Von Igoumenitsa nach Kreta

11.9. - 1.10.2004

Robert: Honda Africa Twin XRV750 Bj. 00
Doris: begeisterte Sozia


Allgemeines zur Reise:

Fährtickets 2er-Kabine Trieste/Igoumenitsa und Patras/Trieste, ANEK: € 640,-
Fährtickets 2er-kabine Piräus/Chania und Heraklion/Piräus (Mopped frei) € 100,-

Benzin: € 0,79 bis 0,85 (Super)


Samstag, 11.9. Wien - Trieste 500km

04:10 Abfahrt. Zu Beginn war es wärmer als erwartet, dann wurde es aber doch ziemlich kalt. Vor Graz fahren wir die Raststation Arnwiesen an zum Aufwärmen, die Finger brennen schon und trotz langer Unterwäsche und Fleece-Weste unter und Regenhaut über der Motorradjacke kriecht uns die Kälte durch und durch. Ab Graz fahren wir dann im Nebel bis Spielfeld. 1x (Aufwärm)Pause, 1x tanken - ansonsten ein glatter Durchmarsch, bei Temperaturen zwischen 12° und 3° (die etwa 10 km über den Trojane-Pass sind noch immer Bundesstraße und dementsprechend langsam geht es hier voran). Erst ab der slowenisch/italienischen Grenze wird es warm, dann aber auch gleich anständig - in Trieste hat es um 10:00 bereits 27°!
Nachdem ich die Bordkarten geholt habe, quatsche ich noch ein bisschen mit Alex am Schalter, dann gehen wir aufs Schiff. Innenkabine 7203, naja. Um 13:20 legt die Fähre ab.


Sonntag, 12.9. Igoumenitsa - Gliki 103km

Pfau! Trotz unseres gestrigen "Nachmittagsschläfchens" - bald nach dem auslaufen, wir waren beide ziemlich k.o. vom zeitigen aufstehen - haben wir heute bis 9:00 gepennt! Und ich dachte, ich werde am frühen Morgen schon Tauben füttern gehen...
Schnell vergeht die Zeit, um 13:00 erreichen wir Igoumenitsa. Wir halten uns nicht lange auf, tanken nur noch voll und fahren los.
Aber... gleich der erste eingeschlagene Weg führt ins Nichts - der grob geschotterte Feldweg von Skorpiona nach Kodra endet in unfahrbarer Wildnis. Also retour nach Skorpiona und erst mal eine Kaffeepause einlegen. Theodoros, der freundliche, neugierige Wirt singt uns "so ein Tag, so wunderschön wie heute..."; wir fahren wieder auf die Hauptstraße und da lang. Richtung Paramithia und dann am Berg entlang nach Süden - rasch sind wir in Gliki, unserem Tagesziel. Bis hierher ist die Landschaft wenig interessant, immer nur kleine schmucklose Dörfer und durch landwirtschaftlich intensiv genutztes Gebiet; wahrscheinlich wäre es entlang der Küste abwechslungsreicher und schöner fürs Auge gewesen. An kaum einer Abzweigung ein Schild, und deren gibt es wesentlich mehr als in der Karte eingezeichnet sind. Also war das auch ein bisschen zickzack-fahren.
In Gliki finden wir Unterkunft im wirklich sehr schönen und gut eingerichteten Apartement-Haus Cleopatra. Wir warten ein Weilchen, bis das Zimmer bezugsfertig ist - so wie es aussieht sind wir die einzigen Touristen im Ort und niemand ist mehr auf Gäste eingestellt... Raus aus der Motorradkluft, hinein in bequeme Klamotten und ab zum Fluss. Hier in Gliki zwängt sich der Acherontas, einer der drei Flüsse der griechischen Unterwelt, aus einem engen, schroffen Tal. Unten am Fluss, noch im Ort, sind einige Tavernen in ganz netter Lage, teilweise stehen die Tische direkt am Ufer im Kies. Daran vorbei verläuft eine schmale Straße der Schlucht entlang, immer höher, irgendwann nur mehr Schotter. Ein Stück weiter kommen wir zu einem finsteren Tunnel und fahren vorsichtig ein - mit Ende des Stollens endet auch der Berg und somit ist auch die Straße aus, nur mehr ein Fußweg führt seitlich (!) weiter. Der schmale, steile Weg führt an einer schön gelegenen Aussichtsstelle vorbei in die Berge. Wir sitzen ein Weilchen und genießen die Ruhe und den tollen Ausblick in die Schlucht und machen uns wieder auf den Weg zurück. Unten am Fluss angelangt machen wir das, was wahrscheinlich alle Besucher hier tun: raus aus den Schuhen und ein bisschen im Fluss herumstapfen. Das wasser ist glasklar und eieieiskalt!
Im Anschluss fahren wir noch eine Schotterstraße entlang, die sich in Serpentinen immer höher windet. Hier könnten wir wahrscheinlich stundenlang alleine durch die Berge fahren, nach fünfhundert Höhenmetern drehen wir aber um und kehren ins Quartier zurück.
Später gibt es dann ein gemütliches Abendessen, Bier und Wein in netter Atmosphäre in der kleinen taverne gegenüber von unserem Quartier.

Hühnerstücke vom Grill, 5 Kalamakia, eine Karaffe Rotwein, 2 Bier, Pommes, Salat und Ouzo zusammen € 17,90
Studio "Cleopatra" € 30,-


Montag, 13.9. Gliki - Megalo Horio 243km

Von Gliki bis Arta ist die Strecke relativ uninteressant. Der erste Abschnitt bis Stefani geht ja, aber dann weiter bis Arta fährt man auf der hauptstraße inmitten von vielen Lkw´s und rußenden und stinkenden Pkw´s und Pickup´s. In Arta dann Kaffeepause und Brücke schauen. Die große, vierbogige Steinbrücke ist schon beeindruckend. Einige hundert Jahre alt und sieht noch fast aus wie neu! Nur am steinernen Belag sieht man, hier sind schon viele Füße hin und her gegangen.
Die nächsten Kilometer bis Komboli sind noch Hauptstraße, dann gehts aber links ab auf kleinere und wenig frequentierte Straßen. Die Landschaft wird schöner und bergigerund in Paliopoulo, genau am Ortseingang, geht links eine schmale, grobe Schotterpiste den Berg hoch. Sehr interessant! Über unzählige Kehren windet sich der Weg hoch; je höher wir kommen, desto gröber werden die Steine. Langsam geht es in den felsigen Bereich über, bis auf 1300m hoch.Der Ausblick ist toll! Links die Felswand, rechts der Abgrund - und stellenweise so steil, dass ich auf die 1. zurückschalten muss! Geil! Am Pass angelang, ändert sich das Bild. Ab hier geht es auf locker fahrbarem Waldweg um den Berg herum wieder ins Tal, auf der anderen Seite. Obwohl es hier ein verzweigtes Netz von Forstwegen gibt, finden wir auf Anhieb den richtigen Weg und kommen viel zu früh bei Perdikaki wieder auf die Straße. Ab hierwunderschöner Asphalt, nur weiche, gut einsehbare Kurven und kein Verkehr - so richtig zum laufen lassen! Das Wetter ist super, die Sonne lacht vom blauen Himmel und tief unten glänzt in unwirklich scheinendem Türkis der in vielen kleinen Schluchten verzweigte Kremaston-Stausee. Grandios! Bei Vrouviana passieren wir, in traumhafter Landschaft, über eine alte schmale Steinbrücke einen Zufluss zum See. Kurze Pause in Ochthia, einem Dorf mit vielleicht 20 Häusern; wir kommen mit einem Griechen, der ebenfalls auf Reise ist, ins Gespräch und tauschen uns ein wenig aus. Die Strecke ist einfach schön und gut zu fahren, bei Frangista treffen wir wieder auf die Hauptstraße. Die letzten 40km bis Karpenissi sind, quasi als schöner Abschluss der bisherigen Strecke, eine Aneinanderreihung Kurven und Serpentinen ohne auch nur einem einzigen nennenswerten geraden Stück. Nun gehts noch ca. 20km bis Megalo Horio, unserem heutigen Tagesziel. Wir finden Quartier in einer kleinen Privatunterkunft; nette, absolut saubere Zimmer um € 30,- (Die Zimmer im sonst gemütlich aussehenden Hotel XXX sehen seit meinem letzten Aufenthalt hier vor zwei Jahren ziemlich heruntergewirtschaftet aus, bei überhöhtem Preis). Die Hausherrin, Kiki, spricht kaum Englisch oder Deutsch, ist aber sehr aufmerksam und freundlich. Zur begrüßung bekommen wir gleich mal eine Schüssel frischer Feigen serviert.
Der heutige Tag bestand eigentlich nur aus Kurven bergauf-bergab, durch schmale Täler und tiefe Schluchten, dunkle Wälder und schöne Aussichten. Eine wirklich empfehlenswerte Strecke!


