Tunesien 8. - 30.9.2006 ...ganz schön viel Sand!


Vorbereitungen:

Eigentlich wollten wir ja nach Marokko.

Aaaaaber irgendwie ist die Anreise schon sehr lang und anstrengend und jetzt haben wir das schon zweimal hinter uns...
Lange Rede, kurzer Sinn: wir überlegten, nach Tunesien zu fahren.

Gleicher Zeitraum, gleiche Mitfahrer: September 06; Jack Transalp 1992; Dete Africa Twin 1989; meinereiner Africa Twin 2000

Nun werden wir uns erst mal neue Gedanken zur Routenplanung machen müssen. Neues Land, neue Planung. Alles ganz anders.

Die Anreise wird sein:
mit dem Mopped von Wien nach Genua (1000km) entweder als Marathon an einem Tag oder mit Zwischenstop (etwa in Jesolo, wie bei der vergangenen Griechenlandtour). Wien - Jesolo sind etwa 580km, Jesolo - Genua 440km. Von Genua dann mit der Fähre nach Tunis.

Ja. Und dann ab in die Pampas!

Als Hauptgrund für Tunesien spricht die wesentlich kürzere und einfachere Anreise.
Und der zweite - mein persönlicher Grund - ist, ich war noch nie mit dem Mopped in Tunesien!

Also - warum nicht ? Schaun mer mal!

Es ist meine erste Tunesien-Tour mit dem Motorrad; manches habe ich schon gesehen, das aber schon vor gut 15 Jahren und als Pauschaltourist. Also wird diesmal alles wirklich ganz anders und neu sein.

Genua - Tunis: 09.09. / 13:00 mit der Carthage (die Überfahrt dauert etwa 21 Stunden)
Tunis - Genua: 29.09. / 14:00 mit der Carthage

Preise:
nummerierter Sitzplatz pro Person € 142,- (Tarif Jasmin); Motorrad: € 144,- (>100cm³ Hubraum); Gebühren: € 25,- also summa summarum € 311,- pro Nase.

Wichtig für Dete: es gilt die MEZ! Wir brauchen also am ersten Abend nicht wieder zwei Stunden aufs Essen warten!

Di, 5.9. endlich das Mopped neu bereift (Mitas E09), fertig gepackt und so gut wie abfahrbereit...


Die Reise:

Do, 7.9. Wien-Jesolo 600km

8:00 Treffpunkt bei Jack, Abfahrt. Unsere erste Tagesstation ist die Honda-Werkstätte von Bruno Siegl, im 11. Bezirk; gestern ging bei Jacks Transalp noch schnell der Schneckenantrieb des Tachos kaputt. Wurde über Nacht (!) geliefert und ist schnell montiert.

Aber jetzt: Abfahrt!

Bis Zöbern. Dann muss auch die Tachowelle getauscht werden; diese ist schwergängig und war auch der Grund für den Exitus des Antriebsschnecke. Natürlich geht die Verschraubung oben am Tacho nicht auf und so müssen die Armaturenverkleidung, die Frontmaske und schließlich auch der Tacho selbst abgebaut werden.

Hoffentlich geht das nicht so weiter!

Aus unserem ursprünglichen Plan, nur Bundesstraße zu fahren und Autobahn zu vermeiden, wird natürlich aufgrund der Reparaturstops nichts. Wir fahren alles Autobahn, was bis Udine auch ganz ok ist. Es gibt auf der Süd ja doch einige Kurven und daher ist es nicht so monoton.

Um 18:00 erreichen wir Jesolo und suchen das Hotel "Villa Serena", wo wir schon mal genächtigt hatten.
Doppelzimmer inklusive Frühstück € 38,- p.P.
Ganz schön happig, aber hier scheint alles noch mitten in der Hauptsaison zu stecken.
Am Abend spazieren wir herum und gehen Essen; Wahnsinn, was da los ist. Jedes Lokal zum Bersten voll. Und die Preise dementsprechend.

Sprit kostet in Italien € 1,32 (95 ROZ) und meine Blade sauft 7,5 Liter/100km Autobahn . Naja. War auch schon mal weniger.
3x Tanken € 55,-


Fr, 8.9. Jesolo - Genua 484km

Nach einem ausgiebigen Frühstück fahren wir so gegen 10:00 vom Hotel ab.
Ziel ist der Campingplatz Genova Est, etwa 18km östlich von Genua in Bogliasco.

Bis Padova - über Mestre - fahren wir Autobahn, dann über Mantova bis Cremona Bundesstraße. Das letzte Stück wollen wir dann nach Laune und Zeit entscheiden.

Der Großraum Venedig ist vom Verkehr her ein Horror. Wir fahren -zig Kilometer in Stau und Kolonnenverkehr dahin und das mit höchstens 50 Sachen. Selbst auf der Autobahn kommt der Verkehr zeitweise völlig zum Stillstand. Vor Mantova wird das Gedränge weniger und irgendwann geht es endlich flüssig und flott dahin.

Am Kreisverkehr vor Cremona wollen wir zum McDonald zufahren, auf ein verdientes Mittagsmenü. Doch plötzlich, patsch-bumm aus heiterem Himmel, Robert liegt da und dreht sich mit der Twin am Asphalt ein. Mitten im Kreisverkehr ein metelanger, richtig dicker Ölstreifen. Ich hab kurz gespürt, wie die Twin hinten sanft wegrutscht und dann wars auch schon geschehen. Eigentlich ist gar nichts passiert, ausser dass bei der linken Box die hintere Aufnahmeplatte gebrochen und der Kofferträger selbst ziemlich stark seitlich verzogen ist.

Es ist hier so rutschig auf der Fahrbahn, dass wir zu zweit Mühe haben, die Twin wieder aufzurichten. Wie auf Glatteis. Wahnsinn.

Am Mecky-Parkplatz kommt erstmal der Koffer herunter und es folgt eine Schadensanalyse :-)

Während uns Jack mit Futter versorgt versuche ich etwas zu biegen, was aber nicht gar so gut geht. Ich brauche eine Eisenstange, einen längeren Hebel. Also streune ich um den Block durch die Baustellen und stoße auf einen Monteur, der gerade ein Firmen-Rolltor serviciert. Da liegt doch glatt eine alte, massive 1m-Zahnstange herum! Kurz erkläre ich dem Mann was passiert ist und dass ich mir gerne die Stange ausleihen möchte und mit einem "dont worry" drückt er mir die Zahnstange in die Hand. Damit lässt sich nun der Kofferträger einigermaßen richten, so dass zumindest der Koffer wieder dran geht und halbwegs gerade sitzt. Den Rest erledigt ein Spanngurt. Ist ja wieder fast so gut wie neu!

Da unser Zeitplan durch dieses Hoppala einigermaßen durcheinander geraten ist, müssen wir nun auf die Autobahn.

Es hat fast 36°C.

Die letzten 50km vor Genua schlängelt sich die Straße supertoll durch die Berge. Sehr schön.

Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir Genua und fahren noch die ~20km nach Bogliasco, zum Camping "Genova Est". Das Wetter war den ganzen Tag ziemlich diesig aber warm, nur kurz kam die Sonne durch und da wurde es gleich sehr heiss. Je näher wir zum Meer kamen, desto tiefer und dichter wurde die Wolkendecke. Ab Genua war die Straße regennass, wir blieben aber trocken.

Der Campingplatz ist leicht zu finden, weil gut beschildert. Er liegt in luftiger Höhe, am Ende einer steilen und engen Straße. Terrassenförmig angeordnete Erdbodenplätze im Wald. Stellplätze für Caravans und Zelte. Sanitäranlagen einfach aber sauber. Bei schönem Wetter sicher eine tolle Lage mit Blick hinaus aufs Meer, jetzt nach dem Regen aber einfach nur nasser Waldboden.

Die Taverne ist nett, das junge Personal sehr freundlich, die Pizza Tornado mit Mozzarella und Proscutto mega-mampf!
Am Abend regnet es.

Die Preise:
Bier: € 3,50 / 0,4 Liter
Pizza: € 6,- bis 8,-
Camping: 1 Zelt, 2 Moppeds, 2 Personen € 20,50

Dete meldet sich, er nächtigt in Ariolo/CH, etwa 120km vor der italienischen Grenze.


Sa, 9.9. Genua

Die Zufahrt zur Fähre ist ausreichend beschildert, etwa um 10:30 sind wir beim Hafen.

Am Container werden die Fahrzeugpapiere kontrolliert und das Ticket ausgestellt. Dann kann man sich schon einreihen, muss aber nochmal zurück zur Polizei, das eben erhaltene und noch auszufüllende Formular abstempeln lassen. Nur nichts der Reihe nach ablaufen lassen, immer schön durcheinander. Ich wache über die Moppeds, Jack erledigt den Papierkram.

Es hat angenehme 28°C und die Regenwolken von gestern sind alle verschwunden.

Um 11:30 trudelt Dete ein.
Jack ist noch immer in Sachen Formalitäten unterwegs; das sind ja fast "marokkanische" Zustände: der Schalter am Zoll ist wieder geschlossen, niemand da!?!

Irgendwann ist der Schalter wieder besetzt, alles erledigt und die wartenden Fahrzeuge verschwinden nach und nach im Rumpf der Fähre. Viele der Pkw´s sind echt sehenswert beladen; innen randvoll, dass gerade noch der Fahrer Platz hat. Und aussen drauf alles was denk- und transportierbar ist: TV, Spüle, Waschmaschine, ... sogar Moppeds werden mit Seilen aufs Dach geschnallt :-)

Meinen Kofferträger habe ich während der Wartezeit hier mit 2 Spanngurten auch wieder halbwegs "pistenfest" bekommen, somit sollte ungetrübtem Fahrspaß nichts mehr im Wege stehen!

Um 15:15 läuft die Carthage aus. Wir wollen versuchen, von unseren Pullmannsitzen auf eine Kabine "upzugraden" und fragen an der Rezepzion danach - kein Problem, das Schiff ist ja auch halb leer. Mit einer Aufzahlung von € 21,- pro Person bekommen wir sogar eine Aussenkabine. Allerdings habe ich den Eindruck, dass das Geld an der offiziellen Schiffsbuchhaltung vorbeiläuft, denn Zahlung und Retourgeld finden in einer Ecke des Nebenganges in und aus der Hosentasche des Stewards statt...

Das Schiff fährt mit guten 42 km/h etwas flotter als die Fähren nach Griechenland.

Wir verbringen den Rest des Tages bei heissem Kaffee und zischfrischen Bieren am Achter-Deck.
Bier: € 3,50 Kaffee: € 1,50 Abendessen im Selfservice-Restaurant: € 6,-

An Bord sind auch alle Einreiseformalitäten (Zoll und Fahrzeugpapiere) zu erledigen; drei französisch und arabisch vorgedruckte Formulare, deren richtiges ausfüllen uns ganz schön fordert.


So, 10.9. Fähre; Tunis - Hammam Lif



Zeitig aufstehen und Sonnenaufgang am obersten Deck genießen. Sehr schön.
140km vor der Küste ziehen dicke Wolken auf, das sieht schlecht aus. Die Wolken ziehen hin und her und es wird dann aber doch nichts mit dem erwarteten Regen.

Um 14:00 laufen wir in Tunis ein und ziemlich flott sind wir auch aus der Fähre. Dann noch zur Polizei- und Zollkontrolle, die aber entgegen allen Informationen äusserst zügig und unkompliziert abgewickelt werden. Maximal 15 Minuten dauert das Ganze und schon stehen wir mitten im Stau an der Ausfallstraße nach LA GOULETTE. Um uns die Fahrerei durch Tunis zu ersparen, nehmen wir die kurze gratis-Fähre, mit der man das Hafenviertel direkt nach RADES im Süden verlassen kann. Unser Ziel ist der Campingplatz in HAMMAM LIF, etwa 20km ausserhalb der Stadt.

An einer Kreuzung müssen wir links ab, von hinten sehe ich Dete schwanken und schon liegt er flach auf der Seite, mitten in der Kolonne...
Die Ursache: Spurrinnen, gut 10(!)cm tief und deren Seite gerade wie eine Bordsteinkante ist. Bei sowas sollte man nicht Spur wechseln, aber in dem dichten Verkehr erkennt und vor allem erwartet man so ein Hindernis nicht.

Schnell stehen Twin und Dete wieder, nichts passiert ausser ein kleines Verkleidungsstück weggebrochen. Und der Koffer hat eine riesen Delle. Aber Dete´s lädierte Schulter ist zum Glück verschont geblieben.

Am Campingplatz sind wir die einzigen Gäste; Zelt aufbauen, Brot und Wasser einkaufen gehen, Abendessen aus der Dose. Wir biegen wir mit Pfosten, Steinen und dem Hebelgesetz Dete´s Koffer und Halterung wieder gerade, nach einer halben Stunde sieht auch an seiner Twin alles wieder aus wie neu.

Der Platz wäre von der Anlage her sehr nett, ist riesig groß und reicht bis zum Strand. Der Zustand ist allerdings eher desolat.


Mo, 11.9. Hammam Lif - Zaghouan - Stausee Sejnane 227km



Lange hat es geblitzt und gedonnert; zuerst weit weg, dann immer näher. Die Nacht blieb aber trocken. Bis auf die bellenden Hunde und die entfernte Musik vom Strandhotel war es sehr ruhig hier.

Wir fahren die Hauptstraße nach Süden bis GROMBALIA und wollen dort irgendwo auf kleine Nebenstraßen abbiegen. Keine schöne Gegend hier. Viel Armut und jede Menge Müll. Wir überqueren die Autobahn und kommen in ländlicheres Gebiet. Die Straße wird schlechter, stellenweise in den Senken und Mulden ist die Fahrbahn komplett verschlammt. Hier gingen scheinbar die Gewitter der vergangenen Nacht nieder.

In OUDNA besuchen wir die römischen Ausgrabungen. Ein Gebäudekomplex am Hügel, teilweise restauriert mit Säulen herum; viele Mauerreste in der Landschaft verstreut und ein schönes, großes Kolosseum, das zum Teil schon wieder sehr gut hergerichtet, vieles aber noch sehr verfallen ist. Nett anzusehen und interessant.

Am Weg nach ZAGHOUAN passieren wir eine Mülldeponie, die direkt zu beiden Seiten der Fahrbahn "angelegt" wurde. An mehreren Stellen brennt und glost es, unerträglicher Gestank und dichter Rauch ziehen über die Fahrbahn und nehmen uns den Atem. Luft anhalten und durch! Dahinter liegen richtige Altöl-Seen, hier wird einfach alles wild entsogt. Es lebe der Umweltschutz...

ZAGHOUAN, Mittagspause.
Jack und ich gönnen uns eine Flade "gefüllt mit alles", sehr lecker und scharf. Dete ist weniger experimentierfreudig und nimmt Hähnchen vom Grill.

Jetzt sollten wir langsam nach Norden schwenken. Das Wetter wird ein wenig besser, seit dem Morgen war alles dichte Wolkendecke, nun kommt zaghaft die Sonne durch.

