Marokko - alle Straßen, alle Wetter

Robert: Honda Transalp ´94
Jack: Honda Transalp ´93
Dete: Honda Africa Twin ´92; Dete schloss sich uns in Fez an, war dann leider nur bis Quarzazate mit uns unterwegs

Wir mussten unsere geplante Tour wegen des Wetters zuerst mehrmals im Kleinen und dann komplett ändern; viel Regen, Temperaturen um 6°C, Nebel, Schneeregen und stürmischer Wind zwangen uns dazu.


Allgemeines zur Reise:

Grüne Versicherungskarte: hatte 2003 vor Ort an der Grenze DH 815,- / € 82,- gekostet;
diesmal, in Wien bei der Versicherung erweitert: € 38,60
Den Motorradanhänger konnte ich mir dankenswerterweise gegen einen kleinen Unkostenbeitrag von meinem Freund Nick ausleihen.

Dieselpreis unterwegs: Italien und Frankreich € 0,90 - 0,98; Spanien: € 0,78

Auto und Anhänger parken am Campingplatz: 24 Tage für € 69,-
Tickets Algeciras / Sebta: "Superfast" je Person + Mopped € 39,- (einfache Richtung)

Wechselkurs an der Grenze: € 1,- = DH 10,-
Spritpreis in Marokko: an der Tankstelle DH 9,11 - 9,29
sonst (wo es keine Tankstelle gab, aus dem Fass) DH 10,-

Ablauf an der Grenze:
zuerst mit Pass und ausgefülltem Einreiseformular zum Schalter 4
dann mit Pass, Fahrzeugpapieren und grüner Versicherungskarte zum Zoll
danach abschließende, kurze Kontrolle am Übergang

Die Kosten der Reise beliefen sich auf etwa € 1250,- pro Person und teilen sich überschlagsmäßig wie folgt auf:

geteilte Kosten (zwei Personen):
Diesel, Maut, Parken am Campingplatz Tarifa (Torre de la Pena II), Anhänger leihen: € 500,- pro Person

meine Kosten:
grüne Versicherungskarte € 38,60
Fährtickets € 78,-
Treibstoff in Marokko etwa € 250,-
alle Ausgaben in Marokko etwa € 400,-


Freitag 23.4. WIEN - TARIFA 2980 km

9:00 Abfahrt. Ich fahre bis Tarvis, Jack bis Genua und ich wieder weiter bis Barcelona. Den Rest der Strecke teilen wir uns ehrlich auf. Die Fahrt geht zügig dahin, leider sind die 90 PS vom Escort ein wenig mickrig für die fast 600 kg am Hänger. 90 - 120 km/h, je nach Gefälle und Verkehr, mehr sind nicht drin.
Am Sonntag um 0:00 sind wir am Campingplatz, dem Torre de la Pena II in Tarifa, stellen aber kein Zelt mehr auf und schlafen im Auto.


Sonntag 25.4. TARIFA - SEBTA - MJARAA 244 km

9:00 aufstehen, reisefertig machen. Heiß duschen!!! Etwa mittags haben wir alles erledigt: Moppeds bepackt, Auto und Hänger geparkt, Camping bezahlt. Ab nach Algeciras und Tickets für die Fähre kaufen. Im Schalterraum komme ich mit einem Deutschen, der eben vor mir sein Ticket gekauft hat, ins Gespräch, aber nur ganz kurz und ohne wirklich Information auszutauschen. Als ich wieder bei den Moppeds zurück bin, stehen Jack und er beisammen und wir quatschen kurz über unsere Pläne; wir verabschieden uns, schiffen nach Sebta ein und er setzt nach Tanger über. Wir haben Glück, in 15 Minuten fährt unsere "Superfast" und um 13:40 sind wir in Sebta. Dort, an der Grenze, wieder die selbe lähmende Prozedur... Mit Pass und Einreiseformular zum Schalter 4, dann mit Pass und Fahrzeugpapieren zum Zoll, danach nochmals alles kontrollieren lassen; um etwa 15:00 ist endlich Abfahrt.
Wir halten uns an die Route vom Vorjahr, schaffen es aber nicht ganz zum Stausee. Irgendwo in den Bergen, in einem kleinen Dorf, stecken wir plötzlich in einer Art Festzug fest; die Straße ist überfüllt mit feiernden, musizierenden und singenden Menschen und Aufsehen erregend werden wir hindurchgeschleust. Ehe es dämmert schlagen wir irgendwo im Niemandsland, in den Feldern einige km vor MJARAA, unser Lager auf.


Montag 26.4. MJARAA - FEZ 147 km

8:00 Tagwache. Am Morgen hatte es 10°C und alles war taunass. Allerdings ein toller Morgen! Beim Kaffeetrinken kam eine Herde Kühe vorbei, weil unser Zelt offenbar genau auf deren Trampelpfad stand.
9:30 Abfahrt. Schöne Strecke, viel Schotter; bis FEZ abwechslungsreiche Landschaft, sehr ländlich und ursprünglich. Viele Menschen, Kühe und Maultiere auf und entlang der Straße. In Fez geht Jack der Sprit aus, wenige hundert Meter vor der Tankstelle; also abzapfen und umfüllen.
Wir fahren zum Camping Diamond Vert, bauen das Zelt auf und richten uns häuslich ein. Kurze Zeit später tuckert eine Africa Twin in Richtung unseres Zeltes - es ist der Deutsche, den wir schon in Algeciras am Hafen getroffen hatten. Wir plaudern ein Weilchen und beschließen, die nächsten vier Tage, bis Quarzazate, gemeinsam zu fahren. Dete ist üblicherweise alleine unterwegs und hat seinen Erzählungen nach schon sehr viel in Afrika gesehen, viele Länder mit seinem Mopped bereist; er wird sich in den folgenden Tagen als außerordentlich angenehmer, unterhaltsamer und wertvoller Reisepartner herausstellen.
Am Nachmittag fahren wir noch in die Altstadt, marschieren durch die Souks und trinken Tee. Am Rückweg haben wir uns auch noch den prunkvollen Königspalast angesehen. Der Tag wurde uns viel zu kurz und die Dunkelheit kam viel zu schnell.

Camping Diamond Vert; 2 Pers/1 Zelt/2 Moppeds DH 90,-


Dienstag 27.4. FEZ - AZROU 205 km

7:35 herrlicher Nebel, 11°C und ein paar Tropfen klatschen aufs Zelt; aber ich bin guter Dinge, dass sich das bald wieder auflöst.
9:30 Abfahrt. Über Sefrou nach Ifrane und dann weiter auf Feldwegen durch den Zedernwald südlich von Azrou. Das Wetter ist super, Sonnenschein und angenehme Temperaturen. So macht das Fahren richtig Spaß! Zwischen Ain Leuh und Azrou schlagen wir uns die Bäuche mit Hühnchen vom Grill voll; schmeckt zwar etwas anders als gewohnt, aber gar nicht übel. Der Himmel ist mittlerweile schon wieder ziemlich bedeckt. Wir fahren noch zur großen Zeder, der mit 40m höchsten Marokkos, finden aber leider statt der erwarteten Affenrudel nur Rudel an Souvenirverkäufern vor. Also gleich wieder retour und ab in die Berge, in die Gegend vom Vorjahres-Camp 02. Je weiter wir fahren und höher wir kommen, desto schlechter wird das Wetter; der Nebel wird immer dichter und die Temperatur sinkt auf 13°C. Am Lagerplatz in etwa 1700m Höhe, von wo man normalerweise einen tollen Ausblick ins Tal hat, ist der Nebel schon so dicht, dass man kaum mehr 20m weit sieht. Zelt aufstellen, Feuer machen, Tee kochen; und schon beginnt es richtig zu regnen. Sehr schade. Es schüttet aus allen Wolken. Nahe am Feuer, unter Dete´s zwischen den Transalps gespannten Zeltmatte, ist es einigermaßen auszuhalten und eigentlich haben wir trotz der widrigen Wetterlage viel Spaß hier. Gegen 22:00 ist unser gesammeltes Feuerholz leider verbraucht, somit wird diese kuschelige Runde aufgelöst und wir verschwinden in unseren Zelten. Kalt, feucht - brrr.


Mittwoch 28.4. AZROU - BENI MELLAL 212 km

Es regnet die ganze Nacht, ohne Unterbrechung. Um 9:00 hört es auf und der Nebel reißt ein wenig auf - Freude! Raus aus den Zelten! Aber kaum 10 Minuten später öffnet der Himmel wieder alle Schleusen und wir verkriechen uns wieder in unseren Zelten. Unseres ist zwar regendicht, aber trotzdem wird alles durch und durch feucht - und 8° nasse Grade sind einfach arschkalt.
In der nächsten Regenpause packen wir schnell, bauen die Zelte ab und brechen eilig nach Süden auf. Allerdings fängt es bei der Abfahrt schon wieder zu regnen an, also fahren wir Richtung Hauptstraße und dann bis El Bordj im strömenden Regen. Teepause in Khenifra - und die ersten zaghaft durch die Wolken brechenden Sonnenstrahlen aufsaugen. In den Stiefeln bin ich klatschnass, die eiskalten Strümpfe werden gegen angenehm trockene gewechselt; die Handschuhe werden zwar sehr schnell nass, trocknen aber dafür auch rasch wieder. Durch meine zwei Jacken ist zum Glück außer Kälte nichts durchgegangen.
Ohne weiteren Stopp fahren wir durch bis Beni Mellal, ins Hotel Ain Asserdoune. Kurz vor dem Hotel noch ein kleiner Wolkenbruch, damit wir ja gut durchnässt ankommen... Hinein ins Zimmer und unter die heiße Dusche! Danach gehen wir noch zum Barbier und genießen eine Rasur (alle 3 zusammen DH 40,-), im Anschluss daran setzen wir uns ins Restaurant, um Tajine zu essen. Leider müssen wir ein Weilchen warten; bisher haben wir noch gar nicht über die Zeitverschiebung nachgedacht - mit unserer Sommerzeit sind es doch 2 Stunden Unterschied, und genauso lange warten wir auch auf unser für 20:00 bestelltes Essen. Abgesehen davon wird es ein gemütliches, nettes Abendessen; wir unterhalten uns gut und können auch wieder über das Wetter lachen - hier drinnen ist es ja trocken und warm.