Dienstag, 14.9. Megalo Horio - Timfristos - Panta Vrechi - Megalo Horio 138km

Lange schlafen und dann im cafe nebenan gemütlich frühstücken. Es hat nur 9°C; aber mit den ersten Sonnenstrahlen, die über die Berge ins Tal kommen, wird es sofort angenehm warm.
Karpenissi ist eine sehr geschäftige Stadt. Viel Läden und Lokale, und noch mehr Hotels. Diese sind dann aber auch gleich riesen Klötze, denn Karpenissi ist eines der bekanntesten griechischen Schigebiete. Das wollen wir uns natürlich ansehen und machen uns auf den Weg zum "Karpenissi Ski Resort" am 2315m hohen Timfristos. Direkt im Zentrum geht die schmale Straße weg und kaum aus dem verbauten Stadtgebiet heraussen geht es auch schon über eine gut ausgebaute Straße mit unzähligen engen Kurven fast 850 Höhenmeter zügig hoch. Hier oben hat es auch nicht mal mehr 20°C und der Wind bläst merkbar kühl. Die 6 oder 7 Schlepp- und Sessellifte verteilen sich an den Hängen ringsum und das kann hier im Winter ganz nett sein. Wir wollen aber noch weiter hinauf und tuckern entlang eines Liftes den Feldweg hoch bis zur Bergstation knapp unter 2000m. Die letzten Meter zum Gipfel schaffen wir dann auch noch und so stehen wir auf 2003m und haben einen grandiosen Rundblick. Es gäbe auch noch einen Weg auf den eigentlichen Gipfel des Timfristos, das sieht mir aber ein bisschen steil, grob und schmal aus, also lassen wir es. Das ist nichts für eine Twin mit 2 Personen. Wir genießen die Ruhe und den Ausblick, setzen uns natürlich auch mal auf den Sessellift :-) und fahren wieder nach karpenissi hinunter. Man hat auf der ganzen Strecke einen tollen Ausblick auf die Berge ringsum und kaum haben wir ein paar Kehren hinter uns, werden uns auch unsere Fleece-Jacken schon wieder zu warm; 850 Höhenmeter und gute 15°C Unterschied.
Wir fahren weiter nach Osten und biegen vor dem scheinbar geschlossenen (?) Timfristos-Tunnel rechts ab. Über Agios Theodoros und Krikelo gehts bis Domnista. Die Strecke führt schön und angenehm zu fahren bergauf bergab, durch finstere Wälder, tiefe Täler und viele schmale Brücken; kein verkehr, nur ein einziges Auto kommt uns entgegen. In Domnista, einem ganz kleinen, verschlafenen Dorf, finden wir ein offene Taverne - zumindest saßen die Wirtsleute bei Tisch, sonst war eh niemand da. Heute ist ein (mir unbekannter) Feiertag, deswegen gibt es keine Speisen, die mit Öl zubereitet sind. Wir bekommen traditionelle Linsensuppe und Brot serviert, gar nicht schlecht. Danach gönnen wir uns noch ein kühles Frapee, spazieren im Dorf kurz herum und fahren weiter. Kurz danach geht unser Weg rechts ab in den Wald, hier ist auch der Asphalt wieder mal zu Ende. Es folgen einige kleine, aus nur wenigen Häusern bestehende Siedlungen - Skopia, Roska, kastanoula. Der Fahrweg schlängelt sich durch stellenweise urwaldähnliches Dickicht, ist manchmal gut fahrbar, dann wieder sehr grob geschottert oder erst frisch gegraben. So geht es km um km durch atemberaubend schöne Landstriche dahin, mal durch ein tiefes Tal, dann wieder den berg hoch. Zwischendurch ergeben sich immer wieder tolle Ausblicke in die Trikeriotis-Schlucht. Dann gehts wieder mal ohne Ende Kurve um Kurve abwärts und plötzlich stehen wir bei Panta Vrechi (so heisst die Schlucht hier unten) vor dem Fluss - ohne Brücke. Aber so schlimm ist es auch nicht, Doris hat wasserdichte Stiefel und läuft durch, und für meine Twin stellt das "natürlich" auch kein Problem dar. Bis hierher war die Strecke wirklich wunderschön und sehr interessant zu fahren. Aber nun gehts nach der Furt wieder bergauf und ich bin wirklich froh, dass wir die heutige Rundfahrt in dieser Richtung und nicht andersrum gefahren sind! Auf den nächsten 4km legen wir 1100 Höhenmeter zurück! Und das ganze auf gröbstem Schotter, auf roh aus dem felsen gehauener Piste und schwindelerregend am Abgrund entlang! Bis zum Pass auf etwa 1750m kommen wir oft nur im 1. Gang voran, die Steigungen sind zu steil und die Kehren verdammt eng. Wir klettern höher und höher und der Blick nach unten auf die sich schlängelnden Serpentinen ist einfach unbeschreiblich. Obwohl es nun schon später Nachmittag ist und die Strecke schon im Schatten liegt, komme ich ganz schön ins schwitzen. Irgendwie sind wir beide froh doch endlich oben zu sein und die Twin freut sich auch schon auf eine Pause. Ab hier geht es wieder auf etwas weniger anspruchsvoller Schotterpiste ins Tal hinunter und erst nach 19:00 sind wir wieder zurück in Megalo Horio.

Diese Strecke heute, aber im besonderen das Stück von Domnista über Panta Vrechi und weiter zum Pass hoch, gehört zu den schönsten und anspruchsvollen Routen, die ich je in Griechenland gefahren bin. Ein besonderer leckerbissen für alle Enduro-Schotter-Fans, aber (zum Glück) sehr abgelegen und nicht einfach erreichbar.


