Von Igoumenitsa durch die Berge nach Kreta

7. - 29.5.2005

Robert: Honda Africa Twin XRV750 Bj. 00
Doris: begeisterte Sozia
Jack: Honda Africa Twin XRV750 Bj. ??


Allgemeines zur Reise:

Fährtickets Mopped und 2er-Kabine Venedig/Igoumenitsa und Patras/Venedig, ANEK: € 700,-
Fährtickets Mopped und 2er-Kabine Piräus/Chania und Heraklion/Piräus € 120,-

Benzin: € 0,79 bis 0,85 (Super)


Freitag, 6.5. Wien - Jesolo / 608 km

Auf Grund der allgemeinen schlechten Wetterlage haben wir unseren ursprünglichen Plan, am Sonntag um 2:00 Früh zu fahren, kurzfristig verworfen. Abfahrt ist nun Freitag, 11:00. Gleich auf der Tangente regnet es das erste Mal - dann kommen wir aber trocken bis ca. 30km vor Venedig. Obwohl wir nur 3 kurze Pausen einlegen, sind wir erst gegen 19:00 in Jesolo und ziemlich geschlaucht von der Fahrt. Zimmer beziehen, Pizza essen, Bierli trinken und ab ins Bett.

Hotel Serena, € 35,- p.P. inkl. Frühstück


Samstag, 7.5. Jesolo - Venedig / 89 (!) km

Gemütlich sitzen wir beim Frühstück, um 9:00 ist Abfahrt nach Punta Sabbione, am Südzipfel der Lagune. Von dort soll alle 30min eine Fähre nach Venedig fahren. Soll. Leider erst ab Juni, und das erfahren wir erst an der Mole, weil weit und breit kein Fährschiff zu sehen ist... Also: aufsitzen und so schnell wie möglich die ganze Strecke zurück und auf dem Landweg nach Venedig! Etwa 75km durch dichten Verkehr in der Hoffnung, die Fähre nicht zu verpassen. Um 11:49 gehen wir an Bord - zehn Minuten vor dem Auslaufen. Ganz schön knapp!

Dafür werden wir mit einer Canale-Grande-Tour belohnt. Quer durch Venedig, vorbei am Dogenpalast, Campanile und Seufzerbrücke, haben wir vom Deck 7 einen tollen Ausblick. Gratis Sightseeing!


Sonntag, 8.5. Igoumenitsa - Metsovo / 150km

Ziemlich pünktlich um 13:00 legt die Fähre in Igoumenitsa an. Eilig wird alles und jeder ausgeladen, kaum sind wir draußen, geht auch schon wieder die Klappe zu und die Fähre legt wieder ab. Die haben’s heute aber eilig. Erste Etappe bis Vrossina, dort gut essen und die schöne Landschaft genießen. Immer geht’s am Fluss entlang, bergauf, bergab. Weiter über Joannina nach Metsovo - 60km nur Kurven. Die Strecke wäre ja super zu fahren, wären da nicht die vielen LKWs, die zumeist im Schneckentempo bergauf kriechen. Trotzdem eine schöne Fahrt, wir machen öfters mal Pause und genießen den schönen Ausblick in die Berge. Ab 1700m etwa sind alle Gipfel noch tief schneebedeckt.
Wir kommen gut in Metsovo an, mit 14°C ist es hier etwas kühl (nach den 30°C in Igoumenitsa) und das reservierte Zimmer im kleinen Hotel Kassaros wartet schon auf uns.
Den Abend verbringen wir in der Taverne am Hauptplatz, danach bleiben wir noch im Cafe hängen und kommen mit dem Wirt ins Gespräch. Als wir mit ihm über unsere morgige Route sprechen, werden sogleich noch andere Gäste zu Rate gezogen und alle meinen, dass diese Strecke zur Zeit nicht fahrbar sei. Es liege noch zu viel Schnee und alle Bäche seien noch stark Wasser führend. Wir werden uns morgen selbst ein Bild davon machen und dann eventuell die Route auf der Straße, über Arta, machen. Wir werden sehen. Der Schnee gibt mir nicht so zu denken, wohl aber die vier oder fünf unbefestigten Furten im innergriechischen Niemandsland.

Hotel Kassaros, € 50,- / DZ inkl. Frühstück


Montag, 9.5. Metsovo – Megalo Horio / 288km

In der Früh fragen wir noch den Hausherrn um seine Meinung zur geplanten Strecke. Seiner Ansicht nach ist unsere gewählte Strecke ohnehin unfahrbar, der Abschnitt kann aber umfahren werden. Und auf diesem alternativen Weg könnte es nur am ersten Stück, bis Haliki, Probleme geben. Ab dort sollten die Waldwege dann wieder gut fahrbar sein. So ändern wir die ersten km etwas ab.
Aus Metsovo bis Anili ist die Straße hundsmiserabel. Nur LKWs und Bagger, es geht durch die riesige Baustelle der neuen Autobahn und deren Tunnel. Am Gegenhang des Tales finden wir mehr glücklich als bewusst den Abzweig nach Haliki; in einer Kurve bleiben wir stehen, um noch mal in die Runde zu schauen und dabei fällt uns ein kleiner, unscheinbarer Wegweiser auf. Daran wären wir garantiert vorbeigefahren. Immer wieder verzweigt sich die Forststraße und wir fahren einige Male auf gut Glück und Gefühl weiter. Aber doch immer richtig. Nach 1:20 und 20 gefahrenen Kilometern erreichen wir Haliki. Tolle Strecke! Almen, Wiesen, dichte Wälder und Bäche und schön fahrbar. Nur einige Male ragen die Schneezungen noch bis über den Weg, es bleibt aber immer ein schmaler Streifen zum Fahren. Viele kleine Rinnsale zu queren. Super schön!

In Haliki, einer Siedlung aus nur wenigen Häusern, kehren wir im (geschlossenen) Cafe ein.
Ab hier Asphalt. Vorbei an Polithea, wo unten im Fluss einige Kajaks zu sehen sind. Etwas später überqueren wir den Acheloos. Meine schlimmste Befürchtung, dass hier an dieser abgelegenen Straße keine Brücke gibt, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. Denn um diese Zeit, wenn der letzte Schnee von den Bergen schmilzt, wäre ein Queren des Flusses unmöglich.

Bei Mesochora staunen wir nicht schlecht, als wir plötzlich vor einer riesigen, unfertigen Staumauer stehen. Schwer zu schätzen, aber 70-80m sollte sie schon hoch sein. An ihrem Nordende wird fleißig an einer Tunnelröhre gebaut, aber die dazugehörige Straße gibt es noch weit und breit nicht. Wieder queren wir den Acheloos, auf einer alten, baufälligen Stahl-/Holzbrücke. Wenig Vertrauen erweckend, diese Konstruktion...

Die Landschaft hier ist traumhaft schön, auch wird es wieder langsam wärmer. Wir kommen immer tiefer, wir halten uns nun schon meistens um 700m Höhe auf und sind aus dem Gebirge heraußen. Alles um uns ist üppig grün und blüht. Von Zeit zu Zeit, so alle paar Kilometer, durchfahren wir kleine, abgelegene Dörfer, wo wir immer Aufsehen erregen. Viele Touristen kommen hier ganz sicher nicht vorbei. An einem kleinen, unscheinbaren Schildchen geht wieder rechts ab, über eine Schotterstraße heftig hoch bis an die Schneegrenze. Bei Metamorfosi erreichen wir wieder Asphalt. Über Langadi und Anthiro geht’s flott Richtung Rongia, auf die nächsten Berge zu.