DZ: DH 154,- / EZ: DH 133,-
1x Couscous, 2x Tajine, 2x Wasser á 1,5l, 3x Tee; 3x Frühstück (wirklich üppig - Pfannkuchen, Orangensaft, Fladenbrot, Honig, Marmelade, Butter, Kaffee, Tee) zusammen DH 290,-


Donnerstag 29.4. BENI MELLAL - DEMNATE 208 km

Frühstück im Hotel, bei der Abfahrt scheint wieder die Sonne. Vorbei am Stausee Bin El Quidane, Richtung Azilal, und weiter zu den Cascades d´Ouzoud. Wir marschieren zu den Fällen hinunter, am Rückweg geht uns über die vielen Stufen fast die Luft aus, es ist ziemlich heiß hier in der Sonne. Oben angelangt, genehmigen wir uns eine Tajine; kaum sind wir fertig und abfahrtsbereit, beginnt es auch schon wieder zu regnen. Ab hier gestaltet sich unsere Fahrt wieder einmal als Flucht vor dem Regen. Einige male bleiben wir stehen und stellen uns unter, um zumindest den ärgsten Güssen zu entkommen. So gelangen wir mehr schlecht als recht bis nach Demnate - dort erwischt es uns dann aber wieder mit "voller Power". Ein Wolkenbruch geht nieder und ehe wir eine geeignete Unterstandsmöglichkeit finden können, sind wir auch schon nass bis in die Socken; mir rinnt das Wasser innen in der Hose hinunter bis in die Stiefel. Wir stellen uns in einem Kaffeehaus unter, alle Menschen verlassen fluchtartig die Straße, die schon eher einem Fluss gleicht und mehr als knöcheltief Wasser führt. Die letzten Kilometer bis Imi´n´Ifri fahren wir trotz heftiger Gewitter noch weiter, nässer können wir eh nicht mehr werden. Dabei ist die Straße manchmal gar nicht mehr als solche zu erkennen, sondern ähnelt eher einer Schlammlawine. Der Besuch des Pont Naturel fällt logischerweise aus.
Wir finden Quartier in der Gite d´Etape und werden auch freundlich versorgt - Tee, Suppe, Couscous und Obst. Obwohl ich stinksauer bin wegen des Wetters wird es ein sehr lustiger Abend; wir sitzen in unseren Schlafsäcken herum und erwärmen uns trotzdem kaum, aber mit Dete lässt es sich wirklich gut lachen und so verdrängen wir ein wenig die triste Lage.
Trotzdem überlege ich hier zum ersten Mal ernsthaft, den Urlaub abzubrechen und nach Hause zu fahren; einzig die Tatsache, dass es für Jack die erste Reise dieser Art war, hält mich davon ab - ich möchte ihm die Freude nicht nehmen.


Freitag 30.4. DEMNATE - QUARZAZATE 260 km

Heute soll es nach Quarzazate gehen, über den Hohen Atlas in den südlichen, wärmeren und trockenen Teil Marokkos.
7:00 Es regnet nicht mehr, der Himmel ist aber dicht mit Wolken verhangen, das Thermometer zeigt 6,8°C und das Warmwasser aus der Leitung hat etwa die gleiche Temperatur - Dusche und WC im Freien fallen aus. Meine Weste ist über Nacht halbwegs getrocknet, die Ärmel sind aber nach wie vor nass; Jacke, Stiefel und Handschuhe sind noch ziemlich feucht. Die Räume hier sind ungeheizt und natürlich dementsprechend kühl. Das wird ein unangenehmer Tag werden. Es ist eigentlich schon überflüssig zu erwähnen, dass ich sehr auf Wetterbesserung hoffe.
Von Imi´n´Ifri aus geht es, noch unter dichten Wolken, nach Westen Richtung Marrakesch. Landstraße bis Ait Qurir, dann links ab in die Berge. Die Straße windet sich in unzähligen Kurven die Hänge hoch und in tollen Panorama kann man immer wieder einen Blick auf den beeindruckenden, schneebedeckten Gipfel des Jbel Toubkal (4167m) werfen. Obwohl nun wieder einmal die Sonne vom blauen Himmel lacht, ist es am Tizi´n´Tichka auf 2260m mit 10°C doch sehr kühl. Kurz nach dem Pass, wo nicht nur das Klima sondern auch die Landschaft sich übergangslos ändert, biegen wir links ab auf die Straße nach Telouet, wo es eine sehr schöne Kasbah zu sehen gibt. Auf schlechtem Asphalt geht es flott dahin, in Telouet am gemütlichen Hauptplatz genießen wir Kaffe, Tee und Sonne. Einige Kilometer geht es noch so dahin, aber irgendwann sind dann die löchrigen Reste des Straßenbelages auch nicht mehr vorhanden und es geht auf Piste weiter. Die Strecke wird immer interessanter und anspruchsvoller, ziemlich holprig und viele Steine; es geht lange Zeit immer hart am Schluchtrand entlang, tolles Panorama! Km um Km verläuft die Piste so weiter, langsam geht es wieder ins Tal hinunter und plötzlich keine Straße mehr - auf ca. 150m Länge muss der Fluss durchfahren werden, was lustig ist und kein großes Problem darstellt. Wir kommen auf dieser Strecke aber nur relativ langsam vorwärts, es folgen noch einige weitere Flussdurchfahrten, die Piste ist stellenweise auch ziemlich anspruchsvoll und liegt an den höheren Stellen oft sehr exponiert am Schluchtrand. Langsam läuft uns auch die Zeit davon, es beginnt schon zu dämmern und wir sollten eigentlich bald auf die Hauptstraße Richtung Quarzazate kommen. Dieser Abschnitt war eigentlich nicht geplant und so nehmen uns die ca. 50km Piste doch ziemlich viel Zeit ab. Es wird schon dunkel als wir endlich auf Asphalt kommen und die letzten 20km nach Quarzazate fahren. Wir finden problemlos zum Campingplatz, schnell noch Zelt aufstellen und wohnlich einrichten. Heute war ein toller Tag!


Samstag 1.5. QUARZAZATE

Heute ist Waschtag, auch sind kleine Reparaturen an den Moppeds fällig. Dete ist eine "Spaßmaschine"; aus seinem Mund kommt kaum ein ernst zu meinendes Wort und er hält uns permanent am Lachen. Die vergangenen Tage mit ihm waren wirklich eine Bereicherung, angenehm und kurzweilig.
Am Nachmittag besuchen wir die Atlas-Filmstudios außerhalb der Stadt, die Kasbah Taouirt konnten wir leider nicht besichtigen, denn da diese als Museum geführt wird ist sie ab 18:00 geschlossen.
Im Supermarkt gibt es gekühltes Dosenbier und wir genehmigen uns und genießen ein paar davon.


Sonntag 2.5. QUARZAZATE - (TAFRAOUTE) SERGENE 331 km

9:00 Abfahrt vom Campingplatz. Unsere Wege trenne sich nun; Dete fährt in das Draa-Tal hinunter und wir brechen auf nach Westen, unser geplantes Tagesziel ist Tafraoute. Als wir losfahren, frischt der Wind merkbar auf. Bis Anezal kommen wir flott voran, obwohl der stürmische Seitenwind ziemlich heftig und unangenehm drückt. Über den Bergen werden die Wolken immer dichter. Von Anezal bis Tallouine erwartet uns eine schöne Piste, dazwischen liegen auch zwei 2500m hohe Pässe. Der Wind wird ziemlich kalt, es hat nur mehr 12°C. Als es auch noch zu regnen beginnt, ist für uns auf 2200m Höhe, wenige Kilometer nach Takochkte, Sendepause und der Punkt der unfreiwilligen Umkehr erreicht. Die ganzen 40km zurück nach Anezal fahren wir im Regen, immer den eisigen Wind im Gesicht. Die Piste ist normalerweise schon etwas anspruchsvoll, jetzt wird der rote Boden auch noch extrem rutschig. Wir sind heilfroh, in Anezal endlich wieder auf Asphalt zu sein. Im Cafe wärmen wir uns mit einem Tee auf und versuchen im Anschluss daran, die Berge und das schlechte Wetter in großem Bogen südlich, der Hauptsraße folgend, zu umfahren. Das funktioniert genau 20km bis zur Tankstelle in Tazenakht und keinen Meter weiter... Hier holt uns der Regen wieder ein, mit stürmischem Wind und 12°C. Einfach toll.
Wir müssen nun unsere ganze Routenplanung über Bord werfen und uns rasch entscheiden, wie es weiter gehen soll. Wettermäßig bietet sich die einzige Möglichkeit nach Osten, Richtung Bou Azzer und dann auf die Piste nach Agdz. Diese ist aber auch schon, ganz neu, asphaltiert und so kommen wir rasch vorwärts. Weiter geht's ins Draa-Tal und dessen schöne Landschaft; Palmen, Berge, der Fluss, Kasbahs - und der Wind bläst beständig heftig. Bei 70-80 km/h fährt man quasi in Windstille! Dafür überholt mich immer wieder meine eigene Staubwolke... Langsam knirschen mir die Zähne, aber zumindest regnet es nicht mehr und es wird auch schon wieder merkbar wärmer. In Sergene quartieren wir uns in einer Gite´d´Etap ein. Äußerst mangelhafte sanitäre Einrichtungen, eine kaum funktionierende Dusche, gleich neben dem nicht wirklich sauberen Plumpsklo. Es gibt kleine Zimmer mit Betten und Matratzen. Wir schlafen beide in unseren Mumien, die Decken haben auch schon bessere Zeiten gesehen. Ziemlich heruntergekommen, dieses Haus; kein Vergleich mit allen Gite´d´Etaps, in denen wir bisher genächtigt haben! Aber wir können im Freien zu Abend essen und bei angenehmen Temperaturen unsere weitere Route bequatschen. Nachdem uns das Wetter nun zum wiederholten Male einen Strich durch die Rechnung gemacht hat, müssen wir wohl oder übel einen Teil unserer Strecke ausfallen lassen und im Besonderen die Berge meiden. Die Frage lautet: West oder Ost, Plage Blanche oder Erg Chebbi? Beides geht sich nun nicht mehr aus. Wenn sich das Wetter nicht großräumig ändert, können wir wohl auch Todra- und Dades-Schlucht streichen.

Wir werden ja sehen. Mir macht es einfach keinen Spaß mehr, immer wie ein Idiot von A nach B zu fahren, nur um dem schlechten Wetter zu entkommen. Dabei bleibt die ganze Urlaubsqualität auf der Strecke; man hat keine Zeit, irgend etwas zu genießen, sondern ist immer auf der Flucht.


Montag 3.5. SERGENE - M´HAMID 251 km

Sonnenschein, blauer Himmel, wenig Wind; überall knirscht es, in jeder Ritze steckt der Sand vom gestrigen Sturm. Mein GPS-Stromkabel verweigert seinen Dienst; im Stecker hatte es einen Kurzschluss zwischen den Kontakten, kein Problem.

