Weberei, Teppiche, Nähereien, Gerbereien (absolut sehenswert!) - Schmutz, Gestank, Drängerei, Maultiere (oder doch Esel? die haben ja auch ein Maul...); und wir waren beim Barbier - auch ein Erlebnis.
Zu viel gesehen in zu kurzer Zeit.
(Zweimal rasieren, einmal Haare schneiden: 30 Dirham; Taxi (Medina zum Königspalast): 10 Dirham; Kuchen: 8 Dirham; Adil: 100 Dirham - er war damit mehr als zufrieden)

 

13.05.

5:00 Tagwache. Die Enten, Vögel, Frösche und der Muezzin lassen uns nicht länger schlafen. Beim Kaffee werden wir von ca. 20 Besuchern - Enten und Gänsen - belagert und vollgequakt und haben viel Spaß dabei. Heute geht's nach Moulay Idriss, Volubilis und Moulay Yakub.
Wir haben einige Schotterkilometer heruntergespult. Supertoll, aber auch anstrengend. Ich war ziemlich k.o.
Volubilis ist die größte römische Ausgrabungsstätte in Marokko; die Mosaiken, der Triumphbogen, das Kapitol und die Thermen waren sehr interessant. Leider war es auch sehr heiss, aber besser Sonne als Regen...
Moulay Idriss ist die älteste Stadt Marokkos; sehenswert ist der Heilige Bezirk, beginnend am "Platz des grünen Marsches", mit der Grabmoschee des Gründers "Moulay Idriss". Diese kann man als Nicht-Muselmane zwar von aussen ansehen, aber betreten darf man das Heiligtum verständlicherweise nicht.
Zur Belohnung für diesen anstrengenden Tag waren wir dann im Thermalbad Moulay Yakub. 54°C heisses Schwefelwasser füllt das Becken, das aber auf halbwegs erträgliche 39°C abgekühlt wird. Wir Baden, genießen Schlauchmassage, Sprudelwanne und Dampfkammer - und das alles glühend heiss.
Dann noch Kotelett essen in einem zweitklassigen Restaurant in Fez. (zweimal Essen ohne Besteck, zweimal Tee, Wasser und Brot, zusammen 60 Dirham). Und zurück am Campingplatz fressen mich die Gelsen.

 

14.05.

Früh Abfahrt vom Campingplatz Richtung Sefrou. Durch schöne, sanfte, grüne Landschaft bis Mischliffen, wo einer der wenigen marokkanischen Skilifte steht. Ein kleiner Hügel, ein Schlepplift. Sieht schon komisch aus.
Bei Sefrou haben wir uns den kleinen Wasserfall angesehen. Danach kommen wir etwas von der Route ab, aber der Weg über 2000 Meter hoch liegende Almen durch Wasserlöcher und Schlamm macht viel Spass. Und die Kilometer durch den dschungelähnlichen Zedernwald südlich von Azrou - hier waren wir bei Marokkos höchster Zeder; 40m hoch, aber leider abgestorben - waren einfach ein Erlebnis. Dort laufen auch viele Affen herum. Über Ain Leuh, wo wir Mittagessen (Kotelett vom Grill mit Zwiebel und Tomaten, so wie schon am Tag zuvor ohne Besteck serviert) schliesst sich die Schleife zurück nach Azrou. Ein Gewitter geht nieder und es hagelt. Am Markt kaufen wir Brot, Obst und Dosenfutter, Wasser und Tomaten für das Abendessen und fahren weiter Richtung Süden. Nach wenigen Kilometern aber zieht es wieder komplett zu und so schlagen wir auf einer Wiese auf 1600m am Waldrand unser Quartier auf. Heute ist es noch etwas zeitiger und so können wir noch ein Weilchen den tollen Ausblick vom Felsabbruch, hinaus in die Gewitter über dem Flachland, geniessen.
Hoffentlich bläst der mittlerweile ganz schön kühle Wind dieses schlechte Wetter weg. Bei Sonne ist alles viel schöner.

 

15.05.