Mittwoch, 15.9. Megalo Horio - Diakofto 179km

Am Morgen so wie gestern 9°C und Sonne. Nach dem Frühstückskaffee im kleinen Lokal nebenan gehts los. Das Geld fürs Zimmer lassen wir am Tisch liegen, unsere Vermieterin ist nicht da. Wir passieren "Dipotamos", den Zusammenfluss von Trikeriotis und Karpenissiotis, und fahren über Proussos und Lampiri Richtung Thermo; es ist angenehm kühl, wir sind noch in waldreicher, bergiger Gegend. Doch ab Kallithea wird es anders: die Landschaft wechselt fast übergangslos vom saftigen Grün ins typische mediterrane Hochsommer-Braun, statt der Bäume nur mehr Sträucher und weitläufige Olivenhaine. Und - wir bekommen fast einen Hitzschlag - binnen weniger km klettert das Thermometer auf über 37°C! Nach der Mittagspause in Thermo, bei Kakao und Käseplunder, gehts vorbei am Trichonida-See und es wird wieder ein bisschen kühler; die Temperatur pendelt sich bei erträglichen 32°C ein. Die Brücke über den Evinos ist schon etwas in die Jahre gekommen: die Beplankung der Stahlkonstruktion ist ziemlich desolat, um nicht zu sagen fast schon gemeingefährlich; an mehreren Stellen sind die Bretter nicht nur gebrochen, sondern es fehlen ganze Stücke und so gibt es einige 20cm große Spalten - echt gefährlich für Einspurige! In so ein Loch etwas schräg hinein bedeutet sicher Sturz. Hier stößt mein Verständnis für die griechische "siga, siga" - Mentalität erstmals an seine Grenzen. Nach der Brücke halten wir noch ein Weilchen und ich bewundere einen Lkw, der sich im Schrittempo über die laut knarrenden Bohlen wagt.
Bei Nafpaktos, einer kleinen, sympathischen stadt, erreichen wir erstmals wieder das Meer und gönnen uns auch sofort ein erfrischendes Frapee am Kiesstrand im Ort. Von hier müssen wir noch ein Stück nach Westen, nach Antirio, wo wir die Wahl haben zwischen Fähre und der erst kürzlich eröffneten, etwa 2500m langen Hängebrücke über den Golf von Korinth. Wir sind angenehm überrascht, denn die Maut von € 1,50 fürs Mopped finde ich ganz ok; die € 9,70 für Pkw´s dagegen schon etwas happig. Lustig ist die Überfahrt, das GPS zeigt 52m Höhe an. Ab Rio gehts dann über die stark befahrene Küstenstraße nach Diakofto. Das kleine Hotel Lemonia, in das wir eigentlich wollten, lassen wir aus; € 40,- ohne Frühstück erscheint uns etwas zu teuer in der Nachsaison. Wir finden privat Unterkunft um € 30,- wobei dieses Haus auch schon bessere Zeiten gesehen hat und somit die Preisdifferenz wieder etwas in Frage gestellt wird... Also das nächste Mal vielleicht doch das Hotel...? Naja, ist jetzt auch schon egal.
Wir gehen noch zum Strand und schwimmen eine Runde, bis die Sonne hinter den Bergen versinkt. Den Abend verbringen wir am Bahnhof, der zugleich auch allgemeiner Treffpunkt, Hauptplatz und Ortszentrum ist. Gutes Gyros me Pitta, Bier und Wein und einfach dem Treiben zusehen (3x Gyros, 2 Bier, 1/2 Wein und 1 Cola € 11,-).
Wir kaufen uns noch die Tickets für die Zahnradbahn (€ 24,- zwei Personen, rauf und runter); mit der fahren wir morgen durch die Vouraikos-Schlucht nach Zachlorou, zum KLoster Mega Spileo.


Donnerstag, 16.9. Diakofto - Kalavrita - Diakofto 148km

8:00 Tagwache, dann fahren wir zum Bahnhof. Um 9:20 fährt die Zahnradbahn und zuvor wollen wir noch gemütlich Kaffee trinklen. Pünktlich gehts los, die beiden kleinen Waggons mit den nummerierten Sitzen sind zur Gänze gefüllt, bis auf zwei Plätze - und die sind glücklicherweise genau gegenüber von uns. Somit habens wir etwas bequemer als alle anderen!
Langsam tuckert die Bahn die Schlucht hoch, mal mit, mal ohne Zahnstangenantrieb. 50 Minuten dauert die fahrt bis zum Bahnhof Zachlorou. Tunnels, alte Brücken und immer tief unten die Schlucht. Ein Erlebnis! Von Zachlorou wandern wir zum Kloster Mega Spileo hinauf, das etwa 300m höher an der Felswand klebt. Hier ist Mittagspause fällig, wir genießen unsere mitgebrachte verpflegung und vor allem den tollen Ausblick von hier oben über das weite Tal. Dann läuft uns fast die Zeit davon; wir möchten noch ins Kloster hinein, das hat aber von 13:00-14:30 seine Pforten geschlossen, und um 13:40 geht ja auch wieder unsere Bahn hinunter nach Diakofto. Also genug gerastet, hinein ins Kloster. Zu sehen gibt es die kleine, aber sehr schön geschmückte Kapelle, daneben eine Höhle, die eine Quelle und einige Heiligenfiguren enthält und noch ein kleines Museum, dessen Hauptthema die Klostergeschichte ist. Es ist schon nach Eins als wir uns wieder auf den Weg machen und 25 Minuten später sitzen wir am Bahnhof. Pünktlich rumpelt die Bahn daher und bald darauf sind wir wieder im Quartier.
Am späteren Nachmittag setzen wir uns nochmal aufs Mopped und fahren nach kalavrita hinauf. Am Mt. Helmos gibt es ein kleines schigebiet und an der anderen Seite des Berges die erst 1964 entdeckten "Lake Caves" (www.kastriacave.gr), eine in drei Ebenen gestufte Seehöhle mit 13 Seen. Die Höhle hat leider schon geschlossen, am Eingang treffen wir ein Pärchen aus dem Raum St. Pölten, ebenfalls unterwegs mit dem Mopped, ebenfalls etwas zu spät hierher gekommen. Öffnungszeiten der sicherlich sehenswerten Höhle 9:00-16:30 und keine Minute länger... Also fahren wir ins Schigebiet hinüber, man muss ja wissen, was Griechenland diesbezüglich zu bieten hat! Dieses sieht von der Lage her schöner aus als jenes am Timfristos, auch die Liftanlagen sind viel moderner und die Schihütte an der Talstation könnte ein ganzes Dorf beherbergen. Leider kann man hier nur zufahren, es gibt keine Fahrwege hoch auf den 2350m hohen Gipfel - schade.
Zurück nehmen wir die Strecke über Goumenissa-Pteri-Egio. Sehr schön zu fahren - schmal, kurvig, gut asphaltiert und immer schön hoch am Berg entlang. Seeehr gemütlich, so einfach im 3. Gang kilometerweit dahinzukurven. Leider ist diese Straße auch mal wieder zu Ende und das letzte Stück müssen wir wieder auf diese unsympathische Küstenstraße nach Diakofto.


Freitag, 17.9. Diakofto - Korinth - Piräus (Fähre) 205km

Nach einem Frühstückskaffee am Bahnhof brechen wir auf nach Piräus. Die Strecke Diakofto-Korinth ist der erwartete Streichposten. Viel Verkehr, schlechte Straße und extra unübersichtlich. Weil wir ausreichend Zeit haben, unsere Fähre geht erst spät Abends, halten wir uns nach dem kanal links Richtung Loutraki und Kap Ireon. Sofort lichtet sich der verkehr und ab Loutraki, wo wir am Wasserfall unser teuerstes Frapee bisher (€ 3,-) schlürfen gehört die Straße wieder fast uns alleine. Den Abstecher zum Kap Ireon lassen wir dann aber doch aus, ich möchte mir einen kleinen Zeitpolster für Piräus freihalten, falls wir uns dort irgendwo im Verkehrschaos verfahren sollten. Bis Kato Alepohori geht es schön der Küste entlang, hier machen wir auch noch mal ausgiebig Rast und stärken uns in einer Taverne am Meer mit griechischen salat, Cola und Frapee. Dann schwenkt die Straße ins Landesinnere und ist bis Megara auch ganz nett zu fahren, ab dort gehts dann aber wieder auf der Hauptstraße Richtung Athen und mit jedem Kilometer wird der Verkehr dichter. Bei der letzten Mautstelle mündet die Bundesstraße in die Autobahn, ab hier volles Chaos. Man wird, auf der rechten Spur fahrend, auch noch am Pannenstreifen mit einem Affenzahn überholt, geschnitten und angehupt - es fällt mir sehr schwer, cool zu bleiben, aber es ist eindeutig klüger, sich so passiv wie möglich zu verhalten. Das letzte Stück gehts dann im flockigen Nachmittagsverkehr durch die engen Gassen von Piräus, bis wir direkt am Hafen anstehen. Nun noch ein Stück rechts bis zum Tor 2, da liegt auch schon die "Lato", unsere Fähre. Schnell noch Tickets gekauft und hinein in die Fähre. Da können wir ja vor dem Auslaufen um 21:00 noch ein Nickerchen machen, morgen müssen wir doch früh aus den Federn, um 5:30 werden wir in Chania sein.