Nach etwa 100km sind wir in M´HAMID angelangt, dem Ende der Straße, nahe der algerischen Grenze; die ehemals vom Militär gehaltene Grenzstation in Sichtweite, einen Steinwurf entfernt. Der Wind hat wieder aufgefrischt und bläst uns munter viel Sand um die Ohren.
Am Ortseingang wird man regelrecht von bettelnden Kindern und selbsternannten Führern überfallen und belagert, das kann mit der Zeit auch ganz schön nervig und mühsam werden.
Keine Tankstelle hier in M`Hamid; 20km zurück nach Tagounite und bei der Gelegenheit werde ich auch gleich die undichte Manschette am Vergaser reparieren.
Eine Stunde dauert der Aufenthalt an der Tankstelle, alles wieder ok, weiter geht's Richtung Foum Zguid. Es dauert aber einige Zeit bis wir die richtige Piste finden, zu viele Wege liegen um und führen aus Tagounite. Anfangs ist es mühsam, ziemlich große Steine und sehr holprig; als wir aber einiges vom Ort entfernt sind, wird's besser und es geht flott dahin, um den nördlich von M´Hamid liegenden Berg herum und dann nach Westen. Die Piste ist abwechslungsreich; grober Schotter, feiner Kies, ein bisschen Sand und dann wieder wie ein guter Feldweg. Wir kommen zügig voran, stellenweise wären auch leicht mehr als 80 km/h möglich. Wir treffen auf die Piste von M´Hamid (C 04) und gar nicht viel weiter ist auch schon Schluss für uns. Der Sturm, der auf den letzten Kilometern wieder immer stärker wurde, nimmt uns schon sehr die Sicht und wir laufen Gefahr, uns im tiefen Flugsand festzufahren. Es ist ziemlich anstrengend, bis wir wieder halbwegs festen Boden unter die Räder bekommen. Der Sturm wird immer stärker und wir entschließen uns aus Sicherheitsgründen zur Umkehr; auch wenn wir die nächste Hürde noch nehmen sollten, es liegen fast 120 km Piste vor uns, deren Zustand wir weder kennen noch abschätzen können. 16 km vor M´Hamid ist dann aber auch der Rückzug für uns zu Ende, wir müssen uns auf eine Nacht im Sturm einrichten. Durch den vielen Sand in der Luft ist es trotz des Sonnenstandes schon sehr dunkel, außerdem verlassen Jack langsam die Kräfte; er hat sich eben zum dritten Mal niedergelegt und bekommt die Alp alleine auch nicht mehr auf die Räder.
Zelt aufbauen ist hier aber auch nicht; das würde wohl eher Flügel bekommen als sich verankern lassen. Die Moppeds zum V-Keil gegen den Wind gestellt, das Zelt als Windschutz daran festgebunden - viel bequemer wird's heute nicht mehr werden, gegen den stechenden Sand aber gut genug. Kein Essen mehr, nur noch sitzen und schauen - und in gewisser Weise auch genießen. Die Stimmung ist gespenstisch, aber einzigartig. Langsam wird der Himmel immer heller, es ist Vollmond, der Sturm legt sich komplett und die Nacht wird sternenklar. Durch den Vollmond extreme weite Sicht trotz der Dunkelheit! Die Nacht wird kühl, wir schlafen aber trotzdem gut.


Dienstag 4.5. M´HAMID - ZAGORA 158 km

Ein toller Sonnenaufgang am Morgen! Kaffee und Brot zum Frühstück, eine Herde Kamele kommt bis auf wenige Schritte heran und lässt sich überhaupt nicht durch uns beim Genuss der spärlichen Halme stören.
Nachdem wir uns und unsere Ausrüstung halbwegs vom Sand befreit haben beschließen wir, jetzt nochmals die Piste nach Foum Zguid zu versuchen; das Wetter sieht ja wieder gut aus. Und es wird doch auch einen Weg um das Sandfeld herum geben.
Leider nicht - nach wenigen hundert Metern ist genauso Sendepause wie gestern. Die ganze Piste ist immer wieder hüfthoch mit Flugsand verweht; dieser ist so locker, dass wir uns mit unseren schweren Moppeds immer wieder festfahren. Also wieder umkehren und nach M´Hamid zurück, sind ja nur an die 20 km. Abschnittsweise kommen wir gut und flott voran, dann geht's wieder etwas zäh, weil die Mulden und Senken der Piste mit lockerem Flugsand gefüllt sind. So kommen wir etwa bis 6 km vor M´Hamid, dann sitzen wir wieder in einem Dünenfeld fest. Bis zu einem Meter sind die Wächten hoch, unmöglich für uns, da durch zu kommen. Wir gehen ein Stück voraus und sehen, dass es noch schlechter kommt; also wieder umdrehen und über die Piste am Berg entlang, etwa 80km, zurück nach Tagounite. Dort ist es felsig, da kann es nicht so viele Verwehungen geben. Am frühen Nachmittag erreichen wir wieder die Tankstelle in Tagounite... Jetzt, von der anderen Seite kommend, kennen wir auch den besten Einstieg in die Piste, direkt beim Wasserturm.
Wir machen kurz Pause und beschließen, nach Zagora weiter zu fahren.

Irgendwann kurz von dem Ort ein kleines, unscheinbares Häuschen und die Piste mit einer mit Fähnchen behängten Schnur abgesperrt. Naja, ich fahre daran vorbei - und schon springt ein Uniformierter wie von der Tarantel gestochen, wild gestikulierend aus dem Häuschen hervor. Da hätte ich doch glatt eben einen Militärposten ignoriert! Nachdem wir erklärten, woher wir kommen, wohin wir wollen und dass alles in Ordnung sei, dürfen wir natürlich unbehelligt weiterfahren.
Auch sind wir in einen riesigen Schwarm gelbgrüner Heuschrecken geraten - da mussten einige ihr Leben lassen.
Und da war dann auch noch das Kamel, das am Pistenrand stand und genüsslich am Baum kaute - und just in dem Moment, als ich daher gebraust kam, die Seite wechselte. Vollbremsung im Schotter, wir hätten wohl beide keine Freude an direktem Kontakt gehabt. So ein blödes Vieh.

Jetzt sitzen wir in Zagora am Camping "Jardin Zagora" und machen uns einen gemütlichen Abend.
SMS von Dete: er ist schon in Mellia und geht um 22:00 auf die Fähre nach Malaga.
Wir nehmen morgen die direkte Verbindung von hier nach Foum Zguid; nächstes Ziel ist Tan Tan und dann Bou Jerif / Plage Blanche.
Heute Nacht konnten wir eine fast vollständige Mondfinsternis beobachten.


Mittwoch 5.5. ZAGORA - TISSINT 174 km

Eben wurde mir vom netten Campingplatzbesitzer ein Teppich für mein Handy angeboten. Hmmm...
2 Personen, 1 Zelt, 2 Moppeds zusammen DH 60,-
Wir nehmen die Piste nach Foum Zguid. Aus Zagora heraus etwas schwierig zu finden, am besten Richtung Flughafen halten und kurz davor, schon in Sichtweite, beim letzten Abzweig, links halten. Dann einfach der am ausgefahrensten Trasse nach Südwesten, Richtung Berge, folgen. Langsam schwenkt die Piste dann nach Westen, in wunderschöne Wüstenlandschaft. Bis hierher ohne Probleme zu befahren; manchmal wellig, dann wieder etwas sandig, aber gut fahrbar. Eben kam eine junge Frau mit vier Kindern zu uns; freundlich grüßend, alle die Hand gebend. Und das kleinste Mädchen hat mir die Hand geküsst, das hat mich einigermaßen berührt. Die Frau hat eine kleine Verletzung an der Hand und bittet um Hilfe; Jack versorgt die Abschürfung mit Wundsalbe und Verband, dann bekommt jede noch ein Bonbon und weiter geht's mit uns.
Km 60: rechts der Abzweig nach Bou Rbia. Zum 3. oder 4. Mal haben wir unser "Begleitfahrzeug", einen alten Discovery, überholt. Das besondere daran: im Fahrzeug sitzen etwa 8 Personen; und oben drauf, auf der Galerie am Dach, nochmals gezählte 11! Das scheint so eine Art Taxi/Bus zu sein, immer wieder steigen Personen aus und zu. Und schon wieder bekommen wir Besuch; ein junger Mann fragt nach einer Zigarette. Jacks Kunde. Hier hat es 37°C im Schatten, der heißeste Tag bisher.
Ab Bou Rbia wird die Piste ziemlich steinig. Dann folgen ein paar versandete Kilometer, danach wird's wieder stark steinig. Egal, wo man anhält, immer wieder tauchen Menschen aus dem Nichts auf und sehen uns genauso neugierig an wie wir sie.
Km 90: die Piste bleibt sehr steinig. Wir sind jetzt ziemlich genau nördlich vom Lac Iriki, nur eine Bergkette liegt dazwischen. Ab einer Oase wird die Piste wieder besser fahrbar, es geht wieder flotter dahin. Immer wieder fahren wir durch riesige Heuschreckenschwärme, richtig unheimlich. Das sind doch hoffentlich keine Fleischfresser???
Im Laufschritt - zack zack - und schon wieder sind fünf Mädels um uns und tuscheln und lachen. Aber sie wollen nicht fotografiert werden. Wieder kommt der Landy an uns vorbei, mittlerweile werden wir schon freundlich gegrüßt.
Die letzten Kilometer geht es über eine neue, breit planierte Piste zügig voran. Es wird eine Straße nach Zagora gebaut, deswegen waren auch schon viele der Furten entlang der Piste befestigt und betoniert. Kurz vor der Ortschaft endet die Piste und es geht durch einen riesigen, sandigen Qued. Wenn man rechts auf die Felsen klettert, hat man eine schöne Aussicht auf das Gelände und auch auf das Dorf Smira, das nun auf der neuen Piste umfahren wird.
Foum Zguid gefällt uns nicht. Es ist eine kleine, schmutzige Stadt ohne Attraktivität. Obwohl viele junge, nett gekleidete und gepflegt aussehende Menschen mit Fahrrädern und zu Fuß unterwegs sind, es passt das Stadtbild nicht zu deren Erscheinung. Wir tanken und fahren weiter Richtung Tata. Etwa 30 km vor dem Agadir Tissint schlagen wir abseits der Straße zwischen kleinen Dünen am Qued unser Lager auf.
Es ist schon dunkel und sternenklar, wir sitzen und quatschen, da kriecht irgend ein Tier total schnell mein Bein herauf. Ich zapple erschrocken und denke, dass ich es abgeschüttelt habe, da spüre ich es wieder, am Oberarm und am Nacken - extra huch!!! Riesengroß!!! Aber nun doch abgeschüttelt, puh...
Die Neugier ist natürlich groß und mit der Taschenlampe bewaffnet mache ich mich vooorsichtig auf die Suche nach dem Ungeheuer. Ich brauche auch gar nicht lange zu suchen: gleich am ersten Strauch, versteckt zwischen den kleinen Ästen, sitzt dieses Ding: viele (8 oder mehr?) lange Beine, die vorderen dicht behaart, hellbraun; im Gesamten einer Spinne ähnelnd, der 4-5cm große Körper aber stark gegliedert; Länge über alles gut 10cm. Schreck! Das heißt auch, alles was heute im Freien bleibt, gasdicht verpacken. Wir wollen doch morgen früh keine Überraschung erleben.
Die Zeit bis zum Einschlafen habe ich Ohren wie ein Luchs; es weht kein Lüftchen, es ist mucksmäuschenstill und jede Fliege klingt wie ein Hubschrauber. Komischerweise war Jack heute vor mir im Zelt - ob das mit den Tieren hier zu tun hat...?
Die Nacht ist extrem ruhig und lau. Die erste Nacht, in der mir nicht kalt war.