Ab ZAGHOUAN fahren wir wieder durch trostlos vergammelte und heruntergekommene Dörfer und vermüllte Landschaft, die ganze Ebene südwestlich von Tunis bietet das gleiche traurige Bild. Erst ab MATEUR wird es wieder etwas ansehnlicher; vorbei am fast ausgetrockneten See-/Sumpfgebiet ICHKEUL, einem Vogel- und Naturschutzgebiet, fahren wir ganz nach Norden, bis fast an die Mittelmeerküste. Am Stausee SEJNANE schlagen wir uns bis zum Ende der Piste durch, dort einen steilen Hang zum Wasser hinunter und bauen an dieser abgelegenen Stelle unsere Zelte auf. Ein paar Ziegen und Kühe weiden in der Nähe und als wir beim Essen sind, bekommen wir von vier Jungs aus dem Dorf oben am Berg Besuch. Jack plaudert ein wenig mit ihnen, sie setzten sich zu uns und wahrscheinlich ist das für sie ein besonderes Erlebnis, zumindest nicht alltäglich. Nach einer Weile verabschieden sie sich und es ist wieder absolut ruhig hier. Nichts und niemand zu hören und sehen. Die Sonne geht unter, die Nacht ist mondlos und stockfinster.


Di, 12.9. Stausee Sejnane - Tabarka - Ain Draham 182km



Die Nacht war ausgesprochen ruhig, wie am Ende der Welt. Gemütliches Frühstück in der Morgensonne am See, dann fahren wir los richtung TABARKA. Zuerst aber müssen wir die schmale Straße ganz zurück, zum Hauptplatz, von da an gehts nach Westen.

Die Micheline-Karte ist völlig unbrauchbar; nur die Verläufe der Hauptverkehrsstrassen stimmen annähernd. Die ganzen kleinen (weissen) Strassen sind mehr geschätzt als sonstwas.

Landschaftlich wird es etwas schöner, weil grüner und vor allem sauberer.
Irgendwo quert ein Dachs vor uns die Straße.

Nächster Halt ist am CAP SERRAT. Hier wäre es auch sehr schön zu campen, eines der kleinen Cafes ist auch geöffnet. Bei der Gelegenheit steht die nächste Arbeit an, Jack´s Lenkkopflager ist locker, wieder einmal. Nach nicht mal 4000km ist es fast schon wieder hinüber. Da muss bei der Montage ein Murks passiert sein.

Nach einer gemütlichen Ruhepause und dem Tratsch mit den Leuten hier fahren wir weiter, gleich die Piste der Küste entlang zum CAP NEGRO. Leider führt uns der erste Abzweig nur den Berg hoch zum Leuchtturm, dafür hat man von da oben einen sehr schönen Ausblick. Also die rumpelige Piste mit den über 1m tiefen (!) Auswaschungen wieder hinunter und den nächsten Abzweig entlang.

Ich denke, das wäre der Richtige Weg, leider ist nach etwa 1km erneut Schluss mit lustig, am Militärposten gibt es kein vorbeikommen - Piste gesperrt.

Also wieder ganz zurück zur Straße. Flott kommen wir voran, mal auf Asphalt, mal auf Schotter und erreichen die kleine Stadt NEFZA.

Dies ist das erste Städtchen, das wirklich nett und sauber aussieht und einladend wirkt. Also halten wir am Ortsende und kehren ein. Spaghetti mit Lamm, Omelette mit Käse und Omelette mit Thunfisch. Dazu 1 Liter Coke und Tee, macht zusammen TD 8,-

Nächster Halt TABARKA. Kaffeepause. Eine geschäftige, kleine Stadt nahe der algerischen Grenze. Es ist sehr heiss heute, 35°C.

Wir decken uns mit Brot, Wasser, Käse und Thunfisch ein und fahren weiter nach Süden, ins Landesinnere nach AIN DRAHAM. Die Landschaft hier ist sehr grün und dicht mit Korkeichenwäldern überzogen. Wenige km trennen uns hier von der algerischen Grenze.

Den Campingplatz, etwa 4km südlich von AIN DRAHAM, finden wir erst im 2. Anlauf, denn der Schotterweg ist unscheinbar und nichts angeschrieben. Etwa 1km die staubige Piste entlang hinein in den Wald, dann stehen wir am Gelände.

Der Platz liegt im Wald steil am Hang, sieht aber ganz ok aus. Weiter oben ist es auch flach, da finden wir eine ganz brauchbare Stelle für unsere Zelte.

Dann muss ich an die Twin; die letzte Zeit raucht sie, säuft über 8 Liter und stirbt auch oft ab; ich vermute den Fehler am Choke und beginne zu zerlegen. Tank und Verkleidung müssen runter und schnell ist die Ursache lokalisiert: einer der beiden Züge klemmt am Y-Stück und ist somit immer gezogen. Alles wieder zusammengebaut, es ist bald Essenszeit und es dämmert auch schon. Also zuvor noch duschen - ein wirklich schlimmes Erlebnis. So wie diese Sanitäranlagen sind, gibt es keine schlechteren; ein fensterloser, vergammelter, kahler Raum, ein Eisenrohr entlang der Decke quer durch und daran alle Meter ein Auslassrohr - fertig ist die Dusche. Der Raum ist schmutzig, das Wasser kalt, der Abfluss im Boden verlegt - das Wasser steht gut 10cm hoch. Und kein Licht, was aber wahrscheinlich ohnehin besser ist. Ich mag gar nicht sehen, was sich in den düsteren Ecken des Raumes verbirgt...

Wir sitzen beim Essen zusammen, sind die einzigen Besucher hier am Platz. Mitten im Wald, finster und ein bisschen unheimlich ;-)
Der Wächter bringt uns unaufgefordert eine große Gaslampe und Decken; sehr angenehm, denn es wird ziemlich kühl. Die Hunde am Platz bellen viel, werde heute wohl meine Oropax brauchen.


Mi, 13.9. Ain Draham - Bulla Regia - Jebel Jugurta 187km



Die Nacht war ruhig, bis auf das nervende Hundegebell. Mit den Oropax gings dann.
Am Morgen scheint die Sonne traumhaft schön in den Eichenwald herein und wir sitzen lange beim Frühstück.

Als wir abfahren ist unser Wirt, der Platzwart, nicht da und so hinterlegen wir ihm TD 10,- und zwei Zigaretten.
Nur TD 10,- weil die Anlage in so desolatem Zustand ist. Die zwei Zigaretten, weil er uns so fürsorglich mit Decken und Gaslaterne versorgt hatte. Wir glauben aber schon, dass er damit zufrieden sein wird.

Erste Station heute ist BULLA REGIA, eine der oder die besterhaltenste römische Anlage Afrikas. Auf alle Fälle ist das Areal mit 74 Hektar riesengroß und wirklich sehenswert. Die Untergeschoße einiger Häuser sind sehr gut erhalten und die zumeist vollkommen unbeschädigten Mosaike der Fußböden leuchten in originalen, kräftigen Farben, denn sie sind aus buntem Marmor gelegt und nicht künstlich eingefärbt. Unsere Führerin, Amel, spricht gut englisch und erzählt uns sehr viel. Wir marschieren die wichtigsten Teile der Anlage ab und kommen nach etwa eineinhalb Stunden wieder zurück zum Cafe am Eingang, wo Dete auf uns gewartet und sich mit dem Anlagen-Wachpersonal und den hier stationierten Polizisten scheinbar sehr gut unterhalten hat. Ich denke eher, er hat sie unterhalten, denn umgekehrt :-)

Jack und ich sind etwas geschlaucht, es hat hier und jetzt 37°C im Schatten.

Später nachmittags machen wir Halt in EL KEF und nehmen an einem Imbissstand so etwas in der Art wie "Kebap mit alles" zu uns. Lange halten wir uns aber nicht auf, denn unser Tagesziel ist der Berg JEBEL JUGURTA nahe der algerischen Grenze. Campingplätze gibt es hier in der Gegend keine, also steht wieder eine Nacht in freier Wildbahn auf dem Programm.

In KALAAT ES SENAN, dem letzten kleinen Dorf vor der Grenze, decken wir uns noch mit Proviant ein. Käse und Wasser bekommen wir im kleinen Laden, Brot leider nicht. Aber der nette Junge Mann läuft mit Jack zum Bäcker, der gerade aber nicht anwesend ist, schnappt zwei Brote und drückt sie im wortlos in die Hand. A little present.
Zurück in seinem Laden fragt er uns, ob wir denn gerne ein Bier hätten; wir sind sehr überascht, bejahen aber natürlich... ;-)

Dazu müssen wir durch eine Türe hinter der Theke, den Gang entlang und in ein kleines Nebenzimmer, wo nichts steht, ausser einem Tisch, Sesseln und einem Kühlschrank - gefüllt mit CELTIS-Dosen, dem tunesischen Bier. Also kippen wir hier "geheim" ein kühles Blondes, bedanken uns freundlich (bezahlen ließ er sich das nicht) und fahren über die Piste die letzten km zum Tafelberg hoch.

Den ganzen Nachmittag war es schon ziemlich bewölkt und gerade als wir das Ende der Piste erreichen beginnt es zu regnen. Hastig bauen wir unsere Zelte auf und stellen uns auf einen nassen Abend ein, was der Stimmung aber leider nicht zuträglich ist. Doch nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und es ist wieder trocken.
Puuh. Entspannung.

Der Zeltplatz befindet sich auf etwa 1170m Höhe, ungefähr 80m unter dem Hochplateau direkt am Fuße der senkrechten Felswand. An einer Stelle kann man über einen Pfad und steile in den Fels gehauene Stufen hinauf auf das Plateau gelangen.

Vor dem Abendessen marschiere ich noch schnell hoch und etwa 1km bis ans gegenüber liegende Ende der Ebene. Dann stehe ich plötzlich vor riesigen Spalten und Rissen im Boden, wie abgesplitterte Schollen liegt der Felsboden vor mir. An einer schmalen Stelle kann ich weiter springen, der Riss ist hier nur etwa 0,5m breit, aber gut 20m tief. Nun stehe ich wieder auf einer Felsschuppe, umgeben von tiefen Rissen. Noch zweimal springe ich mit etwas mulmigen Gefühl in der Bauchgegend weiter und stehe dann ganz vorne an der Abbruchkante. Die Spalten sind wirklich erschreckend tief, wenn man hinunter sieht verschwindet der Spalt, mal schmäler mal breiter, irgendwo im dunkeln... Von hier vorne habe ich einen herrlichen Blick bis weit nach Algerien hinein. Ich muss wieder zurück, wegen Dete´s Diabetes halten wir unsere Essenszeiten ziemlich genau ein.

Später, nach Sonnenuntergang, sitzen wir noch lange beisammen und schauen über das Land unter uns hinaus in die Ferne. Mittlerweile hat es aufgeklart, die Sterne leuchten zwischen den Wolken durch und unten kann man gut die Lichter der unzähligen kleinen Siedlungen und Dörfer erkennen. Das entschädigt ein bisschen für die trostlose Fahrerei heute.

Morgen früh möchte ich auf alle Fälle nochmal auf das Plateau hinauf.

Irgendwann verkriechen wir uns vor der Kälte in unsere Zelte. Kaum haben wir alle Luken dicht und die Lichter aus, tuckert irgendwo, noch weit weg, ein Auto. Naja, der könnte ja genausogut auch woanders hinfahren...
Tut er aber nicht. Immer näher kommt das Fahrzeug, quält sich die Piste zu uns hoch. Bald darauf ist der Jeep hier oben und knallt mit seinen Scheinwerfern wie eine Flutlichtanlage in unsere Zelte.

Tja, die beiden Jungs (Jack und Dete) verhalten sich erst mal passiv (nein, ich hab nichts bemerkt? Aber geh doch mal nachschauen, jetzt wo du schon wach bist...), so schnappe ich meine Lampe und krieche aus dem Zelt; als ich die Blaulichter auf dem Fahrzeug erkenne, bin ich wieder etwas beruhigt. Es ist die Nationalgarde. Die drei jungen Männer sind sichtlich gut aufgelegt und quatschen munter drauf los. Jetzt kommen Jack und Dete auch aus ihren Nestern gekrochen. Die Soldaten bieten uns Zigaretten an und wollen alles mögliche von uns wissen. Woher, wohin, warum und so weiter. Aber alles ganz formlos; sie meinen, es diene ja nur unserer Sicherheit, hier alleine oben am Berg. Ich denke aber, im Dorf ist es sehr wohl aufgefallen, dass da ein paar Typen den Berg hoch sind und niemand mehr runter kam.
Also dient das sicher mehr der persönlichen Neugierde denn einer offiziellen Kontrolle. Ach ja, der Bruder des Einen habe ein Restaurant in Tajerine und da sollen wir doch mal zum Essen hinkommen. Wir quatschen allesamt kreuz und quer durcheinander, lachen und bald brausen die drei in ihrem klapprigen Jeep wieder talwärts.

Jetzt aber: Gute Nacht.


Do, 14.9. Jebel Jugurta - Gafsa 243km



Die meiste Zeit der Nacht hat es mehr oder weniger stark geregnet; auch blies manchmal ziemlich heftiger Wind. Aber solange wir im Zelt trocken bleiben, ist´s ok.

Beim Frühstück haben wir wieder Besuch, ein älterer Herr, der sich als Tourist-Guide für diesen Berg hier ausweist.
Ich hab den Mann zuerst gar nicht gesehen, beim ersten Morgenpinkeln mit noch fast geschlossenen Augen lehnte er in seiner braunen Kutte unmittelbar neben mir am Felsen - da war ich aber auch schon fast fertig, als ich ihn endlich bemerkte. Peinlich...

Kaum haben wir unseren Kaffe getrunken und uns gefreut, dass der Regen vorüber ist, ziehen schon wieder bitterböse schwarze Wolken über dem Gipfel hervor und entladen sich in einem gewaltigen Gewitter über uns. Hinein ins Zelt und warten; nach 20min ist das Theater wieder vorüber.

Schei... - doch nicht. Das Gewitter geht in Dauerregen über. Wir hocken in den Zelten und können nur abwarten.
Es hat auch nur mehr 17°C.

Unser Tagesziel heute wäre der Campingplatz in GAFSA, am Weg dorthin wollen wir auf den JEBEL CHAMBI, den mit 1520m höchsten Berg Tunesiens.

Gegen 11:30 hört der Regen endlich auf. Jack und Dete hatten sich total verkrochen, ich war draussen am Felsen in einer Nische, geschützt vorm Regen, mit trotz des miesen Wetters immer wieder tollen Aussicht übers Land ringsum. Zügig packen wir, lassen unsere Zelte noch etwas im Wind abtrocknen und kurz nach 12:00 fahren wir los.