So wie jeden Tag zeitig aus den Federn, irgendwann vor sechs Uhr, vor Sonnenaufgang. In der Nacht hat es noch leicht geregnet, aber sonst hat sich das Wetter wieder beruhigt.
Wir fahren nach Ain Leuh und versorgen uns mit Wasser und Lebensmitteln. Dann geht's weiter Richtung Süden zu den Quellen des Oum Rbia, dem größten marokkanischen Fluss. Beeindruckende Wassermassen strömen aus mehreren Felsöffnungen und speisen den von Beginn an gewaltigen Fluss. Wie überall Parkwächter, die uns am ohnehin leeren Parkplatz einweisen, um ein paar Dirahm zu ergattern. Weiter geht's über ziemlich schlechten Straße zum Azigza See, auf etwa 1600 Meter. Wir suchen uns einen Waldweg zum Weiterfahren und kommen in immer unwegsameres Gelände. Zuerst Schlamm und Schotter, dann richtige Felsen und Geröll. Für mich und meine Transe fast an der Grenze des Fahrbaren, von richtigem Fahren konnte da aber eh keine Rede mehr sein. Nach drei (!) Stunden und wenigen (!) Kilometern, sind wir endlich wieder am Azigza See...
Diesmal aber ziemlich fertig und gönnen uns ein kühles Bad. Danach eine gemütliche Jause, bevor uns das aufziehende Gewitter zum Weiterfahren zwingt. Hastig alles packen und ab die Post. Die nächsten Kilometer Richtung Itzer werden zum stop-and-go. Regen - Gewitter - Unterstellen - Regen - Hagel - Unterstellen...
Die Zedernwälder hier in der Umgebung sind beeindruckend. Wie ein Märchenwald, zu beiden Seiten 20 bis 30 Meter hohe Giganten, moosbehangen und verwachsen.
Die Strecke nach El Ksiba, unserem Tagesziel, haben wir nicht mal zur Hälfte bewältigt. 121 Tageskilometer sprechen für sich. Das letzte Stück vor unserem Camp ist wieder kaum befahrbar. Schlamm und Steine, tiefe Rinnen und schmieriger Lehm. Manchmal fühle ich mich nur mehr als Beifahrer...
Die Erde ist so klebrig, dass mir wegen der Klumpen zwischen Kotflügel, Reifen, Gabel und Speichen zweimal das Vorderrad blockiert.
Camp 03 auf fast 2000 Meter, mitten in der Pampa.
Ich hab mich heute dreimal hingelegt, Rene einmal. Mein Alumotorschutz hat sich heute bezahlt gemacht. Einige Male musste ich über Felsen "runter rutschen" und saß dabei voll auf. Mein Kettenblattschutz hat sich auch verabschiedet, meine Alu-Kiste reisst am Boden aus und der Verkleidung hab ich links vorne ein Loch verpasst. Ausserdem war mein Moped noch nie so schmutzig.

 

16.05.

6:00 Tagwache. In der Nacht hatten wir Besuch. Irgendwas raschelte dauernd ums Zelt herum und verstörte uns einigermaßen. Dann wieder Ruhe. Dann wieder das Rascheln. Als die Geräusche schon im Vorzelt waren, nehme ich die Lampe und sehe - einen kleinen Frosch, der mich genauso erstaunt ansieht wie ich ihn. Das heisst aber auch, beim Aufstehen Innenkontrolle der Ausrüstung machen. In Rene´s Brustpanzer hatte sich auch ein Frosch eingesiedelt.
Es hat 8°C.
Die ersten Kilometer sind eine Fortsetzung der gestrigen Tour. Wald, Schlamm, Felsen; aber doch etwas gemäßigter, weil es schon aufgetrocknet hat und nicht mehr ganz so rutschig ist. Plötzlich, entgegen unserer Erwartung, sind wir wieder auf Asphalt. Schmal, aber gut.
In Itzer laufen wir eine Tankstelle an und befreien unsere Mopeds mit Hochdruck von deren Schlammpackungen. Nun erkennt man wieder Details! Weiter geht's Richtung Boumia.
Die Piste von dort Richtung El Kbab ist leider schon durchgehend asphaltiert, aber aufgrund der unzähligen Kurven trotzdem interessant. Eigentlich waren es 75 Kilometer Slalom fahren.
Von hier geht's am schnellsten Weg nach Beni Mellal. Entlang der langweiligen Nationalstraße sind wir teilweise parallel dazu auf der Piste gefahren. Dabei habe ich einen wunderschönen Sprung (über eine einmündende Nebenstraße) und eine weniger schöne "Brezn" hingelegt, ebenfalls bei einer Einmündung; aber die Landung ist auf Grund der ziemlich tiefen, eingetrockneten Spurrinnen nicht so richtig gelungen. Nix passiert, nix kaputt. In Beni Mellal versuchen wir den in meiner Karte eingezeichneten Campingplatz zu finden, den es dann aber leider doch nicht gibt. Also Hotel suchen. Stressig und heiss. Dann in die Putzerei, damit wir wieder saubere Wäsche haben. Abends noch zum Barbier - so glatt war ich seit meiner Geburt nicht mehr! Einseifen - 10 Minuten - dreimal rasieren - 15 Minuten - mit allem drum und dran über eine halbe Stunde. Ein wohltuendes Erlebnis!
Und morgen müssen wir das erste Mal nicht Kaffee kochen! (Hotel mit Frühstück: 154 Dirham für beide; Putzerei: 136 Dirham - 7 T-shirts, Unterwäsche, Socken, alles gebügelt - auch die Socken...; Rasieren: 40 Dirham für beide - war die beste von allen Rasuren hier)

 

17.05.