Donnerstag 6.5. TISSINT - AMTOUDI 319 km

6:00 Die Sonne scheint schon flach aufs Zelt, man spürt deutlich die Kraft ihrer Strahlen. Zeit aufzustehen!

8:00 Abfahrt. Es hat bereits 30°C.

Wir sind schon ein Weilchen unterwegs, da steht an der Straße, neben seinem Moped, ein Marokkaner und deutet uns stehen zu bleiben; weil auch seine persönlichen Sachen und Werkzeug herumliegen, denke ich, hier geht es sicher nicht um betteln oder verkaufen und wir sollten schon mal anhalten, vielleicht können wir helfen. - Kein Zündfunke an seiner 50ccm-Yamaha. Er hat schon an der Zündung herumgewerkt, einiges ist zerlegt, Drähte blank. Wir können leider auch nicht helfen, er bedankt sich freundlich und wir fahren weiter.

Kurz vor Tissint biegen wir rechts zum Qued ab, zu den Becken. Meine Erwartungen werden bei weitem übertroffen! Nie hätte ich gedacht, in dieser trockenen Gegend einen kleinen Fluss zu finden, der so schöne Becken zum baden ausbildet. In einem Bereich ist es sogar so tief, dass ich nicht mal mehr stehen kann; das Wasser ist eiskalt, salzig und ziemlich klar; es gibt viele kleine Fische und Frösche. Hier wäre ein toller Platz zu campen, für uns ist es aber eine willkommene Gelegenheit, uns den Staub von Gestern vom Leibe zu spülen. Seeehr angenehm! Wirklich ein wunderschönes, idyllisches Plätzchen. Ohne Wegpunkt oder Beschreibung nicht zu finden, weil von der Straße überhaupt nicht einseh- und erkennbar.

Wieder an der Hauptstraße, treffen wir nochmals auf den Mann mit der Yamaha, diesmal hat er schon jemanden gefunden, der ihm mit Ersatzteilen ausgeholfen hat und es wird eifrig geschraubt; mir fällt auf, dass er keinen Turban am Kopf hat - diesen hatte er als Abschleppseil verwendet, so ist er mit Hilfe eines anderen Mopeds bis hierher gekommen.

11:00 Tata - Die Straße ist gut und es geht flott dahin. Immer wieder riesige Heuschreckenschwärme auf der Fahrbahn, mindestens 20x bisher auf dieser Strecke. Diese Viecher sitzen zu tausenden auf der Straße, wie ein gelbgrüner Teppich; wir richten da jedes Mal ein Massaker an... Jack meint, meine Heckwelle sei beeindruckend. Tata ist eine kleine, aber weitläufige Stadt; viel Militär, sehr sauber, gut gekleidete Menschen. Mittlerweile hat es 40°C, der heißeste Tag bisher! Das Fahren birgt immer wieder Überraschungen: kämpfende Eidechsen, Maultiere, Kamele, Pferde, Heuschrecken; man weiß nie, was einen hinter der nächsten Kurve erwartet.
Polizeikontrolle am Ortsausgang; ausserordentlich freundlich und korrekt. Frage nach woher und wohin, unsere Pässe werden begutachtet und die Nummern notiert. Danach ein freundliches Händeschütteln und weiter geht's!


13:00 Akka - kleine, unspektakuläre Stadt; sauber und ziemlich menschenleer. Tankstelle gibt es hier keine, aber eine Tankmöglichkeit vom Fass. Flimmernde Hitze, glühender Asphalt; auch Tempo 100 bringt keinerlei Abkühlung mehr.

16:00 Icht - Wieder Polizeikontrolle; korrekt, freundlich; die üblichen Fragen nach woher und wohin; wohl mehr Neugierde als Kontrolle. Der Wind wird stärker und es wird merkbar kühler; ab Aguerd sind es "nur" mehr 25°C. Die letzten Kilometer bis zum Camping Amtoudi bläst es uns schon ganz schön stürmisch um die Ohren und die Temperatur ist weiter gefallen, auf nunmehr 17°C! Man merkt, nicht nur an der wechselnden Landschaft, wir sind wieder in den Bergen.
Hier am Campingplatz, den ich vom Vorjahr kenne, nehmen wir uns ein Zimmer. Alles hier ist ausgesprochen nett und sauber. Für abends bestellen wir uns Tajine und morgen werden wir uns zwei Esel besorgen (lassen) und zur hoch über dem Dorf liegenden Speicherburg Id Aissa, 1200 Jahre alt, aufbrechen.
Obwohl es heute schon sehr heiß war (Jacks Thermometer stand einmal auf 41°C) und wir eine weite Strecke hinter uns haben, fühlen wir uns wohl und es war ein schöner Tag. Das Wetter war super, landschaftlich von kilometerweiten Wüstenebene bis schroffen Bergen alles gesehen. Schöne Dörfer, viele Queds, abwechslungsreich und trotz der Länge kurzweilig.
Die Gemüse-Tajine war ausgezeichnet; dazu gab es eine Flasche marokkanischen Rotwein (DH 100,-)
(kalte) Dusche, Zimmer, Essen und Frühstück p. P. DH 175,-


Freitag 7.5. AMTOUDI - BOU JERIF 158 km

6:30 windig, bewölkt, 11°C. Nach dem Frühstück brechen wir auf ins Dorf, um den Führer und Schlüsselwärter des Agadir zu finden; aus den Eseln wurde auch nichts, aber darüber sind wir eigentlich gar nicht traurig. Soo schlimm ist der Weg ja nicht und vielleicht auch zu Fuß mehr zu genießen. Wir sollen einfach an der Teleboutique nach dem Mann fragen; es dauert ein Weilchen, ein Junge wird geschickt nach ihm zu suchen, aber ohne Erfolg. So stehen wir an der Straße und warten. Bis uns ein älterer Mann anspricht, warum wir hier stehen und warten; wir sollen doch einfach losgehen, denn wenn der "Wächter" jemanden hochgehen sieht, kommt er ohnehin selbst auch nach oben. So gehen wir halt los. Durchs Dorf, durch den Qued, den Hang hinauf - der Weg ist sehr steil und steinig, die Sonne kann es mittlerweile auch schon ganz gut und wir kommen ganz schön ins schwitzen. Es sind etwa 250 Höhenmeter bis oben. Unterwegs gesellt sich ein Junge zu uns und bietet sich als Führer an, um ein paar Dirham zu verdienen. Wir gehen halt gemeinsam, aber der Weg wäre auch bei Dunkelheit kaum zu verfehlen...
Oben angekommen, wird uns schon das Tor geöffnet. Wir werden von dem älteren Mann am Tor und dem Jungen kreuz und quer durch die Burg geführt, ein richtiges Labyrinth aus niedrigen, dunklen Gängen und kleinen Räumen. Von außen, auch von den Türmchen herab, ist dieses Wirrwarr gar nicht zu erkennen, alles sieht aus wie grober Natursteinboden. Darunter liegt aber der ganze Komplex versteckt. Sehr beeindruckend! Die exponierte Lage der burg am Abgrund, 250 Meter hoch über dem Talboden, ist ebenfalls atemberaubend. Wir werden etwa eine halbe Stunde ausführlich herumgeführt und bekommen viel erzählt; dann werden wir zum Eingang zurück gebracht. Ich denke, die DH 50,- die wir gegeben haben, waren gutes Geld für den alten Herrn.
Zurück zum Quartier nehmen wir den direkteren Weg, ohne durch das Dorf zu gehen und um etwa 11:00 sind wir wieder zurück. Sachen packen, umziehen, Zimmer bezahlen, Abfahrt.

Wir fahren durch bis Guelmime, die Strecke ist öde, trostlos und abschnittsweise ziemlich verdreckt. Eigentlich wollten wir in Guelmime auch zum Barbier gehen,, einen Tee trinken und ein wenig herumspazieren, aber diese Stadt sieht nicht wirklich einladend aus. Also nur tanken und gleich weiter nach Bou Jerif. Am frühen Nachmittag sind wir am Ziel und GENIESSEN EIN KÜHLES BIER in der Sonne!!!
Wir sehen uns ein wenig um, faulenzen den Rest des Tages und relaxen einfach.
Für Abend haben wir uns Dromedar-Tajine bestellt. Und Rotwein.
Das Essen war ausgezeichnet, statt des Weines hatten wir kalte Biere und als Abendbeschäftigung musste ich noch meine kleine Minolta Xi reparieren - der Objektivverschluss wollte nicht mehr so richtig funktionieren. Eine Folge des vielen Staubes der vergangenen Tage. Also Gehäuse auf - na wui, da ist aber viel Zeugs drin - Mechanik durchblicken - Sand heraus - etwas WD 40 hinein - schon funktionierts wieder!


Samstag 8.5. BOU JERIF / PLAGE BLANCHE 100 km

Nach dem Frühstück marschieren wir zum Fort Noun und wandern am Qued und in den Ruinen herum. Ganz nett, im seichten Wasser und den teils steinigen, teils schlammigen Tümpeln tummeln sich bemerkenswert viele Tiere: jede Menge Fische und Frösche, auch Wasserschildkröten haben wir gesehen. Zurück im Camp kommen die Koffer von unseren Moppeds herunter und wir fahren zum Plage Blanche.
Die Piste verläuft genauso wie voriges Jahr, nur sind halt mittlerweile ein paar Kilometer mehr planiert. Auch "meine Stelle", also die Senke, in der sich mein rechtes Kreuzband vom Knochen befreite, ist in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr vorhanden und musste der neuen Piste weichen.
Jetzt sitze ich nach ziemlich genau einem Jahr wieder hier im "Le Dromedaire" und schlürfe Cola, aber diesmal schmerzfrei...Als ich dem Wirt das Foto vom Vorjahr von mir mit meinem verbundenem Knie zeige, geht ihm sofort ein Licht auf. Hier wurde ich ja von ihm quasi "erstversorgt", aber das ist eine andere Geschichte.
Wir essen sehr gut, Salat für Zwei (eine riesen Schüssel Tomaten, Paprika, Gurken, Zwiebel), Omelette und eine Schüssel Reis - zuviel für uns. Inklusive Kaffee danach und der Cola bezahlen wir DH 126,-. Super nett und freundlich hier, es gäbe auch Zimmer.

Von hier zum Strand fährt man um die ganze Lagune herum. Dann sind wir am Ziel: der Plage Blanche, unberührter, 70 km langer und bis zu einem km breiter Dünenstrand. Wir fahren ein Stück, lassen dann aber unsere Moppeds stehen und spazieren herum. Ein Schauspiel - die Dünen, die Wellen. Ich könnte ewig hier sitzen und mit der Seele baumeln. Zum Baden ist es viel zu kalt und viel zu windig, so habe ich nur mal meine Finger in den Atlantik gehalten.

