27.4.-4.6.2010 Griechenland mit dem Mountainbike



Die Vorbereitungen...:

...gestalten sich etwas anders als sonst; in die beiden Ortlieb-Taschen passt nicht ganz so viel wie in die beiden Motorrad-Koffer.
Aber eigentlich klappt es gar nicht so schlecht, voluminös ist nur die warme Bekleidung für die Tage im Norden.
Dann noch ein paar Fahrrad-Ersatzteile, viel Traubenzucker, Magnesium, Isostar-Tabs und Riegel. Die Dinge, die ich für die letzten (Bade-)Tage in Galini benötige, bringt Petra mit.

Gebucht habe ich Fähre Venedig-Igoumenitsa, 4-Bett außen, und Flug Heraklion-Wien, mit Fly Niki.
Petra kommt am 24.5. nach und am 4.6. fliegen wir gemeinsam nach Hause zurück.


Di, 27.4.                    Wien-Celje

Am frühen Nachmittag fahren wir los, alles Gepäck und das MTB sind im Passat verstaut. In Celje gehen wir nett essen und verkünden Metka und Renato offiziell unsere Verlobung.
Ja und Oma Olga  besuchen wir natürlich auch!

Die Nacht schlafen wir relativ schlecht; wir sind beide etwas aufgeregt, weil wir uns jetzt ja doch vier Wochen lang nicht sehen werden.
Petra zeigt es zwar nicht so, aber ich glaube, ihr geht es nicht gut bei dem Gedanken daran.


Mi, 28.4.                    Celje-Venedig

                                        

Zeitig stehen wir auf und frühstücken alle gemeinsam; Baby ist schon sehr unruhig…

Planmäßig um 8:00 fahren wir aus Celje los und erreichen so gegen 11:30 Venedig. Mit dem Auto dauert es auch etwas länger durch das Hafengebiet zur Fähre als mit dem Motorrad, aber wir sind gut in der Zeit. Am Hafen das Rad aufsatteln, Petra fährt mit dem Auto nach Hause. Wir sitzen bis zur letzten Minute vor dem Schiff an der Mole, aber als nur noch 2 LKWs zum Einschiffen bereit stehen,  ist es auch für uns Zeit, Abschied zu nehmen. Meinem Baby fällt es sichtlich schwer und auch mir drückt dieser Moment sehr auf die Seele… Ich bin doch sehr in mein Baby verliebt!

Hinein in den Bauch der Fähre (Sofoklis Venizelos), das Rad irgendwo abstellen und zur Rezeption. Ich fasse mir ein Herz und frage nach einer Kabine alleine – habe mir folglich zwar eine Predigt anhören müssen, aber trotzdem die 4-Bett-Kabine außen für mich alleine bekommen – „ausnahmsweise“
Das Wetter ist entgegen der letzten Tage und Wochen endlich sommerlich, die Sonne knallt bei 25°C vom strahlend blauen Himmel und ich muss aufpassen, nicht gleich am ersten Tag einen Mega-Sonnenbrand zu kassieren!
Was mich aus den Socken haut, das Bier an Bord (0,4) kostet mittlerweile € 4,20! Sind die bescheuert?!?
Der Nachmittag plätschert so dahin. Ein bisschen in der Sonne sitzen, dann wieder in einer schattigen Ecke ein Stündchen oder zwei ruhen…
„Standard-Abendessen“: Gyros me Pita – Teller (Portion € 7,50). Aber das muss sein, ist halt die richtige Einstimmung.
Um 18:00 ist es noch immer verdammt heiß in der Sonne; der Wind aber ist, im Schatten, ziemlich kalt. Am Horizont, in ca. 60km Entfernung, verschwindet die Silhouette von Cres im Dunst.
Am Abend sitze ich über der Karte. Ich bin mir immer noch nicht sicher, welche Strecke ich von Metsovo nach Pezoula nehmen soll: über Haliki, Polithea und Pertouli durch die Berge, oder über Kalambaka durchs Flachland…
Auf alle Fälle brauche ich morgen in Igoumenitsa eine Tourist Information, denn ich habe auch noch keine Ahnung, ob es denn in Vrossina irgendeine Unterkunfts-Möglichkeit gibt.
Falls nicht, wird der erste Tag gleich ein ganz Langer, bis Ioanina.