Eigentlich wollten wir die Piste der Grenze entlang nach Süden fahren, diesen Gedanken verwarfen wir aber schon nach wenigen hundert Metern: durch den starken Regen ist die Piste vom Berg hinunter dermaßen aufgeweicht, dass auf den erdigen Abschnitten ein kontrolliertes Fahren fast unmöglich war. Nach wenigen Metern macht das Profil komplett zu, der Grip am Vorderreifen geht zur Gänze verloren und kurz danach wächst auch der Kotflügel zu, somit blockiert einfach das Vorderrad immer wieder auf diesem lehmigen, schmierigen und rutschigen Boden. Was aber aussergewöhnlich wenig Spaß macht. Wir plagen uns vorwärts, Dete fällt drei mal und auch mir rutscht die Twin unterm Hintern weg; ich baue den Kotflügel ab, somit fällt zumindest das Blockieren des Vorderrades weg. Aber irgendwie kommt uns der Weg gar nicht so vor wie gestern...
Als wir nach gut eineinhalb Stunden, nach einer Kuppe, plötzlich wieder vor unseren eigenen Spuren im Schlamm stehen, weiß ich nicht, ob ich lachen, heulen oder mich einfach nur ärgern soll: denn gleich beim ersten Abzweig sind wir falsch gefahren und haben den ganzen Berg einmal komplett umrundet... Und wir benötigten für diese 6km fast zwei Stunden!

Das Erfreuliche aber war, dass die Piste mittlerweile schon etwas aufgetrocknet ist und nun auf dem richtigen Weg waren wir auch relativ rasch wieder unten in der Ebene.

Da wir die Piste gen Süden auslassen (müssen), haben wir nun auf der Straße eine längere Strecke vor uns: etwa 200km bis GAFSA, den JEBEL CHEBIKA schon abgerechnet, der geht sich nicht mehr aus.
Mit nur einem einzigen Halt fahren wir fast bis GAFSA durch, aber 40km vor unserem Ziel werden wir von den Auswirkungen der vergangenen Regennacht gestoppt: der letzte grosse Qued auf unserem Weg ist total überschwemmt und zu einem 50m breiten, ziemlich reissenden Fluss angewachsen. Zu beiden Seiten der Furt haben sich schon lange Autoschlangen gebildet, die Polizei lässt niemanden fahren. Nur grosse LKW´s dürfen durch. Mit Traktoren und Planierraupen werden einzelne PKW´s durch den Fluss geschleppt. Für uns kein weiterkommen, vor morgen wird sich die Lage hier nicht entspannen; vielleicht sogar erst in zwei Tagen.

Doch wir haben riesiges Glück: ein LKW-Fahrer mit Ladebordwand, unterwegs in unsere Richtung und unbeladen, erklärt sich bereit, uns aufzuladen und überzusetzen. Der Fahrer spricht ein bisschen deutsch und als er unsere Wiener Kennzeichen sieht, erzählt er uns von seinem Bruder, Hassem aus Gafsa, der im 20. Bezirk am Brigittaplatz eine Pizzaria besitzt. Die Welt ist doch wirklich klein!

Nacheinander schieben wir unsere Moppeten vor den Augen der anderen Neugierigen auf die Ladeklappe, heben sie auf die Ladefläche und steigen selbst auch noch dazu auf. Die Überfahrt ist sehr holprig und wir haben alle Hände voll mit unseren schwer beladenen Moppeds zu tun, sie im Gleichgewicht zu halten. Am anderen Ufer laden wir ab, bedanken uns freundlich, dürfen natürlich nichts für die Überfuhr bezahlen und fahren gut gelaunt weiter. Es folgen noch weitere kleine Furten, die aber problemlos zu bewältigen sind.

Gegen 19:00 erreichen wir GAFSA und fragen uns durch zum Campingplatz. Ein Mann mit einem Mofa erklärt sich bereit, uns hinzulotsen; unterwegs geht ihm aber der Sprit aus und letztendlich landen wir im Garten eines Hotels. Hier bekommen wir aber wenigstens den Weg richtig erklärt. Wenn man es weiss, ist er (auch nachts) einfach zu finden: Camping El Hassan, unmittelbar beim beleuchteten Wasserturm. An der Zufahrt eine Polizeikontrolle.

Der Platz ist sehr schön, dichtes Gras und viele Bäume, aber leider keine separaten sanitären Anlagen für uns, wir müssen WC und Dusche des auch auf dem Gelände befindlichen Restaurants und Cafe´s benützen. Ist nicht so das Gelbe vom Ei. Eigentlich wollten wir uns hier ein paar Tage einquartieren und von hier ins Umland ausschwärmen, aber auf diesem Platz können wir nicht mal Wäsche waschen. Das passt nicht. Morgen werden wir uns einen anderen Platz in der Gegend suchen, jenen, zu dem wir ursprünglich wollten.

Neben unseren Zelten laufen Schafe umher, überall hüpfen dicke Kröten durchs Gras. Sehr naturbelassen hier :-)
Hoffentlich hört die Musi vom Cafe/Restaurant/Sonstwasplatz irgendwann auf...
Der Platz wäre wirklich nett, viel Gras, die Olivenbäume und viele Palmen; aber KEINE sanitären Anlagen ist einfach zu wenig.

Die Zufahrt zum Zeltplatz war auch merkwürdig: wir mussten beim Garteneingang hineinfahren, durch das Kaffehaus, zwischen den besetzten Tischen durch, einen Laubengang entlang und danach kommt der Campingplatz bzw. die Lagerwiese.


Fr, 15.9. Gafsa / Camping El Hassan



Heute früh haben wir entschieden, doch hier auf dem Platz zu bleiben. Es war ausserordentlich ruhig und ich habe sehr gut geschlafen. Die Sache mit der einen Dusche lässt sich auch leben damit, wir wissen ja nicht, was uns auf einem anderen Platz wieder erwarten würde... Somit wird das heute ein Ruhetag und wir können uns die Stadt ansehen.

Lazhar, der Junge vom Platz hier, versorgt uns mit Datteln frisch von der Palme. Hier wachsen Oliven, viele Blumen und blühende Sträucher, Granatäpfel und natürlich jede Menge Dattelpalmen.

Wir wären mit dem Taxi in die Stadt gefahren, der Platz liegt 4,5km ausserhalb an der Straße nach TOZEUR. Doch als wir danach fragen, bietet der Besitzer an, uns auf dem Pickup mitzunehmen. So kommen wir auf der Ladefläche, zwischen Datteln und Kisten, gut und billig auch ans Ziel.

Erste Station ist der Barbier, wir brauchen schon dringend einer Rasur. Das nimmt eine ganze Stunde in Anspruch und die Sache wird von dem Jungen zwar ordentlich gemacht, kostet aber TD 15,- für alle drei - das ist ein seeehr touristischer Preis!

Wir ziehen weiter durch die Gassen der Medina, auf der Suche nach einem Lokal oder Imbiss-Stand, es ist Essenszeit. So kommen wir zu einem typischen Restaurant: etwa 50 Sitzplätze, dicht an dicht, und gerammelt voll. Der Zuweiser führt uns in Lokal und rasch sind drei Plätze geräumt und frisch gedeckt.

Bevor wir noch irgendetwas getan haben, steht ein Krug Wasser auf dem Tisch und Sekunden später für jeden von uns eine Vorspeise (klein gehackte Zwiebel, Tomaten, Gurken, Harissa und Brot). Während wir das essen, kommt eine Speisekarte auf den Tisch. Im Lokal herrscht volle Geschäftigkeit - die drei Kellner zischen kreuz und quer von Tisch zu Tisch. Ich habe noch nie sich so schnell bewegende Tunesier gesehen! Wir wählen aus - Huhn vom Grill, dazu Pommes, und während wir warten bekommen wir eine nicht bestellte "zwischen"-Vorspeise serviert, eine Art Bohnensuppe und Brot dazu. Kaum ist dieser Teller leer, stehen unser Hühnchen auch schon da.

Die sind wirklich auf zack hier, es herrscht ein stetiges Kommen und Gehen, das Lokal ist zum Bersten voll. Natürlich ziehen wir auch viele Blicke auf uns, denn dies ist kein touristisches Lokal. Überhaupt: seit Beginn unserer Reise können wir die Touristen, die uns begegnet sind, an einer Hand abzählen.
Bezahlt wird an der Kassa beim Ausgang; alles zusammen für drei Personen kostet TD 10,- (€ 6,-) und war nicht nur gut, sondern auch sehr unterhaltsam. Beim Zahlen bekommt man noch, vom Chef personlich, einen kräftigen Schuss einer stark parfümierten Flüssigkeit zur Reinigung in die Handflächen geleert. Dann werden wir noch um Fotos gebeten: wir mit den Kellnern, mit dem Chef, ein Kellner hier, ein anderer dort und einen Zettel mit Adresse und Bitte um Zusendung der Bilder gibt man uns auch. Eine sehr freundliche und lustige Truppe hier in ABID´s "Restaurant Populaire"; auf alle Fälle und gerade wegen des Rummels empfehlenswert!

Endlich sind wir wieder draussen :-) und spazieren durch die Medina, gehen auf Kaffee und Kuchen, schauen uns die Kasbah an und marschieren danach zu jenem Campingplatz, den wir eigentlich ursprünglich finden wollten: dem "La Gallia". Der Platz liegt näher am Zentrum als unserer und ist ein "richtiger" Campingplatz mit weitläufiger Anlage und riesigem Pool, ist aber leider geschlossen. Es sieht sehr nach Saisonende aus; das Cafe ist zwar geöffnet, aber der Pool ist leer und das Restaurant unbewirtschaftet. Wir könnten trotzdem hier campen, aber eigentlich sind wir auf unserem Platz doch viel besser aufgehoben, denn Restaurant und Cafe sind abends gut besucht und somit haben wir immer gute Verpflegung.

Wir fahren mit dem Taxi zurück zum Platz und bezahlen dafür TD 2,90. Der Tag war ruhig, wir hatten keinen Stress und gehen jetzt essen.

Unser junger "Betreuer" am Platz ist wirklich nett, aufmerksam und hilfsbereit, dabei aber nicht aufdringlich. Der alte Mann dagegen, der uns gestern Abend vorgestellt wurde (Bruder? Onkel? Sonstwas vom Besitzer?) nervt uns aber ganz schön üppig mit der Zeit. Er spricht zwar gut deutsch, ist aber ziemlich mühsam, weil er nicht mehr aufhört zu reden und uns nicht von der Pelle geht. Kaum sieht er uns am Platz zufahren, schon steht er wieder bei uns und redet wie ein Wasserfall...


Sa, 16.9. Gafsa-Runde 231km



Heute wollen wir mit dem "LEZARD ROUGE", einer alten Dampflok-Garnitur, die auf der Strecke von METLAOUI nach REDEYEF durch die sehenswerte SELJA-Schlucht führt, fahren. Dieser Zug fährt nur für touristische Zwecke, die Arbeiter der Phosphat-Minen werden mit den einfachen Güterzügen zu ihren Arbeitsplätzen in die Schlucht gebracht. Zwei Stunden dauert die Fahrt in jede Richtung, um 10:30 ist heute Abfahrt. Das Ticket kostet TD 20,- ein touristischer Preis eben. Aber der Zug soll auch, ebenso wie die Schlucht, ein richtiges Schmuckstück sein.

Wir fahren rechtzeitig los, es sind etwa 50km von GAFSA nach METLAOUI. Am Bahnhof müssen wir leider erfahren, dass der Zug täglich ausser Sonntag fährt; also planen wir die Fahrt für morgen und ändern unser heutiges Programm: wir verlegen die Tour zu den Bergoasen MIDES, CHBIKA und TAMERZA vor.

Zuerst wollen wir aber doch zur SELJA-Schlucht, in die man angeblich ein kleines Stück einfahren kann. Kurz nach METLAOUI Richtung TOZEUR zweigt eine Piste rechts ab, die wir bis zum Ende fahren. Man kann allerdings nicht in die Schlucht, sondern nur bis zu deren Beginn fahren; an einem kleinen Parkplatz mit Wellblechhütte und Wächter ist Endstation. Sofort wird uns vom älteren Herren blumig erklärt, wie wichtig denn ein Führer sei und für 3x TD 10,- ginge er mit uns; bei 3x TD 5,- sind wir uns einig. So packen wir unsere Jacken und Helme in die Blechhütte und marschieren los. Entlang der Schienen geht es durch den ersten Tunnel, danach hat man links einen schönen Ausblick in die Schlucht. Ein paar hundert Meter weiter folgt ein zweiter, etwas längerer Tunnel und danach sind wir schon im interessantesten Abschnitt der Schlucht; dort, wo sich der Fluss seinen Weg durch einen schmalen Einschnitt im Fels sucht und hinaus in die Ebene fließt. Hier ist auch die Stelle, wo der "LEZARD ROUGE" einen Fotostop einlegt und sich alle Fahrgäste gegenseitig im Weg stehen; da haben wir jetzt aber die schönere Aussicht! Wir gehen noch ein Stück weiter, bis hinter die nächste Biegung, zur stählernen Brücke am Ende der "Säbelhieb-Schlucht" (wahrscheinlich heisst die so, weil sie so gekrümmt ist). Während wir uns umsehen und fotografieren, kommt ein Phosphat-Zug die Strecke hoch und tuckert qualmend an uns vorbei.

Nach etwa einer Stunde sind wir wieder zurück am Parkplatz. Gut, dass es den Führer gab, denn ohne ihn hätten wir uns entlang der Bahntrasse wohl hoffnungslos verlaufen... Ärgerlich war dann noch, dass er nach der Rückkehr zusätzlich TD 1,- pro Person für das Bewachen der Motorräder haben wollte, obwohl wir gar niemanden in der Nähe der Moppeds gesehen haben. Er deutet auf eine Person abseits in den Feldern, das sei der Wächter... Naja, die TD 3,- hätte er wohl gerne noch gehabt, hat sie aber natürlich nicht bekommen. Es war zwar eine heftige Diskussion, aber irgendwann ignorieren wir ihn einfach und fahren los. Was soll denn das.

Unser Weg führt uns weiter nach Westen, zu den Bergoasen.

Eigentlich wollten wir die Straße über TOZEUR nehmen und irgendwo ein Stück Weg über eine Piste abschneiden, aber gleich nach der Schlucht führt eine asphaltierte Straße westwärts und so fahren wir hier entlang. Bis zu einer kleinen Siedlung, von der es rechts (Rommelpiste) nach REDEYEF hochgeht, verläuft alles normal. Aber hier ist der Asphalt zu Ende und eine heftige Sand-/Schotterpiste beginnt.
13km bis CHEBIKA...

Zuerst gehts ja noch zügig dahin. Aber schon bald kommen wir zu einer kleinen Senke, die ziemlich schlammig ist. Dann gehts wieder trocken weiter, kurz darauf die nächste Schlammpassage. Die Abstände zwischen trocken und Schlamm werden immer kürzer, der Morast immer tiefer und anstrengender. Irgendwann, an der fünften Qued-Querung, ist dann Schluss mit lustig. Wir fahren uns fest und können unsere Moppeds nur mit vereinten Kräften wieder auf trockenes Terrain und festen Untergrund bringen.
Natürlich könnten wir uns mühsam weiter durchschlagen, aber zwei Stunden für die letzten 3km und noch gut 10km bis CHEBIKA, das wird wohl nichts ...

Ausserdem gehen Detes Kräfte zu Ende. Seine Diabetes macht ihm hier schwer zu schaffen; es gelingt ihm nicht, seinen Blutzucker unter dieser Anstrengung halbwegs konstant zu halten. Dieser pendelt dauernd (wie auch schon vorgestern, als wir vom Berg herunter sind) zwischen 50 - 250 mg/dl ...