Am Rückweg fahren wir auf die Anhöhe hinter dem Strand, von hier oben aus ca. 35m Höhe hat man einen traumhaften Ausblick auf das Meer und die Dünen. Irgendwo in der Ferne verschwindet die Küste im Dunst. Ich bin richtig hin und her gerissen, kann mich nicht satt sehen. Man kann gut erkennen, wie der Wind in der Tiefe den Sand transportiert und die Dünen formt. Ein Schauspiel der Sonderklasse! Und keine Menschenseele weit und breit.

Flott sind wir unterwegs zurück nach Bou Jerif. Die tief stehende Sonne mach die Unebenheiten der Piste gut erkennbar - es ist einfach geil, mit bis zu 100 Sachen bei dieser guten Sicht hier entlang zu preschen. No more roads - vive la piste! Im Camp werden an den Moppeds werden wieder mal ein paar Schrauben festgezogen - na wui, mein Vorderreifen ist auch schon ziemlich am Ende; Asphalt kills Desert...

2 Nächte / 2 Personen im Nomadenzelt / alle Speisen, Frühstück, Wein und Biere: DH 1160,-


Sonntag 9.5. BOU JERIF - TAFRAOUTE 287 km

Abfahrt von Bou Jerif. Es waren zwei sehr gemütliche Tage hier; ein bisschen teuer, aber der Wein, das Essen und das Bier haben uns auch geschmeckt und das gibt es eben nicht gratis in dieser Abgeschiedenheit. Außerdem jederzeit eine heiße Dusche und wirklich saubere WC-Anlagen weiß ich mir auch zu schätzen. Das Schlafen im Zelt kostete eigentlich nur DH 30,- pro Person; so gesehen wäre mit Selbstverpflegung der Aufenthalt auch wesentlich günstiger möglich gewesen.

Wir fahren nach Guelmime, ich möchte einen Kanister kaufen; jedes Mal, wenn wir über steinige Pisten fahren, brechen die Wasserflaschen auf und unser Vorrat geht zum Teil flöten. Die Kanister die ich finde sind aber allesamt nicht dicht und die Empfehlungen der Verkäufer, doch einfach etwas Dichtmasse oder Plastikfolie zu verwenden, stellen mich auch nicht zufrieden. Außerdem ist die Stadt heute genauso hässlich wie vor zwei Tagen und die Leute nerven gleich stark. Also weiter. In Sidi Ifni kurze Fotopause, tanken (es gab keinen Strom an der Tankstelle, es wurde händisch an der Zapfsäule gepumpt) und weiter bis Mirleft geht es über schöne Küstenstraße flott dahin. Alle paar Kilometer finden sich hier wirklich wunderschöne Strände, leider ist es aber wieder einmal viel zu windig und kalt um ein Bad im Atlantik zu nehmen.

Mirleft - Kaffeepause, Sonne tanken.
Tiznit - moderne, große, relativ saubere Stadt; wir plündern den Bankomat, ich suche eine Weile erfolglos nach einem brauchbaren Kanister und nach einer kleinen Stadtrunde fahren wir wieder weiter.

Ab hier wird die Landschaft immer schöner; in unzähligen Kurven schlängelt sich die Straße auf über 1300m hoch, ab dem Col Du Kerdous verläuft sie dann lange Zeit auf gleicher Höhe. Die goldgelben Getreidefelder und die in allen Rottönen verputzten Häuser bieten einen tollen Anblick. Je näher Tafraoute kommt, desto interessanter wird die Landschaft. Riesige runde, rotbraune Felsen, bizarre Strukturen, faszinierende Architektur. Diese Gegend hier gehört für mich zu den schönsten Landstrichen Marokkos.
In Tafraoute bauen wir unser Zelt am Campingplatz auf; im Schatten einer großen Palme, wie uns empfohlen wird; damit wir am Morgen von der Hitze länger verschont bleiben. Was sich als Schnapsidee herausstellen sollte...


Montag 10.5. TAFRAOUTE (UKAS) 136 km

11°C - nur wenige Meter über uns hängen die Wolken an den Felsen; wer bitte braucht da den Schatten einer Palme???

Der Campingplatz sieht heuer etwas netter aus als 2003, das liegt wohl daran, dass die Gebäude und die Mauern neu pastellfarben bemalt wurden. Die Sanitäranlagen spotten aber nach wie vor jeder Beschreibung, sind vergammelt und extrem verdreckt. Nicht empfehlenswert!

Wir fahren u den Painted Rocks. Viele blau und rot bemalte Felsen; interessant anzusehen, nicht nur wegen der Farbe; auch wegen der unnatürlich wirkenden Felsformen und -strukturen. Ich könnte hier ewig lange sitzen und einen Felsen nach dem anderen ansehen, beobachten, im Geiste Figuren finden und zuordnen. Eine unwirklich, kulissenhaft scheinende Landschaft. Hier gäbe es jede Menge schöne Plätze zum Campen.

Zurück nach Tafraoute; tanken, Tee trinken, Brot und Verpflegung besorgen. Danach fahren wir durch die Oasen im Südosten zu den Gravuren von Ukas. Zuerst geht es bis Tasserine über endlos scheinende Serpentinen bis auf 1700m Höhe hinauf. Hier bläst auch anständig der Wind und es ist empfindlich kühl! Oben teilt sich die Straße, in jeweils einem Tal geht es hinunter in die Tazougart-Schlucht. Wir halten uns linkt, Richtung Timkyet. Auf schlechtem, meist gar nicht mehr vorhandenem Asphalt und weiter unten dann sowieso nur mehr grobem Schotter geht es tiefer und tiefer durch die enge, schöne Schlucht hinab, bis auf ca. 1000m der Talgrund erreicht ist. Nun führt die Piste nach Süden, nach Afella Irhir, der letzten kleinen Siedlung hier. Jetzt geht es immer im trockenen, breiten Qued entlang, links und rechts wunderschöne Berge und interessante Felsformationen. Hoch oben hört man den Wind rauschen, hier unten ist es windstill und angenehm warm. Ich bräuchte das GPS eigentlich gar nicht, ich erkenne die Gegend um die Gravuren auch so; das markante, überdimensionale "Hundehäfchen" mitten im Qued ist nicht zu verkennen. Links an der Flanke zum Seitental findet man in etwa 20m Höhe, verstreut an mehreren Stellen, die Gravuren (egal, ob nun echt oder nicht).
Herumspazieren, entspannen und viieeel schauen - ich kann die Ruhe und die Schönheit hier richtig in mich aufsaugen.
Zurück bis Afella Irhir, aber nun in der Siedlung links und durch das südlichere der beiden Oasen-Täler retour. Das Tal wird ganz eng, flankiert von roten, steilen Felswänden. Neben der Piste fließt ein kleines Bächlein, das immer wieder schöne kleine Becken und klare Tümpel bildet. Und ringsum dichtester Palmenwald, wie ein Urwald; zeitweise fährt man wie durch ein Tunnel, ohne den Himmel sehen zu können. Leider steht die Sonne schon tief und das Licht ist bereits etwas schwach hier; um die Mittagszeit sind die Lichtverhältnisse toll hier zum Fotografieren. Die hohen, nahe zusammen stehenden Felswände legen das Tal früh in Schatten. Trotzdem ein Erlebnis. So schlängelt sich die Oase hoch bis auf etwa 1300m, dann geht es rasch in kahle, schroffe Felsen über. Hier beginnt auch sofort wieder der Wind heftig und kalt zu blasen. Entlang einer erschreckend tiefen Schlucht mit vom Wasser kahl geschliffenen Felsen (der Höhe der Wassermarken nach muss es hier in der regenreichen Zeit ziemlich heftig zugehen) geht es über kurvenreiche Straße wieder hoch nach Tasserine. Und auf den letzten Kilometern ist der Wind fast nicht mehr auszuhalten, in den Spitzkehren blästs mich fast vom Bock! Extrem! Tja, zu erwähnen wäre auch noch, dass wir hier oben am Pass fast die dahinrasenden Wolken streifen und die Temperatur mittlerweile auf 6°C gesunken ist, um 17:00!
Durchfroren kommen wir zum Campingplatz zurück und genießen das zweifelhafte (ob der desolaten Verhältnisse) Vergnügen einer lauwarmen Dusche. Danach marschieren wir noch in den Ort, Tajine essen. Die "Blaumänner", die uns ihre Ware verkaufen wollen, sind penetrant lästig. Ich erwärme mich den ganzen Abend lang nicht mehr und bin durch und durch ausgefroren; ich schlafe mit Jacke und Hose und mir wird trotzdem nie richtig warm.

So stelle ich mir Urlaub in Marokko vor.


Dienstag 11.5. TAFRAOUTE - QUARZAZATE 376 km

6:30 blauer Himmel, 8°C; eigentlich sollten wir heute zurück nach Quarzazate, aber ob das, entlang der Berge, auch möglich ist?

10:30 Igherme - sonnig, 11°C; die Strecke bis hierher ist schön, es geht über guten, kurvenreichen Asphalt fast durchwegs über 1700m Höhe durch äußerst dünn besiedeltes Gebiet. Obwohl die Sonne vom strahlend blauen Himmel scheint, frieren wir uns Finger und Arsch ab - es weht ein eisiger Wind und die Temperatur pendelt zwischen 10°C und 12°C. Nur Weicheier haben Griffheizung??? Ich wäre gerne ein Weichei mit warmen Fingern...
Im Ort Polizeikontrolle - die üblichen Fragen und dann erklärt man uns freundlich den Weg.

14:30 Tallouine - endlich kein Wind, sonnig und warm! Wir genießen die Strahlen der Sonne, trinken Tee und sind guter Dinge, dass das schlechte Wetter nun endlich hinter uns liegt. Nach kurzem erholsamen Stopp geht's weiter nach Anezal; hier wären wir wieder auf die Hauptstasse getroffen, hätten wir die Piste über die Berge genommen. Aber die beiden 2500m-Pässe wären uns wohl etwas zu kühl geworden...
Die letzten 80km bis Quarzazate; links von uns, aus etwa 100km Entfernung, leuchtet der schneebedeckte Hauptkamm des Hohen Atlas beeindruckend über die Vorgebirge herüber. Je näher wir kommen, desto heftiger bläst der Wind aus den Bergen und die letzten Kilometer vor der Stadt entwickelt sich ein ausgewachsener Sturm. Bei Gegenwind blästs mich bei Tempo 100 fast vom Mopped und bei Rückenwind fahre ich mit 80km/h in Windstille. So geht's bis zum Campingplatz, hier blästs uns natürlich tonnenweise Staub um die Ohren. Zelt aufstellen ist schwierig, beim essen wird's echt ungemütlich. Sand auf den Tomaten, Sand im Getränk, Sand in der Thunfischdose und Sand auf dem Käsebrot. Alles knirscht. Als die Sonne untergeht, wird's auch wieder ziemlich kühl. Ich sitze mit 2 Hosen, 2 Jacken und meinen Motorradhandschuhen in einer halbwegs windgeschützten Ecke des Platzes und... ärgere mich über dieses blöde Wetter. Früh geht's ins Zelt, auch hier alles voll Staub. Der Wind bläst die ganze Nacht böig und stark. So ein Schas.