Aufstehen zeitig wie immer, aber diesmal setzen wir uns ins Cafe, in die wunderbar wärmende Morgensonne. Das Frühstück ist lecker uns ausgiebig. Palatschinken, Brot, Butter, Feigenmarmelade, Honig, frischer Orangensaft und Kaffee. Gibts was schöneres am Morgen?
Schnell sind unsere Kisten gepackt, alles wieder vertsaut - dann noch eine hitzige Diskussion mit dem selbst ernannten "Nachtwächter" bezüglich des Preises - und los gehts. Zuerst gemütliche Strecke durch schöne Landschaft, dann aber zunehmend schlechter werdende Piste; ab Tilouggit, wo wir den richtigen Abzweig verpassen und zweimal durch den Wochenmarkt fahren, was wiederum einiges an Aufregung auslöste, kommen wir nur mehr langsam vorwärst. Meine Transe scheppert angsteinflößend, diese Art Piste ist das schlimmste für mich - harter Boden mit festsitzenden Steinen. Wieder haben wir uns übernommen, was die Tagesetappe belangt. Eigentlich wollten wir bis Azilal, aber geschafft haben wir es gerade bis Zaouia-Ahnesal, einem kleinen Dorf mitten in den Bergen. Die Piste ist durchgehend schlecht und manchmal äusserst anspruchsvoll. Furten, Schotter, wie gehabt. Wir schaffen gerade mal 149 Kilometer Tagesleistung. Der Höhepunkt dieses Abschitts, der Tizi n Ilissi Pass, liegt also noch vor uns.
Schön war der Blick auf die verschneiten Gipfel und der See bei Ouaouizarth, der in einem total schroffen, kahlen Tal liegt. Mittags rasten wir am Fluss; raus aus den Klamotten, hinein ins Wasser - herrlich. Fladenbrot, Streichkäse. Standardmenü. Und das ganze unter der Cathedrale, einem 500m fast senkrecht aufragenden Felsmassiv am anderen Ufer.
Wir wussten, dass es hier Unterkünfte gibt, weil es eine Bergsteigergegend ist, aber gefunden haben wir bis jetzt nichts. Die Leute, die wir fragen, weisen uns in eine Richtung, zu einem Weg, der nicht fahrbar aussieht, über Felsen hoch. Ich lasse Rene vor und bleibe bei meinem Moped. Er rackert seine KTM die Felsstufen hoch und verschwindet um die Ecke. Ruhe. Kurz darauf kommt er zu Fuß zurück, diese Unterkunft ist wirklich da oben. Also ... rauf muss die Transe! Gemeinsam und mit dem Unterlegen von Steinen schaffe ich auch die 230 Kilo über die Stufen hinauf (und über die Fußgängerbrücke davor). Und was soll ich sagen - es hat sich gelohnt! Das Zimmer klein aber nett und urig, der Ausblick traumhaft und die uns umgebenden 3000er sind beeindruckend. Und das Wasser ist heiss - was will man mehr. Ausserdem gibt es The de Menthe und Couscous. Wir sind laut dem leeren Gästebuch die ersten Besucher überhaupt in dem Haus.
Die Kulisse ist einfach grandios; von der Terrasse am Dach der Blick über das alte, am Hang klebende Dorf und im Hintergrund die von der untergehenden Sonne beleuchtenden, 3300 Meter hohen Gipfel des hohen Atlas.
Beide Koffer zeigen grobe Zerfallserscheinungen, die Verschraubungen reissen aus dem Alu einfach aus. Alles viel zu starr.
Der Weg zur Gite d`Etape: im Dorf runter zum Fluss; über die Eselsbrücke und die Felsen hoch, dann noch 200 Meter Schotter. 30 Dirham pro Person. Essen wurde extra für uns beide gekocht. Die Besitzer freundlich, nett und aufmerksam. Absolut empfehlenswert!
Bevor das Haustor verschlossen wurde, haben wir noch unsere Mopeds hineinstellen dürfen. Die stehen jetzt im Lichthof, genau vor unserem Zimmer.
Ach ja, kochen Kerzenschein, hier gibt es keinen Strom. Essen im Licht einer Laterne, auf der Terrasse; Couscous (Huhn, Karotten, Kartoffel, Hirse, Rosinen, Kohlrabi ...). Lecker, aber diese Schale hätte für fünf Personen gereicht.

 

18.05.