Wir (Dete und ich) tauschen Moppeds, seine RD04 ist noch ein gutes Stück höher und straffer als meine und damit kommt er zusätzlich nicht ganz klar.
Mit meiner kommt er dann besser zurecht, wenn auch sehr vorsichtig ;-)
Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit habe ich auf seiner Twin aber auch viel Spaß im feuchten Sand!!!

Dazu muss man aber noch sagen, dass die Sonne heute erbarmungslos vom strahlend blauen Himmel knallt und so die Piste in den vergangenen drei Stunden etwas trockener wurde. Das merken wir beim Zurückfahren, als wir die selben Stellen wieder passieren. Nach einiger Anstrengung erreichen wir wieder den Abzweig nach REDEYEF und legen eine Pause ein.

Nun befinden wir uns schon gut 300km südlicher als wo uns der erste starke Regen erwischt hatte. Es ist beeindruckend, wie weit nach süden sich die Auswirkungen dieser Unwetter ziehen. Im Bergland hatte es zwei Tage heftig geregnet und hier am Rande der Sahara fahren wir noch immer durch überschwemmte und völlig verschlammte Landstriche. Und viele Queds, die sonst für Monate trocken liegen, haben sich in reissende, oft bis zu zwei Meter tiefe Wasserläufe verwandelt.

Dete beschließt, auf der Straße zurück nach GAFSA zu fahren.
Obwohl es schon 16:00 ist, wollen Jack und ich noch hoch zu den Bergdörfern an der algerischen Grenze.

Die asphaltierte Straße endet nach wenigen hundert Metern und geht in eine schöne Schotterpiste über. Kurve um Kurve schlängelt sie sich den Berg hoch und in kurzer Zeit haben wir 600 Höhenmeter überwunden. Die Landschaft mit ihren lehmroten, schroffen und zerklüfteten Berge ringsum ist faszinierend und der grandiose Ausblick hinaus auf das Flachland und die Wüste mit den kleinen Oasengärten beeindrucken mich sehr.

Wir fahren bis REDEYEF und dann weiter in die kleine, abgelegene Bergoase MIDES. Wir wissen, dass wir heute nicht mehr viel Zeit haben und als uns am Parkplatz ein Guide anspricht werden wir uns schnell einig. TD 10,- für eine Führung durchs Dorf, für uns beide zusammen. Wir spazieren durch die verfallene alte Berbersiedlung, die wie ein Adlerhorst am Abgrund zur 100m tiefen grandiosen Schlucht hängt.

Von hier könnte man in etwa zwei Stunden durch den eng geschlungenen Canyon bis TAMERZA wandern - aber heute leider nicht mehr ;-)

Wir feilschen ein wenig mit dem Steine- und Fossilienverkäufer, finden auch etwas Nettes und nach dem schönen Rundgang brechen wir wieder auf, zurück zum Campingplatz. 100km Straße liegen noch vor uns und es ist bereits 18:00.

Zuerst über REDEYEF, dann MOULARET (diese Strecke scheint endlos, eine etwa 12km lange Gerade) und ab dort dann nicht mehr die gelbe Straße der Micheline-Karte nach METLAOUI, sondern über die ehemalige Piste, mittlerweile ausgebaut und asphaltiert, direkt nach GAFSA. Sehr schön ist wenige km davor die Abfahrt vom Hochplateau hinunter in die Ebene. Sehr gut ausgebaute, lange, sanfte Kurven und null Verkehr laden dazu ein, etwas am Gasgriff zu drehen...

Um 20:00 sind wir zurück, kaufen noch fürs Frühstück ein, sitzen ein Weilchen zusammen und verkriechen uns bald in unsere Schlafsäcke.


So, 17.9. Gafsa-Tozeur 173km



Die ursprünglich geplante Fahrt mit dem LEZARD ROUGE werden wir wohl auslassen. Wir haben die Schlucht gesehen, zumindest den interessantesten Abschnitt; in REDEYEF, der Endstation, waren wir auch und somit fehlt uns eigentlich nur die Fahrt selbst.

Heute trennen sich unsere Wege: Dete fährt direkt nach TOZEUR, Jack und ich wollen nochmal in die Berge im Westen, um die Bergoasen TAMERZA und CHEBIKA auch noch besuchen zu können. Vereinbarter Treffpunkt ist der Campingplatz RAS EL AIN in TOZEUR.

Zuerst folgen wir der Strecke von gestern; nach MOULARES, weiter nach REDEYEF und dann vorbei an MIDES nach TAMERZA. Die alte Siedlung von Tamerza liegt abseits der Straße, schön einsehbar in einer Senke an der Oase, ist aber genauso verlassen wie auch MIDES. Entlang der Hauptstraße sprießen die Hotels wie Pilze aus dem Boden, hier entsteht ein neuer, moderner Ortsteil. Die alte Straße wurde begradigt, Bus-gerecht eben, denn hier karrt man zur Saison scharenweise die Pauschal-Touris her.

Wir sehen uns die Oase von hier heroben an, gehen aber nicht hinunter. An der nächsten Kreuzung geht es links ab in die Oase und rechts zu den "GRANDE CASCADES", den großen Wasserfällen. Nach 200m über eine holprige Zufahrt stehen wir an einem kleinen Platz zu beiden Seiten des kleinen Baches, gefüllt mit Kiosken und "Restaurants". Überall hängen bunte Tücher und Kleider; Sandrosen, Steine, Fossilien - alles, was das Besucherherz höher schlagen lässt und um gutes Geld an den Mann bzw. die Frau muss. Das scheint für die Stand-Besitzer hier ein ausgezeichnetes Geschäft zu sein, wenn die Busse anrollen. Aber es ist alles sehr sauber und ordentlich und die Fülle der Farben erfreut auch unser "individuales" Auge.

Wir setzen uns in eines der kleinen Lokale, teilen uns eine "Pizza Berbere" (Pizza, gefüllt mit Zwiebel, Knoblauch, Harissa und noch einer anderen Art kleiner Zwiebel), schlürfen Cola und Tee und freuen uns darüber, dass es so ruhig ist, ausser uns sind keine Besucher hier. Die befinden sich wohl alle gerade beim Mittagessen in den Hotels, während der Herfahrt kamen uns in mehreren Gruppen mindestens 30 Tour-Jeeps entgegen.

Danach spazieren wir die wenigen Schritte weiter, vielleicht hundert Meter, in die kleine Schlucht hinein und sehen uns den Wasserfall an: 5-6m hoch fällt das Bächlein in die Tiefe und bildet ein kleines Becken im Felsspalt aus. Wir folgen noch ein Stück dem Pfad weiter bis um die nächste Biegung, aber da kommt nichts mehr. Das war er schon, der "Große Fall".

Wir fahren weiter nach CHEBIKA, die letzte der drei Bergoasen hier. Die Straße windet sich auf den folgenden km sehr schön durch die schroffen Berge, immer in engen Kurven steil auf aund ab. Landschaftlich ein Genuss! Im Flachland unter uns verläuft die Grenze zu Algerien, von der wir hier vielleicht noch 2km entfernt sind. Nach etwa 20km erreichen wir CHEBIKA, schon an den letzten Ausläufern der Berge, wo es in die schier endlosen Ebenen des Chotts geht. Hier ist es ebenso touristisch aufgezogen wie schon in TAMERZA auch, den Platz am Ende der Zufahrtsstraße füllen Lokale und Shops reihum. Gleich dahinter liegt die alte Siedlung am Hang, massiv mit Steinwällen abgestützt, scheinbar gleitet der ganze Untergrund langsam in die Senke der Oase ab. Wir halten uns nicht lange auf und fahren weiter.

CHEBIKA: die unscheinbarste der drei Bergoasen
TAMERZA: schöne Lage, Wasserfall, aber sehr touristisch
MIDES: hat mit Abstand am meisten Flair, sehr ursprünglich und super tolle Lage am Canyon; absolut sehenswert

Gegen 16:00 erreichen wir TOZEUR. Eine größere, sehr moderne Stadt; das Tor zur Wüste. Im südwestlichen Teil liegen die ganzen Hotelanlagen, und das sind keinesfalls wenige; dazwischen wird fast jede freie Fläche verbaut. Auch der Campingplatz "SAHARA - RAS EL AIN" liegt hier, die Zufahrt erfolgt über eine gepflasterte Straße hinter dem Hotel DAR.

Der Platz ist einfach und klein, aber ganz ok. Es gibt ein paar Stellplätze, etwas Freifläche und 9 kleine Hütten, in einer von denen wir uns einnisten. Gemauerte Betten, Matratze, elektrisches Licht, 1 Steckdose und ein winziges Fenster. Das wars.

Dete kennt Arlui, den Besitzer des Platzes, schon von früher; es wird Grillen am Abend vereinbart.

Wir fahren mit Arlui in die Stadt, alles dafür besorgen. Fleisch und Salat vom Markt, Brot vom Bäcker, aus einem versteckten Hinterhof-Laden 3 Flaschen Rotwein; zwischendurch fahren wir bei seinem Haus vorbei und bekommen von seiner Frau Tee ins Auto serviert. Puh, ist der aber stark - und dick wie Öl!

Als wir den Einkauf beisammen hatten, machten wir noch einen Zwischenstopp in einer düsteren Spelunke, auf ein Bier. Zwei unfreundlich bellende Schäferhunde am Eingang, drinnen halbdunkel, durch die vergitterten Fenster und die geschlossenen Läden kommt kaum Licht - und gut besucht, die Hütte ist ziemlich voll. Laute Musik, westlich angehauchte Videos am TV, eine junge Kellnerin und die Celtis-(Bier)-Flaschen stehen reihenweise (!) auf den Tischen und der Theke. Wir sind die einzigen Ausländer hier und dementsprechend auffällig.

Ach, sooo ist das hier? Die sind also doch nicht ganz so heilig, wie immer getan wird!?!

Wir genießen die eiskalten Biere und die abstrakte Szenerie; ein am Nebentisch sitzender, schon etwas stärker betrunkener Gast der sich als Alleinunterhalter hervortut, wird lautstark ins Freie komplimentiert. Hier geht es ziemlich rund und der Alkoholkonsum - es gibt auch Flaschenweine - ist beträchtlich. Und das Ganze hier, in einem Land, wo Alkohol verboten und verpönt ist (sein sollte...) am späten Nachmittag! Und mitten im Ramadan!

Diese Erfahrung hätten wir ohne einheimische Begleitung nicht gemacht, denn alleine wären wir hier nie und nimmer hereingegangen. Scheinheilig ist eben auch heilig...

Am Abend futtern wir alles weg, war auf dem Grill war; der einzige weitere Gast auf dem Platz, ein Deutscher im Toyota, gesellt sich zu uns und bringt sich mit Kamelfleisch und Neuseeländischem Weisswein in die Runde ein. Wir verbringen einen netten, geselligen Abend. Die Geräusche, die Arlui beim Essen von sich gibt, sind beeindruckend... :-)


Mo, 18.9. Tozeur / Oung Ejmel (Star Wars-Kulisse vom Raumhafen Mos Eisley) 102km



Heute verbrachten wir die erste Nacht unter einem Dach und auf einer Matratze und ich habe sehr gut geschlafen. Bis auf das allgegenwärtige Hundegebell, das hier aber nicht ganz so arg war.

Den Vormittag verbringen wir am Platz, mit kleineren Arbeiten an Fahrzeug und Ausrüstung und beschließen, gegen Mittag zu den Star-Wars-Kulissen zu fahren, die nördlich der Strecke TOZEUR - NEFTA etwa 60km von hier abseits in den Dünen liegen.

Wir verlassen TOZEUR Richtung Westen und biegen schon kurz nach dem Universitätsgelände auf die Piste nach Norden ab. Diesen Tracklog habe ich von René oder von Carlo´s Homepage und das erste Stück Weg verläuft ziemlich im Zick-Zack, als ob der den Track gefahrene auch erst den richtigen Weg finden musste. Mal ein Stück Piste, dann kurz Straße, dann wieder Piste, so geht es bis EL HAMMA, aber ab dort dann links ab, definitiv auf die richtige Piste. Markiert ist der Abzweig mit OUNG EJMEL und ab hier ist es auch wirkliche Piste! Zuerst wechseln sich fester Boden, Wellblech und Sand in kurzen Abständen ab; kaum hat man sich auf die Verhältnisse eingestellt, ändern sie sich auch schon wieder. Die Strecke wird aber immer besser (oder gewöhnen wir uns daran?) und nach etwa 20km seit dem letzten Abzweig stehen wir vor dem Gelände mit den Bauten, die in "Star Wars I" den Raumhafen MOS EISLEY darstellen. Natürlich befindet sich hier auch eine kleine Hütte und ein Mann, der Souvenirs verkauft... Allerdings im sehr bescheidenen Rahmen. Wir kaufen ihm eine Kette und ein Armband ab, damit ist er zufrieden und wir werden nicht weiter umworben.

Hier ist es in zweierlei Hinsicht toll:
zum Einen die Kulissen der Stadt, die noch erstaunlich gut erhalten sind, zum Anderen die schönen Dünen ringsum.

Natürlich spazieren wir kreuz und quer herum, schauen, staunen, fotografieren.
Es ist schon verwunderlich, dass diese mit so simplen Mitteln gebauten Häuser in einem Kinoklassiker und Welterfolg zu sehen sind. Die ganzen Rohre und Dekorationen bestehen aus einfachsten Dingen: FX-Installations-Schläuche, Verteilerdosen, Holzstücke, Lüftungskanäle, Wasserleitungen, Muffen, irgendwelche aus der Ferne hochtechnisch aussehende Schrottteile, usw. Einfach genial! Nach einer Weile hat man wirklich das Gefühl, sich auf einem anderen Stern zu befinden... ;-)

Ja, und dann die Dünen: das ganze Areal liegt in einer absolut ebenen Pfanne des Salzsees CHOTT EL GARSA; leicht feuchter Untergrund und absolut griffig!!! Rundherum türmen sich die Dünen gut 10m und vereinzelt auch ein bisschen höher auf.

Zaghaft treibe ich die Twin in den tiefen Sand, nach einigen Versuchen klappt es ganz gut und im 2. Gang bei etwa 40-50km/h komme ich auch ganz hinauf auf die hohen Dünen. Etwas mulmig ist mir schon zumute, als ich das erste Mal die steile Seite der großen Düne hinunter fahre. Mein Verstand sagt langsam, vorsichtig - ich weiß aber von den Sandfahrten in der Slowakei und aus Renés Schilderungen, dass man eine sehr beherzte Gashand braucht, um sturzfrei und ohne Vorwärts-Salto nach unten zu kommen. Es kostet schon Überwindung, bei 45° Gefälle im losen Sand kräftig am Gas zu bleiben! Aber es klappt gut und macht jedesmal mehr Spaß!

Ich denke aber, dass auch die vergangenen Regentage dabei etwas mitspielen; im Untergrund ist der Sand feucht und dadurch wesentlich fester, als wenn alles hier durchgetrocknet wäre. Das kommt der schweren Twin ganz sicher entgegen.

Wir machen noch etwas Pause und es trudeln 4 Agentur-Jeeps ein und bevölkern die Anlage. Da haben wir wieder mal ein glückliches Timing gehabt. Nach einer halben Stunde ist die Horde wieder weg und wir ganz alleine hier.