Hier passt die Karte überhaupt nicht mit den örtlichen Gegebenheiten zusammen. Der Streckenverlauf ist falsch, auch die Orte liegen nicht richtig. Dazu kommt noch, dass die diversen handgemalten Schilder und Wegweiser ebenfalls komplett wirr sind. Es passen weder Richtungen noch Entfernungsangaben zusammen. Also auf gut Glück durch. Immer höher geht’s den Berg, Hauptrichtung Petrilo. Nach 17km sollte eine gut erkennbare Kreuzung liegen. (Wir hatten heute schon zwei Mal das Problem, dass wir einen Abzweig versäumten, weil es gar nicht nach fahrbarem Weg aussah und doch richtig gewesen wäre).

Fast am Pass angelangt, bei einer kleinen Kapelle, müssen wir umdrehen. Wir haben das erste Mal den Eindruck, wirklich grundlegend falsch zu sein. Außerdem wird der Weg immer enger und morastiger. Es geht an die Grenze des sicheren Fahrens. Wir drehen um und suchen nach einem wieder übersehenen Abzweig, aber da ist nichts. So kommen wir wieder zurück auf die Hauptstraße. Möglicherweise war der Weg sehr wohl richtig, aber für uns so nicht mehr fahrbar.

Kurzer Krisenstab. Nach fast einem ganzen Fahrtag, es ist bereits 16:00 Uhr, haben wir noch nicht einmal die halbe Tagesetappe, sondern gerade mal 120 km zurückgelegt... Uns bleibt nur noch der Weg über Karditsa und die Hauptstraße nach Karpenissi, wollen wir heute noch Megalo Horio erreichen. Ein kleiner Umweg von gut 200km.

Wider Erwarten ist die Straße über Kedros wunderbar ausgebaut, superschön zu fahren und wir kommen flott voran. Wäre da nicht unser kleines Zeitproblem, wäre das eine wirklich zu genießende Bergstrecke, durch wunderbare Landschaft. Hier würde ich gerne noch mal mit ausreichend Zeit fahren, um mehr genießen zu können. Merken!

Noch mal geht es hoch bis an die Schneegrenze, so etwa auf 1500m, und es wird wieder unangenehm kalt. Südlich umfahren wir den Timfristos und erreichen gegen 21:00 Uhr Megalo Horio. Viel später hätte es nicht mehr werden dürfen, es dämmert schon.

Quartier haben wir bei Kiki bestellt, der freundlichen Zimmervermieterin vom Vorjahr. Rasch das Gepäck verstaut und dann noch in die kleine, urige Taverne ganz oben im Ort. Huhn und Lamm vom Grill, und ein Bierli und Schnaps dazu. Das erste Essen heute! Die drei Tische im Lokal sind voll, die übliche „Herrengesellschaft“ ist da. Alle eben, die etwas zu diskutieren haben, so auch der Pfarrer. Und wieder einmal sorgen wir für Gesprächsstoff.

Allzu lange dauert der Abend nicht, wir genießen noch eine heiße Dusche und fallen ins Bett. Heute war ein langer, anstrengender Tag.

Privatzimmer „To Petrino“ (Kiki), Studio / € 40,- (inklusive Frühstückszutaten – am Morgen bekamen wir frisches Brot und Milch, im Kühlschrank war für uns Butter und Marmelade vorbereitet und Kaffee und Tee war auch am Zimmer. Nicht zu vergessen das kleine Fläschchen Tsipouro auf der Anrichte...)


Dienstag, 10.5. Megalo Horio – Panta Vrechi / 151km

Nach einem gemütlichen Frühstück, in der Morgensonne am Balkon, machen wir uns auf den Weg zur „Panta Vrechi – Runde“. Über Klafsi, Aniada und Sigrelos geht’s auf Waldstraßen und das letzte Stück auf kurvigem Asphalt in das nette Dorf Domnista, wo in Theodoros Taverne immer etwas Gutes auf den Tisch kommt. Die Küche ist traditionell einfach, aber sehr gut. Als wir ankommen, werden gerade die letzten Reste des Chorto-Strudels an die wartenden Kunden verteilt; manche holen sich das Mittagessen eben ab. Nach einer Kostprobe wird aber ein Teil davon doch für uns zurückgehalten. Dann gibt’s Salat, Spiegeleier, frische Pommes, Feta und leckeres Brot. Als wir nicht mehr „paff“ sagen können, kommt noch ein guter honigtriefender Kuchen nach. Erwähnenswert ist auch, dass wir wieder mal die einzigen Gäste sind und freundlichst umsorgt werden. Domnista ist eben ein Dorf am Ende der Welt.

Nach ausgiebiger Rast geht’s los in die Wälder. 2 km nach Domnista zweigt rechts der Weg über Skorpia, Kastanoula und Roska ab. Die Strecke ist super, durch dichte Wälder und an Schluchten entlang, wo man sich kaum über den Fahrbahnrand zu beugen getraut, so steil fällt es ab. Da geht’s stellenweise ganz schön in die Tiefe. Immer wieder sind kleine Wasserläufe zu queren, und die sich zwischendurch bietenden Ausblicke auf den tief eingeschnittenen Trikeriotis-Fluss sind gewaltig. Hoffentlich ist der Pass über den Kaliakouda schneefrei! Immerhin müssen wir auf über 1700m hoch. Und die ersten Schneefelder begannen immer schon ab etwa 1400m. Wir genießen die Fahrt, die Strecke, die Landschaft und die Ruhe in der Abgeschiedenheit hier. Die wenigen kleinen Dörfer sind allesamt verlassen und menschenleer. Dann müssen wir einige hundert Höhenmeter in steilen, engen Kehren hinunter zur Furt bei Panta Vrechi. Das laute tosen des Wassers verheißt schon aus der Ferne nichts Gutes und am Fluss angekommen wird uns schnell klar, dass unsere Fahrt hier und jetzt zu Ende ist. Das im Herbst kleine Flüsslein hat jetzt eine Breite von gut 10m, ist an der seichtesten Stelle mindestens 60cm tief und voll groben Geröll. Und die Strömung ist auch nicht ohne. Wir loten mal ohne Stiefel mit hochgekrempelter Hose aus und können uns in der Mitte kaum auf den Beinen halten. Da gibt es definitiv kein Durchkommen. Also bleibt uns nur der Weg zurück, die einzige eventuelle Möglichkeit doch noch das andere Ufer zu erreichen liegt etwa 15km retour zwischen Skorpia und Psiana. Wenn wir dort auch nicht hinüber können, müssen wir die ganze Strecke wieder zurück fahren. Nach einer halben Stunde etwa stehen wir wieder unten beim Wasser. Hier aber kaum 3m breit und nicht mal Wadentief. Das kann aber höchstens ein Zufluss sein, der Trikeriotis kann wohl kaum auf den wenigen km seines Verlaufes um soviel weniger werden. Wir fahren durch und nach wenigen hundert Metern stehen wir wieder vor dem Flussbett. Nur hier noch viel breiter, weiter gefächert und die Einzelströme viel reißender. Hier ist der optische Eindruck schon so Respekt einflößend, dass wir erst gar nicht an einen Versuch denken. Das ist einfach Wildwasser, in einem unüberwindbaren Geröllbett zwischen den Felsen. Also doch die ganze Strecke retour. Am kleinen Wässerchen von vorhin legt sich Jack nieder, beim „Bergen“ der Twin holen wir uns alle nasse Füße. Aber so ein kleines „Hoppala“ kann schon mal passieren. Wieder aus dem Wald und auf der Straße, fahren wir bis Karpenissi und dann auf der anderen Seite der Berge die Straße nach Megalo Horio zurück. Unser Bedarf an schlechten, unbefestigten Waldwegen ist für heute gestillt.

Abendessen in der Dorftaverne, zuvor Kaffee & Kekse bei Kiki, unserer Gastgeberin.


Mittwoch, 11.5. Megalo Horio – Piräus / 376km

Zum Frühstück hatten wir wieder frisches Brot und Milch im Zimmer. Sehr nett von Kiki, so auf uns zu schauen. Wir fühlen uns hier im Haus sehr wohl.