Do, 29.4.                    auf der Fähre

                                        

8:00 Frühstück auf hoher See.
Etwa auf Höhe Flora/Albanien, noch ca. 200km bis Igoumenitsa. Dichte Wolken am Himmel, nur dazwischen scheint etwas Blau hervor. Aber links vorne, also in der „richtigen Richtung“, ist der Himmel über dem Meer tiefgrauschwarz… Regen in Aussicht. Aber es sind ja noch ein paar Stunden bis zur Ankunft!

12:30 Zwischen Korfu und dem Festland.
Der Regen ist vorüber, es sieht wieder viel freundlicher aus. Eine Stunde noch bis Igoumenitsa!

Es dauert wieder ewig lange, hinunter von der Fähre; als Letzter hinein, als Letzter hinaus. Nicht mal zu Fuß, also ohne Rad, ist teilweise an ein Durchkommen zwischen den geparkten LKWs zu denken, so dicht sind die in der Fähre verparkt. Man muss sich den Weg wie durch ein Labyrinth suchen – vor, zurück, links, rechts…
Ich fahre direkt zum Hotel Egnatia und bekomme auch prompt ein Zimmer. Viele Gäste gibt es hier zur Zeit sowieso nicht. Das Hotel ist alt und einfach, aber relativ günstig; das Fahrrad kann ich in einem Nebenraum einstellen, da ist es sicher und gut aufgehoben.

Viel habe ich hier in Igoumenitsa nicht zu tun, also schlendere ich einfach in der Stadt herum – es gibt aber auch nicht allzu viel zu sehen. Hier ist der Himmel wolkenlos blau und es ist ganz angenehm, vom Meer her weht aber ein kühler Wind. Ohne Jacke wäre es zu kalt. Und landeinwärts über den Bergen hängen dicke, fette dunkle Wolken. Na hoffentlich…
Ich spaziere den ganzen Nachmittag durch die Stadt, so viel Zeit hatte ich hier noch nie!
Im Cafe am Hauptplatz bekomme ich zu jedem kleinen Bier eine Portion Meze und das dämpft meinen Appetit fürs Abendessen ganz schön. Trotzdem kehre ich später in so eine kleine Grillstube ein und wage mich über ein Kokoretsi. Es schmeckt ausgezeichnet und ist eine riesen Portion, ausreichend für Zwei!
Kokoretsi: € 6,80 (super gut und Portion für 2)
Amstel: € 2,30 / 0,5

Der Wanst ist voll, die nötige Bettschwere stellt sich auch ein und so werde ich mich langsam in mein Zimmerchen  zurückziehen. Morgen will ich um 7:00 losfahren, ob das gelingt…? Wenn alles klappt, dann schaffe ich es bis Ioanina bzw. Perama.

Hotel Egnatia: EZ ohne Frühstück € 28,-


Fr, 30.4.                    Igoumenitsa-Polidoro                    (60km/1000Hm/5:50)

                                        

6:00 aufstehen, 7:00 Abfahrt.
Rad satteln, zum Bäcker Frühstück und Wasser kaufen, dann geht’s los.

Die ersten 30km laufen locker dahin, es ist sonnig aber schön kühl und sehr angenehm zu fahren. Nur die Schaltung macht Zicken, die lässt sich einfach nicht richtig einstellen; ich kann hinten nur 2-3 Gänge nutzen, sonst muss ich am Seil nachjustieren. Das nervt. Ich habe doch nur die Schalthebel getauscht, was ist denn da los???
Es geht flott voran, doch dann kommt der erste „richtige“ Berg, der erste Leistungstest: 15km und 500Hm, bevor es genauso lange wieder hinunter geht nach Vrossina.
Es wird auch immer wärmer, die Sonne knallt herunter und meine Trinkflaschen leeren sich zusehends; irgendwann ist „tote Hose“ in meinen Vorräten und ich bin noch immer nicht oben angelangt… Dann begegnet mir auch noch eine Herde Kühe auf der Straße – ich steige vorsichtshalber ab und schiebe, denn ich habe 2008 schlechte Erfahrung mit diesen Biestern gemacht! Aber diesmal scheine ich ihnen egal zu sein, ich werde von den neben und auf der Straße liegenden Viechern nur etwas argwöhnisch beobachtet. Endlich, nach endlosen Kehren unter praller Sonne, erreiche ich den Pass.
Hier parkt ein Camping-Bus mit MZ-Kennzeichen, die haben mich vor einiger Zeit überholt. Familie Fidi aus Mariazell! Wir plaudern ein Weilchen ganz nett, sie helfen mir mit einer Flasche kaltem Wasser aus dem Kühlschrank aus und es gibt auch leckeren Lebkuchen vom Pirker