1 Zelt / 2 Personen / 2 Moppeds: DH 43,-


Mittwoch 12.5. QUARZAZATE - TINERHIR 188 km

6:00 blauer Himmel, 9°C; ich denke, dass wir die geplante Atlas-Querung durch Todra- und Dades-Schlucht und dann nach Imilchil vergessen können. Die Berge haben ein schönes weißes Häubchen bekommen und ab spätestens 2300m Höhe liegt Schnee - aber nicht bloß ein paar Felder, sondern eine geschlossene Decke. Und da wir auf etwa 3000m Höhe müssten, wird's wohl nichts werden.
Also Routenänderung: zuerst weiter nach Südosten und dann über Er Rachidia durch das Ziz-Tal nach oben.
Am Vormittag fahren wir noch durch die Stadt, um uns doch noch die Kasbah Taouirth anzusehen, die als Museum geführt wird und sehr gut erhalten ist. Wir nehmen uns einen der am Eingang wartenden Guides und erfahren so doch viel interessantes über die Geschichte der Kasbah und über Zweck und Verwendung diverser Räume.
Dann geht's ab nach Osten, Tinerhir ist unser Ziel. Aus Quarzazate hinaus geht es gleich durch rotbraune, kahle, aber optisch interessante Steinwüste. Tafelberge und Queds wechseln sich ab, eine kurzweilige Strecke. Wir fahren noch einen kurzen Abstecher zum Stausee und das dort angelegte Villenviertel, halten uns dort aber nicht lange auf. Bis Skoura ist die Strecke halbwegs abwechslungsreich, immer wieder schöne Kasbahs, Oasendörfer und die prächtige Kulisse des Hohen Atlas. Danach bis El Kelaa M´Goun wird es ziemlich flach und steppenartig eintönig. Lange gerade Straßenabschnitte bieten wenig Abwechslung, aber zumindest kommen wir flott vorwärts. Die Sonne zeigt heute wieder, was sie kann, und die schneebedeckten Gipfel des Gebirges leuchten strahlend herüber. Dort oben liegt jetzt auf alle Fälle mehr Schnee, als noch vor einer Woche - wir bewegen uns auf etwa 1400m, die Gipfel zur Linken erreichen etwa 2300m und deren oberstes Drittel ist gut schneebedeckt. Also grob geschätzt ab 2000m liegt Schnee.
Von El Kelaa bis Boumalne Dades geht ein Dorf ins Nächste über, ziemlich trist dieser Abschnitt. Die Freiflächen sind mit Abfällen verschmutzt und nichts verleitet uns dazu, hier zu pausieren. Die Straße läuft wieder den Bergen zu und die Wolken werden mehr und dichter; bis Tinerhir hat sich die Wolkendecke wieder geschlossen. Wir fahren die ersten Kilometer in die Todra-Schlucht ein, um ein Quartier für die kommenden beiden Nächte zu finden. Wir entscheiden unf für das "Hotel Le Lac - Garden of Eden". Die Zimmer sind einfach und sauber, die Gasträume sehen nett aus, wir werden freundlich empfangen und die Lage des Platzes ist auch schön. Die Dusche ist (nur wenige Minuten nachdem der Holzkessel befeuert wurde) heiss, aus der Küche riecht es gut - was kann da noch schief gehen? Alles ist bestens. Am Abend genießen wir eine ergiebige Bongo-Session, die uns vom Personal in Verbindung mit einer kleinen französischen Gruppe "serviert" wird.

Zimmer mit Dusche und WC: DH 120,- / Tajine mit Vor- und Nachspeise DH 65,- / Frühstück DH 15,-


Donnerstag 13.5. TINERHIR (TODRA- u. DADES-SCHLUCHT) 205 km

7:30 strahlend blauer Himmel, angenehme 14°C hier auf 1360m;
Abfahrt in die Todra-Schlucht, nach ausgiebigem Frühstück. Die Kilometer bis zum Eingang der Schlucht zu beiden Seiten immer wieder Quartiere und Hotels. Die Felswände werden steiler und rücken enger zusammen. Plötzlich springt jemand wild gestikulierend vor mir auf die Fahrbahn, was mich aber nicht sonderlich beeindruckt; Fernlicht, Hupe und am Gas bleiben, wie ich es sonst auch mache; erst als ich den Ticket-Block in seiner Hand erkenne und er wie irre in seine Trillerpfeife bläst, fällt mir ein, dass man ja am Schluchteingang DH 5,- Eintrittsgebühr bezahlen muss... Also doch hinein in die Eisen...

Die ersten Kilometer der Schlucht sind gewaltig beeindruckend. Rasch jedoch öffnet sie sich und weitet sich zu einem Hochtal. Bis Tamtattouchte (und noch weiter) asphaltiert, finden wir erst nach einigen Versuchen den im Därr beschriebenen Einstieg in die Piste hinüber zur Dades-Schlucht; die Angaben und GPS-Punkte beziehen sich noch auf die frühere Piste, nach der Aspaltierung ist der Verlauf der Straße aber ganz anders. Entweder man biegt im Ort direkt links in den Qued (unmittelbar bevor es durch die Rechtskurve im Ort bergauf geht) ab, dort ist auch an der Hauswand eine schlecht erkennbare, blaue Schrift "Dades" zu sehen, oder man fährt durch den Ort ganz durch und biegt etwa 3km danach links auf eine auffällig mit Steinmännchen markierte und nicht zu verfehlende Piste ab, die wir auch genommen haben.
Mal besser, mal schlechter geht es immer Höher hinauf; manchmal ist die Piste gut und einfach zu befahren, dann wieder ganz grobe Steine, oder auch extreme seitliche Schräge. Ein Abschnitt ist ganz besonders anspruchsvoll, da geht es ein gutes Stück über blanke Felsen, ziemlich grob gestuft, hoch - sehr interessant! Da hat die Transalp schon mal zu wenig Bodenfreiheit und ich sitze wirklich heftig auf, was weniger meinen Motorschutz, als mehr den Hauptständer (diesen werde ich folglich auch entfernen) beleidigt. Nach 60km schöner Piste sind wir auf 2350m Höhe und wider Erwarten ist es sonnig und mit 21°C herrlich warm! Und ich habe auf Grund des Wetters der letzten Tage alles an, was in meiner Ausrüstung zu finden war...
2650m, Passhöhe; 21°C, blauer Himmel, kaum Wind; schöner Ausblick auf beide Seiten. Herrliche Stille.
Von den folgenden 18km hinunter bis Msemrir sind nur die letzten 6km halbwegs gut zu befahren; die ersten 12km sind ziemlich heftig. Die Piste ist zerstört so gut wie nicht vorhanden, man fährt fast die ganze Strecke im groben Geröll des Queds und das ist stellenweise ziemlich anstrengend. Auch ziehen die Wolken sich wieder bedrohlich zusammen, aber wir kommen gerade noch trocken bis nach Msemrir. Kaum sitzen wir beim Tee, beginnt es auch schon zu regnen; als sich dann noch Schnee und Hagel dazu mischt, flüchten wir nach innen ins Lokal.
Merkwürdigerweise war es bisher und bleibt es auch eher warm, obwohl wir lange Zeit auf Höhen um 2500m unterwegs waren; an den außen liegenden Gebirgen des Atlas lag ja gestern auf unter 2000m schon Schnee und hier trotz der Höhe absolut gar nichts.
Nun geht's in die Dades-Schlucht. Diese ist ebenfalls beeindruckend; im oberen Teil drängt sich der Vergleich mit dem Grand Canyon auf: in gut 200m Tiefe windet sich der Fluss durch das Tal, in ganz engen Schlingen. Hoch oben fährt man hart am Abgrund entlang - wer hier absteigt, kommt erst ganz unten am Wasser wieder zum Stillstand. So geht es die ersten 30km der Schlucht dahin, immer durch tolle Kulisse. Der nächste Höhepunkt ist jener Einschnitt, wo auf kurvenreicher Strecke eine hohe Geländestufe überwunden wird, tief unten im Einschnitt tobt der Fluss. Diese Stelle kennt eigentlich jeder, der Reisebücher über Marokko und Dades gelesen hat; dieses Bild ist denke ich in jedem Buch.
Ab hier weitet sich das Tal, eine Weile geht es noch direkt am Fluss entlang durch grüne, landwirtschaftlich intensiv genutzte Bereiche; danach aber wird die Landschaft immer unattraktiver, die Dörfer und Siedlungen immer schmutziger. Zum drüberstreuen fängt es auch wieder mal zu regnen an und das macht die Gegen hier auch nicht sympathischer. Die Straße ist schlecht, alle Schlaglöcher Marokkos scheinen hier verbaut zu sein. Jede Schotterpiste ist besser zu befahren als dieser komplett zerstörte Asphalt. Es regnet bis Boumalne Dades, dann geht flott und ohne Stopp zurück nach Tinerhir ins Quartier.

Abschließend kann man sagen, dass die Todra-Schlucht im unteren, die Dades-Schlucht im oberen Teil sehr beeindruckend sind.

2 Nächte Zimmer mit Dusche / 2x Tajine, 2x Spiesschen (jeweils mit Salaten und Dessert) / 2x Frühstück / alle Getränke DH 590,-


Freitag 14.5. TINERHIR - MERZOUGA 224 km

Sonnig und warm; nach dem Frühstück Abfahrt Richtung Alnif, Tagesziel ist Merzouga am Erg Chebbi. Wir finden auch problemlos den Abzweig der Piste, etwa 25km nach Tinerhir, verlieren uns aber dann in einem rechteckigen System aus Feldwegen, die immer irgendwo an einem Acker oder Hof enden. In der Ferne erkennen wir aber die Piste und somit schlagen wir uns einfach in diese Richtung durch; etwas mühsam, weil wir einerseits natürlich Rücksicht auf die spärlichen Anbauflächen nehmen, aber andererseits scharenweise von Kindern und Jugendlichen immer wieder (für sie selbst) gefährlich aufdringlich zum Anhalten bedrängt werden. Endlich sind wir wieder auf der richtigen Piste und durch einsame Wüstenlandschaft geht es zügig dahin. In einer kleinen Oase, versteckt zwischen Felsen und Palmen, ein kleines Cafe; wir kehren ein und genießen die Ruhe hier bei süßem Tee. Oleander blüht und Frösche quaken in den kleine Tümpeln im Schatten der Palmen.
Weiter bis Alnif über gute, einfach zu fahrend Piste durch abwechslungsreiche, schöne Wüstenlandschaft.
In Alnif selbst hatte leider das im Därr empfohlene Fossiliengeschäft geschlossen und da der Ort selbst keine Attraktionen bietet hielten wir uns hier auch nicht lange auf. Ab jetzt wieder auf Asphalt. Die Berge links und rechts verschwinden fast im dichten Dunst und bei 30°C unangenehm schwül. Je näher wir Mecissi kommen, desto dunkler wird es zur linken, nördliche Seite über den Bergen und es sieht schon sehr nach Regen aus.
In Mecissi dann Mittagspause, Cola & erfrischender Salat im Cafe "Tombouktou".