Als wir abfahren, ist es noch sehr kühl. Wir passieren den Zusammenfluss des Trikeriotis mit dem Karpenissiotis, gemeinsam sind die beiden nun ein stattlicher Fluss, der sich von hier nach Nordwesten zieht und den Stausee (..) speist. Über den Wallfahrtsort Proussos und Kato Lampiri kommen wir nach Thermo. So wie überall im gebirgigen Norden sind die Spuren des Winters unübersehbar. Die Straßen sind schwer in Mitleidenschaft gezogen, stellenweise halb weggebrochen und unterspült, massenweise die Reste abgegangener Felsstürze. Immer wieder liegen Bäume und Felsen an und auf der Straße. In jeder Kurve muss man mit einem Hindernis rechnen. Manchmal geht es direkt an der Asphaltkante 30m fast senkrecht hinunter in den Fluss – ohne Leitplanke.

Wir erreichen Thermo. Puh, das wird seinem Namen aber gerecht. Die letzten paar Kilometer haben wir die Berge hinter uns gelassen und die Temperatur kratzt nun schon hart am 30er; etwas gewöhnungsbedürftig nach den 6°C, die wir noch vor kurzer Zeit in den Bergen hatten. Frappeepause in einem der Cafe´s am Hauptplatz.

Die nächsten 25km Luftlinie sind gute 50km auf schmalen, schlecht befestigten Nebenstraßen und verbrauchen entsprechend viel Zeit.

Um 13:30 kommen wir nach Nafpaktos - endlich am Meer! Und es hat bereits 33°C. Im Schatten der Bäume lässt es sich gut rasten, was wir auch ausgiebig tun. Von den höchsten Gipfeln des Peloponnes´ leuchten die die letzten Schneefelder strahlend weiß zu uns herüber.

Nach einer angenehmen Kaffeepause in der kühlenden Brise schaukeln wir bis Itea die kurvige, gut ausgebaute Küstenstraße zügig entlang. Das letzte Stück vor Itea klettert das Thermometer auf 37°C! Auch der Fahrtwind ist nun keine Kühlung mehr.

Ab hier wollen wir von der Hauptstraße weg, denn über Livadia und Thiva zieht sich die Strecke ziemlich langweilig, flach und gerade dahin. Schöner sollte die südlicher liegende Nebenstraße sein, die an der Bergkette entlang führt. Über Kira und Desfina kommen wir nach Aspra Spitia, allesamt wenig interessante Dörfer. Leider versäumen wir irgendwo den richtigen Abzweig und finden uns bei Distomo letztendlich doch wieder auf der Hauptstraße, die wir eigentlich meiden wollten. Naja. Viel Zeit vergeuden wollen wir aber auch nicht mehr und so kommen wir zumindest flott voran. Ab Eritrea beginnt sich die Strecke zu ziehen; hügelig, sehr kurvig und dazu noch stark befahren. Die Kilometer entlang der alten „National Road“ werden immer länger. Vor 19:00 werden wir wohl kaum in Piräus sein. Da kommt am letzten Stück durch Athen auch noch der Abendverkehr dazu... In Elefsina auf die Stadtautobahn, erstaunlich wenig Verkehr! Zum Glück kennen wir die Strecke schon, das vermeidet die Gefahr des Verfahrens; denn die Zufahrt nach Piräus ais miserabel beschildert. Das letzte Stück Weg geht’s durch das enge Gassengewirr des Athener Randbezirkes. Eines Welthafens unwürdig. Und nicht vergessen, gleich rechts abzubiegen, sobald wir am Hafen sind! Das Gate E3/Crete ist das Letzte und erst mal links rum darf man eine tolle Hafenrundfahrt genießen, ob man will oder nicht. Gleich sind wir das und lösen unsere offenen Tickest am ANEK-Schalter ein.

Als wir vor der Fähre, der El. Venizelos, stehen, erfahren wir, dass das Schiff nicht wie geplant um 21:00, sondern erst um Mitternacht fahren wird – denn es wird gestreikt. Dieser Streik war für den 1. Mai geplant; da war aber Ostern und da sich die Griechen sicher nicht selbst das höchste Fest im Jahr vermiesen, wurde halt auf heute verschoben. Na super. So versorgen wir uns mit Fast Food und Getränken vom Imbiss an der Hafenstraße und schnell ist die Zeit um. „Pünktlich“ um Mitternacht legen wir ab. Wir gönnen uns noch ein kühles Getränk während des Auslaufens, dann aber fallen wir erschöpft in unsere Betten.


Donnerstag, 12.5. Chania – Kastelli / 89km


Um 8:30 erreichen wir mit den 3 Stunden Verspätung Souda. Halbwegs zügig sind wir aus der Fähre heraußen und machen uns auf den Weg. Es ist bereits sehr heiß, das Thermometer zeigt 28°C.

Wir fahren nicht gleich direkt nach Kastelli, wo wir unser Zimmer haben, sondern wollen noch die Halbinsel Akrotiri abfahren. Nach Sternes, am Flughafen vorbei, zum Kloster Gouvernetou. Die Strecke ist trostlos und öde, nur das letzte Stück windet sich die schmale Straße durch eine ganz enge Schlucht. Das Kloster von außen schmucklos, innen aber sehr sauber und gepflegt, mit Zitronen- und Orangenbäumen im Innenhof.

Auf den Fußmarsch hinunter zum sehenswerten Kloster Katholiko sind wir leider nicht vorbereitet. Mit der Motorradkluft und ohne Wasser wird uns da wohl etwas zu heiß werden.

Entgegen den Uhrzeigersinn umrunden wir die Halbinsel fertig und erreichen Chania. Dort werden wir unverständlicherweise an einer Sperre von der Hauptstraße abgeleitet und müssen im Stau mitten durch die Stadt... Endlos zieht sich von Chania bis Kolymbari die durchgehende Hotel-Restaurant-Shop-Kette durch. Je weiter wir die Stadt hinter uns lassen, desto lichter wird die Bebauung und irgendwann ist auch endlich der Stadtverkehr aus. Die Kilometer bis Maleme sind ein durchgehendes Touristenzentrum. In Kolymbari kehren wir in einem Cafe an der Kreuzung ein und beobachten das Treiben. Das ist soo unterhaltsam!
Am frühen Nachmittag erreichen wir Kastelli und beziehen unsere Zimmer im Argo, am Ende der Straße. Den Rest des Tages verbringen wir mit faul sein und relaxen. Seehr angenehm.


Freitag, 13.5. Gramvoussa / 57km

Ruhig und gemütlich gehen wir den Vormittag an. Dann fahren wir die Halbinsel Gramvoussa hinaus, bis ans Ende der schlechten Piste. Dort stellen wir die Moppeds ab und marschieren die letzten 1,5km hinunter zur Lagune von Balos. Auf halbem Weg bietet sich ein Postkarten-kitschiger Ausblick auf die Inseln und die Lagune. Von hier und um diese Tageszeit komplett menschenleer zu erleben. Toll!
Unten angelangt, gehen wir das erste Mal ins Meer. Brrr - schweinekalt!
Und wir liegen das erste Mal in der Sonne. Auweia – Sonnenbrand!
Nach einer Stunde etwa packen wir unsere sieben Sachen wieder zusammen; der Wind frischt auf und bläst uns immer mehr Sand unangenehm um die Ohren. Und nachdem die kleine „Taverne“ hier noch ihren Winterschlaf schläft, marschieren wir wieder hoch und fahren zurück nach Kastelli. Kurz, einen Kaffe lang, besuchen wir noch den schönen Sandstrand von Falassarna – auch hier alles menschenleer. Hat denn die Saison noch nicht begonnen?