Irgendwann dreht Jack eine Runde - leider lehnte mein Rucksack am Vorderrad seiner Alp. Der kippt um und das Hinterrad läuft dann schön mittig drüber, was den Tod meines langjährigen Begleiters, meiner blechernen Zigarrendose, und deren Inhalt bewirkte. Böser Jakob! Gaaanz böse! :-)

Ein letztes Mal noch Dünen rauf und runter, ein paar coole Kreise drehen, dann noch über den kleinen Ausläufer - und das viel zu schnell...

Bei der Auffahrt die Düne hoch merke ich es schon, gehe noch vom Gas, komme aber trotzdem zu schnell oben am Kamm an. In etwa 2,5m Höhe hebt die Twin komplett ab, ich reisse nach hinten und lande auf dem Vorderrad, schon im Flachen. Wenige Meter kann ich noch die Balance halten, dann legt es mich voll auf die Seite. Zum Drüberstreuen ist hier auch noch eine schöne schlammige Senke und ich versinke im Dreck... Nichts passiert, Twin ok, Fahrer ok. Nur das linke Bein klemmt unter dem Mopped im Morast fest; Jack darf sogar noch Fotos machen, aber langsam kriecht mir das nasse Zeugs doch ekelhaft in die Klamotten.

Wir bringen alles wieder ins Lot, lachen über meine linksseitige schlammbraune Beschichtung und verabschieden uns von hier.
Zurück folgen wir der Piste nach NEFTA, die zwar um gut die Hälfte kürzer, aber auch sehr viel schlechter zu fahren ist, weil fast nur Wellblech. In NEFTA erreichen wir die Hauptstraße und gegen 17:00 sind wir wieder am Campingplatz.

Dann werden noch Ross und Reiter gesäubert und irgendwann nach dem Abendessen fallen wir erledigt in unsere Schlafsäcke.


Di, 19.9. Tozeur



Fauler Vormitag.
Kaffee trinken in der Stadt, Spaziergan durch die Medina, Menschen beobachten, genießen.
Im Kaffeehaus: 5 Kaffee, 1 Mineral TD 4,00
Im Gassenlokal: 2 große Stück Pizza, 2 Cola TC 2,90

Immer wieder werden wir von den Geschäftsleuten angesprochen; mal ist es einfach lustig zu feilschen und diskutieren, auch wenn man dann nichts kauft; mal ist das "Gespräch" schon nach dem ersten Satz nervig. Das häng natürlich nur vom Gegenüber ab; manche Händler sind recht locker, andere nur nervig.

Auch in die Markthalle gehen wir und was da alles feilgeboten wird, ist nicht für mitteleuropäische bzw. zarte Mägen gedacht; überall hängen Kamelköpfe, aus manchen ragt unten noch der ganze Schlund heraus; am Boden neben der Theke lehnen einige Kamelbeine, gerade so, als ob jemand seinen Schirm stehen lassen hätte...

Am Nachmittag gehen wir zur Quelle baden. Keine 200m neben dem Platz füllt eine in 2 große Rohre gefasste Quelle ein kleines Naturbecken, vielleicht 10m im Durchmesser und etwa 1m tief. Die Wassermassen die zufließen sind beträchtlich, direkt unter den in etwa 4m Höhe mündenden Rohren ist es kaum lange auszuhalten. Das Wasser im Becken hat sicher über 30°C und es ist einfach super angenehm, hier zu plantschen.

Ausser uns ist niemand hier; nach einiger Zeit gehen wir auf einen Kaffee zum Platz und als wir wieder zurück zur Quelle sind, ist das Becken von Kindern und Jugendlichen bevölkert. Gut, dass wir schon vorher da waren, so hatten wir unseren Spaß. Vieleicht schauen wir später nochmal vorbei...

Jack macht die Türe unserer Hütte zu - und sie lässt sich nicht mehr öffnen; eigentlich ist das Schloss eines der einfachsten Art, nur eine Feder und ein Riegel, und da kann eigentlich gar nichts nicht funktionieren, tut es aber doch... :-)
Na gut, holen wir uns eben den Schlüssel von der Nachbarhütte (Schlösser und Schlüssel sind Marke Eigenbau und eigentlich alle gleich), aber leider Fehlanzeige. Ok. Also den von der nächsten Hütte. Erst will der Bart des Schlüssels nicht ins Schloss; dann lässt er sich nur mit Mühe drehen; dann wieder bekommen wir ihn nicht mehr aus dem Schloss heraus, und die Tür ist immer noch zu.
Gut, das Schloss sitzt zwar innen, ist aber von aussen angeschraubt; also Ratsche und Nuss her und abschrauben. Leider sind da innen scheinbar wieder Muttern dran... Hmmmm...

Das Gitter des kleinen Fensters neben der Türe sieht nicht sehr stabil aus. Einfach das Geschnörksle ein bisschen aufbiegen, mit der Hand hinein, Muttern gegenhalten und schon ist das Schloss ab und die Türe wieder offen. Warum nicht gleich?

Später sitzen wir vor der Hütte oder im einfachen Cafe am Platz und schlagen uns die Bäuche mit leckeren Datteln frisch von der Palme voll. Auch die Granatäpfel, die wir noch vom Campingplatz in Gafsa dabei haben, werden verputzt. Das waren noch gut zehn Stück, was sich in Folge in erhöhter Magen-Darm-Aktivität niederschlägt.

Gemütlicher Abend am Platz.


Mi, 20.9. Tozeur-Douz 248km



Eigentlich wollten wir den Chott El Cherid südlich auf der Piste direkt umfahren, aber irgendwie haben wir keine Lust auf 70km Wellblech. Also werden wir zuerst weiter nach Westen, nach HAZOUA an der algerischen Grenze fahren und von dort dann erst nach Süden um den Chott und weiter nach DOUZ.

Jetzt gehts aber vorher noch ans zahlen. Mein/unser Eindruck von Arlui ist ohnehin diesbezüglich nicht der beste, seit er am ersten Tag fürs Essen TD 20,- wollte - pro Nase! Der Typ ist ein kleines (eigentlich schon ein großes) Schlitzohr und ein bisschen mit Vorsicht zu genießen. Nun sollen wir noch jeder TD 10,- pro Nacht zahlen, womit er aber endgültig über die Stränge schlägt! Wir geben ihm für alles zusammen TD 30,- satteln die Moppeds und fahren ab.

Ich habe keine Lust, mir hier das Weisse aus den Augen ziehen zu lassen; natürlich haben wir Verständnis für touristische Preise, aber zum Familien-Ganzjahres-Alleinfinanzierer möchte ich nicht werden. Gestern hatte er uns auch noch CousCous angeboten, zum Preis von TD 10,- pro Person; was wir dankend abgelehnt haben. In der Stadt können wir um TD 15,- zu dritt essen und trinken...

Sollte ich hierher, wider Erwarten, nochmals kommen, bin ich auf die Preise vorbereitet und werde mich entsprechend verhalten/handeln.

Von TOZEUR über NEFTA nach HAZOUA, hier machen wir Pause. Dieses Dorf ist der einzige Grenzübergang nach Algerien und mehr hat es auch nicht zu bieten. Alles ziemlich heruntergekommen; ein Cafe, ein Laden an der Hauptstraße. Heiss, staubig, wenig einladend. Wenige Meter vor dem Grenzübergang geht eine schmale Straße links ab, beschildert mit MATROUNA. Das ist die nächste Siedlung, etwa 50km südlich von hier. Die Straße ist durchgehend asphaltiert und entgegen unserer Erwartung in gutem Zustand; was wohl mit ihrem Verlauf entlang der Grenze zu tun hat. Kaum Schlaglöcher und auch nicht verweht.

Bis MATROUNA verläuft die Straße direkt an der algerischen Grenze, zu beiden Seiten kann man verschiedene Gebäude erkennen, wohl Militärposten.

Im nächsten "Ort" REDJIM MAATOUG machen wir wieder Pause, hier gibt es ein kleines einfaches Cafe gleich an der Straße. Bis hierher haten wir vier oder fünf Militärkontrollen, aber alle immer formlos und ausgesprochen freundlich. Die wenigen kleinen Siedlungen entlang der Strecke haben allesamt den Anschein von Militärlagern; einfache, kleine Gebäude in geometrischen Reihen, alle mit dem gleichen Tonnendach, dazwischen sandverwehte Pisten und kaum Menschen. Die Landschaft ist zwar wenig abwechslungsreich, aber doch nicht so trostlos, wie ich es am Chott erwartet hätte. Trotzdem sind die ersten 130kn eine Gerade, unterbrochen von vielleicht fünf kaum merkbaren Kurven...

Erst ab EL FAOUAR ändert sich die Landschaft gravierend: die flache Steppenwüste endet, plötzlich türmen sich links und rechts der Straße über 10m hohe Dünen auf, zeitweise fährt man in einem richtigen Dünen-Tal.

Hier wäre es ganz schön herumzufahren, auch gäbe es einige Dörfer zu sehen, wir halten uns aber strikt Richtung DOUZ, um uns noch stressfrei am Campingplatz einrichten zu können. Der Platz ist leicht zu finden, DOUZ ist viel kleiner als TOZEUR und der Platz liegt unweit von Stadtzentrum und Markt.

Der "Camping Desert Douz" ist zumindest der erste Platz, der diese Bezeichnung auch verdient.


Do, 21.9. Douz



Donnerstag ist Viehmarkt hier. Gegen 9:00 gehen Jack und ich los und besuchen dieses Spektakel. Das Gelände liegt am Rande der Stadt, nur wenige Schritte vom Campingplatz und ist nicht zu übersehen. Pickups, Eselkarren und Menschen, dass kaum mehr Platz zum atmen bleibt, um das Marktgelände. Drinnen dann noch die Steigerung: zu den geschätzten 3000 Menschen am Markt kommen wahrscheinlich nochmal soviele Tiere dazu. Ziegen, Schafe, Hasen, Pferde, Maultiere, Kühe und in einer Ecke ein paar Kamele. Hier geht es total hektisch zu; es wird gefeilscht, geschrien, begutachtet, die Tiere plärren genauso wie die Menschen laut durcheinander und oft verbirgt es sich mir, wer denn nun Käufer und wer Verkäufer eines Tieres oder einer Ware ist. Da geht es einfach drunter und drüber und dauernd hat man ein Schaf oder eine Ziege vor oder zwischen den Beinen... Groß ist das Gedränge, aber es ist ein echtes Erlebnis hier. Wir treiben in der Masse hin und her und irgendwann sind wir durch und verlassen den Vieh- in Richtung des normalen Marktes. Es ändert sich aber nur das Angebotene, der Rest bleibt gleich: Hektik, Lärm und unüberschaubares Chaos in den engen Gassen des Marktes. Handwerker bieten ihre Waren feil; Tischler, Schuster, Schmiede; alte Kugellager liegen auf Decken am Boden in Reih und Glied neben verrostetem alten Werkzeug und gebrauchten alten Fenstergittern, Lebensmitteln, Obst, Gemüse, Hunde, Schuhe, Tücher, Seile, Gewürze, Spielzeug, ...

Wir verbringen den ganzen Vormittag hier und haben jede Menge Spaß daran!

Danach gehen wir zum Barbier, lassen uns rasieren, trinken Tee, hängen bei einer Tasse Kaffee im Getümmel der Straßenlokale herum und schnell vergeht die Zeit.

Mittags kehren wir in einem kleinen Lokal an der Kreuzung ein und können von der Terrasse im 1. Stock wunderbar das lustige Treiben auf den Straßen beobachten. Das ist seeehr unterhaltsam! :-) Irgendwann am frühen Nachmittag kommen wir zum Campingplatz zurück, das hektische Treiben in der Stadt ist mittlerweile ziemlich abgeklungen.

Aaaaber - was muss ich sehen...?!? Meine Twin hat hinten einen Platten - so ein Schmarrn! Wir haben natürlich alles erforderliche Werkzeug und Reifenpickzeug mit, auch Ersatzschläuche, aber trotzdem, das Hinterrad ist viel Arbeit. Alleine scon den Mantel von der Felge bringen - der Mitas E09 ist ein sehr steifer und fester Gummi. Als der Schlauch heraussen ist, traue ich meinen Augen nicht: man sieht ganz deutlich, dass er 3x geknickt war und genau an einer dieser Falten ist das Loch. Super. Hab ich doch die Reifen erst eine Woche vor Abfahrt beim Euro-Master montieren lassen... Die werden das noch hören. Schaden lokalisiert, geklebt, Hinterrad in der Nachmittagshitze bei knapp 40°C im Schatten wieder montiert (das Aufpumpen übernahm der Kompressor vom Land-Rover eines schweizer Pärchens, sehr angenehm...) und leider, das Rad verliert wieder die Luft. So eine Scheisse. Haben wir den Schlauch bei der Montage verletzt? Wir waren doch so vorsichtig...

Selbe Stelle, selbes Loch. Entweder den Kleber zu kurz ablüften lassen, oder er war schon zu alt, oder sonstwas - Fakt ist, der Flicken ist nicht dicht. Ein zweites Mal lassen wir uns darauf nicht ein und tauschen den Schlauch. Als die Aktion endlich beendet ist, dämmert es bereits und langsam reicht es mir auch schon.

Wir packen alles weg, einstweilen läuft Jack in die Stadt, um Grillhähnchen zu holen. Leider war nichts mehr zu bekommen und so bleibt uns nur Packerlsuppe und Brot. Zum Abschluss köpfen wir noch eine Flasche Rotwein an der Bar.

Der Tag war heute sehr ausgefüllt, dank Euromaster.

Bei der Gelegenheit fiel mir auch auf, dass am Hinterrad an zwei Speichen die Köpfe abgerissen sind. Kann schon länger passiert sein, aber möglicherweise stammt das auch vom vorgestrigen Dünensprung.


Fr, 22.9. Douz - Umgebung - Douz 213km



Heute fahren wir "nur" ein bisschen in der Gegend herum; nach Westen bis EL FAOUAR, hoch bis FATNASSA und über KEBILI wieder zurück nach DOUZ.
Über ZAAFRANE fahren wir mit kurzen Foto-Stops nach ES SABRIA; ein Stück davor biegen wir links in die Dünen ab und "klettern" ein bisschen herum. Die Ruhe hier und die endlose Weite sind schon Ehrfurcht einflößend. Hier ist der Sand wieder komplett trocken und fein. Beim Gehen sinkt man bei jedem Schritt bis über die Knöchel ein, die Dünen hoch und runter fließen richtige Sandströme und -lawinen ab. Hier gibt es aber eigentlich keine Pisten zu fahren, nur immer wieder kleine Schleifen abseits der Straße und wieder zurück.