Wir haben supergut geschlafen, frühstücken noch in der Unterkunft und nachdem ich meine scheppernden Tankbefestigungen repariert habe und (weil es gar so schlimm war) ein wenig am Federbein herumgedreht habe, geht es los Richtung Tizi-n-Ilissi Pass. Wahnsinn, ich habe ein neues Moped!!! Die Veränderung ist gravierend, ich kann wieder locker über Stock und Stein düsen, ohne dass es mir das Hirn rausschüttelt. Das Federbein war viel zu hart eingestellt. Die Piste wird immer schlechter. Wir passieren den Tizi-n-Ilissi, 2650 Meter hoch und gar nicht kalt, es hat angenehme 20°C. Weiter hinauf auf 2770 Meter und auf der anderen Seite hinunter ins Gomes-Tal. Wir wollen einen Blick auf den Jbel M´Goun, den mit 4070m zweithöchsten Berg Marokkos, werfen, finden aber keine Zufahrt ins Tal. Also bleibt uns nur die Passage durch den Fluss. Ist ja eh nur 50cm tief. Rene kommt mit einigem Schwung fast trocken drüben an; ich aber bin zu zaghaft unterwegs und schon auf der anderen Seite, fast draussen, bremst mich ein grosser Stein und ich gehe doch noch baden. Und Rene hat das schon erwartet/erhofft, denn der Fotoapparat war gezückt...
Das gute an der Sache ist, dass eine geführte Wanderergruppe vorbeikommt, hier Mittagspause macht und uns auf Tee einlädt. Dabei trocknen unsere Stiefel, Socken und Hosen wieder und Essen gibt es auch (Zaki sei Dank). Ausserdem bekommen wir vom Guide einige nützliche Tipps und werden die Zufahrt ins Tal später doch finden. - Die Gruppe bricht wieder auf, ihre Tour führt sie die kommenden 11 Tage lang quer über den Hohen Atlas.
Zum M´Goun? Denkste. War leider doch nicht so. Irgendwo in einem kleinen Dorf geht's nicht mehr weiter und wir kehren um.
Die Fahrt geht bis vor Azilal durch tolle Landschaft, immer so zwischen 1800 und 2200 Meter. Hohe Berge, tiefe Schluchten und unzählige Kurven.
Das Ende der Fahrt gestaltet sich wieder einmal als Flucht vor dem Regen. Zwar wäre Azilal unser Tagesziel gewesen, aber wir fahren weiter bis Ouzoud, der Wasserfälle wegen.
Danach gehts zum Camping France. Dieser Platz ist eine Zumutung. Eine planierte Schutthalde, zu regnen beginnt es natürlich auch wieder und Handy-Empfang hab ich auch keinen. Das ärgert mich am meisten. Schnell ist der morgige Tag geplant, denn hier bleibe ich keine zwei Nächte. Nach dem tollen Quartier gestern in den Bergen ist dieses Kaff hier ein Schlag in die Magengrube.
Kaum sitzen wir beim Tee - Bingo - das tägliche Gewitter geht nieder. Der Zeltplatz verwandelt sich in kürzester Zeit eine stinkende Schlammfläche.
Um 10 Dirham gehe ich mich duschen. Da haben sie doch praktischerweise die Brause direkt übers Plumpsklo montiert. So kann man gleich alles auf einmal erledigen. Nur ausrutschen sollte man dabei nicht oder die Seife fallen lassen.
Mitten in der Nacht fällt natürlich auf dem aufgeweichten Boden mein Motorrad um, ich werde waschelnass und saudreckig. Ich bin definitiv stinksauer.

 

19.05.

Weg vom Camping France. Nach Azilal, tanken und Geld beheben (am Automaten, je Vorgang 2000 Dirham möglich). Und frühstücken - Palatschinken mit Feigenmarmelade und Kaffee, mampf!
Heute früh haben wir noch die Spannungsversorgung von Rene´s GPS repariert. Jetzt wollen wir hier ins Internet-Cafe, die starten aber erst ab drei Usern. Also warten wir noch ein bisschen, trinken Tee und Cola und irgendwann wird´s doch noch was.
Weiter geht's zu den Cascades´d Ouzoud, dem mit 100m höchsten Wasserfall Marokkos. Ein toller Anblick, leider total touristisches Ambiente. Kommerz pur. Nach einer kurzen Pause fahren wir weiter Richtung Demnate. Wir lassen uns wieder einmal rasieren und decken uns mit Lebensmittel für zwei Tage ein, immerhin steht unsere 1. Atlasdurchquerung an und dafür planen wir zwei Tage ein. Langsam fahren wir Richtung Berge, auf der Suche nach einem geeigneten Campingplätzchen. Am Weg, bei Imi´n´Ifri, liegt noch die Pont Naturel, eine riesige Naturbrücke. Und gleich um die Ecke, wir können unser Glück kaum fassen, finden wieder so eine Gite d´Etape, eine Matratzenunterkunft. Sowie die letzte, vorbildlich sauber und nett, total gemütlich. Wir dürfen uns das Essen auswählen und in der Zwischenzeit gehen wir zum Pont Naturel zurück.
Diese Naturbrücke ist beeindruckend, man kann auf der einen Seite hinuntersteigen, darunter durchgehen, und auf der anderen Seite wieder hochklettern. Wir sind von unten nach oben durchgestiegen und das war die bessere Wahl, weil man doch zeitweise auch die Hände zum klettern braucht, und das eben bergauf besser geht.
Nach etwa einer Stunde sind wir wieder zurück und sitzen im Garten, während wir auf das Essen warten. Es ist absolut ruhig, nur ein paar Grillen zirpen und die Vögel zwitschern. Hie und da blökt ein Schaf oder ein Esel meldet sich. Die Wolken von vorher haben sich wieder verabschiedet, der hohe Atlas liegt friedlich in der Abendsonne vor uns.