Nun erwähne ich auch mal das Wetter: bis heute jeden Tag strahlend blauer Himmel und ungetrübter Sonnenschein. Erst jetzt am Nachmittag hat es zugezogen und ist ziemlich diesig und mit dem Nordwind auch merklich kühler geworden; gegen die Hitze der letzen beiden Tage spüren sich die 23°C ziemlich frisch an.

Rooms to rent Argo, € 22,50 / Zimmer


Samstag, 14.5. Kastelli – Soughia / 139km

So wie schon die Tage zuvor ein sonniger, warmer Morgen. Heute fahren wir an die Südküste; über Platanos, Kefali und Voutas zuerst nach Paleochora und dann weiter nach Soughia.

Westwärts verlassen wir Kastelli. Vorbei am Falassarna-Strand erreichen wir flott Platanos, wo wir die Hauptstraße verlassen und ins Inselinnere abbiegen. Planmäßig sollten wir bei Kandanos wieder auf die Hauptstraße treffen. Bei Zachariana ist der Asphalt zu Ende und es geht gleich ziemlich ruppig bergauf. Mal unter tief hängenden Bäumen durch, dann ist der Fahrweg wieder durch einen Weidezaun versperrt und immer wieder ziemlich grobe Abschnitte. Manchmal nehmen wir auch einen falschen der vielen Abzweige und müssen nach einem Stück wieder umkehren. Dank GPS kein Problem, aber diese verzweigten Wege sind in keiner Karte eingezeichnet und der Richtige ist nicht immer gleich zu erkennen. Wir erreichen auf einer abgelegenen kleinen Hochebene einen Bauernhof und fragen nach dem Weg; bis hierher lagen wir eh richtig und nun sollen wir uns immer in Richtung der Windräder am gegenüberliegenden Kamm halten. Weiter geht’s auf holpriger Piste und wieder ist der eine oder andere falsche Abzweig dabei. Wir kommen in ein kleines Dorf und fragen uns wieder durch. Sineniana ist das hier. Liegt aber eigentlich nicht direkt an unserem Weg, sondern am Ende einer Stichstraße. Nach einigem hin und her erreichen wir endlich den Pass mit dem Windkraftwerk. Ab hier ist es keine Schwierigkeit mehr; deutlich erkennbar zieht sich die breite Schotterpiste vor uns ins Tal hinunter, bis zur Asphaltstraße. Flott kommen wir zum nächsten geplanten Stopp, der „Kantina“ kurz nach Amigdokefali.

Weiter fahren wir über eine schöne, abgelegene Nebenstraße von Kefali nach Mili. Von hier weiter über Voutas ist die Strecke wieder besonders interessant; die Straße ist nur sehr schmal aber wenig befahren und führt immer wieder durch kleine, abgelegene Dörfer. Gegen 14:00 Uhr erreichen wir Paleochora.

In der sehr netten Pension Zygos, an der Straße direkt am Strand, treffen wir unsere Freunde vom FcMecki:

F-ranzi, C-laudia, M-ichi, E-lisabeth, C-hristian, K-arlaki, I-nge

Wir sitzen zusammen, plaudern und erzählen; bis auf Inge und Chris reisen alle heute wieder ab; eine Woche ist zwar kurz, aber zwischendurch immer noch besser als gar nichts. Und mit den Beiden planen wir ohnehin, uns morgen wieder zu treffen. Heute müssen wir aber noch weiter nach Soughia, damit wir morgen die Samaria-Schlucht gehen können. Wenn wir heute hier bleiben würden, wäre das bestimmt ein langer Abend und die Schlucht würde morgen zwar nicht ins Wasser, aber möglicherweise in den Schnaps – ganz sicher aber aus fallen.

Die Pension Zygos werden wir uns auf alle Fälle vormerken; das haus sieht nett aus und die Preise sind die moderatesten seit langem: Essen ab € 5,- / Bierli € 1,50 / Frappee € 1,- / Zimmer € 20,-

Das letzte Stück Strecke bis Soughia ist auch wieder sehr schön zu fahren. Zuerst geht’s hoch die Berge hinauf, über Azogires und Rodovani; dann schlängeln sich die Kurven hinunter bis zum Meer.

Wir beziehen Zimmer im Haus Okeanis, spazieren noch ein wenig herum – Soughia ist ja nicht besonders groß – und stellen uns bei einem gemütlichen Essen auf den morgigen langen Marsch durch die Schlucht ein.


Sonntag, 15.5. Samaria-Schlucht

6:15 Tagwache; um 7:00 soll der Bus hinauf nach Xyloskalo, zum Eingang der Schlucht, gehen.

Leider erweist sich die gestern in Paleochora im Busbüro erhaltene Information als falsch. Der Bus fährt eben doch nicht jeden Tag, denn am Sonntag ist Pause. So warten wir bis fast 8:00 - so richtig sicher ist sich auch wieder niemand, vielleicht kommt der Bus doch...? - und plaudern mit anderen „Schluchtis“. Wir fragen noch mal im Cafe nach, aber eine konkrete Auskunft ist nirgends zu erhalten. Jedenfalls scheint festzustehen: wenn bis 8:00 nix kommt, kommt’s nimmamehr. So sitzen wir hier wie bestellt und nicht abgeholt und sehen die Schlucht schwinden.

Die letzte Chance wäre, eines der beiden Taxis im Ort aufzutreiben, was uns dann auch gelingt. Der freundliche Jorgos bringt uns für € 35,- die etwa 50km hinauf nach Xyloskalo, zum Eingang der Schlucht. Der Tag ist gerettet! Das Ganze hat nun auch noch den Vorteil, dass niemand gleichzeitig mit uns oben ankommt; kein voller Bus, der eine ganze Ladung auf einmal entlässt. So haben wir zumindest den ersten Teil der Wanderung ganz alleine für uns. € 5,- kostet der Eintritt pro Person.

Um etwa 8:30 marschieren wir von 1100m Seehöhe los. Die ersten Kilometer führt der Weg durch alpines Gelände bergab. Es ist noch schön kühl und die Landschaft ist echt toll. Auf Grund unserer "individuellen" Anreise mit dem Taxi marschieren wir ganz alleine und können die Ruhe um uns genießen.

Alle 2-3km sind Rastplätze eingerichtet, wo man frisches Quellwasser tanken kann und auch WC´s vorhanden sind. Man braucht somit nicht Unmengen an Wasservorräten mitzuschleppen, eine 0,75er-Flasche reicht, man kommt damit gut von Quelle zu Quelle.

Die Eindrücke sind vielfältig: zuerst der steile Abstieg in den Schluchtgrund; dann durch felsigen Wald, am immer größer werdenden Flüsschen entlang. Mal durch ganz enge, verwinkelte Passagen, dann wieder durch vom reißenden Frühjahrs-Schmelzwasser breit ausgeschwemmten Talgrund. Sehr beeindruckend. Wir kommen gut voran, immer öfter laufen wir auf kleine Grüppchen vor uns gehender auf. Wir machen auch immer wieder Pausen und teilen uns den Marsch gut ein. Außer viel Wasser gibt’s als Verpflegung nur Obst und Kekse.

Wir passieren die Kapelle Ag. Nikolaos und danach die verlassene Siedlung Samaria. Hier gibt es auch eine kleine besetzte Erste Hilfe – Station und ein Maultier, mit dem man im Notfall aus der Schlucht gebracht werden kann.

Zwischenzeitlich ist der Wildbach zur Gänze verschwunden, der Talgrund ist staubtrocken. Bevor wir aber bei km 11 etwa das „Sidera Porta“, die schmalste Stelle der Schlucht erreichen, plätschert schon wieder das Wasser neben uns her. Irgendwo in einer uneinsehbaren Ecke kam das Flüsslein wieder unbemerkt als Tageslicht und plötzlich fällt auf, dass es schon wieder munter plätschert. Ohne den kleinen, einfach gezimmerten Stegen wäre es um diese Jahreszeit noch nicht möglich, die Schlucht trockenen Fußes zu durchwandern.