Die Zeit vergeht, schnell ist eine Stunde um und mir ist klar, dass aus Ioanina heute nichts mehr wird. Die nächsten 15km geht es nun schön bergab bis zur kleinen Ortschaft Vrossina. In einem Cafe frage ich nach Unterkunft, aber hier gibt es leider – wie ich vorher schon befürchtet hatte – nichts, gar nichts. Ein Gast sagt mir aber, dass es in Polidoro, ca. 10km von hier, ein Hotel gibt, das Einzige hier in der Gegend; also auf und hin! Leider liegt dieser kleine Ort wieder etwas oben in den Hügeln; nach ein paar Kilometern geht es von der Hauptstraße wieder bergauf, so etwa 4km und 300Hm, also ganz schön steil. Stellenweise ist die schmale Nebenstraße dann so steil, dass ich absteige und schiebe - und ich bin dabei nicht mehr viel langsamer…

Um 14:30 erreiche ich die Ortschaft Polidoro und tatsächlich, direkt am kleinen Hauptplatz gleich neben der Kirche, steht das Hotel & Taverne Polidoro. Juhuu!
Die Taverne ist voll besetzt, mit einer Beerdigungsgesellschaft, so scheint es. Prompt werde ich angesprochen, das sind aber auch neugierige Menschen hier, hihi
Das erste Bierli zischt und die erste Zigarre schmeckt!
Der Wetterbericht für die kommenden Tage sieht gut aus: 9°C/26°C, Sonne!
Abendessen: zur Auswahl stehen Lamm, Schwein, Salat, Patates. Ich entscheide mich für das Schweinchen und es war sehr lecker! 5(!) magere Scheiben Bauchfleisch vom Grill, dazu ein Teller Pommes und der der Einfachheit halber bestellte Tomatensalat mit Zwiebel ist dann quasi ein riesen Greek Salad nur ohne Feta. Mampf!

Hotel Polidoro, Zimmer mit Frühstück € 30,-
(groß mit Balkon; 3 Betten, schön heiße Dusche)
Abendessen € 4,50 (!), Salat € 2,10, Bierli € 1,80


Sa, 1.5.                    Polidoro-Perama                    (45km/740Hm/3:50)

                                        

Das Frühstück ist genauso üppig wie das Abendessen.
Die üblichen Marmelade- und Butterportionen, dazu aber offener Honig, frisches Brot und eine Eierspeise aus mindestens 4 Eiern!
Und Filterkaffee!

Die ersten km geht´s flott zurück hinunter ins Tal des Thiamis, so früh und bergab im Wald ist es bei 9°C doch noch sehr kühl. Keine 10km weiter, gleich nach der ersten Anhöhe, quietscht sich ein schwarzer Polo neben mir ein, öffnet das Fenster – und gibt mir meinen Pass! Den hab ich heute Früh doch glatt vergessen…

12:00 27km, am Pass auf 670m Seehöhe. Puh, das hängt sich ganz schön an.
Zwei Sachen schränken mich massiv ein: die sch..ss Schaltung, die sich nur auf einen Gang wirklich glatt einstellen lässt; bei allen anderen läuft sie unruhig, springt oft und ich mache mir echt Sorgen wegen der Kette – auf Dauer hält sie das keinesfalls aus. Beim Fahren ist es natürlich sowieso ein Schmarrn. Hoffentlich gibt es in Ioanina ein gutes Fahrradgeschäft, dann montiere ich XT-Hebel. Falls nicht, habe ich weiterhin nur 3 Gänge…
Und mein Arsch. Der tut heute höllisch weh. Jeder km ist eine Qual. Aber irgendwann müssen sich sattel und Hinterteil doch aneinander gewöhnen, oder…?
Von jetzt an geht’s bergab! Klingt schön, ist es aber praktisch nicht: denn weiter nach Metsovo muss ich jeden einzelnen Hm wieder hoch und noch viele mehr…