Jetzt ist die Strecke wieder weniger interessant. Zudem wird es immer düsterer, Wind kommt auf. In Rissani tanken wir und fahren weiter Richtung Merzouga. Die Jungs an der Straße, noch im Ort, sind extrem lästig; kaum hält man irgendwo, wird man von mindestens zweien zugleich "überfallen" - kaufen... schauen... Zimmer... Auch sind hier im Ort die Straßenschilder und Wegweiser unkenntlich gemacht, damit man ja nach dem Weg fragen oder zumindest stehen bleiben muss.

Endlich in Merzouga, setzten wir uns erst mal in ein Cafe, genießen ein kaltes Cola und lesen über die hier wirklich vielfältigen Unterkunftsmöglichkeiten nach. Wir entscheiden uns für das Auberge/Camping Ksar Sania und quartieren uns in einem Berberzelt ein. Die Sache ist ziemlich staubig, man erklärt uns, dass wegen der vielen Sandstürme der letzten Zeit die Zelte etwas desolat sind. Uns stört das aber nicht sehr. Raus aus den Fahr-Klamotten, hinein ins bequeme Gewand und die Sandalen und los geht's über den Zaun zu den riesigen Dünen des Erg Chebbi, die direkt hier beginnen!
Wir marschieren los, die ersten Dünen sind nur wenige Meter hoch, aber das Gehen ist ganz schön anstrengend. Langsam werden die Sandberge höher, unser Ziel ist die große Düne ganz hinten, etwa 150m hoch. Leider sind wir etwas spät los und die Sonne beginnt auch schon im Dunst zu verschwinden, als wir den guten Kilometer zur großen Düne hinter uns gebracht haben und so fehlt uns die Zeit, sie ganz zu erklimmen. Wir marschieren etwa bis zur Hälfte hoch, setzen uns in den Sand und genießen Ausblick, Ruhe, Stimmung und ... die eine, etwa 30°C warme Dose Amstel! Es ist genial hier: langsam verschwindet die Sonne im Dunst und die Dünen leuchten in allen Orange-Tönen. Strukturen, Linien, Formen, Oberflächen, Farbschattierungen und -verläufe beeindrucken mich tief. Viel zu früh müssen wir wieder zurück und ich genieße jeden Schritt im Sand, ein für mich neues Erlebnis.
Abgesehen von den etwas desolaten zelten ist die Anlage sehr schön. Die Duschen sind heiss und gut und es gibt marokkanisches "Flag"-Dosenbier.

2 Personen im Zelt / 2x HP (sehr gute Küche) DH 470,- (davon 6 Bier á DH 20,-)


Samstag 15.5. MERZOUGA - GUERCIF 520 km

7:00 sonnig, 20°C; der Wind wird seit der Nacht immer stärker, viel Sand ist in der Luft. Wir und unsere Ausrüstung sind im Schlaf komplett eingestaubt worden, jede Berührung mit der Zeltdecke lässt wie aus einem Zuckerstreuer den Sand rieseln; alles kracht und knirscht schon etwas unangenehm. Die ziemlich groben Kamelhaardecken, aus denen die Zelte gespannt sind, wirken wie ein Sieb; der feine Staub sickert hindurch, der Effekt braucht wohl nicht näher erklärt zu werden.
Ab heute geht unser Weg streng nach Norden: Midelt - Taza - Al Hoceima - Sebta. Hoffentlich fahren wir nicht direkt ins schlechte Wetter, wir haben keinen zeitlichen Spielraum mehr. In der Gegend um Azrou soll es vorgestern geschneit haben.

8:30 Abfahrt; 28°C und ein ausgewachsener Sandsturm. Wir sind eigentlich froh, dass wir nicht unser Zelt aufgebaut hatten, denn das wäre jetzt etwas mühsam zu packen. Sichtweite: 10-20m, dahinter einheitsbeige. Gefühl: wie Millionen Stecknadel-Torpedos. Auf der Straße: nur wir beide.
Bis Rissani wird es Stück für Stück besser, ab Erfoud ist der Spuk dann vorbei, wir halten das erste Mal an und spülen uns mit einem kühlen Getränk den Sand von den Lippen. Da fährt doch eben einer mit dem Fahrrad vorbei und hat hinten, auf der Straße schleifend, ein paar 6m lange Betoneisen im Schlepp! Klingt lustig, sieht auch lustig aus; aber was, wenn an einer Kreuzung ein Auto unachtsam hinter ihm die Straße kreuzt? Da wird's jemanden schwer würfeln...

12:00 - Er Rachidia ist eine große, sehr moderne Stadt, die aber nur aus Militär und Baustellen zu bestehen scheint. Mittagspause an einer Tankstelle am Ortsausgang, gutes Lamm-Tajine & Cola.

Seit wir aus dem ersten Teil des Ziz-Tales, wo es immer durch mehr oder weniger schöne Oasendörfer ging, heraussen sind, ist die Gegend wieder weniger interessant. Die Atmosphäre ist sehr dunstig, die Bergrücken parallel zur Straße sind kaum mehr zu erkennen, obwohl sie nicht weiter als 2-3km entfernt sind.
Sehr schön dann die Fahrt durch den Wasser führenden nördlichen Teil des Tales, am Ende dann der Legionärs-Tunnel.
Danach geht es in dichtem Dunst weiter Richtung Midelt; die Wolken werden immer dichter und dunkler, die Temperatur fällt wieder auf 20°C. Kurz vor Midelt entkommen wir nur knapp dem ersten heftigen Regenguss, indem wir rechts Richtung Missour abbiegen und Midelt links liegen lassen; die umliegenden Berge sind schneebedeckt und bedrohende schwarze Wolken ziehen herum.
Durch ziemlich abgeschiedene, aber abwechslungsreiche Landschaft geht es bis Missour. Viele tiefe Queds wurden gequert, die Gegend ist ziemlich stark zerklüftet. In Missour angekommen wird uns rasch klar, dass wir weder hier bleiben noch die geplante Route über den Tizi Bou Zabel nehmen können. Ringsum ist es mittlerweile tief schwarz geworden und die Wolken werden sich in Kürze über uns entladen. Eine Richtung sieht noch fahrbar aus, nördlich weiter nach Guercif. Erst mal ein Stückchen weiter und abwarten, wie sich das Wetter entwickelt. Aus dem "Stückchen" werden über 100km; ohne Pause, so schnell wie möglich, damit uns der Regen nicht einholt. Rings um uns gehen aus den überladenen Wolken deutlich sichtbare Regenvorhänge nieder, bis auf einen kurzen Guss blieben wir bisher aber verschont. 70km vor Guercif ist dann aber doch erst mal Endstation. Vor uns sieht es aus, als ob die Welt unterginge. Jetzt sind wir vom Wetter eingekreist, hinter uns rollt eine beeindruckend breite, riesige Gewitterwolke wie eine Walze heran, begleitet von Blitz und Donner. Nun ist guter Rat teuer. Abseits der Straße steht ein verfallenes Gebäude, dort bauen wir im Windschatten eilig das zelt auf; im Inneren ist alles mit Tierkot bedeckt. Kaum steht das Zelt auf dem steinigen Boden, der einigen meiner Heringe das Leben aushaucht, rollt langsam ein alter Pkw heran. Oh nein, jetzt nicht auch noch belästigt werden... Aber im Auto sitzen 3 Polizisten - woher, wohin, Kontrolle der Pässe und falls wir Probleme hätten, sie wären 3 km weiter stationiert. Freundlich, neugierig, korrekt. Schon fahren sie wieder ab, in ihrem alten, klapprigen Renault 9. Kaum 5 Minuten später kommen sie schon wieder; kann das angegebene Datum der Einreise denn richtig sein? Nochmals Kontrolle der Pässe, der Stempel und der Einreiseformulare - ja, passt eh alles. Und tschüss. Kaum sind die Polizisten wieder außer Sichtweite, bahnt sich die nächste Krise an: ein paar Schäfer kommen mit einer riesigen Herde Schafe und auch Maultieren genau auf uns zu. Na super, gibt's denn keinen anderen Platz??? Dann sind wir auch schon umzingelt von gut 200 blökenden Viechern und einigen gaffenden Schäfern; die stehen einfach da und beobachten uns. Nein danke jetzt reichts! Der Himmel sieht schöner aus als die Schafe - also Zelt rasch abbauen und doch weiter nach Guercif. Die Wolken vor uns dürften sich in der Ferne etwas entladen haben, jedenfalls sieht es einen Hauch freundlicher aus als noch vor Kurzem. Abfahrt. Nach wenigen Kilometern: Nagelsperren auf der Straße, Polizeikontrolle; die selben Drei schon wieder... Wir werden diesmal nicht mehr kontrolliert, dafür etwas mitleidsvoll belächelt und sicher für verrückt gehalten. Die Drei hatten jetzt aber ihren Spaß für heute.
Ohne vom Gas zu gehen, fahren wir durch bis Guercif und es ist schon dunkel, als wir am Stadtrand nochmals durch eine Kontrolle müssen; aber wir sind trocken geblieben! Uff... Das waren heute 520km Flucht vor dem Wetter.
Das erste Hotel das wir finden ist zwar ziemlich letztklassig, aber wir haben keine Wahl; der Tag war sehr anstrengend.