 

20.05.

Heute geht's in den hohen Atlas, die Durchquerung wartet auf uns. Wir haben unverhältnismäßig lange geschlafen, bis nach acht und das Wetter meint es scheinbar gut mit uns, es hat bereits 30 Grad. Alles nur kein Schlechtwetter im Gebirge.
Das Frühstück war lecker, Fladenbrot, Marmelade, Kaffee und frischen Minzetee.
Ich erwarte mir viel von diesem Abschnitt unserer Tour und zuvor geht's noch zu den Dinosaurier-Fussabdrücken bei Imi´n´Ifri, wenige Kilometer von hier.
Die Fussabdrücke sind erstens ohne Hilfe (der Kinder) kaum zu finden und zweitens wenig spektakulär; so 15 dreizehige Abdrücke im roten Boden. Naja ...
Auf nach Quarzazate. Aus der erwartet langen, schwierigen 2-3 Tage Tour ist leider nichts geworden. Dafür kommen wir offenbar Jahre zu spät hierher. Nach vier Stunden und 170 Kilometern sind wir am Ziel. Die ersten 50 Kilometer geteert, danach durchgehend Piste, aber schon planiert und vorbereitet zum Ausbau. Problemlos zu befahren.
Ich fürchte, das wird uns noch öfters passieren.
Jedenfalls hat sich Landschaft und Klima drastisch geändert. Grün, saftig, blühend gegen braun, kahl und trocken. Feucht, warm gegen trocken, heiss. Ab jetzt sind wir klimatisch in der Wüste, es hat so an die 35 Grad im Schatten. Zum Campingplatz war es nicht mehr weit, zweimal um die Ecke. Ist zwar nichts Grünes hier, aber zumindest schattenspendende Bäume gibt's, und ist so mal ganz ok. Am Abend machen wir eine kleine Tour in die Stadt. Sehr modern, sauber, viele junge Menschen auf der Straße, sogar ein Internet-Cafe gibt es, welches wir auch nutzen.

 

21.05.

Shopping, Postkarten schreiben, Ruhetag.
Wir besuchen die Kasbah Taouirt. Ein riesiges, in sich verschachteltes Labyrinth aus Treppen und Räumen. Rauf, runter, Sackgasse, retour...
Leider zur Gänze leer, kein einziges Einrichtungsstück. Und nur wenige Räume dekoriert. Danach frühstücken wir in einem Cafe nebenan. Wir fragen den Wirt nach dem Preis für ein Taxi zum Markt, er nennt 5 Dirham. Rene sagt, das sei zu teuer, denn wir wären arme Studenten, worauf sich der Wirt ins Auto setzt (uralter Renault Fuego, innen und aussen mehr als schrottreif) und uns quer durch die Stadt zum Markt chauffiert. Dabei war`s doch nur als Scherz gemeint...
Wir latschen auf der Suche nach typisch marokkanischen Schlapfen kreuz und quer durch die Medina und werden pausenlos angequatscht. Hartnäckig wird immer wieder nachgefragt, ob man nicht doch statt der Schuhe ein Schmuckstück kaufen wolle? Nervig. Endlich haben wir gefunden was wir wollen und zischen wieder ab. Taxi zurück, 7 Dirham. Rauf auf die Mopeds und ab zum Stausee, 15 Kilometer ausserhalb von Quarzazate. Wir fahren an mehreren Stellen zu, aber leider überall das gleiche Bild. Durch den niedrigen Wasserstand, meiner Schätzung fehlen etwa 15 Meter auf das normale Niveau, sind die Ufer sehr verschlammt und stinken dementsprechend. Also fahren wir einfach ein wenig herum und holen uns einen wunderschönen Sonnenbrand.
Dabei kommen wir auch durch das etwas verwaist aussehende Villenviertel am See. Hier sollen unter anderem Connery und Delon (westlich von Quarzazate befinden sich die Atlas-Studios) ein Haus besitzen. Manche der Gebäude sind wirklich stil- und prachtvoll, mit gepflegten Gärten und tollen Poolanlagen. Andere wiederum stehen schon als Rohbau zum Verkauf. Die Gegend hat sicher schon bessere Zeiten erlebt.
Zurück am Campingplatz, gehen wir in den nebenan liegende Pool, damit wir wenigstens ein bisschen Abkühlung finden. Diese Anlage, wo abends folkloristische Darbietungen uns den Schlaf rauben, ist tagsüber komplett leer, wir bezahlen 20 Dirham und sind die einzigen Gäste. Während das Personal die Tische und Bühnen für den Abend vorbereitet, haben wir das 35m-Becken ganz allein für uns.
Wir werden uns heute noch einen gemütlichen Abend machen, denn morgen wartet eine 330 Kilometer Etappe auf uns.
Am späten Nachmittag regnet es zwar nicht, wie sonst fast täglich, dafür weht ein böiger Sturm uns Staub und Dreck um die Ohren. Das ist genauso lästig, nur nicht so nass. Aber dunkel genug wär`s ja schon, vielleicht kommt der Regen eh noch.