13:00 Ioanina. Ich fahre zum Campingplatz und frage, ob es denn eine Möglichkeit gibt, irgendwo drinnen mit dem Schlafsack zu nächtigen, aber leider – eh wie zu erwarten – nicht.
Also fahre ich weiter die paar Km nach Perama, dort soll es günstige „Rooms“ geben.
Perama ist ein kleines Nest, aber berühmt wegen der Tropfsteinhöhle mitten im Ort. Hier ist jedes zweite Haus ein „Rent Rooms“ und die Häuser dazwischen sind Tavernen oder Snack Bars.
Leider überall die selbe Auskunft: „Oh, here and in Ioanina, everything´s full“!

Es ist Freitag, ein langes Wochenende und auch die Griechen urlauben gerne. Bevor ich wieder zurück nach Ioanina fahre klappere ich noch eine Runde durch die Hintergassen von Perama und werde tatsächlich fündig. Ein kleines Zimmer, ebenerdig, Fenster in den Lichthof - € 35,- uups! Aber mehr scheint hier nicht möglich, ich habe auch nicht wirklich eine Wahl, brauche ein Zimmer. Und hinter mir kommen schon die nächsten zwei PKWs mit griechischen Touris auf Herbergssuche – also ja, nehmen!
Weil ich drei Tage bleibe, geht er mit dem Preis auf € 30,-/Nacht/ o. F.  hinunter.

Mein Allerwertester braucht wirklich Erholung (habe mir in der Apotheke gerade eine Fußcreme besorgt) und außerdem brauche ich unbedingt einen Fahrrad-Shop oder Werkstätte. Hoffentlich gibt es das hier, sonst muss ich mit meinen drei Gängen das Auslangen finden, was mir aber ganz sicher keinen Spaß bereiten wird.

Ich glaube, die Strecke von Ioanina nach Perama war das erste ebene Stück Weg! Sonst ging es immer nur bergauf/bergab.
Und genauso verhält es sich mit der Temperatur, es wechselt ständig zwischen sehr heiß und unangenehm kalt.

Nachdem ich mich häuslich eingerichtet, geduscht und mir dabei eine Verbrühung am Unterarm (Blasenbildung!) zugezogen habe, relaxe ich erst mal in einer der vielen kleinen Snack Bars, gleich ein Stück die Gasse hinunter. Im TV läuft tonlos ein griechisches Tanzfestival (Ipiros TV), aber es lockt mich wegen der Musik: Purple, Sabbath, Zeppelin und vieles mehr in der Art! Also nichts wie hinein, auf ein Bierli und einen Ouzo. Das Amstel und Meze (Loukaniko) schmecken echt lecker, in der zweiten Runde kommen auch kleine Stückchen Toast dazu, das lobe ich mir! Das ist eine Gepflogenheit, die ich nur von hier, Griechenland, kenne: in bestimmten Lokalen (Cafes, Bars) bekommt man zu alkoholischen Getränken immer kleine Häppchen serviert. Die Palette ist vielfältig, reicht von Chips & Nüssen über gesalzene Gurken- und Tomatenstückchen bis hin zu gebratenem Fleisch, Fisch und Würstchen mit diversen Beilagen, jeweils als mundgerechte Portionen. Zwei Getränke im richtigen Lokal können ein Abendessen ersetzen, hihi

Aber mein Baby fehlt mir!!!


So, 2.5.                    Perama/Ioanina                    (20km/130Hm)

                                        

Lange schlafen, bis halb neun; wirklich sehr ruhig hier. Aber der ganze Ort scheint geschlossen zu sein, die einzigen Menschen in den Gassen sind unterwegs zur Kirche. Kein Kafenion, kein Bäcker, kein Minimarket, gar nichts hat geöffnet. Also setze ich mich auch vor der Kirche in die Morgensonne und döse vor mich hin. Ein bisschen später ziehe ich eine Runde durch das Dorf und siehe da, es lebt! Langsam schlüpfen sie aus ihren Löchern!
Ich gönne mir eine Spanakopita vom Periptero (€ 2,40 huch!) und ein Cola und gehe langsam zurück in das kleine Cafe von gestern Abend auf einen Nescafe. So beginnt der Tag entspannt!