Die Eintrittskarten sollten beim Kontrollposten am Ausgang wieder eingesammelt werden, damit niemand über Nacht im Nationalpark bleiben kann oder abgängig ist.

Um 14:30 etwa erreichen wir Ag. Roumeli an der Südküste. Die Zeit bis zur Abfahrt der Fähre nach Soughia verbringen wir mit Pizza, Cola, Kaffee und viiiel schauen. Das ist nach der anstrengenden Wanderung ganz angenehm.

Der geplante Abend mit Inge und Chris in Paleochora fällt leider müdigkeitsbedingt aus. Um neun schon fallen uns die Lider zu. Es war aber ein superschöner tag!


Montag, 16.5. Soughia – Loutro / 29km

Auf nach Loutro – ein „rilätsching day“!
Um 10:00 geht die Fähre, € 5,70 pro Person und € 4,70 für das Mopped fallen an. Wobei die Personentickets bis Soughia gültig sind, die für die Moppeds aber bis Chora Sfakion. Fahrzeuge dürfen in Soughia nicht von Bord und somit gibt’s auch keine Tickets bis dorthin. Au weia. Müssen wir Loutro jetzt auslassen und gleich weiter fahren? Aber es kommt wieder mal typisch griechisch – es interessiert absolut niemanden, ob wir mit den Moppeds von Bord gehen oder nicht. Fahren kann man ohnehin nicht, nur runter und auf dem kleinen Plätzchen an der Anlegestelle abstellen.

Zimmer finden wir sofort, gleich im ersten Haus, dem Hotel Sifis. Loutro ist ein kleiner ort mit vielleicht 30 Häusern und nur zu Fuß oder mit dem Schiff erreichbar. Wenn es nach dem Willen der Leute hier geht, bleibt das auch so. Damit behält sich Loutro seine Einzigartigkeit. Mit Straße wäre es ein Ort wie alle anderen. Es ist nicht viel los, die Saison ist noch nicht angelaufen. Aber auch im Sommer ist es eher ruhig hier. Trubel sucht man vergebens.

Wir machen uns am kleinen Kiesstrand lang und schlafen auch prompt wieder mal in der Sonne ein... Das Wasser ist einkalt, ich glaube sogar kälter als bei Kastelli. Es flimmert auch richtig stark, wie bei einer Sprungschicht; hier treten unterirdisch große Mengen Süßwasser aus den Bergen aus und das macht es gar so kalt. Unweit von hier, Richtung Chora Sfakion, gibt es sogar den so genannten „sweetwater beach“.

Einem gemütlichen Nachmittag folgt ein gemütlicher Abend. Wir genießen das leckere Fleisch vom Grill und die Portionen sind mehr als reichlich. Da braucht man doch unbedingt auch ein oder zwei Verdauungs-Raki´s dazu! Nach und nach gehen die Lichter im Ort aus, und hier bei uns das Bier. Wir sind die letzten Gäste und zum Abschied wechseln wir noch auf einen Umtrunk nach nebenan. Unser Wirt hat sich schon von uns verabschiedet und uns gebeten, das Licht abzudrehen und die Türe zu schließen, wenn wir dann gehen. Um Mitternacht ist Loutro finster.
Am Balkon leeren wir noch das halbe, mitgebrachte Fläschchen Wein und irgendwann ist dann doch Nachtruhe.
Die Daskalogiannis, eines der beiden Fährschiffe, hat an der Mole festgemacht und schlingert ruhig vor sich hin. Gute Nacht.


Dienstag, 17.5. Soughia – Aghia Galini / 115 km

Der Tag beginnt genauso rilätscht, wie der gestrige geendet hat. Frühstücken, sitzen, schauen, beobachten. Ich quatsche ein Weilchen mit Paul, unserem Wirt; er ist ein zurückgekehrter „amerikanischer“ Grieche und hat 27 Jahre lang in Queens/NY gelebt. Ich erfahre interessante Dinge über seine Jahre als Brückenanstreicher in den Staaten und auch über das Leben hier; er wurde in Loutro geboren und ging hier zur Schule, die es immer noch - mit zur Zeit vier Schülern - gibt. Vergangenen Winter wurde die Mole schwer beschädigt, aber es ist kein Geld zur Reparatur in der Ortskasse. So höre ich verschiedene Geschichten und lausche interessiert. Bald werden wir weiter fahren, um 12:00 sollte die Fähre nach Chora Sfakion gehen. Sollte! Jetzt hängen auf einmal kleine Zettel am Ticketschalter bei der Anlegestelle die besagen, dass die 12-Uhr-Fähre heute ausfällt. Angeblich durfte sie wegen des starken Windes in Paleochora dort nicht aus dem Hafen auslaufen. Hier ist das Wetter schön, es geht nur eine leichte Brise; aber am Meer draußen sind die Wellen schon etwas höher geworden und haben weiße Kronen. Gut möglich, dass der Wind einige Kilometer westwärts wesentlich stärker bläst; denn Loutro ist auch diesbezüglich ein ruhiges Plätzchen.

So stehen wir nun vor der Wahl, gleich eine Nacht zu verlängern oder die 16:15-Fähre abzuwarten. Nach kurzer Rücksprache mit unserem Gastgeber können wir das Zimmer behalten und müssen erstmal nicht raus; das Haus ist ja ohnehin nicht ausgelastet. Wir werden die spätere Fähre nehmen und dürfen unsere Sachen bis dahin im Zimmer lassen; so bleiben uns noch einige Stunden „Zwangserholung“.

Obwohl wir nun erst um einiges später in Chora Sfakion losfahren können, sollten wir Aghia Galini noch ausreichend früh erreichen. Auch wenn wir wieder wie geplant viel auf Nebenstraßen fahren, sollten wir so um 20:00 dort ankommen.

Die kleine Schule hier ist als solche gar nicht zu erkennen. Ein kleines weißes Häuschen mit blauen Fensterläden – so wie die meisten Häuser hier. Eigentlich wollte ich nur ein Foto machen, aber die Tür stand offen und der Lehrer war noch da; also fragen, ob ein Foto sein darf? So kommen wir ins Gespräch, Argyris spricht besser deutsch als englisch und erzählt mir von seinen vier Schülerinnen im Alter von 8 bis 12 Jahren. Er selbst ist aus Trikala und versieht seinen Dienst für zwei Jahre hier in Loutro. Schwierig ist es, den Kindern Dinge beizubringen, die sie nicht kennen; deren Welt endet wenige hundert Meter außerhalb des Ortes. Lesen, Schreiben, rechnen und ein wenig Geografie und Geschichte. Jeden Tag 8 bis 13 Uhr dann wird es zu heiß im Raum. Vier einfache Bänke, eine brüchige Tafel und Kinderzeichnungen an den Wänden. Und ein PC – alt, aber mit Internetanschluss!

Zum Abschluss noch mal eine Kleinigkeit essen... Loukanika, Salat, Tsatsiki und Taramosalata. Damit wir auch ja bis Galini durchkommen J

Zimmer: € 25,- im Hotel Sifis; einfach, aber ganz ok (obwohl: die originellste griechische Steckdose aller Zeiten; in der Ecke der Duschkabine)

Um 16:15 kommt die Fähre und kurze Zeit später legen wir in Chora Sfakion an. Alles hier im Ort dreht sich ausschließlich um den Samaria-Durchlauf-Touristen. Am Ortsrand steht Bus an Bus und die Massen ziehen wie eine Karawane vom Hafen hinauf. Als sich das Gedränge lichtet, fahren wir gemütlich ab, mit Aghia Galini als Ziel.