Samstag, 18.9. Chania - Kastelli - Rodopou - Falassarna 171km

Die Überfahrt war sehr schaukelig, das Schiff rollte ziemlich um seine Längsachse, was wiederum bewirkte, dass sich mein Körper um seine selbige drehen wollte, was mich zeitweise vom schlafen abhielt. 5:30 Chania, 6:15 von der Fähre runter - es ist noch stockfinster hier. Besser, als hier auf das Öffnen der ersten Geschäfte und Lokale zu warten ist, gleich nach Kastelli zu fahren. Wir tschuckeln so dahin, es dämmert und als wir ankommen, scheint die Sonne schon schön warm. Beim Hotel Argo müssen wir uns aber noch ein wenig gedulden, dann erst kommen die Wirtsleute und wir können ein Zimmer beziehen. Ein gutes noch dazu; im dritten Stock - das einzige - mit riesiger Terasse, großen Fenstern und sehr geräumig. Klima, Kühlschrank, alles da. Damit hab ich nicht gerechnet; und € 25,- klingt auch gut.Wir richten uns häuslich ein, gehen frühstücken und planen den Tag.
Unser erstes Ziel hier ist die Bucht Menies am Ende der Halbinsel Rodopou. Üblicherweise am Wochenende ein beliebtes Ausflugsziel für Bote, aber heute wohl eher nicht, denn es rollen ziemlich starke Wellen von Norden herein. Über Kolimbari fahren wir nach Afrata, wo wir bei "Roxani" Rast machen und uns dieses wirklich originelle, einfache Lokal ansehen. Ein Dorf mit ganz wenigen Häusern, eine uralte Taverne mit ebensolchem Inventar und ein 84jähriger Wirt, der schon sehr schlecht sieht und Cola- nicht mehr von Soda-Dosen unterscheiden kann...Irgendwie klappt es aber natürlich doch, wir setzen uns an den einzigen Tisch im Freien und Doris bekommt vom eben vorbei kommenden Bäcker auch noch ein ganzes Sesambrot geschenkt. Ist das schön hier... :-)
Über ziemlich schlechte Straße geht es, immer am Kamm entlang, bis ans Ende der Halbinsel und dann zur Küste hinunter. Einige wenige Ausflügler kommen uns entgegen und in der schönen Kiesbucht sind wir dann ganz alleine, mit ein paar Ziegen. Wir genießen, liegen faul in der Sonne herum und springen ins Wasser. Dann gehts die ganze "Hirnpreller"-Piste (fest sitzende Steine in hartem Boden) wieder retour und über Aspra Nero kommen wir wieder nach Kastelli. Am Weg kommen wir noch bei einem Fassbinder vorbei, der von Kübelgröße bis zum mannshohen Eichenfass alles alleine fertigt und sich dabei gerne über die Schulter schauen lässt.
Den Nachmittag verbringen wir am zweitschönsten Strand Kretas, dem bei Falassarna. Ein wunderschöner, langer und breiter Sandstrand mit richtigen kleinen Dünen dahinter. Was mir hier so gefällt ist, dass der Sand nicht so puderfein ist und deshalb nicht überall sooo kleben bleibt. Wir hängen faul herum, einzig der auflebende Wind drängt uns dann in eines der kleinen Strandcafes, in den Schutz der Schilfpalisaden. So sitzen wir bis spät nachmittags herum und wollen eigentlich so gar nicht mehr weg von hier. Es ist so gut wie nichts los, vielleicht zehn Leute am Strand. So passts!
Gemütliches Abendessen in der hauseigenen Taverne direkt am Meer (Moussaka, Pastitsio, Tsatziki, Bier, Wein, Raki: € 17,-).


Sonntag, 19.9. Chania 152km

Am späten Nachmittag fahren wir nach Chania. In der Stadt dauert es ein bisschen, bis wir den richtigen Weg zum alten Hafen finden, zwei mal fahren wir an der Markthalle vorbei... Aber schließlich passts doch.
Wir spazieren durch die Altstadt, natürlich auch durch die bekannte Ledergasse, die Odos Skridlof; hier ein Kaffee, da ein Donut, und so machen wir eine große Runde durch das sehenswerte, gut erhaltene und gepflegte Viertel der Stadt. Vorbei an den alten venezianischen gewölben gehen wir hinaus auf die lange Hafenmauer, leider ist das letzte Stück und damit der Zugang zum alten Leuchtturm wegen Restaurierungsarbeiten gesperrt. Macht nichts, gönnen wir uns eben ein getränk im Cafe im alten Fort. Von hier hat man einen guten Blick auf das ganze Hafenviertel. Und wie es so ist, die Welt ist nun mal klein, kommen ausser uns nur noch zwei Gäste, ein österreichisches Pärchen - und er ist Tankwart an der Donaufelderstraße... Beim gehen verkennt er mich als Kellner und spricht mich an, worauf ich antworte "Macht nichts, ich bin kein Kellner - normalerweise zahle auch ich bei dir!" womit er im ersten Moment natürlich überhaupt nichts anfangen kann; als ich ihn darüber aufkläre, findens alle lustig.
Die Zeit vergeht schnell, wir machen uns wieder auf den Rückweg; um nicht wieder die selbe Strecke zu fahren, pendeln wir durch die kleinen Dörfer südlich der Hauptstraße und sehen den unscheinbaren Hinweis zur "Deliana-Schlucht". Schlucht? Klingt gut, nichts wie hin! Einige km weiter im Dorf Deliana gehts links ab, auf Schotter zur Schlucht. Die Felswände rücken näher zusammen, werden höher und plötzlich stehen wir vor einer Art Weidezaun. "please close the door" steht auf einem handgemalten Schild. Also keine Rede von "Einfahrt verboten" oder so... Gatter auf, hinein, Gatter zu und schon gehts los in die kleine Schlucht. Der Weg wird ziemlich holprig und immer steiler, stellenweise ists eine 1.-Gang-Kletterpartie, aber natürlich kein Problem für (m)eine Twin. Schön zu fahren, die Landschaft natürlich auch, viel zu früh ist die kleine Schlucht zu Ende; vielleicht 4km später sind wir in einem kleinen Dorf, wo man uns ansieht, als kämen wir eben vom Mond. Kurz darauf, bei Malathiros, sind wir wieder auf Asphalt - und ein ganz schönes Eck weg vom Ziel...So fahren wir weiter richtung Süden, nach Kandanos, um dort dann wieder nach Westen zu schwenken. Bei Mili gibt es eine Sehenswürdigkeit, die angeblich älteste Platane Griechenlands mit stolzen 1400 Jahren. Naja, wahr oder nicht, groß ist der Baum auf alle Fälle und der Stammdurchmesser wirklich beeindruckend.Von hier fahren wir auf guter Straße nach Norden und bei Topolia durch den einspurigen, ampelgeregelten Tunnel in der sehr engen und tiefen Schlucht. Deren gibt es hier überhaupt viele. Bald darauf sind wir wieder zurück in Kastelli.


Montag, 20.9. Bootsfahrt nach Balos/Gramvoussa (€ 20,- p.P.) 34km

Dieser empfehlenswerte Ausflug ist schön wie immer.
Leider fahren diesmal beide Boote - von denen das Eine mit Autobustouristen vollgestopft wurde, unseres dafür aber relativ leer blieb - gleichzeitig zuerst zur Insel und dann zur Lagune, nicht so wie früher jeweils eines hier und das andere drüben und dann umgekehrt. Auf Gramvoussa warteten wir ein Weilchen, bis sich die Massen von der Burg wieder verzogen hatten, dann waren wir fast alleine auf dem 130m hohen Felsen. Tolle Aussicht und eine beeindruckende Steilwand an der Südküste. Kein Wunder, dass die Burg nur an drei Seiten befestigt war und man hier auf eine Mauer verzichten konnte!
Von hier gehts mit dem Boot hinüber in die traumhaft schöne Lagune von Balos. Ein bisschen herumwaten, viel schauen und die Türkustöne des flachen Wassers bewundern. Um 16:30 fährt das Schiff wieder zurück nach Kissamos. Der kapitän meint es aber gut mit uns und fährt die ganze Steilküste der Halbinsel fast auf Reichweite entlang - so können wir voll die bizarre Schönheit der Landschaft und der Klippen genießen. Die Felswände fallen hier so gut wie senkrecht herab und so staunen wir nicht schlecht, als immer wieder KriKri´s (kretische Bergziegen) an Stellen zu sehen sind wo man meint, dass es unmöglich ist hinzukommen. Jeder heimatliche Steinbock würde bei deren Kletterkünsten vor Neid erblassen!