12:00 hab mich ein bisschen mit der Schaltung beschäftigt und sukzessive alles vom Hebel bis zum Werfer gelöst und komplett neu eingestellt.
Ja, es war doch wohl eine Einstellungssache, es läuft scheinbar wieder rund (muss aber erst testen)!!!
Yepp! Brave Schaltung, funktioniert wieder, die Berge sind gerettet, Flachland ade!

Heute habe ich auch erfahren, warum Zimmer hier gerade Mangelware sind: in Ioanina findet dieses Wochenende irgendein internationaler medizinischer Kongress statt und deswegen ist ganz Ioanina & Umgebung hoffnungslos ausgebucht! Da gefällt mir mein Kategorie „G“-Kämmerchen gleich wieder uur-super!
Am Campingplatz hab ich gefragt, ob die Fidi´s noch hier sind, aber laut Buch waren die überhaupt nicht da, werden es sich wohl anders überlegt haben.
Dann bin ich eine wirklich ausführliche Runde durch die Altstadt von Ioanina. Absolut schön, interessant und sehenswert. Ich war nun schon vier oder fünf Mal hier, hatte aber noch nie ausreichend Zeit und/oder Interesse dafür.
Die Popo-Zwangspause hat also auch etwas Gutes! Die alte Festungsanlage mit der Moschee und ihren engen Gassen entlang und um die wuchtige Stadtmauer sind allemal einen Rundgang wert. Stellenweise fühlt man sich 300 Jahre zurückversetzt in die Zeit der Türkenherrschaft. Aber es ist auch extrem viel los hier; an der Ufer-Promenade reiht sich Taverne an Taverne und in den Gassen zum See herunter klebt ein Lokal am Anderen. Massenweise Ausflügler, aber kaum ausländische Touristen. Viele mehr als eine Handvoll offensichtlicher nicht-Griechen habe ich noch nicht gesehen.

Nach einem kurzweiligen Nachmittag in Ioanina sitze ich wieder im Cafe in Perama, aber hier ist echt voll tote Hose! Nicht einmal die sonst so gut besuchte Tropfsteinhöhle lockt Besucher an…
Ich fühle mich wieder wesentlich wohler, weil sich meine Leiden (Schaltung, Popsch) langsam auflösen. Noch ein bisschen hier sitzen, Frappe schlürfen, dann vielleicht ein Nickerchen… Uaaaah, bin ich müde…
Mit Baby telefoniert – so schön, deine Stimme zu hören… Ich liebe dich!

Toll auch die Kulisse am See. Die Festung mit der Moschee thront am Ende der kleinen Halbinsel, alles grün um den See, soweit das Auge reicht und im Hintergrund die schneebedeckten Gipfel des südlichen Pindos-Gebirges, deutlich höher als 2000m. Einfach schön.

Hier gibt’s wirklich „Rent Rooms“ wie Sand am Meer; heute ist großer Abreisetag, und morgen wieder sind wesentlich schönere Zimmer wesentlich billiger zu haben. Aber, besser dieses als keines. Punkt!
Am Abend sitze ich im großen Cafe „Petrino“, hier gibt es tatsächlich gratis W-LAN für die Gäste. Endlich kann ich meinem Baby schreiben und ein paar Fotos schicken!

Ach ja, und fast vergaß ich, folgende Gedanken zu erwähnen: Geduld ist unheimlich wichtig, und Ruhe.
Jetzt, hier, weil die Zeit gar so langsam vergeht. Am Rad, wenn es kilometerlang bergauf geht.
Immer schön langsam, Tritt für Tritt, kommt jeder Pass näher. Nur nichts überstürzen und zu schnell losfahren.