Über unzählige enge Kurven zieht sich die Straße am Rande der Imbros-Schlucht hoch, von der man aber nicht allzu viel sieht. Allerdings klebt die Straße spektakulär am Schluchtrand. Kurz nach dem Ort Imbros verlassen wir die Hauptstraße und biegen rechts nach Asi Gonia ab. Entlang dieser kaum befahrenen, aber sehr schönen Strecke klettern wir wieder bis auf 1300m hoch und werden mit schönen Ausblicken belohnt. Über Asfendou, Kallikratis und Asi Gonia erreichen wir Argiropouli wo wir auf die kleine Straße nach Süden schwenken. Nun wird’s wieder richtig abgeschieden, nur wenige kleine Dörfer liegen am Weg und bei Alones geht auch der Asphalt wieder zu Ende. Bis Kali Sykia sausen wir über gut fahrbaren Schotter.

Dann durch die enge Kotsifou-Schlucht hinunter, hoch am Hang entlang mit super Ausblick vorbei an Plakias und durch die Kourtaliotiko-Schlucht wieder hinauf nach Norden. Gleich danach über Frati den Abstecher rechts hoch und bei Mixorrouma erreichen wir kurz vor Spili wieder die Hauptstraße.

Die gesamte Strecke von Chora Sfakion bis hierher ist wunderbar zu fahren, von der Lage her ganz toll und bietet viel Abwechslung und schöne Landschaft. Leider kommen wir durch den Ausfall der 12-Uhr-Fähre und die uns dadurch fehlenden vier Stunden in die Dämmerung. In den beiden schönen Schluchten fehlt nun ein wenig das Licht, bei Sonnenschein ist das hier viel spektakulärer. Die letzten Kilometer bis Galini sind aber trotzdem flott heruntergeradelt.

Niko begrüßt und freundlich und herzlich wie immer und sofort gibt es Bier und Schnaps, dazu Käse und Brot. Nach einem kurzen Tratsch beziehen wir unsere Zimmer, die wir natürlich wieder selbst wählen dürfen J. Da wir aber ohnehin immer die gleichen nehmen, sind unsere Favorits schon vorbereitet. Der Rest des Hauses steht bis auf zwei Zimmer leer, eigentlich hatte ich schon ziemlichen Betrieb erwartet. So haben wir das Zimmer 6 (über der Bar) und sind die einzigen Gäste in diesem Gebäudeteil; Jack siedelt sich unten an der großen Terrasse ein.

Nach einer abschließenden kleinen Dorfrunde fallen wir hundemüde in unsere Betten.


Mittwoch, 18.5. Ag. Galini – Ag. Jorgos

Fußmarsch nach Agios Jorgos, etwa 10 km.
Im Ort hinter der Putzerei den Berg hoch, in etwa 90m Höhe immer am Steilabbruch der Südküste entlang. Dann verliert sich der Weg etwas, wir klettern über Weidenzäune und kommen an einem halb fertigen, kleinen Steinhaus vorbei. Die beiden Arbeiter machen gerade Pause, so „müssen“ wir erzählen, woher wir kommen und wohin wir gehen; der Mittagssalat ist zwar schon aufgegessen, aber wir bekommen Brot, Schnaps und Wasser aufgetischt – die kretischen Grundnahrungsmittel eben.
Nach etwa 4,5km erreichen wir einen der angenehmsten Plätze hier, die Bucht von Agios Jorgos und Michalis´ Taverne. Hier lässt es sich wunderbar entspannen und mit der Seele baumeln.
Zurück gehen wir entlang der Schotterstraße.
Den Abend verbringen wir mit Werner bei Miro.


Donnerstag, 19.5. Psiloritis (2456m) / 70km

Heute steht der Psiloritis am Programm, der höchste Gipfel Kretas.
Wir fahren nicht allzu früh los, denn am Morgen ist es am Berg sicher noch einigermaßen kühl und es gibt noch viele große Schneefelder oben. Etwa eine Stunde dauert die Fahrt über Lochria hinauf zur Alm auf etwa 1850m. Der Fahrweg wurde teilweise frisch gebaggert und der Schotter ist in diesen bereichen ziemlich grob, locker und tief. Voriges Jahr noch war der Weg zwar sehr steinig und holprig, dafür aber fest und dadurch einfacher zu befahren. Für die Schäfer mit ihren 4x4 ist es aber wohl nun besser.
Wir stellen die Moppeds ab, packen die Rucksäcke und marschieren los. Bis zur Kapelle am Gipfel sind es etwa 3,5 km Entfernung und 700 Höhenmeter; diese werden aber durch das viele auf und ab im weglosen Gelände um einiges mehr. Dornig und steinig, halten wir uns immer gerade auf den meistens im Blickfeld liegenden Gipfel zu. Nach zwei Stunden reiner Gehzeit erreichen wir das dach Kretas.
Normalerweise ist der Ausblick von hier oben ziemlich toll, kann man doch die Nord- und die Südküste in nur wenigen km Entfernung gut sehen. Heute ist es aber besonders dunstig; nach Süden ist Pitsidia am Ende des Komo-Beach gar nicht mehr auszunehmen und auch die Paximadia-Inseln verschwinden im Dunst. Die Nordküste ist überhaupt nur sehr schemenhaft erkennbar.

Trotzdem ist es etwas besonderes hier heroben. Die kleine Gipfelkapelle ist in zwei fensterlose Räume unterteilt; jeder mit eigenem kleinen Zugang. Im hinteren könnte man normalerweise bequem nächtigen, dieser ist aber fast bis zur Hälfte mit Schnee gefüllt. Da hat wohl jemand beim Verlassen das Blech nicht vor die Einstiegsöffnung gestellt und nun ist es wie ein großer Kühlschrank. Der ganze Gipfel ist schon längst schneefrei und drinnen liegen noch m³ Schnee... Bis das weggeschmolzen und die Unterkunft wieder trocken sein wird, dauert es sicher noch einige Wochen.

(Da Werner meinte, er hätte gerne Schnee vom Berg, haben wir aus diesem „höchsten Gefrierfach Kretas“ Schnee in eine leere Wasserflasche geschabt, der sich im Rucksack auch bis abends hielt.)

Dafür ist es heute viel wärmer als im September 2002. T-Shirt und Fleece-Jacke reichen absolut aus. Die 2,5 Liter Wasser pro Person waren gerade ausreichend bemessen. Nach einer guten Stunde am Gipfel treten wir den Rückweg an. Nicht so direkt wie beim Aufstieg, sondern dem gelb-schwarz markierten, wesentlich längeren Weg (ein Teil des E4) folgend. Entlang der Nordflanke sind noch einige große Schneefelder zu queren. Gleich das Erste umgehen wir oberhalb, es ist Respekt einflößend steil und zieht sich auch sehr weit hinunter. Langsam schwenkt der Weg nach rechts und führt durch einen Einschnitt Richtung Skaronero, der Geierquelle. Hier liegt noch so viel Schnee, dass wir super hinunter laufen können und so flott voran kommen. Die eben erst aper gewordenen Randflächen sind überfüllt mit verschiedensten Blumen. Die letzten 4 km entlang des Weges, schon wieder im Bereich der Almen, ziehen sich sehr in die Länge. Auch sind wir mittlerweile schon bis auf 1700m hinunter gekommen und befinden uns nun in der Nähe des Abstieges zur Nida-Ebene. Wir müssen nach rechts und entlang der Fahrwege wieder etwa 150 Höhenmeter hinauf zu unseren Moppeds. Ziemlich erschöpft erreichen wir nach gesamt etwa 4,5 Stunden Gehzeit und laut GPS 14,5 zurückgelegten Kilometern unseren Ausgangspunkt.

Und... da hatte ich doch glatt die Schlüssel an meiner Twin stecken lassen! Naja, alles noch da, nix passiert. Gegen 19:00 sind wir wieder zurück in Galini.