Zurück im Zimmer machen wir uns noch mal "moppedfertig", denn nun wollen wir nochmal auf die Halbinsel hinaus, um den Sonnenuntergang an Kretas Westküste genießen zu können. Leider ist die Strecke etwas wieter als wir dachten und vor allem viieel schlechter als erwartet - so kommen wir etwas zu spät und können uns "nur" mehr am schönen Ausblich erfreuen. Ohne Ausflugsboote liegt Balos nun menschenleer und friedlich unter uns. Genuss pur. Langsam dämmert es und wir brechen wieder auf. Die Rückfahrt ist nicht ohne, es wird ziemlich schnell stockdunkel und die Piste hat es in sich - 14km wirklich grober Schotter, große festsitzende Steine und immer hart am Abgrund entlang, der sich im Scheinwerferkegel als harte schwarze Linie abzeichnet, hinter der absolut nichts zu sehen ist ausser Finsternis. Etwas langsam aber sicher kommen wir doch wieder heil zurück. Ein schöner Tag.


Dienstag, 21.9. Kastelli - Elafonisi - Paleochora - Soughia 130km

Es dauert ein bisschen, bis wir abreisebereit sind, denn um 10:00 kann ich erst unsere Wäsche aus der Reinigung holen - und dann ist sie noch patschnass... schöne Sch....e!
Von Kissamos an die Westküste, dann die schöne kurvenreiche Straße hinunter bis zum Kloster Chrissoskalitissa; wer ohne Sünde ist, kann die eine goldene Stufe am Aufgang sehen. Nach kurzem Rundgang durchs Kloster gehts weiter nach Elafonisi, so wie immer überlaufen bis zu geht-nicht-mehr. Hier machen wir ebenfalls nur eine kurze Fotopause, dann gehts weiter Richtung Paleochora. Zuerst über staubige Piste an den Treibhäusern im Hinterland vorbei, bis es kurz danach den Berg hoch geht. Zuerst ganz gemütlich und easy, wird der Schotter dann gröber und der Straßenzustand immer schlechter. Spaßmachts aber allemal, und ab Azogires ist die Straße wieder gut asphaltiert und windet sich in sanften, weiten und flott zu fahrenden Kurven hinunter bis fast hinein nach Paleochora. Hier gönnen wir uns am hafen erst mal eine Stärkung in Form von Joghurt mit Honig und Frapee, dann fahren wir noch das letzte Stück Weg für heute, die alte Straße hinüber nach Soughia. Eigentlich war unser Tagesziel Omalos, aber da wir erst so spät losgefahren sind, den Tag sehr genossen haben und das Wetter heute ohnehin nicht ganz so gut ist - es ist zwar immer wieder kurz sonnig, aber meistens ziehen dichte Wolken über uns - haben wir uns für Soughia entschieden, es läuft uns ja nichts davon. Und nett ist es hier obendrein. Also Zimmer beziehen, wohnlich einrichten und ab an den Strand! Das Meer ist angenehm warm und es sind auch kaum Leute hier; leider beginnt es bald leicht zu regnen und so verziehen wir uns nach einem erfrischenden Bad wieder auf unser Zimmer. Während wir alles erledigen, was so zu erledigen ist, geht ein kräftiger Guss nieder; hoffentlich vergeht das bis morgen wieder. Es ist aber sehr angenehm und ruhig hier.
Gutes Abendessen in einer der Tavernen am Strand, aber hier liegt ja sowieso fast alles am Strand und in Zimmernähe, der Ortr ist ja sehr klein. Der Wein ist gut und der Abend angenehm; es beginnt zwar wieder zu regnen, aber wir sitzen im trockenen und so stört und das überhaupt nicht. Irgendwie dürfte die Stromversorgung aber nicht mit dem vielen Wasser von oben klarkommen, nach einigen kurzen Aussetzern bleibt es für den rest des Abends dunkel. Man scheint hier darauf vorbereitet zu sein, denn schön langsam wird es im ganzen Ort wieder heller; Gas- und öllämpchen werden überall in den Lokalen aufgestellt und angezündet. Nachdem auch der letzte Krug Rotwein für heute geleert ist, spazieren wir noch kurz am Strand entlang; das einzige, was im Mondschein gut zu erkennen ist, sind die leuchtend weissen Schaumkronen der Wellen.
Ein schöner Ausklang eines schönen Tages!

Zimmer im Haus Okeanis, einfach und sauber, € 25,-


Mittwoch, 22.9. Soughia - Loutro - Soughia (mit dem Boot)

Heute haben wir uns den Luxus einer Bootsfahrt nach Loutro gegönnt; mit dem Linienschiff zu € 6,50 p.P. und Strecke. Abfahrt 10:30, Rückkehr etwa 17:00 - was uns zu dem Schluss verleitet hat, dass uns in Loutro einige Zeit zur Verfügung steht. Leider falsch. Denn die Fähre setzt uns zwar planmässig um 12:15 in Loutro ab, ist aber nach etwa einer Stunde vom letzten Stück der Strecke nach Hora Sfakion wieder retour und somit reicht es gerade mal dazu, ein bisschen im Wasser zu plantschen und in einer der netten Tavernen ein Getränk zu uns zu nehmen. Ja, und um zu erkennen, dass das Örtchen hier noch immer eine der verschlafensten Ecken istund es allemal wert wäre, ein zwei Tage zu bleiben. Loutro ist nicht übers Straßennetz erreichbar, nur zu Fuß oder mit dem Schiff kann man hierher kommen. Urig, nett, sauber und ruhig ist es hier. Erholung pur. Leider nur für 50 Minuten... Als wir wieder auf der Fähre retour sind, wird uns auch der Grund für die zuvor unverständlichen Fährzeiten klar: in Aghia Roumeli, wo die Samariaschlucht am lybischen Meer endet, haben wir 2 1/2 Stunden Aufenthalt, was uns vorab nun mal wenig freut. Also runter von der Fähre, hinüber zum dunklen Kiesstrand, an dem sich schon unzählige Schluchtbezwinger und -innen tummeln und ihre strapazierten Füße im schönen klaren blauen Wasser kühlen.
Es rollen ziemliche Wellen herein, das herumtollen in der Brandung macht Spaß und so vergeht die Wartezeit doch recht schnell. Eine zweite Fähre legt noch vor unserer ab, prall gefüllt und Richtung Hora Sfakion. Von der unterschätzten Sonne gefährlich angebrannt genießen wir die Rückfahrt und wissen zumindest, dass Loutro bei der nächsten Tour sicher als Station am Plan stehen wird (die Zimmer hier kosten etwa € 30,-).

Nach anfänglichen "Anlaufschwierigkeiten" wurde es doch noch ein schöner, sonniger und heisser Tag.
Die Fähre von Paleochora nach Hora Sfakion wird nun als Autofähre geführt; das heisst, Loutro kann jetzt auch mit dem eigenen Kfz angefahren werden. Das wusste ich vorher nicht und hielt uns davon ab, hier zu nächtigen, denn ich wollte weder in Soughia und schon gar nicht in Hora Sfakion die Twin inklusive Gepäck zwei Tage stehen lassen.
Die bessere Richtung ist die nach Osten, weil die Fähren immer von Paleohora aus starten.

Irgendwann in absehbarer Zeit wird Loutro auf dem Strassenweg erreichbar sein, denn westlich davon sieht man schon eine grob in die kahlen Berge gehauene Piste die Hänge herunter verlaufen. Ein letztes Stück fehlt noch, wird wohl aber auch bald folgen. Zuerst schlechte Piste, dann ausgefahren und zum Schluss Asphalt - spätestens dann ist die Idylle Loutro Geschichte.