Sonntag 16.5. GUERCIF - CALA IRIS 304 km

9:00 Abfahrt; rundum grau in grau, bis zum Horizont, aber trocken. Ohne stopp bis Taza, dort hängen wieder dunkle schwere Wolken über den Bergen. Also tanken und gleich weiter Richtung Al Hoceima; die letzte Chance für uns, am Mittelmeer noch ein oder zwei angenehme Tage verbringen zu können. In Aknoul erste Pause; einige Sonnenstrahlen finden ihren Weg durch die dichte Wolkendecke, und dabei wäre es auch gleich angenehm warm; sonst hat es kaum 18°C.
Mein Vorderrad ist platt; heute hab ich schon zum zweiten mal aufgepumpt und der Reifen ist schon wieder leer; der Desert lässt sich zwar auch ohne Luft noch fahren, in Kurven allerdings ist die Sache etwas kritisch. Also wechsle ich hier in Formel-I-Zeit den Schlauch, was das Cafe, vor dem diese Aktion stattfindet, kurzzeitig gut füllt, und eigentlich hätten wir eine Unterhaltungsabgabe einheben sollen. DH 10,- pro Nase wären doch angebracht, oder nicht?
Eigentlich sollte die Strecke Richtung Al Hoceima sehr schön sein; leider hatten wir Nebel bei 13°C und Sichtweiten von maximal 20m; schmale Straße, desolate Fahrbahnverhältnisse, Serpentinen, und Gegenverkehr ohne Licht. Es war ein ziemliches Öha-Erlebnis für mich, als plötzlich vor mir ein weißer(!), unbeleuchteter Autobus aus der Suppe auftaucht. Außerdem waren das gar nicht die Lieblingsbedingungen für meinen Desert (feucht, kalt, schmierig) und ich hatte alle Hände voll zu tun, um auf der Fahrbahn zu bleiben. Ganz toll. Ganz super.
Das letzte Stück vor Al Hoceima lockert die Bewölkung auf, die Sonne kommt durch und alles sieht gleich viel freundlicher aus. In der Stadt fahren wir zum Strand, dem Touristenzentrum, um mal wieder unter Menschen zu sitzen und Kaffe und Sonne zu genießen; daraus wird aber leider nichts. Alle Lokale und Hotels sind geschlossen, der Strand verwahrlost; hier scheint vor Jahren schon der letzte Gast das Weite gesucht zu haben. Was ist denn bloß los in diesem Land? Am liebsten wäre ich schon in Sebta und auf der Fähre. Seit Tagen fahren wir von einer Scheiße in die Nächste und es nimmt kein Ende. Ich mag nicht mehr.
Wir hatten einige Polizeikontrollen heute; so wie immer, absolut freundlich und korrekt, viele auch ganz formlos. Aber eine davon war besonders lustig, weil sich die Beiden eigentlich nur für die GPS´s, die Karten in den Tankrucksäcken und für die Motorräder selbst interessierten. Diese "Kontrolle" diente nur ihrer Neugierde.
Wir fahren weiter von Al Hoceima nach Westen, die alte Straße nach Tetuan. Es geht durch schönes Küstenhinterland, vorbei an vielen kleinen bäuerlichen Siedlungen. Bei Torres kommen wir wieder ans Meer und fahren noch weiter bis nach Cala Iris, einer Siedlung, die nur aus wenigen Häusern besteht, dafür aber einen (relativ) großen Hafen hat. Hier gibt es so etwas wie einen Campingplatz, ein mit weißen Steinen markiertes Areal am Meer mit Zufahrtsschranke. Und einer kleinen Hütte, in der erstaunlicherweise zwei Polizisten ihren Dienst versehen. Somit folgt wieder die selbe Fragestunde wie immer und auch wieder das Angebot zur Hilfe, falls wir irgendwelche Probleme hätten. Worauf ich es mir nicht verkneifen konnte, den Wunsch nach besserem Wetter zu deponieren.
Das Zelt steht, die Gulaschsuppe aus der Dose dampft in unseren Tassen und die Welt ist wieder in Ordnung! Draußen am Meer ist der Himmel wolkenlos und so können wir als Draufgabe auch noch einen schönen Sonnenuntergang genießen.
Angeblich handelt es sich bei dem Fischerhafen hier um einen beliebten Schmugglerhafen, deswegen auch die verstärkte Polizeipräsenz in dieser abgeschiedenen Gegend.

2 Personen / 1 Zelt / 2 Moppeds DH 50,-


Montag 17.5. CALA IRIS - SEBTA 305 km

7:00 sonnig, leicht dunstig, 25°C; von hier gäbe es eine vermutlich schöne Piste am Strand entlang, die wir aber leider nicht fahren können, weil Mister "Nein, nein, ich tanke erst später" - Jack zu wenig Sprit dafür hat und wir deswegen auf die Hauptverbindungsstraße zurück müssen.
Vom Strand weg geht es zügig in die Berge hoch auf etwa 1700m und Landschaft sowie Klima ändern sich unüberseh(-spür-)bar von mediterran auf alpin. Wir fahren hier durch die Ausläufer des Rif´s, vom Straßenrand immer die selben eindeutigen Handzeichen - Rauchen? Kaufen? Aber belästigt oder bedrängt werden wir in keiner Weise.

Die Straße verläuft durch die Berge, kaum haben wir den Kamm überschritten, fällt wieder massiv der Nebel ein. Und diesmal noch schlimmer als gestern. Stellenweise war in 10m Entfernung die Fahrbahn überhaupt nicht mehr zu erkennen. Diese war als Draufgabe auch noch hundsmiserabel, teilweise komplett zerstört oder vermurt. Knöcheltiefe Schlaglöcher am laufenden Band und, wie schon bekannt, Gegenverkehr ohne Licht verleihen der Sache dann noch die besondere Würze. Zum Drüberstreuen ging es noch durch den Wochenmarkt in Souk Tenir, der natürlich auf der Fahrbahn stattfindet. Das heißt, hunderte Menschen und Tiere am Weg und Verkaufsstände zu beiden Seiten. Vorwärts geht's nur im Schritt-Tempo, beiseite gegangen wird erst nachdem man ausgiebig geschaut hat, wer oder was denn da daher kommt.

50km geht's nun bei 13°C im Nebel durch die Berge. Nass, kalt, unangenehm zu fahren. Dass Kinder nicht immer freundlich lachen und winken, ist auch klar; aber als Mädchen (!) faustgroße Steine nach uns werfen, ist meine Toleranz am Ende. Ich bleibe stehen, schnappe mir selbst einen Stein und schieße zurück - da suchen sie plötzlich schnell das Weite, dies kleinen Kreaturen.
So verschieden ist das Verhalten der Menschen hier - wenige hundert Meter weiter steht wieder eine kleine Gruppe Mädchen am Straßenrand, diesmal von Ohr zu Ohr lachend und laut schreiend, freudig freundlich.

Mittagstemperatur: 13°C

Die letzten vier, fünf Kilometer vor der Küste reißt der Nebel auf, die Sonne kommt wärmend durch und sofort ist es wieder angenehm warm.

13:00 El Jebha - Kaffeepause; ca. 90km Küstenstraße bis Qued Laou liegen noch vor uns; wenn das Wetter passt, sicher kein Problem. Dort soll ein Campingplatz sein, unsere letzte Station in Marokko.

16:00 Bou Ahmed - Die Ankunft ist lustig: eine Gruppe Schulmädchen kniend und sitzend an beiden Seiten der Straße, johlt und klatscht uns zu, als ob wir als Erste in Dakar einfahren würden! Sie haben scheinbar ihre Freude, und wir natürlich auch! Das stimmt doch fröhlicher, als mit Steinen beworfen zu werden...
Verspätete Mittagspause; an der Tankstelle Omelette mit Pommes und Salat. Ganz lecker! Am Tisch neben uns gehen Joint und Pfeife unverblümt durch die Runde.
Die Küstenstraße verläuft sehr schön, tief geht es in Einschnitte hinein und weit auf Landzungen hinaus; manchmal ganz unten am Meer, dann wieder in 250m Höhe, hart am Abgrund entlang. Immer wieder toller Ausblick auf unberührte Strände. Heute hatten wir bisher keine Polizeikontrolle, dafür sind an der Küste laufend Militärposten stationiert. Die Straße ist ab El Jebha einwandfrei und gut befahrbar. Das Wetter ist wechselhaft; die Küste ist die Trennlinie zwischen Wolken und blauem Himmel und je nach Verlauf der Straße haben wir es wolkig und kühl oder sonnig und warm. Landeinwärts über den Bergen hängen auf alle Fälle dichte dunkle Wolken.

18:00 Qued Laou - heruntergekommene Siedlung in eigentlich schöner Lage; leider weder ein Campingplatz zu finden, noch sieht das kleine Haus mit der Hotel-Aufschrift geöffnet aus. Hier scheint überhaupt alles schon ein Weilchen aus den besten Jahren zu sein.
Klare Frage: weiter nach Sebta? Klare Antwort: Ja!

20:00 Sebta; die nächste Fähre nach Algeciras läuft um 23:00 aus, was uns aber zu spät ist; es macht keinen Sinn, um Mitternacht oder noch später am Campingplatz in Tarifa anzukommen. Wir nehmen uns ein Zimmer im Hotel "Africa", genau gegenüber der Hafenzufahrt (DZ € 45,-). Etwas in die Jahre gekommen, aber geräumige und saubere Zimmer; vor allem eine gut funktionierende, heiße Dusche! Allerdings kein Frühstück möglich. Die Moppeds werden im ehemaligen großen Speisesaal eingestellt, der jetzt als Lagerraum dient, wo die Tische allerdings noch immer teilweise gedeckt sind...


Dienstag 18.5. SEBTA - TARIFA - WIEN ~ 3000 km

8:00 Vom Hotel zum Hafen. Tickets umschreiben lassen; die vom Vorjahr waren zwar schon abgelaufen, wurden aber im Transmediterranea-Büro problemlos umdatiert. Noch einen Kaffee getrunken, die übrigen Dirham zurückgewechselt und um 9:30 sind wir auf die Fähre.

Am Camping Tarifa zügig alles packen, die Moppeds am Hänger verstauen und anständig festzurren;
14:00 Abfahrt

Donnerstag 20.5.

Die Fahrt nach Hause glich einem 3000 km-Lkw-Stau; einfach ein Wahnsinn, was da los war.
Die Stadtrunde durch Mailand war nicht geplant.
Wir wechseln uns bei den Tankstopps immer ab; einer fährt, der Andere schläft. So fahren wir ohne Unterbrechung bis Österreich durch.

Vor Barcelona gab es mitten in der Nacht noch einen ziemlichen Schreckmoment: gerade, als ich bei Tempo 120 zum Vorbeifahren an einem Lkw ansetze, schwenkt dieser plötzlich nach rechts; ich denke mir noch "na, knallt der jetzt rechts hinein?", da sehe ich zwischen seinen Hinterrädern einen schwarzen Schatten auf das Auto zufliegen - kurzer Gedanke an einen Müllsack oder so ähnlich - einen Sekundenbruchteil später erkenne ich einen Lkw-Reifen und da kracht es auch schon. Keine Chance auf Bremsen oder gar Ausweichen. Einfach das Lenkrad fest halten. Jede Reaktion wäre falsch gewesen. Es kracht vorne, unter dem Auto und dahinter - mein erster klarer Gedanke war, hoffentlich bleibt der Hänger mit den Motorrädern auf der Straße! Im Rückspiegel sehe ich den Anhänger kurz mit fürchterlicher Schräglage und schon ist alles wieder vorbei. Das Auto läuft ruhig, der Hänger fährt gerade und die Motorräder stehen stabil. Mir sitzt der Schreck tief in den Knochen, ich fahre weiter, weil alles normal klingt und funktioniert; die nächste Gelegenheit zum Anhalten fahre ich rechts zu. Mit der Taschenlampe zeigt sich der Schaden: am Auto rechts vorne fehlt die Verkleidung und der Nebelscheinwerfer, beide rechten Türen sind leicht in Mitleidenschaft gezogen worden, der Unterboden hat am Seitenschweller ziemliche Dellen abbekommen und am Anhänger hat es die Stahlrohre der Kotflügelbefestigung abgerissen. Die 8er-Gewindestangen der Befestigung des Reservereifens sind nur abgebogen. An der Anhängerachse starke Schleifspuren.

Ich denke, nun hatten wir beide einen Schutzengel verbraucht und jede Menge Glück gehabt.

6:00 erschöpft daheim!