Wir biegen ab nach ES SABRIA und fahren bis zur Siedlung, die aussieht, als ob sie irgendwann im Sand verschwinden würde; am Ende des Dorfen ist ein kleiner Platz, an dem wir halten. Da bemerken wir in einer Senke unweit der Straße eine große Ansammlung von Menschen und beobachten das Treiben. Da wird musiziert und getanzt, andere Gruppen stehen wie Zuseher herum und rings um den kleinen Marabut herrscht reges Gedränge. Da sich in unmittelbarer Nähe zu dem Szenario ein Friedhof befindet, vermuten wir eine Begräbnis-Zeremonie (was uns dann abends auch bestätigt wird). Wir halten uns ein Weilchen auf und beobachten interessiert - auch wird uns unmissverständlich energisch gestikuliert, nicht näher zu gehen. Kinder kommen und scharen sich um uns, viele in "sicherem" Abstand, andere kommen ganz nahe und begutachten uns sehr neugierig.

Wir müssen zurück auf die Hauptstraße und fahren durch die kleinen Dörfer entlang des Chotts nach KEBILI; unterwegs machen wir in BECHNI Kaffepause und werden wie Ausserirdische angesehen. Das "Lokal" ist ein heruntergekommenes, altes Haus, drinnen nur wenige Tische und an denen wird eifrigst gezockt; wohl die einzige Abwechslung für die Männer und männliche Dorfjugend hier. Frauen sind natürlich keine zu sehen.

In KEBILI versuchen wir etwas essbares aufzutreiben; wir finden ein Gassenlokal mit noch drei Hähnchen am Grill. Das ist hier aber nur zum Mitnehmen gedacht; kein Teller, kein Besteck - nur das ganze Huhn, samt Innereien, auf einem Stück Papier. Egal, schmeckt uns auch, wir sind danach halt fett bis zu den Ellenbögen...

Die Karte stimmt in der Gegend um EL FAOUAR und KEBILI überhaupt nicht. Wo Piste eingezeichnet ist, ist entweder Straße oder aber auch gar nichts; die Orientierung fällt aber trotzdem nicht schwer, man kann ohnehin nur von Dorf zu Dorf fahren.

Wir bleiben oft stehen und schauen viel herum, nächste Station ist SOUK LAHAD, ein Milchkaffe ist fällig. Dannn fahren wir weiter nach FATNASSA und suchen die versteinerten Dünen. Wir tuckern durch den Ort, über den Hauptplatz und an der anderen Seite wieder hinaus; als wir danach schon gute 3km in einem Palmenhain unterwegs sind und keine Änderung in Sicht ist, vermuten wir, dass wir auf dem falschen Weg sind. Also wieder zurück. Naja, dann halt nicht. Um nicht gleich wieder auf die Hauptstraße zu kommen, nehmen wir im Ort den Abzweig nach TOZEUR und nach nicht mal 1km stehen wir überrascht am gesuchten Marabut bei den versteinerten Dünen! Also doch! Hier steht eine kleine Hütte, in der es kühle Getränke gibt, man kann im Schatten sitzen und der Wirt erzählt uns einiges aus seinem Leben, gibt uns Tips, wo wir noch hinfahren sollen und bietet uns an, heute hier in der Hütte schlafen und bei ihm essen zu können.

Wir spazieren zwischen den versteinerten Dünen herum, das Areal sieht ganz interessant aus, ist aber nicht allzu weitläufig; diese bemerkenswerten Dünen stehen auf einem Gelände von vielleicht 100x200m.

Mittlerweile quietscht meine Kette schon erbärmlich, aber mein Kettenspray ist leider alle... Also zu einer Tankstelle, eine Flasche Motoröl gekauft und die Kette anständig eingetropft. Nach dieser liebevollen Behandlung quietscht erstmal garnichts mehr! :-)

Am frühen Abend sind wir wieder am Campingplatz zurück.
Morgen gehts weiter nach Süden, über die Piste nach KSAR GHILANE.

Preise am Camp: 3 Nächte p.P. TD 18,- (Moto TD 2,- Person TD 4,-)
Flasche Rotwein (gut!) TD 10,-
Flasche Wasser TD 1,-
Dose Bier TD 2,-


Sa, 23.9. Douz - Ksar Ghilane 150km



Etwa gegen 10:00 fahren wir ab.
Die Straße zieht sich endlos ostwärts, km-lange Gerade werden nur durch wenige, schwache Kurven unterbrochen. Vorbei am "Cafe Tarzan", Bir Gezene, nach 70km der Abzweig am "Cafe Jelili", ab hier geht es wieder stichgerade nach Süden; immer entlang der Pipelinepiste. War schon auf der Straße bis hierher kaum Verkehr, ab jetzt wirds wirklich einsam. Die Piste zieht sich durch die Wüste, vorbei an den Ausläufern des Großen Östlichen Ergs bis zur Oase KSAR GHILANE und immer weiter nach Süden ins Sperrgebiet bis zum südlichsten Punkt Tunesiens an der Grenze zu Libyen und Algerien. Über 400km nichts als Sand!

Der Brunnen BIR SOLTANE ist unsere erste willkommene Zwischenstation. Bis etwa 10km davor ist die Piste gut befestigt und asphaltiert und wir kommen zügig voran. Der Verlauf ist schnurgerade, aber immer wieder geht es in großen Wellen auf und ab. Alle paar Kuppen sehe ich Jack oder Dete, oder beide oder auch keinen im Rückspiegel. In den Senken liegt immer wieder Sand. Dann endet der Asphalt und es geht weiter auf einer breiten, ebenen Piste, scheinbar schon vorbereitet zum Asphaltieren. Nach einem kurzen Stück ist das aber auch zu Ende und es wird "richtig" Piste. Zuerst noch halbwegs fest, aber viele Löcher und Steine.

Irgendwann sehe ich niemanden mehr im Rückspiegel, also bleibe ich stehen und mache den Motor aus - nichts zu hören! Also kehrt machen. Nach wenigen Kuppen, vielleicht 500m, sehe ich Jack und Dete nebeneinander stehen, Dete aber entgegen unserer Fahrtrichtung, und gestikulieren. Wenige Augenblicke später, ich bin noch nicht bei den beiden, Fährt Dete los - zurück.

Jack sagt, er wolle keine Piste mehr fahren und düse direkt weiter nach Djerba. Na gut. Das wollen wir eben nicht. Jetzt stehen wir mal zu zweit da. Etwas verwundert bin ich schon, ich hätte mir so eine Entschedung etwas anders vorgestellt.

Die folgenden 10km bis BIR SOLTANE sind "normale" Piste, allerdings stellenweise sehr holprig und in allen Senken ziemlich verweht. Zwei längere Weichsandfelder fordern uns zum ersten Mal.

Wir erreichen BIR SOLTANE und lassen uns in dem kleinen staubigen Cafe in einer schattigen Ecke, auf Teppich und Matratze nieder. Ein Cola und ein Fladenbrot mit Thunfisch aus der Dose richten uns wieder auf :-)
Die Wände des Gebäudes sind vollgekritzelt mit Sprüchen und Namen vieler, die hier schon Station gemacht haben. Visitenkarten und Sticker kleben überall und man erkennt, dass eigentlich niemand diese Station hier auslassen kann oder wird. Zu willkommen ist in dieser Hitze (über 40°C) die schattige Rast und ein erfrischendes Getränk.

Wir fahren weiter, es liegen noch 40km Piste unbekannten Zustandes vor uns. Das einzige, was wir hier erfahren, ist "viel Sand". Also auf in den kampf!

Ja, es dauert nicht lange und da sind sie wieder, die lieben Sandverwehungen. Schön weich, tief und lange.
Aber, Übung macht den Meister und mit der Zeit läuft es immer besser. Am Beginn wuste mein Kopf schon, es braucht Geschwindigkeit und eine beherzte Gashand im Sand. Aber der Bauch und das Unterbewusstsein melden immer "brrr - langsam"...

Ich muss erst wieder das "Sand-Feeling" bekommen und das Wissen umsetzen, dass man der Versuchung widerstehen muss, den im Sand verlaufenden tiefen Spurrillen zu folgen. Das funktioniert nämlich nicht. Ab ca. 30km/h sucht sich das Mopped nämlich seine eigene Spur durch den Weichsand. Gelenkt wird mit Gewichtsverlagerung und mit der Gashand. Nach ein wenig Eingewöhnung und "Reaktivierung" des schlummernden Fahrkönnens läuft die Sache ganz gut und beginnt auch, richtig Spaß zu machen! Man darf nur das Mopped nicht in eine Spur drängen, sondern muss ihm innerhalb der Pistenbreite völligen Freilauf lassen. Unter 30 Sachen verläuft die Linie sehr schlangenförmig, darüber fährt man ziemlich spurstabil. Das soll nun aber nicht heissen, dass die Sache einfach ist, denn das gewicht der Twin hängt sich schon ganz schön an. Einmal fahre ich mich auf einer Dünenzunge fest und im weichen Sand hat man auch nicht immer guten Stand, also gehts wupp und Berti liegt wieder mal da. Aber das gehört dazu und ist hier auch völlig harmlos.

So schlagen wir uns wacker durch und erreichen die völlig deplaziert wirkende, asphaltierte Zufahrtsstraße zur Oase. Egal, aus welcher Richtung man hierher kommt, es geht von überall zumindest 30km durch Sand und Dünen; aber die letzten 10km zur Oase KSAR GHILANE sind asphaltiert - versteht das einer???

Wir erreichen die Siedlung aus kleinen, einfachen, heruntergekommenen Gebäuden, hinter der sich der beeindruckende Grünstreifen der Oase entlang zieht. Ab den Häusern wieder Sandfahrbahn. Man kann entweder durch die Siedlung fahren und dann die Piste entlang der Oase, oder gleich bei der ersten Möglichkeit rechts halten und an dem einzeln stehenden Haus (mit irgendeiner Aufschrift dran) vorbei ans Ende der Oase zuhalten. Der Platz "CAMPEMENT GHILANE" ist die letzte Anlage vor den Dünen.

Und das Besondere hier: es gibt direkt neben dem Platz eine warme Quelle, die ein etwa 10x20m großes Becken speist - ein Traum! Hier hatten die Franzosen mal nach Öl gebohrt und Wasser gefunden. Aus einem tiefen Spalt strömt eine große Menge warmes, schwefelhaltiges Wasser zu Tage.

Einquartieren (wir nehmen uns ein Berberzelt, inkl. Verpflegung), raus aus den durchnässten Klamotten und hinein ins Nass - nur kühl ist es nicht, das Wasser hat etwa 35°C. Aber ein wahnsinns Genuss ist es trotzdem... :-)

Der September dürfte generell schon eine ruhige Zeit in Tunesien sein, aber obwohl die Oase hier wahrscheinlich auf dem Plan jedes Jeep-Safari-Anbieters zu finden sein wird, ist fast nichts los. Irgendwann laufen drei Jeeps ein, die "Armbandträger" (= Club-Urlauber) werden auf Kamele verfrachtet und ab geht es für eine Stunde durch die Dünen. Danach Kaffee im Café, ein kurzes Bad an der Quelle und ab die Post zurück in den All-inklusive-Club. Jeweils davor und danach gehört hier alles uns ;-)

Das Abendessen ist ausgesprochen lecker, eine dicke Suppe mit "keine Ahnung was" drin und gutes Fleisch vom Grill, dazu Spaghetti mit Sauce und Kartoffeln. Danach noch Melone. Da es hier keine Möglichkeit gibt sich selbst zu versorgen bzw. wir nicht wissen, wo evtl. ein kleiner Laden zu finden wäre, haben wir uns den "Luxus" Halbpension gegönnt. Das ist zwar mit TD 25,- pro Person und Tag nicht so billig, ermöglicht uns aber zwei absolute Faultage hier, was wir sehr genießen.

Hier in der Anlage selbst gibt es keinen Handy-Empfang. Wenn man aber die erste Düne hinter dem Platz hochsteigt, empfängt man zwei Netze zur Auswahl.
Diese Tatsache sorgt für eine lustige Situation: als es schon dunkel war, steigen wir die Dünen hoch, um noch ein wenig Wüstenluft zu schnuppern. Und ab dieser ersten Düne kann man in der Dunkelheit fast nichts mehr sehen, ausser die leuchtenden Handy-Displays der Telefonierenden - das sieht ulkig aus :-)


So, 24.9. Ksar Ghilane



Frühstück. Kaffee, Brot, Feigenmarmelade, Honig, Kekse.
Schwimmen gehen. Herrlich. Mitten in der Wüste im Wasser treiben lassen und den Rest der Welt vergessen...
Kaffee trinken, sitzen und schauen. Reiher, Finken, Tauben, viele Libellen und Schwalben. Es ist ganz schön was los hier.

Jeeps kommen. Leute raus, auf die Kamele. Wieder zurück, ins Café, in den Teich baden. Kurz darauf wieder in die Jeeps und weg.

Ruhe.
42°C im Schatten.
Gääähhhn....

Der Tag endet wie er begann, in Ruhe.
Nach dem Abendessen - Couscous und der Rest des Fleisches vom Vortag - wandern wir noch in die Dünen hinaus, legen uns in der sternenklaren, mondlosen Nacht auf einen Kamm und nuckeln an Jacks mitgebrachter Flasche mit kretischem Raki. Viel entspannender gehts kaum mehr...

In der Nacht ist es heute sehr heiss; um Mitternacht hat es noch immer 28°C und dabei bleibt es auch bis zum Morgen.


Mo, 25.9. Ksar Ghilane - Tataouine 195km



Bald nach den Frühstück fahren wir los, die Piste nach Südosten, direkt Richtung CHENINI.

Der erste Abschnitt von KSAR GHILANE zurück zur Pipeline-Piste ist nicht sonderlich gut zu fahren, ziemlich viele Sandfelder und Steine. Nach ~12km kreuzen wir die Pipeline. Ab hier wird die Piste breit und glatt, aber ziemlich grober Schotter. Trotzdem ganz gut zu fahren. Das Land ringsum ist flach und öde, wenig Abwechslung. Nach etwa 10km ändert sich das. Das Gelände wird leicht hügelig, aber viieel sandiger! Erste ausgedehnte Weichsandfelder sind zu nehmen, aber noch relativ einfach. Die Felder werden aber immer länger und tiefer, irgendwann stehen wir vor den ersten "richtigen" Verwehungen und bis zu 1m hohen Treibsand-ähnlichen Dünenzungen. Die Piste ist kurvig und zieht sich eine kleine Anhöhe hoch und wir plagen uns ungefähr einen Kilometer voran; umfahren Dünen, schieben Steigungen hoch und kommen ganz schön ins schwitzen. Solange wir vor den Sandfeldern noch Platz haben, um Schwung zu holen, klappt die Sache auch; aber die Kurven werden immer enger und der Anstieg steiler, wir kommen in diesem weichen Sand kaum voran. Als wir die Kuppe nach gut einer Stunde erklommen haben sehen wir, was da weiter auf uns zukommt: eine sicher 2-3km breite Senke, komplett verweht, die Piste ist nirgendwo mehr zu erkennen. Erst am Horizont sehen wir wieder einen Streifen, wo es weitergehen könnte.

Unmöglich für unsere vollgepackten schweren Eisen.

Wir rasten ein Weilchen, erholen uns von der Anstrengung bisher und entschließen uns dann zur Umkehr. Jetzt bergab sind diese Tiefsandfelder einfacher zu nehmen, "leicht" ist aber noch immer anders. Das nächste Feld umfahren wir großräumig, was aber wegen der vielen Büsche und den dazwischen angewehten Dünen auch nicht ganz so einfach ist. Trotzdem kommen wir halbwegs flott zurück zur Pipeline und folgen dieser nach Norden, bis zum nächsten Abzweig nach osten.