 

22.05.

Die Nacht war ein Drama. Regen und Sturmböen, die uns nur Dreck und Staub um die Ohren geblasen haben.
Die Folkloreanlage, wo wir tagsüber baden waren, lässt uns bis spät in die Nacht nicht einschlafen. Danach findet eine regelrechte Völkerwanderung am Campingplatz vorbei statt. Soviele Menschen können hier doch gar nicht leben...
Endlich aus, endlich Ruhe. Doch kaum die Augen zu, plärrt der Muezzin los. Ein penetrant krächzendes Tonband über Lautsprecher, 3x bis vier Uhr. Mir reicht´s. Dann jammert mir auch noch eine Katze von der Mauer herab die Ohren voll.
Als der Morgen dämmert, schlaf ich endlich gut ein. Um 9:00 etwa brechen wir auf, 330km Richtung Tafraoute liegen vor uns. Etwas ausserhalb von Quarzazate liegen die Atlas-Filmstudios. Hier wurden schon Teile vom Gladiotor, Asterix und Obelix, die Mumie und anderen Filmen gedreht. Wir nehmen eine Führung und sehen viele verschiedene Kulissen, ganz nett.
Der heutige Tag wird zur Marathonetappe.
Es kommt wieder einmal anders als erwartet, aber diesmal umgekehrt. Die 120km von Anezal bis Tallouine, die laut Karte asphaltierte Straße sein sollen, sind durchgehend unbefestigte Piste, teilweise loses Geröll und gar nicht so einfach zu fahren.
Dafür ist der Rest bis Tafraoute (200 Kilometer Kurven) gut asphaltiert. Immer wieder stehen Schilder wie "Achtung, Kurven auf den nächsten 8km", was aber völlig überflüssig ist, denn die Strecke ist eine einzige Kurve. Es geht immer wieder durch schöne Landschaft, meistens höher als 1500m, zweimal rauf auf 2500m.
Ziemlich erledigt erreichen wir um 19:00 Uhr den Campingplatz in Tafraoute. Obwohl nur als Überbrückungsetappe gedacht, war es doch eine schöne, interessante Strecke.

 

23.05.

Heute ging´s auf "Rundreise", von Tafraoute durch die Tazougartschlucht und zurück.
Die ersten 40 Kilometer sind sehr schön, immer am Schluchtboden, über staubige, holprige Piste, durch eine endlos scheinende Oase. Immer wieder kleine Tümpel mit relativ klarem Wasser und Fischen, Fröschen und Schlangen darin. Auch einige ganz tolle Campingplätzchen gäbe es hier zwischen den hohen, Schatten spendenden Palmen. Ab Afella ändert sich das Bild, die Schlucht weitet sich und die Piste liegt nun im trockenen Qued. Jetzt wird die Strecke zu einer Lehrfahrt für mich. Schotter, Schotter, Schotter ...
Anfangs recht verhalten und vorsichtig, lege ich meine Scheu vor dem lockeren Boden nach einigen Kilometern doch ab und schließlich geht mir der Knopf auf: nix lenken - einfach fallen lassen und Gas geben! Ab jetzt macht´s höllisch Spass, auch wenn mein Moped ein wenig darunter leidet, weil alles scheppert. Auch die Tankpuffer schlägt´s mir wieder lose. Aber es macht Spass, Tempo 70 auf lockerem Schotter im Flussbett.
Bei Ukas versuchen wir die Felsgravuren zu finden, aber ohne die Hilfe der fünf Mädels wäre das ein hoffnungsloses Unterfangen gewesen. Klein und erst aus nächster Nähe zu sehen, und das auch noch in etwa 20m Höhe an einem Hang, der auf etwa 50km Länge gleich aussieht... Das war uns auch die 10 Dirham und 5 Bonbons wert, und im Seitental gibt es auch einen kleinen Friedhof zu sehen.
Am Ende des Queds, nach etwa 100 Kilometer Schotter, geht´s über Asphalt in großem Bogen über Ifrane retour.
In der Schlucht habe ich meine ersten freilaufenden Kamele gesehen und hier im windigen Flachland treiben die Windhosen ihr Spiel.
Den Abend verbringen wir in Tafraoute, in einem kleinen Lokal am Hauptplatz. Essen (Ei-Sandwich), trinken, Menschen und das Treiben beobachten; ganz interessant und lustig. Wer marokkanische Schuhe kaufen möchte, sollte das hier tun - ganz Tafraoute scheint ein einziges Schuhgeschäft zu sein.