Donnerstag, 23.9. Soughia - Aghia Galini 255km

Abschied von Soughia. Um 10:30 sind wir in Omalos, kehren in der Schutzhütte am Eingang der Samaria-Schlucht ein und stärken uns mit Omelette und heissem Kaffee. Von der Terasse hat man einen wunderbaren Ausblick! Obwohl es dafür schon relativ spät ist, ziehen immer noch Scharen von Touristen in die Schlucht (Eintritt: € 5,-).
Die Wanderung durch die Samariaschlucht ist ab Chania durchaus an einem Tag möglich; 6:30 Linienbus ab Chania, etwa 7:15 in Omalos; Abmarsch spätestens um 8:00. Ankunft in Aghia Roumeli 13:00-14:00, Fähre nach Chora Sfakion 16:00; von dort mit dem wartenden Linienbus wieder zurück nach Chania. In Omalos gibt es auch Unterkünfte, die aber meistens durch Gruppen ausgelastet sind.
Von Omalos gehts weiter über schöne, abwechslungsreiche Strecke über Fournes, Zourva, Drakona, Kampi und einige weitere kleine Dörfer nach Neo Horio, wo wir wieder auf eine Hauptstraße treffen. Die letzten 50 km waren meistens schmal und schlecht asphaltiert, auch Schotterabschnitte waren dabei; deswegen sind wir auch nur recht langsam unterwegs. Um 13:00 etwa sind wir in Samonas, wo wir uns einen Kaffee gönnen wollten, in dem einzigen kleinen Kafeneion. Als uns der alte, kränkliche Mann, in typisch kretischer Pluderhose, Stiefeln und mit traditionellem Kopftuch, erklärt, wir mögen uns das Frapee doch selbst anrühren, entscheiden wir uns der Einfachheit halber doch für Cola...
Ab Vrisses geht die Straße gut ausgebaut durch die schöne Imbros-Schlucht hinunter nach Hora Sfakion an die Südküste und weiter nach Frangokastello, wo wir wieder eine kurze Fotopause machen. Von hier an wird die Straße wieder enger und schlechter, die Dörfer kleiner. Wir fahren über die wenig vertauensvoll aussehende Brücke in Rodakino und danach rechts hinunter zum ruhigen Koraka-Strand, wo wir ein Weilchen die schöne Lage am Ende der Bucht genießen. Ab hier gehts zügig und ohne weiteren Aufenthalt über Mirthios und Sellia, durch die Kourtaliotiki-Schlucht und über Spili nach Aghia Galini, wo wir direkt Niko´s Pension "Stelios" ansteuern. Niko drückt mir ein paar Schlüssel in die Hand und wir nehmen uns ein Zimmer ganz unten an der großen Terrasse, direkt über der Bucht, wo man schön den Strand, den Hafen und die beiden Inseln "Paximadia" sehen kann. Ist doch nett, so ein Service, oder? Am Abend marschieren wir noch eine Runde durch den Ort, begrüßen Miro und Kosmas, kippen ein paar Raki, verzehren bei Michali leckere Gyros me Pitta und lassen es uns einfach gut gehen.


Freitag, 24.9. Ag. Galini - Ag. Jorgos 18km

Lange schlafen, gemütlich auf der Terrasse Frühstücken und den Morgen genießen. Am späten Vormittag fahren wir hinüber nach Ag. jorgos, um dort einen faulen Badetag zu verbringen. Ein bisschen in der Sonne liegen, zwischendurch Michali´s einfache Küche kosten - zur Auswahl stehen Omelett, Salat und Pommes - und dann noch im Regen im Meer schwimmen, denn mittlerweile hat es richtig zugezogen. Schon seit einiger Zeit konnten wir hinter und über Paximadia die sich bildenden Regenwolken beobachten und es war nur eine Frage der Zeit, bis die schwarze Wand hier bei uns sein wird. Aber was solls, ein paar Tropfen haben noch niemandem geschadet und Michali ist stark im improvisieren. So eingeschränkt wie seine Küche ist auch die Dichtheit des Schilfdaches über den Tischen - es regnet sofort durch und somit kommen die Sonnenschirme zum Einsatz. Zwischen Tischplatte und Schilfdach gespreizt funktionieren sie auch ganz gut als Regenschirme! Alle finden es lustig und bald scheint auch wieder die Sonne.
Mir fällt unter den vielleicht 8 Gästen ein bekanntes Gesicht auf; wir kommen ins Gespräch, es ist Janni, den ich vom Fischen her kenne (1982, Boot "Stella", Kokkinos Pyrgos).

Essen, Kaffe´s, Limo´s, Bier, Wein, ... € 15,-

Zurück in Galini fahre ich noch zu Niko´s Glasbläserei an die Eko-Tankstelle. Tankwart? Nicht da. Tanken? Ja, selbst. Zahlen? Auf einer der zapfsäulen eine Schüssel mit Kleingeld. 20er hinein, Retourgeld herausnehmen, das wars.


Samstag, 25.9. entlang der Südküste 196km

Heute fahren wir entlang der Südküste nach Osten. Unsere erste Station ist Pitsidia am Kommos-Beach, wo wir ein gemütliches Plätzchen finden, um unser Lieblingsfrühstück - Pita mit Schinken und Käse, dazu Kakao - zu uns zu nehmen. Danach fahren wir kurz nach Matala, mal schauen, ob es noch genauso touristisch überfüllt ist wie eh und je. Ja, es ist. Also wieder ein Stück zurück und über Sivas und ab Listaros auf Schotter nach Kali Limenes, wo die nächste Pause fällig ist. Ab hier wird die Fahrt nun interessanter, an der steilen Südküste entlang durch ziemlich abgelegene Landstriche. Nach Lentas schwenkt die Piste wieder in die Berge hoch, um ab Krotos wieder als Schotterfahrbahn zur Badebucht Tripiti zu führen. In dieser fast unverbauten weitläufigen Kiesbucht sind viele Camper scheinbar auf "Dauerurlaub". Wir machen eine Stunde Pause, springen ins Wasser und ruhen uns am Strand aus.
Und ab hier wird die Fahrt erst richtig interessant. Gleich nach wenigen hundert Metern landeinwärts verengt sich das Schwemmgebiet zu einer kleinen, beeindruckenden Schlucht, einem richtig schönen canyon. Maximal 3m breit verläuft er geschwungen und gekrümmt und zu beiden Seiten senkrechte und überhängende Felswände. Wir halten und bewundern diesen großartigen Einschnitt und vor allem die Ziegen, die in den steilsten Wänden locker und unbeschwert nach Freßbarem suchen. Wir stehen unten und beobachten die Ziegen, diese stehen auf den Vorsprüngen und beobachten uns. Nach vielleicht 100m weitet sich die Schlucht wieder und an der rechten Talseite geht es in Serpentinen hoch, bis wir irgendwann auf die Asphaltstraße nach Kapetaniana treffen. Schön zu fahren, viele Kurven und berauschende Aussicht auf die Mesara-Ebene und dahinter liegende gewaltige Psiloritis-Massiv. Toll! Ab Kapetaniana verlieren wir uns zwar in dem Netz aus Fahrwegen, die orientierung fällt aber trotzdem leicht, einfach immer am Kamm entlang und ostwärts halten.
Die Strecke hier ist wirklich sehr schön, wir sind ganz alleine auf weiter Flur. Nur hin und wieder ein paar Schafe und Ziegen - bis plötzlich an die 20 Geier über uns kreisen! Wir halten an und beobachten diese riesigen Vögel, wie sie ihre Kreise ziehen; mal etwas höher, dann wieder ziemlich tief - schon ein etwas komisches Gefühl... Und links von uns, keine 80m entfernt, sitzen einige am Boden, flattern und kreischen aufgeregt herum - immer wieder fliegen einige weg und andere wieder zu; hier haben sie offenbar einen Kadaver in Arbeit. Eigentlich würde ich ja gerne näher herangehen, aber irgendwie habe ich doch ein mulmiges Gefühl dabei. Vielleicht steht ja doch Frischfleisch auch manchmal auf deren Speiseplan...? Lieber aus der Entfernung beobachten.
Die Kloster Tris Ekklisies und Koudouma unten an der Küste sehen wir von hier oben gut, aber die 1000 Höhenmeter wären einige km Piste und langsam läuft uns schon die Zeit davon. Es ist zwar erst 17:30, aber in zwei Stunden ist es finster und da wären wir schon gerne wieder auf Asphalt. Also nehmen wir schweren Herzens den nächsten Abzweig Richtung Mesara-Ebene hinunter und erreichen bald darauf Pirgos. Von hier sind es noch etwa 80 öde Straßenkilometer zurück nach Galini.
Hier möchte ich wieder herauf. Der Ausblick, die Landschaft, tief unten das blaue Meer und die versteckten klöster in den kleinen Buchten - noch so viel schönes gäbe es zu sehen.