Es soll nicht schadenfroh klingen, muss aber gesagt werden ;-) Jack hat sich im Sand das erste Mal niedergelegt. Das fahren hier geht aber auch wirklich ordentlich auf die Substanz.

Nach etwa 15km erreichen wir das Café LOUTID, was uns sehr gelegen kommt. Es hat mittlerweile 45°C und der heisse Wind weht uns den Sand ins Gesicht.
Die Tür steht offen wir setzen uns. Niemand da. Das gibt es aber doch nicht...? Hier kann man nicht schnell mal wohin gehen, denn da ist im Umkreis von 50km nichts. Ich schaue hinter die Theke, nichts. Geld liegt in einer^Tasse, der Kühlschrank ist gefüllt, also sollte das Cafe doch bewirtschaftet sein. Am anderen Ende des Raumes ein Vorhang. Ich luge durch - da liegen zwei Männer und pennen! Ein vorsichtiges "Bonne Jour" - nichts. Nochmal, etwas lauter - nichts. Die haben aber eine guten Schlaf. Wir setzen uns und warten ein Weilchen. Aber eigentlich hätten wir schon sehr gerne etwas zu trinken! Also nochmal, etwas resoluter: "Bonne Jour!" - Sakra, sind die Typen stoned??? Ich lasse Jack mal ran, der brüllt schon fast ;-) und da regt sich einer der beiden endlich... Also wirds doch noch eine erholsame Rast bei Cola und Wasser.

Im Cafe verarzten wir noch einen der beiden Männer, er hat am rechten Fußballen eine seiner Aussage nach zwei tage alte Brandwunde. Das sieht gar nicht gut aus. Durchmesser 3cm, in der Mitte richtig schwarz und tief eingebrannt. Und, da hier alle barfuß laufen, voll Sand... Also intensiv desinfizieren und spülen, dann dick Brandsalbe drauf und verbinden. Ich habe den Eindruck, er war mächtig froh über diese Hilfe. Hoffentlich hat das auch was gebracht; wenn sich das entzündet und nicht abheilt, na Prost Mahlzeit, da kann er sich gratulieren. Mitten unter der "Behandlung" springt er auf einmal auf, ich denke "ah, tut weh" aber gefehlt - unter der Bank kriecht ein Skorpion hervor und sorgt für Aufregung. Klar, er hat ja auch keine Moppedstiefel an. Und nachdem der Bursche so vorsichtig ist, sind wir es auch und halten ausreichend Abstand zu dem angriffslustigen Getier ein. Wehe, an unseren Stiefeln würde er wohl den Kürzeren ziehen.

Als kleines Dankeschön bekommen wir noch eine Flasche Wasser mit auf den Weg und fahren weiter.

Der Wind hat mittlerweile ziemlich aufgefrischt und treibt schon unangenehm viel Sand vor sich her. Die Piste ist ziemlich schlecht; starkes Wellblech, oftmals verweht, und ziemlich viele Tiefsand-Passagen wechseln sich laufend ab. Es gibt kaum ein Stück Weg, wo man halbwegs entspannt fahren kann. Dazu kommt, dass unsere Geschwindigkeit von etwa 40-50km/h auch etwa der (Rücken-)Windgeschwindigkeit entspricht und so fahren wir fast andauernd quasi in Windstille in unseren eigenen Staubwolken. Und das ganze bei 42-43°C! An manchen Stellen kann man ein Weilchen neben der Piste fahren, das geht dann ein bisschen besser. Aber eben nur manchmal. So sind die 40km bis BENI KHEDDACHE das Anstrengendste, was wir bisher zu bewältigen hatten.

Zum drüberstreuen fahren wir beide auch schon auf "Reserve", damit haben wir aber auch gerechnet und daher kommt das nicht überraschend.

Schlecht ist nur, dass in keinem der Dörfer, seit wir wieder auf Asphalt unterwegs sind, eine Tankstelle zu finden ist. Wir kommen aber problemlos bis MEDENINE und füllen unsere braven, durstigen Moppeds wieder voll.

Dann fahren wir noch 50km Richtung Süden, bis TATAOUINE, wo wir uns im Hotel "Gazelle" einquartieren. An ein wildes Campen ist heute bei dem Sturm nicht zu denken und wir haben so viel Staub am Körper, dass eine Dusche unbedingt sein muss. Über dem ganzen Flachland hängt ein trüber Staub-Schleier, ein bisschen in der Ferne ist nichts mehr zu erkennen. Trotzdem wir hier schon -zig km von der "richtigen" Wüste entfernt sind, trägt der starke Wind den Sand in dichten Schwaden über das Land.

Jack ist total k.o. und bleibt am Zimmer, ich marschiere noch ins Zentrum zum Markt und kaufe mir in der "Patisserie Du Sud" (die ist landesweit bekannt!) ein paar "Gazellenhörner", die lokale Spezialität. Das sind Teigröllchen, gefüllt mit Honig und Nüssen und dementsprechend süß, aber extra gut! Obwohl der Ort ziemlich ausgestorben scheint, diese Patisserie ist gut besucht. Die verschiedenen Süssigkeiten wandern kiloweise über den Tresen und dazu noch ein Getränk, das die Leute sich in Wasserflaschen abfüllen lassen. Keine Ahnung, was das ist; es sieht aus wie gelblich-trübe Limonade.

Abendessen im Hotel und dann bald Nachtruhe.

Doppelzimmer inkl. HP: TD 61,-
Eiskaltes Dosen-Bier: TD 2,50


Di, 26.9. Tataouine - Ksar Hallouf 125km



Das Frühstück fällt etwas spärlich aus, auch der Kaffee ist nicht so das Gelbe vom Ei...

Der Wind von gestern hat sich gelegt, der Himmel ist aber noch immer ziemlich wolkenverhangen und eigenartig rosa-orange gefärbt. Das sieht so mal nicht gut aus!?!

Erstes Ziel heute ist DOIRET, ein kleines Dorf mit alter Speicherburg hoch oben am Berg. Unterwegs hat es einmal kurz geregnet, aber das war so wenig, dass wir dank der Temperatur nicht mal nass wurden... :-)

Wir fahren zur "Ancient Doiret" hoch und sehen uns die Anlage an; weil wir aber heute noch mehr sehen und in CHENINI auch noch herumlaufen wollen, halten wir uns nicht lange auf. Zwar wäre gleich ein Führer parat, wir lehnen aber dankend ab und fahren weiter.

Die Landschaft hier ist sehr schön und abewchslungsreich, es geht immer bergauf-bergab und seeehr kurvig! Das Fahren macht richtig Spaß :-)

Wir erreichen CHENINI, das wohl am besten touristisch erfasste Berberdorf hier. Die Moppeds werden geparkt, wir trinken einen Kaffee und warten eigentlich schon darauf, dass wir vom ersten Führer angequatscht werden. Mittlerweile kommen auch schon die ersten Agentur-Jeeps und Reisebusse an und in Scharen ziehen die Besucher den Berg hoch in die verlassene Siedlung. Wir sehen, dass alle den gleichen Weg nehmen und stapfen auch dort entlang, biegen dann aber nach oben ab und schlagen uns durch die schmalen Weglein und Steige zum alten Zentrum der Siedlung auf dem Berggipfel durch. Seit Jahren sind diese alten Dörfer verlassen, die Menschen sind ins Tal, zu Wasser und Strom, gezogen.
So verfallen die alten Gebäude, aus Holz, Lehm und Stein gemauert, zusehends. Manche sind noch einigermaßen gut erhalten, andere nur mehr ein Haufen Steine. Wahnsinnig interessant zu sehen. Und ausser uns ist niemand hier heroben; alle marschieren stur die von den Tour-Guides standardmäßig weiter unten gewählten Wege entlang.

Wir sind sicher eine Stunde oder länger heroben auf dem Gipfel und unten am Hauptplatz stehen Jeeps und Busse mittlerweile Schlange.
Mit einem kühlen Cola im Cafe unten schließen wir hier ab und fahren weiter.
Die Strecke ist wunderbar schön zu fahren; die Berge hier sind mit 400-500m zwar nicht sehr hoch, die Landschaft aber trotzdem beeindruckend.

Kurz nach CHENINI verlassen wir die Asphaltstraße und fahren über eine Verbindungspiste den direkten Weg nach GUERMESSA. Hier befindet sich auch ein verlassenes Berberdorf, nur mit dem Unterschied, dass es hier keinerlei Tourismus gibt. Die Zufahrtsstraße endet am Fuße des Bergesund wir haben unsere Moppeds kaum abgestellt, gesellt sich ein Mann zu uns und weist sich als Fremdenführer aus. Das passt uns ganz gut und der Preis von TD 5,- pro Nase ist auch in Ordnung. Wir ziehen den Berg über einen alten, gepflasterten steilen Steig hoch und erreichen die Moschee am Sattel zwischen den beiden etwa gleich hohen Gipfeln. Auf der einen Seite befindet sich das alte Dorf, auf der Anderen die Speichergebäude für Lebensmittel und alle anderen Vorräte. Wir bekommen sehr viel erklärt und erhalten so einen kleinen Einblick in das Leben der Menschen hier, die das Dorf erst vor 10-15 Jahren verlassen haben. Wenn man bedenkt, dass diese Dörfer bis zu 900 Jahre alt sind, ist das schon faszinierend. Wir sehen halbwegs gut erhaltene Wohnräume, die Überreste einer Koran-Schule, eine Oliven-Mühle und die Moschee. Der Rundgang dauert länger als erwartet und als wir wieder bei unseren Moppeds sind, ist es schon 16:00. Der Tag wird uns zu kurz, soviel steht jetzt schon fest. Gestern hatten wir noch in Erwägung gezogen, am Ende unserer Tour durch die DAHAR-Berge vielleicht noch nach DJERBA zu Dete zu fahren, aber wir werden nicht mal mit unserem Tagesplan bis MATMATA fertig.

GHOMRASSEN lasen wir entgegen ursprünglichem Plan links liegen, das wäre auch nochmals eine alte Siedlung.

Nächster Halt ist KSAR HADADA; der Ksar, in dem George Lucas im dritten Teil von Star Wars 1997 die Stadt ?......? entstehen ließ. Der Komplex war schon einmal touristisch erschlosen, als eine Art Hotelanlage, zugegebenerweise sehr originell. Diese Zeit ist aber wieder vorbei und seither verfällt die Anlage mehr oder weniger, einige wenige Gebäude sind gut erhalten und gepflegt. Wir halten uns nur kurz auf, nach den schon gesehenen Originalkulissen von MOS EISLEY kann uns diese etwas aufgeputzte Variante nicht so recht begeistern.

Wir halten auf BENI KHEDDACHE zu und versuchen vor dem Besuch von MATMATA noch die Speicherburg KSAR HALLOUF zu finden. Die Straße endet aprupt und geht in holprige Piste über, die durch ein kleines Tal in die Berge führt. Nach 12km erreichen wir eine kleine, verstreut liegende Siedlung aus vielleicht 20 Häusern und über einen steilen, kurvigen Fahrweg geht es noch kurz die Anhöhe zum Ksar hoch.

Von aussen sieht dieser Ksar komplett verlassen aus, aber als wir in den großen Innenhof einfahren und unsere Moppeds abstellen, kommen zwei Personen, ein junges Pärchen, auf uns zu und begrüßen uns freundlich.
Der Größteil der Mauern ist stark verfallen, aber ein Abschnitt sieht solide und etwas restauriert aus.
Nach der üblichen Begrüssungs-Floskel-Austauscherei erfhren wir, dass man hier um wenig Geld übernachten kann, vier oder fünf Speicherräume sind als Matratzenlager adaptiert. Ja, und essen können wir auch hier. Das sieht zwar alles hier nicht nach Küche und Wirtschaft aus, aber der Preis von TD 17,- p.P. für Quartier, Abendessen und Frühstück ist unwiderstehlich ;-)
Und aussergewöhnlich und originell ist es hier allemal! Wir lassen uns die Schlaflager zeigen, natürlich sehr einfach, aber ok. Daneben die Duschen und das WC, auf den ersten Blick schlimm, aber da haben wir schon Anderes gehabt... Zum Essen könnten wir Couscous bekommen, das würde noch zubereitet werden. Wir sagen zu, quartieren uns ein und bekommen dann das Angebot, mit den Beiden gemeinsam zu Abend zu essen, was wir natürlich gerne annehmen.

Bis dahin spazieren wir in der Gegend herum, sehen uns die ärmlichen Überreste des Marabuts am Hügel oben an und nehmen noch eine Dusche.Ein nacktes Rohr an der Decke des Ghorfas (so heissen diese Speicherräume), kahler Steinboden ohne Abfluss und sonst gar nichts. Sehr spartanisch.

Das Wasser fließt sehr spärlich und so beschließe ich, mir nur mal schnell den Staub vom Leibe zu spülen. Denn was, wenn ich mich einseife und das Wasser ist dann aus...? Aber was soll´s, wird schon nicht so sein. Mit Shampoo gehts doch besser und so kommt es, wie (nicht) erwartet: kaum bin ich eingeseift, beginnt die Dusche zu röcheln und verstummt dann ganz. Hach, wie liebe ich sowas. Ich warte ein bisschen zu, wasche mich ob der Zeit besonders gründlich, aber das Wasser kommt nicht mehr...

Was solls, es ist ja auch ein WC im Raum daneben, das hat einen Spülkasten und darin ist Wasser :-)
Roberti, nicht fad, spült sich aus dem Spülkasten die Seife vom Körper; etwas ungewöhnlich, aber es funktioniert besser als die nicht funktionierende Dusche.
Als ich fertig bin und Jack diese lustige Episode erzähle, fließt auch das Wasser wieder und Jack´s Abend ist gerettet.

Es wird 20:00, das Ende des Ramadans wird im TV angekündigt und von der Moschee im Dorf ebenso; das Ende der Fastenzeit bedeutet die Erlaubnis, wieder essen UND trinken zu dürfen. Im kleinen Kämmerchen der Wirtsleute wird der Tisch gedeckt und es duftet lecker aus der Küche. Man darf dabei aber nicht ausser Acht lassen, dass die Frau des Hauses noch während der verbotenen Zeit die Speisen vor- und zubereitet, damit beim Verkünden alle Speisen bereits fertig bei Tisch sind!

Im 5m² kleinen Raum sitzen wir auf Teppichen um den kleinen Tisch. Es gibt gefüllte Datteln (mit einer Art Rahm), dazu saure Milch; dann eine Suppe mit viel Gemüse und Getreide drin. Brick, gefüllt mit Gemüse und Ei (eine Art frittierte Teigtasche, etwa wie eine 1x gefaltete Palatschinke). Jetzt kommt zwischendurch eine kleine Portion etwas ähnlich wie Harissa, aber bei weitem nicht so scharf, nur pikant. Dazu Brot. Zu guter letzt die Hauptspeise, Couscous mit Huhn und Gemüse (Karotten, Kartoffel, nochetwas, rote sauscharfe Pfefferoni). Zum Abschluss werden kleine Teigröllchen, in Honig eingelegt, seviert. Alles schön Gang um Gang aufgetischt. Nebenbei läuft im kleinen Fernseher (mit grausam schlechten Bild) eine tunesische Spiele-Show und unsere beiden Gastgeber haben viel Spaß daran. Manchmal frage ich mich, ob die beiden die Texte im Bild wirklich lesen können oder die Spielsummen einfach schätzen - ich kann nichts, aber auch gar nichts im Bild erkennen...