Abendessen bei Michalis an der Ecke, das beste Gyros in Town. Gyros me Pita (groß und gut!) € 1,50 und das Bierli dazu ebenfalls € 1,50.


Freitag, 20.5. Agios Jorgos / 15km

Heute weht ein bisschen der Wind, dafür ist der Dunst der vergangenen Tage verblasen. Weiß leuchtet der letzte Schnee gegen den strahlend blauen Himmel. Heute wäre es wohl schöner oben am Gipfel gewesen, aber wahrscheinlich auch kälter; denn wir haben hier am Strand auch nur mehr 25°C.

Wir fahren nach Ag. Jorgos und gönnen uns Michalis´ gesamtes (!) Speisensortiment: griechischer Salat, Omelette confusion special und dazu eine riesige Portion Patates, bestreut mit geriebenem Käse.
Riesen Wellen mit gut 1,5m Höhe rollen herein und krachen laut gegen die Felsen. Einfach sitzen und schauen... Das Leben kann sooo schön sein... Schauen...

Der Abend wird etwas länger: Miro, Alibi, ...


Samstag, 21.5. Agii Farangi / 93km

Ausflug zur Südspitze Kretas.
Über Timbaki, Vori und (List...) fahren wir zum Kloster Odigitrias; dort zweigt die Piste zur Farangi-Schlucht ab. Wir stellen unsere Moppeds am Ende der Zufahrtsstraße ab obwohl der Weg noch weiter fahrbar wäre.
So marschieren wir etwa 5km durch die üppig mit Oleander bewachsenen Schlucht bis zur wunderschönen Kiesbucht an deren südlichen Ende. Etwa 2km davor passieren wir einen Zaun, hier ist auch das Ende des Fahrweges.
Zu dieser Zeit ist die Bucht noch leer, nur ein Zelt steht an der Seite des Strandes unter der Felswand. Zu Fuß kommen nur wenige hierher; im Sommer aber, wenn die Saison voll im Laufen ist, fahren von Galini und Matala mehrmals in der Woche die Ausflugsboote hierher und dann ist es, zumindest so zwischen 10 und 17 Uhr, mit der Idylle vorbei. Jetzt ist es aber ein absolut ruhiges Plätzchen.

Am Weg zurück fahren wir nach Kali Limenes; die Straße weiter über Pigaidakia und Pombia ist schön zu fahren. Sehr kurvig, hügelig und kein Verkehr.

Seit heute sind wir wieder die einzigen Gäste im Haus. Jack alleine unten, Doris und ich heroben im Haupthaus. Niko hat seine Zimmer reduziert, es gibt nur noch sieben. Der Teil, den er von seinem Cousin angemietet hatte, wird nicht mehr betrieben. Das Zimmer Nr. 6 ist somit das Einzige im oberen Gebäude, die anderen sechs sind unten an der großen Terrasse.


Sonntag, 22.5. Aradaina / 234km

Über Spili, Rodakino, Sfakia und Anopoli zur Aradaina-Schlucht.
Am frühen Vormittag fahren wir los, Frühstück gibt’s vom Bäcker in Mixorrouma. Kakao und Schinken-Käse-Plunder. Am Eingang der Kotsifou-Schlucht findet sich das dazu passende Plätzchen, leicht erhöht, mit schönem Ausblick in die Schlucht. Bis Chora Sfakion geht’s die schon bekannte Strecke der Küste entlang, durch viele kleine Dörfer. Immer wieder bieten sich schöne Ausblicke, ganz besonders auf Plakias und dessen Umgebung.
Die Straße von Chora Sfakion nach Anopoli windet sich in unzähligen engen Kehren bis auf 750m den steilen Hang hinauf. Das letzte Stück bis Aradaina läuft dann wieder relativ eben.
In Aradaina dann DIE Attraktion der Gegend schlechthin: die Aradaina-Schlucht, die hier wie ein tiefer Riss im Gelände die Welt trennt. Zumindest bis 1986, erst damals wurde die Schlucht mit einer kühnen Konstruktion überwunden. Zuvor konnte man nur zu Fuß über unzählige Stufen die Schlucht queren und in den Ort gelangen. Im Sommer findet hier an einigen Wochenenden das höchste Brücken-Bungee-Jumping Europas statt; 138m geht’s in die Tiefe.
Nur noch 5km führt die Straße weiter, dann ist in dem kleinen, fast verlassenen Dorf Ag. Ioannis Schluss. Zu Fuß wären von hier Loutro und auch Ag. Roumeli an der Küste zu erreichen.

Die Wanderung durch die tiefe Aradaina-Schlucht hinunter nach Loutro und dann wieder den Berg hoch nach Anopoli steht für unseren nächsten Urlaub hier am Programm.

Am Rückweg fahren wir wieder entlang der Küste und schauen beim Palm Beach von Preveli vorbei. Das letzte Stück ab der alten Steinbrücke, etwa 5km, sind staubige Schotterpiste, aber gut fahrbar. Der Strand selbst ist ein wirklich sehr schönes Plätzchen, eines der typischen Postkartenmotive Kretas und dementsprechend gut besucht. Der Fluss bildet unmittelbar hinter dem Strand einen kleinen, von dichtem Schilf umwachsenen See aus. So kann man ganz nach belieben mit wenigen Schritten zwischen Süß- und Salzwasser wechseln.


Montag, 23.5. Imbros-Schlucht / 160km

Zum Abschluss unseres „Wanderurlaubes“ steht nun noch die Imbros-Schlucht am Programm. Diese ist zwar nicht so lange wie die große Schwester Samaria, aber um nichts weniger spektakulär.
Anreise wie gewohnt: Spili, Frühstück vom Bäcker an der Kotsifou-Schlucht, Rodakino und dann weiter bis zum unteren Ende der Imbros-Schlucht, kurz vor Chora Sfakion. Hier gibt es einige Tavernen und jede davon bietet ihren eigenen Taxidienst an. Mopped abstellen, Rucksack packen und ab geht’s auf der Ladefläche eines Pickups die Serpentinen hoch nach Imbros, zum Eingang der Schlucht. € 5,- kostet die Fahrt pro Person und ist ganz lustig. Eigentlich könnte man die Schlucht auch rauf und runter laufen, das wären in Summe etwa 15km. Am Eingang sind dann € 2,- pro Person Eintritt fällig, dann kann’s losgehen. Der erste Teil der etwa 7,5km langen Wanderung führt durch schöne Landschaft, aber durch den „normalen“ Teil der Schlucht; der mittlere Abschnitt ist dann die eigentliche Attraktion: der Schluchtgrund selbst ist noch mal tief eingeschnitten und durch den an der schmalsten Stelle nur 1,6m breiten Riss geht es im eng gewundenen Canyon einige hundert Meter durch. Ein tolles Erlebnis, wirklich sehenswert! Danach weitet sich das Tal wieder und überraschend schnell ist das Meer wieder in Sicht und das Ende der Wanderung erreicht. Nach 1:50 sind wir wieder am Ausgangspunkt angelangt. Der Marsch ist einfach und kaum anstrengend, nur im ersten teil etwas grob und felsig. Es geht immer leicht bergab und man kommt zügig voran.

Am frühen Nachmittag sitzen wir wieder bei Michali in Ag. Jorgos und stärken uns mit seinem schon erwähnten Standardmenü. Mampf!

Am Abend läuft mir Mathios über den Weg. Wir freuen uns beide und quatschen kurz; seine Mama betreibt nicht mehr das „13“, sondern ein griechisches Kafeneio im oberen Teil der Tavernengasse. Ein älterer Mann kommt auf mich zu, begrüßt mich freundlichst und sagt, er kenne mich noch von früher. Er hatte damals auch ein Kaiki und wir seien öfters gemeinsam zum Fischen ausgefahren. Als er etwas mehr erzählt, ich sein Gesicht aufmerksam betrachte und mir vorstelle, wie es vor mehr als zwanzig Jahren ausgesehen haben könnte, kommt er mir schon bekannt vor. Aber es sind eben schon 23 Jahre vergangen und jedes einzelne Gesicht von damals ist mir leider nicht mehr vertraut.