 

24.05.

Die Nacht war ein Graus. Stundenlanges Hundegeheul, tausende Mosquitos und jaulende Katzen. Die Sanitäranlagen (2 WC, 2 Duschen) sind so vergammelt, dass ich in die Botanik kacken gehe und es in der Dusche besser ist, dass das Licht nicht funkioniert, weil man im düsteren den desolaten Zustand nicht so erkennen kann. Stinkig, dreckig, jenseits jeder Toleranzgrenze. Die Anlagen werden meiner Meinung nach auch nicht oder nur unzureichend gereinigt. Sollte aus dem Führer genommen werden. Bevor es weiter nach Süden geht, wollen wir noch den Agadir Tasguent sehen. In dieser imposanten, zur Gänze aus Schiefer und ohne Mörtel errichteten Speicherburg sollen die einzigen schriftlichen Aufzeichnungen über das Berberrecht, geritzt in Holztafeln und als Heiligtum geltend, existieren. Über wilde Piste geht´s über die Hügel, in der Ferne thront die Speicherburg. Wir fahren bis unter die Burg, ein kurzer Aufstieg, leider umsonst. Das Tor ist versperrt und niemand da. Also erholen wir uns ein paar Minuten und brechen dann ein wenig enttäuscht Richtung Guelmime auf. Zuerst nach Tiznit, dann nach Sidi Ifni, hier erreichen wir die Atlantikküste. Nach erholsamer Mittags- und Kaffeepause geht´s über nun ziemlich holprige Piste der Küste entlang nach Bou Jerif.
Meine Kofferbefestigung gibt nun doch endlich ihren Geist auf, diese steinigen Abschnitte sind echte Hämmer. Aber wir haben ja genügend Spanngurten mit. Langsam schwenkt die Piste landeinwärts, wird wüstenähnlicher und wieder fahrbarer. Bou Jerif haben wir als Wegpunkt gespeichert, aber trotzdem fahren wir mal einen riesigen Kreis um die Anlage, die immer 3km rechts von uns ist...
Nachdem wir eine Weile das Camp erfolgreich umzingelt haben, entschliessen wir uns zum Angriff. Und plötzlich stehen wir vor einer kleinen, aber feinen Campinganlage, mit der ich hier in dieser Abgeschiedenheit absolut nicht gerechnet hätte.
Saubere Toiletten, verflieste Duschen, Warmwasser, gepflegte Anlage. Man merkt, dass die Besitzer Wert darauf legen, dass hier alles in Ordnung ist.
Wir essen ein Dromedar-Taghin (schmeckt wie Rind), gönnen uns davor ein kühles Dosenbier und danach eine Flasche marokkanischen Rotwein. Und geschlafen haben wir im offenen Berberzelt - uuur angenehm.
Diese Anlage ist mit Abstand, nein eigentlich die einzige wirklich gepflegte Campinganlage bisher.

 

25.05.

Der Himmel ist sonnendicht mit Wolken verhangen und es ist stark windig. Frühstück: Kaffee, Fladenbrot, Butter und Feigenmarmelade.
Wir beschließen, an den Plage Blanche zu fahren, etwa 50km westlich von hier. Ein schöner, breiter, ca. 70km langer, unbesiedelter, menschenleerer Sandstrand. Nachdem wir einen kurzen Richtungsfehler (Ost statt West...) korrigiert haben, düsen wir über die staubige, holprige Piste der Sonne und dem Strand entgegen. Aber leider eben nur entgegen...
Unverhofft kommt oft und in einer schottrigen Senke komme ich ins Schlenkern, versuche mich abzufangen und nehme mit durchgestrecktem Bein einen großen Stein mit, der leider überhaupt nicht nachgibt. Ein peitschender Schmerz im rechten Knie und schon nach wenigen Momenten spüre ich selbiges in der Hose größer werden. Nur nicht stehen bleiben, der anfängliche Höllenschmerz ebbt ab und langsam komme ich doch noch zum Strand. Absteigen kann ich noch, aber erst mal herunten vom Moped wusste ich, dass unser Urlaub hier und jetzt zu Ende war. Rene fährt hinunter zum Strand, währen ich die Zeit im Schatten, auf einer Bank liegend, verbringe; nach einigen heftigsten Schmerzattacken bin ich doch froh, von einem französischem Pärchen im Geländewagen nach Bou Jerif zurück gebracht zu werden. Das Knie sieht einfach Scheiße aus und schmerzt höllisch. Abends planen wir noch die weitere Vorgangsweise bezüglich des Heimtransports meines Mopes und meiner Person. Flug ab Agadir, zuvor noch ins Spital ebendort. Im Umkreis von 250 Kilometer kein brauchbarer Arzt. Es liegt an Rene, mein Moped vom Strand zu holen, einen Pickup zu organisieren und nicht nur mich mit Essen und Trinken zu versorgen, sondern auch noch meine lebende Gehschule zu sein. Danke dafür! Mein Knie sieht mittlerweile aus wie ein Balloon.