Das Essen war sehr gut und mehr als ausreichend. Wir sitzen noch ein Weilchen in der Runde zusammen, die Beiden sind wirklich sehr nett und Jack unterhält sich ganz gut, soweit seine Schul-Französischkenntnisse eben reichen. Ich sitze einfach nur da, höre zu, kann mir auf manche Sätze einen Reim machen und genieße die Situation. Es isr sehr schön, so gastfreundlich von fremden Menschen in einer fremden Kultur empfangen und bewirtet zu werden.

Wir erfahren, dass wir seit über zwei Wochen die ersten Gäste hier sind.

Nach dem Essen sitzen wir beissammen, zeigen die Fotos in unseren Kameras her und klettern auf den Dächern herum, um Stellen mit Handy-Empfang zu finden. Dann verabschieden sich unsere Gastgeber, sie müssen noch ins Dorf hinunter, einige Sachen erledigen. Wir sollen es uns nur gemütlich machen; der Kühlschrank ist offen und wir können tun und lassen, was wir wollen.

Es herrscht absolute Ruhe hier heroben. Unten im Dorf brennt in wenigen Häusern Licht, zu hören ist ausser einigen entfernten Stimmen gar nichts. Wir sitzen mitten in einer Speicherburg aus dem 13. jahrhundert und fühlen uns wie Burgherren!

Eine gute Entscheidung, hier Quartier zu machen.

(seine) Adresse des Pärchens:
Amis Ben Amor
Ksar Hallouf / Beni Kadech
4110 Medenine


Mi, 27.9. Ksar Hallouf - Kairouan 328km



Die Nacht war nicht ganz ruhig; zuerst die immer und überall bellenden Hunde und als dann endlich Ruhe war, hatten wir eine Maus bei uns in der Kammer, die mit ihrem hektischen herumgetripple auf den Bastmatten für ziemliche Unruhe sorgt. Licht an, Rucksäcke an Nägeln an der Wand hochhängen, etwas herumklopfen und vorbei ist der Spuk. Leider kläffen später die Hunde wieder nervend... Oropax sei Dank, irgendwann schlafe ich ein und gut.

Irgendwann strahlt die Morgensonne in unsere Kemenate und treibt uns aus den Federn.
Um 8:00 bekommen wir Frühstück serviert, bald darauf fahren wir los.

Die Strecke bis MATMATA ist ausgesprochen schön. Gut asphaltiert (nur die ersten km ab dem Quartier waren noch schöner Schotter) führt sie durch die Berge, an deren nördlichen Ausläufern sich die "Höhlenstadt" MATMATA befindet.

Wie erwartet, extrem touristisch. Keine Chance, den aufdringlichen Typen zu entgehen. Damit wir endlich Ruhe haben, nehmen wir uns einen Führer für TD 10,- und gehen los. Mehr lustlos als sonstwas bringt er uns in eine "Berber-Wohnhöhle", die natürlich wunderbar sauber, ordentlich und mit altem Hausrat eingerichtet ist. Touristisch eben. Dann noch eine verfallene Höhle, die als Stall benutzt wird. Und vom Rand oben zeigt er uns noch die "Star-Wars"-Höhle. Das wars. Keine 20 Minuten hat das gedauert, liegt ja alles unmittelbar nebeneinander; das hätten wir wohl selbst auch gefunden...

Schnell sind wir wieder bei unseren Moppeds und fahren weiter. Ich hasse solche Plätze und diese nervigen, aufdringlichen Menschen.
Der Rest der Tagesstrecke ist reine Fahretappe: GABES - SKHIRA - KAIROUAN mit 2x Kaffee- und Tankpause. Absolut trostlose Gegend.
Die letzten 25km vor KAIROUAN sind scheinbar rote-Pfefferoni-Anbaugebiet; alle Häuser entlang der Strecke sind über und über mit langen Pfefferoni-Girlanden behangen. Bäume, Strommasten, Autos, Oberleitungen - überall hängen die gefährlich scharfen Biester; Tonnen liegen am Boden herum, jeder Pickup ist zum Bersten voll beladen mit diesen Dingern. Das erklärt mir, warum es zu jeder Mahlzeit Harissa gibt - sie haben ja genug davon!

An der Strecke auffallend viele Fahrzeuge mit Pannen; die meisten verlieren einen Reifen, manche auch gleich zwei ;-)
aber der Hit des Tages war ein LKW: Zugmaschine steht (fast) auf der Fahrbahn, der Aufleger schräg im Graben, daneben im feld liegt der (vor kurzem wohl noch geladen gewesene) Container auf der Seite...

Um 18:00 erreichen wir KAIROUAN und quartieren uns im Hotel "Tunisia" ein.
Doppelzimmer inkl. Frühstück TD 40,-
Abendessen in einem der Gassenküchen: Suppe, Brik, Spaghetti mit Lammfleisch, Cola, Kaffee, alles sehr lecker für TD 15,50


Do, 28.9. Kairouan - Hammam Lif 212km



Haben gut geschlafen, obwohl das Hotel Tunisia an einer stark befahrenen Straße liegt und dementsprechend laut ist. Allerdings auch sehr zentral, zum Zentrum und der Altstadt sind es nur wenige Schritte. Das Hotel "Sabra" wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen, dieses liegt unmittelbar visavis zum Tor in die Medina und vom Verkehr her viel ruhiger.

Das Frühstück ist spartanisch und die in jeder Etage eingerichteten "Frühstücksräume" haben den Charme von fensterlosen Abstellkammern...

Weil wir nicht wissen, wie lange unsere Tour durch die Medina dauern wird und das Zimmer aber ab Mittags geräumt sein muss, packen wir unsere Sieben Sachen schon fertig, deponieren sie bei der Rezeption und ziehen in leichten Klamotten los in die Altstadt.

Es ist sehr wenig los, viele der Marktstände und Läden haben wegen des Ramadans geschlossen, nur die Handwerker sind eifrig. Wir sehen Schuster, Tischler, Weber, Schlosser und Schmiede und allerlei andere Arbeiter und können uns auch ziemlich unbehelligt bewegen. An einer Moschee kommen wir mit einem Mann ins Gespräch der hier arbeitet und sofort zündet der Fremdenführer in ihm durch. Bis mittags habe er Zeit und so haben wir wieder einen Guide. Er ist aber gar nicht so schlecht, erzählt ziemlich viel, führt uns durch die halbe Altstadt und bringt uns bis zur großen Moschee. Dort verabschiedet er sich, er muss nun wieder zurück zur Arbeit.
Bis hierher haben wir schon sehr schöne Gebäude gesehen, z.B. den Sultanspalast mit seinen 17 großartig ausgestatteten Räumen. Manche Bauwerke wären zur Zeit des Ramadan gar nicht öffentlich zugänglich, aber mit Guide kommen wir doch meistens hinein.

Im ehemaligen Sultanspalast ist eine exquisite Teppichknüpferei untergebracht und da ich ohnehin einen kaufen wollte, habe ich auch ausnahmsweise nichts gegen die sich "zufällig" bietende Gelegenheit. Es wird uns viel gezeigt und erzählt und der Teppich, der mir gefällt, war schon unter Ersten. Die Preise erscheinen mir ganz passabel, aber ich habe ja auch nicht wirklich eine Ahnung davon ;-)

Auch Jack wird fündig und so kaufen wir für etwa € 150,- drei schöne (kleine) Teppiche ein.

Es gibt auch viel größere, ganz tolle Stücke: so 2x3m kosten etwa € 200,- bis 300,- und nach oben gibt es scheinbar kaum Grenzen; vor allem, wenn man zur Seide greift, ein kleiner Motiv-Teppich etwa 50x80cm liegt schon bei € 600,- und hat schon eine Million (?) oder mehr, ich kann mich nicht mehr erinnern (?) Knoten.

Wir bekommen unser Erstandenes "moppedgerecht" klein und gut verpackt, werden freundlichst (wen wunderts?) verabschiedet und ziehen weiter.
Nächste Station ist eine Art Informations-Center, wo es eine Video-Show über die Geschichte Kairouans zu sehen gibt; Dauer etwa 15min und nicht uninteressant. Und: ein ganzes, wenn auch kleines, Kino nur für uns! Anschließend dürfen wir aufs Dach des Gebäudes, von wo man einen wirklich tollen Blick über die Stadt hat.

Weiter gehts nach Norden, zu den AGLABIDEN-Becken. Diese riesengroßen, kreisrunden und 5m tiefen Becken (das Größte misst 128m im Durchmesser) wurden schon im 8. Jhdt. zur Wasserversorgung der Stadt angelegt, sind heute aber nicht mehr in Gebrauch.

Danach schwenken wir wieder Richtung Hotel und ziehen nochmals durch die Medina und über den mittlerweile stark frequentierten Marktplatz. Wir werden von Männern angequatscht und lassen uns in ein Cafe führen, in dem wir die einzigen nicht-tunesischen Gäste sind; hinter uns wird die Türe sorgfältig verschlossen. Merkwürdig? ja, schon. Hat aber einen triftigen Grund: es gibt doch Muslime, die es nicht gar so genau nehmen und auch zur verbotenen Zeit gerne Kaffee und Zigaretten genießen. Und das darf natürlich keinesfalls öffentlich sein.
Wir bekommen ungefragt ein eigenartiges Getränk vorgesetzt, so wie dick eingekochte Milch, mit starkem Vanille-Geschmack und irgendwelchen (kandierten) Fruchtstücken drin, das Ganze brennend heiss im Glas. Dies sei eine Spezialität Kairouans und werde normalerweise nur abends beim Kartenspiel im Café serviert. Die Zubereitung sieht ziemlich nach traditionellem Prozedere aus, der Typ hinter der Schank (mit den vielen, penibel blank polierten Teekesseln!) scheint damit sehr gewissenhaft beschäftigt zu sein. Schmeckt ganz gut, erinnert mich irgendwie an Pudding - obwohl, das war jetzt sicher nicht die angebrachte Wertschätzung für dieses Dings.

Zurück im Hotel packen wir unsere Moppeds fertig - die wir direkt vor den Augen des Wächters, neben dem Eingang, am Gehsteig parken "mussten" und fahren ab, unsere letzte Etappe zurück nach HAMMAM LIF. Die Gegend ist wieder ziemlich eintönig und die Freilandstraße zieht sich schnurgerade dahin.

Wir erreichen die antike Stätte THUBURBO MAJUS, welche sich aber in keiner Weise mit BULLA REGIA messen kann. Nach einem kurzen Rundgang ziehen wir wieder los und fahren auf kleinen Nebenstraßen Richtung ZAGHOUAN. Dort biegen wir auf eine ganz kleine Straße ab, die über EZZIT durch hügelige, schöne Landschaft nach MORNAG führt. Endlich wieder ein bisschen Fahrspaß, fast 40km links-rechts-rauf-runter und kein Verkehr!

Gegen 18:00 erreichen wir HAMMAM LIF und finden erst im zweiten Anlauf zum Campingplatz. Ab hier bis TUNIS ist es nurmehr ekelhaftes Großstadt-Randgebiet; schmutzig, stinkend, laut, heruntergekommen. Der Campingplatz am Meer ist die letzte ruhige Oase.

TD 8,- p.P.


Fr, 29.9. Hammam Lif - La Goulette 27km



9:00 packen, Abfahrt. Hinein in die Hauptverkehrszeit. Zur kleinen Fähre nach RADES, bald darauf sind wir in TUNIS am Hafen. Endlich wieder lästige Menschen! Souvenirs? Kaufen? Wechseln? Schenken? Nervt mich doch nicht! 15 Typen stehen hintereinander, 15 Typen fragen das selbe, 15 Typen fordern unser angespanntes Nervenkostüm. Ihr seid ja ärger als ein Sack Läuse!

Geldwechsel in der Bank: am ersten Schalter werden die Daten erfasst und kontrolliert; Pass, Scheckkarte und Abhebe-Beleg vom Automaten werden akribisch verglichen! Danach werden alle Papiere und das rückzuwechselnde Geld zum nächsten Schalter durchgereicht - nur der nette Herr, der eben noch arbeitslos in diesem seinen Kämmerchen saß, hat just jetzt gerade woanders zu tun (oder Pause...) und schließt den Schalter. Das ist wieder voll typisch afrikanisch. Warten. Oh, endlich ist er wieder da! Alle Zettel, Belege, Formulare, Scheckkarte und Pass werden wieder kontrolliert... Jaja, da hätte sich doch durchaus was ändern können, auf dem Weg von Schalter zu Schalter... Oder? ... endlich fertig.

Jetzt noch Passkontrolle, Zoll, weitere 17.000 Formulare und Kontrollen und Stempel und...

Um 11:00 stehen wir endlich an der Front, an der Mole - aber keine Fähre ist da. Die hat ein wenig Verspätung.
Statt um 14:00 laufen wir letztendlich erst um 15:30 aus.
An Bord zahlen wir wie schon bei der Anreise € 62,- auf eine Kabine auf, bekommen diesmal aber eine Innenkabine, das Schiff ist ziemlich ausgebucht.

So, Tunesien, das wars fürs Erste. Tschüss!


Sa, 30.9. Genua - Wien 997km



Um 11:30 läuft die Carthage in Genua ein, durch die höhere Geschwindigkeit (46-47km/h) haben wir einen Gutteil der Verspätung wieder wettgemacht.
Raus aus den Tiefen des Schiffsrumpfes, noch kurz mit Mitreisenden geplaudert, die Gruppe um Jörg mit dem Landy, die wir in Douz getroffen haben, ist auch da, um 13:00 fahren wir ab.

Das Wetter passt, die Zeit ist gut, somit steht für uns fest: Durchmarsch heimwärts, soweit möglich.

Letztendlich sind wir nach 4 Tankstops um 19:00 an der Grenze und um Punkt Mitternacht daheim. Es war schon etwas kühl, über die Pack hatte es nur mehr 11°C.

Maut Italien: € 30,- (7,70 / 10,80 / 11,50)
Sprit Italien: € 1,26 Senza Plomba


Wahnsinn. Warum schreib ich immer so viel? Das Tippen ist ja extra mühsam... Laut Texteditor 98593 Zeichen...

Und wo gehts das nächste Mal hin??? jajaja? Wann?


Notizen:

Schwarzkopf Jürg
Bifangstraße 26b
CH-5022 Rombach
juerg_schwarzkopf(ät)bluewin.ch

HASSEM aus Douz
Pizzaria Sta. Lucia
20., Brigittaplatz

Marokko 200x:
eventuell mit dem Reisezug bis Narbonne oder mit dem Auto bis zu französisch/spanischen Grenze und dort auf Dete treffen (entschärft das Anreiseproblem etwas)
das wären dann etwa 5 Tage Anreise / 14 Tage Marokko / 5 Tage Heimreise