Sonntag, 26.9. Triopetra - Agios Pavlos 69km

Lange geschlafen. Gestern Abend sind wir noch bis 2:30 mit Werner bei Miro gesessen...
Gemütliches Frühstück auf der Terrasse, und dann ab nach Triopetra, baden.

Schöner Strand, schöne hohe Wellen, kleine Taverne, gutes Essen, netter Tag. Viel zu schnell ist es später Nachmittag und wir fahren die schöne Strecke über Agios Pavlos (sehenswerter Strand, am Ende eines riesigen, sanddünenähnlichen Abhanges. Tolle Landschaft!), Sakturia und Melambes zurück.

Beim Abendessen läuft uns Pipi über den Weg. Pipi ist eine Gans, von stavros aufgezogen und ihn als Ersatzmutter betrachtend. Pipi sitz im geschäft von Stavros und wenn Pipi Lust darauf hat, watschelt sie durch die gassen zur Taverne, Pommes schnorren. Die hat Pipi nämlich so gerne. Dann gehts wieder nach Hause ins Geschäft.


Montag, 27.9. Psiloritis - Zaros - Nida - Anoghia 253km

Um 10:00 etwa brechen wir auf, um unsere Psiloritis-Umrundung zu starten. Eine der Möglichkeiten, um auf den höchsten Berg Kretas zu gelangen, bietet sich von Lochria aus. Bis auf etwa 1000m Höhe ist die schmale Straße asphaltiert, danach ziemlich grober Schotter und stellenweise auch sehr steil. Irgendwann ist die Baumgrenze erreicht und der Ausblick ist, trotzdem es nicht ganz klar ist, hervorragend. Wir arbeiten uns hoch bis auf 1870m, dann ist aber Sendepause, auch für geländegängige Fahrzeuge. Alle Wege, die von hier aus weiterführen, enden irgendwo im nirgendwo. Entweder an einer kleinen Alm, bei einer der Schutzhütten, den Mitades, oder einfach nach der nächsten Ecke. Zu Fuß wären es von hier noch etwa 2,5 - 3 Stunden auf den 2456m hohen Gipfel, der schon in Sichtweite liegt. Wir verbringen ein bisschen Zeit hier oben, sitzen mal hier, mal dortund lassen den Blick in die Ferne schweifen. Nur ein paar Schafe sind zu hören, die Dohlen fliegen herum und der Wind pfeift durch die Felsen. Die Rückfahrt ist genauso abenteuerlich wie der Aufstieg, jetzt merkt man erst, wie steil es stellenweise ist.
Über Kamares, wo es eine kleine Schlucht zu durchwandern und eine Höhle zu besichtigen gäbe und Vorizia mit dem originellen Rastplatz unter dem Felsvorsprung kommen wir nach Zaros und machen Pause in der Taverne am See.Im Ort gibt es viele Fischlokale, denn die Hauptattraktion hier ist die Forellenzucht.
Nach einer ausgiebigen Mittagspause bei Frapee und Joghurt mit Honig gehts weiter nach Gergeri und ab dort über enge Kurven einige hundert Meter den Berg hoch, bis der gute Asphalt plötzlich endet und in groben, lose geschütteten Schotter übergeht. Die nächsten 20 km wechseln sich die Verhältnisse zwischen schlecht und ziemlich schlecht ab. Steil, felsig, große Brocken liegen herum und die Orientierung ist nicht ganz einfach, immer wieder verzeigt sich der Weg und der in der karte eingezeichnete dient nur der groben orientierung. So kommen wir zwar gut voran, verlieren aber doch einige Zeit und zusätzlich müssen wir auch oft stehen bleiben und "schauen", die Gegend hier in der Abgeschiedenheit der Berge ist einfach umwerfend schön. Ab der Sernwarte, dem Observatorium am schinikas, ist die Straße wieder asphaltiert - schmal und alt, unzählige enge Kurven; hier wurde noch die Straße der Landschaft angepasst und nicht umgekehrt. Wir sind jetzt mitten im Psiloritis-nationalpark.
Die Fahr hinauf auf das Nida-Plateau ist schön, die Aussicht grandios, der Psiloritis immer in voller Pracht zu sehen. Wir marschieren noch das Stück zur Ideon Andron hoch, der Geburtshöhle des Zeus; diese ist als Höhle aber wenig spektakulär - ein ca. 15x10m großes, 20m tiefes Loch im Fels.
Von hier fahren wir die Straße nach Anoghia und es beginnt schon zu dämmern, als wir uns entlang der Nordflanke der Berge von Dorf zu Dorf vorantasten. In Arkadi ist es bereits finstere Nacht und so kommt es, wie es kommen muss: ich finde in der Dunkelheit den Abzweig von hier Richtung Amari nicht und habe nun auch nicht mehr das Verlangen, noch lange danach zu suchen. Also auf nach Rethimnon und über die Hauptstraße nach süden. Somit wirds nichts mit den erhofften 50 eingesparten Kilometern, sondern das Gegenteil, wir fahren einen zeitraubenden Umweg durch die ganzen kleinen Dörfer. Kurz nach 21:00 sind wir endlich wieder in Galini.
Bis auf den letzten Abschnitt, ab Anoghia, war es trotz allem eine tolle Strecke und wohl auch dieser Teil wäre zu genießen gewesen, bei Tageslicht und ausreichend zeitlichem Spielraum.
Abendessen bei Michali, Bierli bei Miro.


Dienstag, 28.9. Amari - Arkadi - Ag. Georgios 153km

Wir fahren hinauf in die Amari-Ebene, das Kloster Arkadi ist unser Tagesziel. Viele kleine, nette Dörfer entlang der Strecke, immer am Westhang des Psiloritis entlang. Die gestern nicht gefundene Verbindung Amari-Arkadi ist heute auch beim besten Willen nicht zu verfehlen, eine gut ausgebaute und schön zu fahrende, kurvig und hügelige Straße, die genau bis zum Kloster führt...

Eintritt ins Kloster Arkadi € 2,-
Interessant zu sehen, das festungsähnlich umbaute Kloster, das im September 1866 von den Türken in Schutt und Asche gelegt wurde. Zum Gedenken derer, die sich mit dem Munitionslager in die Luft sprengten um der Gefangenschaft zu entgehen, gilt das Kloster heute als das kretische Nationalheiligtum.

Zurück die selbe Strecke bis Amari, dann aber am westlichen Rand der Ebene entlang nach gerakari, hier Kaffeepause. Als "Beilage" zum Frapee bekommen wir 5 leckere Äpfel, dann fahren wir weiter nach Spili, um uns den Brunnen anzusehen, der aus 19 Löwenköpfen Wasser speit. Von hier fahren wir wieder richtung "heimwärts", über die schöne Bergstarße nach Melambes, hinunter nach Agios Georgios zu Michali und gleich hinein ins wunderbar angenehme Meer!
Ein Omelett, ein griechischer Salat, ein Gläschen Wein dazu - kann das Leben herrlich sein? - Einer der urigsten Plätze hier in der Umgebung, und das schon seit vielen Jahren. Hoffentlich bleibt das noch lange so!
Abends fahren wir nach Kentrohori zu Agamemnon essen. Ausgezeichnete kretische Küche! Werner, Christine, Conny, Armin, Renate, Ewald und wir beide. Ein sehr netter, lustiger und saugemütlicher Abend. Jede Menge Vorspeisen ( Erbsenpürree, Tomatenbrote, Tsatziki, Loukanika, Rote Rüben, Krautsalat, Schnecken, gebratene Paprika) und als vorbestellte Hauptspeise Ziege aus dem Ofen, mit Kartoffeln. Wein, Wasser und Schnaps dazu soviel benötigt wird, als Nachspeise Käsetascherln mit Eigenbau-Honig. Alles zusammen und jedes für sich megamampf! Einheitspreis € 12,- p.P. und jeden einzelnen wert.