Heute ist Vollmond und weil das so schön ist, legen Doris und ich uns mit Knabbereien (Doris), Wein und Zigarre (ich) auf die Campingbetten und genießen den lauen Abend auf der Terrasse.


Dienstag, 24.5. Ag. Jorgos / 15km

Lange geschlafen, gut gefrühstückt. Bogatscherl und Kakao vom Bäcker. Dann gemütlich nach Ag. Jorgos gefahren und einen äußerst angenehmen faul-Strand-sitz-schau-nachmittag verbracht.

17:00 ist Treffpunkt beim Hotel Giona, heute Abend gibt’s eine große Grillerei mit Werner und Freunden, beim roten Felsen am Strand hinter Ag. Jorgos.

Am Ende der Straße stellen wir die Fahrzeuge ab; an den beiden Autos hängen, mit Seilen befestigt, halbe Bäume – unterwegs gesammeltes Feuerholz. Als Werner mich, mit dem Mopped, gefragt hat, ob ich denn ein Abschleppseil dabei hätte und etwas Holz nachschleifen könnte, hab ich ihn nicht wirklich ernst genommen... J
Ein steiler, schmaler Weg führt hinunter zum markanten roten Felsen am Strand. Es ist noch ein bisschen windig, aber mit Sonnenuntergang legt sich der Wind und es wird angenehm lau. Wir haben einen netten, lustigen Grillabend; zu Barbies Ehren (die Pappteller werden von einem Portrait der immerjungen Blondine geziert) ist es eben ein Barbie-Q.
6kg Fleisch, 36 Dosen Bier, 5 Liter Wein und viele andere leckere Kleinigkeiten später ist um Mitternacht das Feuer aus und der gemütliche, nette Abend zu Ende. Mit den letzten Flammen zelebrieren wir noch eine rituelle Barbie-Verbrennung, sammeln schön brav alle Abfälle ein und fahren zurück nach Galini.


Mittwoch, 25.5. Ag. Galini – Heraklion / 81km

Ein letztes mal noch vor der Heimreise kurz nach Ag. Jorgos!

Von verschiedenen Personen haben wir erzählt bekommen, dass angeblich ein neuer, großer Hafen bei Ag. Galini in Planung ist, um eine Fährverbindung von Kreta nach Libyen einzurichten. Betreiber soll die ANENDYK sein, ein lokaler Ableger der ANEK.
Und eben war ein Jeep der Hafenbehörde hier in Ag. Jorgos und ein Beamter mit Kamera fotografierte vom Boot aus die Küste. Also dürfte zumindest von griechischer Seite etwas an der Sache dran sein.
Wenn das wirklich so kommt, dann wäre es mit der Ruhe und Abgeschiedenheit hier vorbei. Bleibt nur zu hoffen, dass das noch einige Jahre auf sich warten lässt.

Außerdem: wer sollte denn eigentlich von Kreta nach Libyen fahren wollen...?

17:00 Abfahrt bei Miro. Eigentlich wollten wir uns noch eine schöne Route entlang der Berge vornehmen, aber die dicken schwarzen, tief an den Berghängen klebenden Wolken haben uns davon abgehalten. So nehmen wir den direkten Weg über Mires, Agii Deka und Agii Varvara zum Hafen nach Heraklion und kommen auch trocken an.
So wie auch die vergangenen Jahre schon erreicht man die Stadt und kommt auf die neue, breite Straße mit den schönen blauen, großen Schildern „Port“. Bald danach aber ist Baustelle und man wird ins städtische Gassengewirr ohne weitere Hinweisschilder abgeleitet. Das ist eben griechisch. Es ist aber kein Problem, den Hafen zu finden, so klein ist er ja auch nicht. Nur etwas umständlich eben.
Pünktlich mit 30min Verspätung läuft die KPHTH 1 nach Piräus aus.


Donnerstag, 26.5. Piräus – Patras / 311km

Um 6:00 verlassen wir die Fähre und ab geht’s ins totale Verkehrschaos. Gleich an der Hafenausfahrt kracht es: ein links fahrender, rechts abbiegen wollender Lkw und ein rechts fahrender, links abbiegen wollender Renault Clio kommen sich etwas in die Quere. Das ist genauso typisch wie die Angewohnheit, immer und überall einfach die Warnblinkanlage einzuschalten und seelenruhig an den unmöglichsten Stellen anzuhalten und was immer gerade (un)nötig ist, zu tun.
Ab der Stadtautobahn verschärft sich die Situation durch den einsetzenden leichten Regen, der den glatten Asphalt extrem rutschig macht. Nachdem wir auch noch einmal zu früh abgebogen sind und uns noch mal durch das Vorstadtstraßengewirr kämpfen dürfen, erreichen wir nach gut einer Stunde an der alten National Road endlich die Stadtgrenze und kehren zum Frühstück ein. Ich brauche ohnehin schon längst eine Beruhigungsschokolade...

Das Wetter wird immer schlechter, die Wolken hängen immer tiefer, schwärzer und schwerer. Schließlich geht der Regen los. An einer Tankstelle legen wir uns wieder trocken, klatschnass bis auf die Unterwäsche. Nun in voller Regenmontur geht es ohne Stopp gute 180 km in strömenden Regen über Thiva bis Livadia. Bei Distomo wird das Wetter endlich wieder ein bisschen besser und wir entscheiden uns, die Nebenstraße entlang der Küste zu nehmen und die Berge um Delfi und Arachova zu meiden. Wenige Meter nach dem Abzweig ein hartes Krachen und lautes Scharren. Blick in den linken Spiegel: Jack am Hosenboden rutschend. Blick in den rechten Spiegel: die sic drehende twin schlittert beängstigend nahe hinter mir. Gas und weg! Gleich darauf hängt die Twin mit der Oberseite in der Leitplanke, Jack steht schon wieder. Ihm ist zum Glück überhaupt nichts passiert. Die Twin hat einen durchgeschliffenen Koffer und deformierten Kofferträger, Frontmaske und Windschild sind hinüber. Der Lenker ist links verbogen und der Spiegel kaputt. Wir biegen und schrauben ein wenig herum und nach kurzer Zeit ist das Mopped zumindest wieder fahrbar; bis auf den verwundenen und nun schief montierten Lenker sieht das gute Stück sogar wieder halbwegs normal aus. In der langsamen Linkskurve war ihm bei etwa 60 km/h ansatzlos das Vorderrad weggegangen. Eine Situation, in der man eigentlich machtlos ist.

In Itea machen wir „große“ Pause, kehren zum essen ein und erholen uns von dem Schrecken des Ausrutschers.

Das Wetter bessert sich weiter und bei Nafpaktos können wir unser Cola schon wieder am Strand in der Sonne genießen; eine gute Gelegenheit, wieder etwas zu trocknen.

Gegen 18:00 erreichen wir über die Hängebrücke Patras. Wir checken unsere Tickets, kaufen im Supermarkt noch etwas Verpflegung ein und gehen um 21:00 aufs Schiff. Um 23:00 läuft die LEFKA ORI aus.


Freitag, 27.5. auf See


Samstag, 28.5. Venedig – Wien / 720km

Eigentlich wollten wir abseits der Autobahnen gemütlich heimwärts fahren; leider waren Verkehrsaufkommen, Ampeln und sonstige Hindernisse sehr mühsam und zeitraubend. So sind wir nach etwa 180km im Schneckentempo doch auf die Autobahn, sonst wären wir wohl heute noch unterwegs...