Mo, 3.5.                    Perama/Ioanina                    (25km/125Hm)

                                        

Ich hab zwar kein Haus am See, aber eine Parkbank tut es zur Not auch und auf dieser gibt es heute Frühstück. Der Bäcker hat wieder geöffnet, es gibt frische Spanakopita um € 1,20 (statt gestern die alte vom Periptero  um € 2,40) und Kakao dazu. Hier am See gibt es so viele verschiedene Vögel, das ist fast wie ein Tiergarten. Störche, Reiher, Enten (kleine, große, tauchende), Elstern, Schwalben und noch viele andere mir unbekannte Gattungen.
Vielleicht fahre ich später nach Ioanina hinüber und schaue mich doch noch nach einem Radgeschäft um. Eine bessere Rad-Unterhose als die Meine könnte nicht schaden.

Heute schmerzt mich mein gebrochenes Handgelenk (die Verletzung von Kreta/September 2009), an der Stelle der Arthroskopie und hin zum Handrücken.

13:00 - Ioanina. Aber die „boah, vielen“ Radgeschäfte, die mir gesagt wurden, habe ich natürlich nicht gefunden. Als ich schon ganz durch die Stadt bin und wieder am Weg zurück fahre – Bingo, ein kleines unscheinbares Fahrradgeschäft, etwas nach hinten versetzt, mir sind eigentlich nur die vielen am Gehsteig abgestellten Räder aufgefallen. Ein redseliger, jüngerer Bursche, der mich an den „Boss“ verweist. Fahrradhose? Aber ja, natürlich! Welche darf es denn sein? Shimano, mit Trägern und anatomisch geformter Gel-Einlage, ich darf sogar anprobieren. Passt, gekauft! Super, der Tag ist gerettet. Kostet zwar € 84,- aber was soll´s, ich brauche das Ding. Theodoro, der „Boss“, ist superfreundlich und nett, Geschäft und Werkstatt sind wirklich gut sortiert: Scott, Shimano, Cannondale, DT Swiss – alles was Rang und Namen hat! Damit habe ich hier absolut nicht gerechnet. Sicher das bestsortierteste Bike-Shop im Großraum Ioanina.
Und wo ich schon hier bin, bitte ich ihn auch, einen Blick auf die Schaltung bzw. die Kassette zu werfen; mir ist nämlich gestern noch aufgefallen, dass diese etwas Spiel hat und locker sitzt. Bingo II, die Kassette ist hinüber, Lager verschlissen. Deswegen läuft die Kette auch noch immer etwas unruhig. Ich bekomme eine SRAM-Kassette montiert und die Kiste schnurrt wie neu! Super! Danke! Kassette inkl. Montage € 35,-!

Hose eingepackt und wieder hinunter ins Zentrum, an den See auf ein kühles Frappe. Und während ich so da sitze denke ich, eigentlich hätte ich ein Foto von Theodoro und seinem Geschäft (2 TPOXOI) machen sollen… Denn immerhin hat er ja meine Weiterreise gerettet. Und ich bin mir sicher, das hier war die erste und zugleich letzte Chance bis Athen, etwas fachmännisch reparieren zu lassen. Also fahre ich nochmal quer durch die Stadt, was bei dem Verkehr hier echt eine Herausforderung ist. Denn ein Radfahrer ist hier nichts wert und scheinbar kein Verkehrsteilnehmer, sondern ein mobiles Verkehrshindernis. Ich mache das Foto, hoffe, dass irgendwo an der Fassade seine Adresse drauf ist (ach ja, auf der Rechnung) und fahre entspannt und beruhigt wieder zurück nach Perama.

Es ist wieder sonnig und warm, der Dunst von heute Früh hat sich wieder verzogen. Nur über den Bergen hängt eine hohe Wolkendecke. Hier hätte ich jetzt alles erledigt, eigentlich könnte ich abreisen; denn jetzt wird es tatsächlich langweilig hier in Perama. Aber weiterfahren nach Metsovo macht um diese Zeit keinen Sinn mehr, dafür muss ich in der Früh los.

Abend im Cafe, bisschen Internet; nichts Aufregendes.


Di, 4.5.                    Perama-Metsovo                    (57km/1280Hm/5:30)

                                        

7:00 aufstehen und Sachen packen. Hab schlecht geschlafen und viel Müll geträumt.
7:30 Abfahrt. Der Bäcker hat noch geschlossen, also gibt’s kein Frühstück.