Mittwoch, 29.9. Agios Georgios, Heraklion 81km

Letzter Tag auf Kreta. Zum Abschluss noch mal nach Georgios hinüber, bei Michali Omelett und salat essen und ein letztes mal das angenehme Meer genießen.
Wetter super, so wie die vergangenen Tage jenseits der 30°C, gestern waren es 35°C und heute ist es nicht viel weniger.
15:00 packen, geht flott voran, trotz der Hitze.
17:00 bei Miro. Leider sind Werner und Armin nicht da, habe mich wohl mit meiner Zeitangabe zu missverständlich ausgedrückt. Um 17:35 fahren wir los um nicht schon im Dunkeln durch Heraklion kurven zu müssen - der Verkehr dort ist sicher ein Horror.
20:00 Wir sind am Hafen und auf der Fähre, der "Kriti II". Ging ganz gut bis hierher, auch Heraklion war halb so schlimm. Trotzdem war es gut, schon rechtzeitig zu abzufahren.


Donnerstag, 30.9. Piräus - Delphi - Parnassos . Arachova - Patras 358km

Die Überfahrt war ruhig, nur ein mal waren kurz einige Wellen zu spüren. Um 5:30 gehen wir in Piräus von Bord, nach einer kurzen "Ehrenrunde" finden wir auch die richtige Ausfahrt aus der Stadt hinaus - der Ausdruck "Verkehrsleitsysteme" scheint in der griechischen Sprache nicht zu existieren. Nach wenigen Minuten stecken wir mitten im Morgenverkehr und mit kaum mehr als Schrittempokämpfen wir uns wacker über die dreispurige Stadtautobahn, die aber in zumindest fünf Spuren befahren wird. Der Pannenstreifen dient als "rechts-überhol-spur"und die Zwischenräume der Kolonnen sind scheinbar egenständige 2-Rad-Spuren.
Bis nach Elefsina geht es so dahin, gut eine Stunde benötigen wir dafür. Die Seitenkoffer sind hier ein massives Handicap... Das Gesetz, beim Überqueren einer Straße als Fußgänger NICHT in die Richtung des Verkehrs zu sehen, sondern nach rechts zu schauen und einfach zu gehen (dann bleiben nämlich alle anstandslos stehen - sonst wartet man ewig) gilt eingeschränkt auch hier: blinken und losfahren - auf eine Lücke warten gibts nicht, die wird freiwillig nicht gewährt. Etwas gewöhnungsbedürftig...
Ab der kleinen Nebenstraße, auf der wir uns nun befinden, geht es angenehm verkehrslos und zügig dahin. Einzig die Temperatur macht uns zu schaffen: war es in Piräus um diese Zeit schon (noch?) drückend warm, hat es hier in den Bergen um Athen kaum mehr 14°C! So fahren wir bis Stefani, wo wieder unser Standard-Frühstück fällig ist: Kakao und Käse/Schinkentasche frisch vom Bäcker.
So geht es nun durch ganz nette, landwirtschaftlich intensiv genutzte Landschaft (auch viel baumwolle) weiter bis Thiva und dann auf ruhiger Hauptstraße nach Livadia. Nun wirds auch mir zu kühl und ich springe ebenfalls in meine Fleece-Jacke. Denn ab hier gehts langsam wieder in die Berge, der Parnassos (2457m) liegt vor uns. Natürlich gehts da nicht allzuhoch hinauf, aber kühler wirds allemal werden. Die Straße ist echt schön zu fahren und so erreichen wir Arachova, eines der Schigebiete Zentralgriechenlands. Wir haben Zeit, das Wetter passt auch und so fahren wir mal den berg hoch, um uns ein bisschen umzusehen. Zum eigentlichen schigebiet sind es aber noch etwa 20km, die Straße windet sich wie bei uns in den Bergen Kehre um kehre hoch, zuerst durch dichten Wald, dann über eine Hochebene, an der man erkennen kann, was hier im Winter los sein muss: Holz- und Steinhäuser, Hotels, Tavernen - alles sehr schön in Schuss und wirklich ansprechend gebaut. Richtig urig hier, es sieht fast so aus wie bei uns in den Alpen. Und an unzähligen weiteren Stellen wird gebaut und erweitert. Nach dieser Ebene gehts dann nochmals kräftig hoch und auf etwa 1800m sind wir dann bei den Liften angelangt. Schöne Berge ringsum. Hier ist natürlich auch noch nicht Ende für uns, die Twin möchte höher und so tuckern wir die Schotterwege hoch, bis es so steil wird, dass sich Doris hinter mir nicht mehr wohl fühlt. Die letzten Kehren, nun schon wirklich sehr grob und steil, muss ich aber auch noch hinauf und auf 2205m ist auch für mich alleine Schluss. Ohne Gepäck und der vor uns liegenden langen Heimreise wäre es sicher möglich, noch in Gipfelnähe zu kommen (~2500m); das Risiko ist mir aber zu groß. Auch von hier ist die Aussicht toll, man hat ja fast einen 360°-Rundblick und sieht nichts als Berge!
Irgendwann müssen wir auch wieder hinunter, wir haben ja noch ein schönes Stück Strecke vor uns. Also wieder retour nach Arachova und wenige km weiter erreichen wir Delphi. Hier halten wir uns nicht auf, sondern entledigen uns nur unserer Fleece-Westen; es wird schon ziemlich heiss. Die gut ausgebaute Straße windet sich in nicht endenden Kurven hinunter bis Itea ans Meer. Seit dem Parnassos gings 2200 Höhenmeter nur bergab!
In Itea suchen wir uns eine Taverne am Meer und machen Mittagspause, auch das Mopped wird mit Trinkitrinki versorgt.
Nun geht es an der Nordküste des Golfes von Korinth entlang. Sehr kurvig, bergauf bergab, viele kleine Dörfer, immer wieder vorbei an schönen Badestränden und -buchten. Diese Seite des Golfes scheint mir viel schöner und landschaftlich interessanter als das gegenüberliegende Ufer am Peloponnes. Und vor allem ist hier viel weniger Verkehr als auf der stark befahrenen Hauptverbindung Athen-Patras. So fahren wir zwar um gut 70km mehr, diese dafür aber viel angenehmer. Einzig der Wind bläst zeitweise wie verrückt, stark und böig. Aber da kann ja die Strecke nichts dafür. Letzter Stop ist dann in Nafpaktos, am Hafen in einem der kleinen Cafe´s. Noch kurz mal tief durchatmen und den Urlaub abschließen... Hier wäre es sicher auch mal ein paar Tage auszuhalten.Danach fahren wir zum zweiten Mal über die neue Hängebrücke Rio/Antirio und weil auch kaum Verkehr ist, bleiben wir unerlaubterweise ganz oben, in der Mitte, stehen, um in die Tiefe zu schauen. Interessanter Ausblick, leider kommt da auch schon ein Einsatzfahrzeug ,denn es gibt ja sicher eine Videoüberwachung. Da wir aber sofort schuldbewusst auf das Mopped steigen und gleich weiter fahren, deutet uns der Fahrer eher freundlich zu, er wird das wohl mehrmals am Tag haben.
Nun gehts noch die letzten km bis Patras und weiter zum Hafen. Die "Sofoklis" steht schon am Pier, der Schalter am hafen öffnet aber erst um 22:00. Drei Stunden warten? nein. Wir fahren zum ANEK-Hauptbüro, checken dort ein und verkürzen unsere Wartezeit vor der Fähre mit Pizza und Ouzo. Hier ist sowieso viel los; es gibt immer was zu beobachten und schauen, so dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Um 20:00 wird dei Sofoklis in ihre Endgültige Anlegestelle rangiert und eine Stunde später sind wir in unserer Kabine.
Wir sind beide so erschöpft von diesem langen Tag, dass wir das Ablegen um Mitternacht überhaupt nicht mehr erleben. So schlafen wir unseren Urlaub quasi zu Ende!


Freitag, 1.10. auf See

Irgendwann zeitig in der Früh Korfu, kurz danach Igoumenitsa. Das wars auch schon wieder für heute.


Samstag, 2.10. Trieste - Wien 500km

07:00 Ankunft Trieste
16:00 daheim, in Wien