 

26.05.

Rene fährt nach Guelmime, um einen Jeep oder einen Pickup zu organisieren, während sich Guy und Eve, die Eigentümer des Camps sowie das Personal ganz toll um mich kümmern. Mein Moped steht noch am Plage Blanche und ich muss nach Agadir ins Spital. Dort sollte ich in den Flieger nach Wien und Rene weiter nach Ceuta, er muss ja mit zwei Mopeds, Auto und Anhänger heim. Der Surflehrer von hier, Bruno, führt mich nach Guelmime und ab da geht´s 250 Kilometer nach Agadir ins Spital (350 Dirham). Beim Röntgen wird ein Bruch am Schienbeinkopf diagnostiziert, nach jeder Menge schmerzstillender Medikamente bekomme ich am Abend einen Liegegips verpasst. So endet also meine erste Saharareise, bevor es überhaupt richtig los ging. Ich habe viel Interessantes von Marokko gesehen und viele Erfahrungen gesammelt, aber das Wesentliche, um das es uns eigentlich ging, die Sahara, war mir (diesmal?) leider nicht vergönnt.

Ich hatte immer Bedenken, dass mich mein Moped im Stich lassen könnte - nachdem die Kofferhalterung sich als nicht stabil genug erwiesen hatte, die Verkleidung ziemlich laut schepperte, die untere Motorschutzbefestigung den ersten richtigen Aufsitzer nicht überlebte, mein Kettenblattschutz in den Bergen das Zeitliche segnete und noch ein paar andere Kleinigkeiten wie z.B. die Gummipuffer der Tankbefestigungen ihren Dienst quittierten.
Aber letztendlich stellte sich doch heraus, dass eine Transalp stabil und zuverlässig ist und immer noch unsere Knochen die Schwachpunkte sind. Aber schön war es trotzdem und ich denke, obwohl das Ende überraschend kam - es war gerade mal Halbzeit nach etwa 3000 Kilometern - hat es Rene doch auch ein bisschen gefallen.

Zum Abschluss möchte ich mich noch bei Rene bedanken dafür, dass er so geduldig war mit mir, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren und vor allem dafür, dass es zur Gänze an ihm gelegen hat, mein Motorrad und meine ganze Ausrüstung wieder zurück nach Algeciras und dann heim nach Wien zu bringen. Es war ja für ihn leider auch nur der halbe Urlaub.

Marokko, eine "halbe" Tour eben.


Aus dem in Agadir diagnostizierten "Bruch am Schienbeinkopf" ist ein knöcherner Kreuzbandausriss geworden, neben einem Muskeleinriss in der Wade.
Nach acht Tagen Liegegips und sechs Wochen "gesperrter" Orthese (starre Knieschiene) war am 17.7.2003 die erste Arthoskopie fällig, weil das Knie sich durch die lange Ruhigstellung kaum mehr beugen ließ. Diese Operation war nur von mäßigem Erfolg gezeichnet, am 23.10.2003 folgte die Zweite. Und weil dieses böseböse Knie sich auch soo gegen die Kunst der Ärzte wehrte und keinesfalls bereit war, sich nachhaltig zu bessern, wurde mir am 4.11.2004 nun doch auch noch das Vordere Kreuzband durch ein Stück Kniescheibensehne ersetzt. Dass dieses unartige Kreuzband seinen Schaden aber auch erst ein Jahr später zeigt! Sowas. Die diversen Ärzte haben doch sicher immer das Richtige getan und alles immer gleich korrekt erkannt! Pfui! Böses Kreuzband! Ganz böse!

Der Ausgang der Geschichte ist jetzt (Februar 2005) noch immer offen, weil schmerzfrei strecken Kann ich das Knie noch immer nicht. A never ending Story...

15.3.2006: die vierte OP...