Gleich hinter Perama geht’s hinauf in die Berge, die nächsten 14km. Um 9:20 bin ich auf 920m oben am Pass und wieder geht es „leider“ bergab, wieder ganz hinunter ins Tal. 9:40 – na super. Ich sitze in einem Dorf namens „Nirgendwo“ an der Tankstelle, bei Kaffee und Keksen und bin wieder dort, wo ich in der Früh gestartet bin, auf etwa 450m Seehöhe. Die Abfahrt hierher war trotz Handschuhen, Wollhaube und Fleece-Jacke arschkalt. Klar, zuerst km-lang in der Morgensonne bergauf und schwitzen, dann komplett nass an der Schattenseite bei max. 15°C bergab. Ach, Baltouma heißt das Dorf hier.

Mir tut trotz der neuen Hose mein Hintern weh. Eigentlich hatte ich mehr mit konditionellen Problemen gerechnet; natürlich habe ich abends schwere Beine, aber keinen Muskelkater und die Luft in den Lungenflügeln ist mir unterwegs auch noch nicht ausgegangen. Was mich aber einschränkt heißt Arsch und ist Arsch!

12:00 – Mittagspause mit Cola und Zigarre in Mikro Peristeri (650m SH). Ich bin überrascht, wie gut es mir geht. Nur der Popsch halt ist soso lala. Metsovo sollte heute kein Problem sein, auch wenn´s ab hier gnadenlos bergauf geht. Und es geht bergauf, und wie! Die nächsten 18km gibt es kein einziges ebenes Stück Strecke. Mehrere Pausen sind notwendig, zum Glück hat sich der Himmel etwas zugezogen und es gibt keine pralle Sonne. Kurven, Kurven, Kurven… bergauf, bergauf, bergauf… Und das Beste haben „die“ sich für zuletzt aufgehoben, das steilste Stück Weg sind die letzten 2km. Hier bleibe ich auch 3x stehen und raste kurz, langsam geht mir die Puste aus.
Vom letzten Abzweig oben an der Hauptstraße geht es wieder gut 150Hm hinunter in den Ort, und auch ganz schön steil. Ich glaube, hier und jetzt haben meine vorderen Bremsbeläge das Zeitliche gesegnet, werde ich morgen tauschen. Es quietscht fürchterlich und die Bremswirkung ist gleich null. Hinten quietscht auch irgendwas ganz leise, ich konnte aber bisher nicht herausfinden, was; irgendwo im Bereich Nabe/Kassette/Achse. Auch morgen.

16:00 Metsovo, Hotel Kassaros www.kassaros.gr
Stergios hat das Haus komplett (wirklich komplett!) renoviert, nicht wieder zu erkennen! Nach dem Zimmer (303/EG) bestelle ich mir ein Bier und gleich danach noch eines – hui, das zischt! Abgesehen vom Popsch geht’s mir wieder ganz gut, ich hab´s mir wesentlich schlimmer vorgestellt. Vor dieser Etappe hatte ich von Anfang an gehörigen Respekt!
Jetzt heißt es Geist & Körper regenerieren – zuerst ausgiebig duschen und dann gleich in die Taverne „To Tsaki“ auf leckeres MampfMampf vom Grill (diese Taverne hat wirklich ganz ausgezeichnetes Essen vom Holzkohlengrill und sehr gute Weine; leider mit den Preisen mittlerweile ziemlich abgehoben).

W-LAN ist offen und frei im Kassaros.


Mi, 5.5.                    Metsovo                    Ruhetag

                                        

Lange schlafen, bis halb neun. Frühstück im neuen Speiseraum im UG, sehr schön und geschmackvoll eingerichtet. Alles ausreichend, alles gut, alles lecker.
Originelle Details: die Glasplatten der Tische sind mit alten Foto-Motiven aus Metsovo geätzt. Tolle Idee, gefällt mir.

Danach geht’s ans Rad, zuerst die Bremse vorne. Die hat gestern am letzten km herunter in den Ort komplett ausgelassen. Aber damit hatte ich gerechnet, ich hab Ersatzbeläge mit. Sind flott getauscht und war allerhöchste Eisenbahn: in der Mitte war bei Beiden schon ein Loch und am Rand schliff Metall auf Metall. Aber gut eingeteilt, vom Katara-Pass auf 1700m die andere Seite hinunter wär da nix mehr gegangen, hihi
Dann das Hinterrad heraus und ein bisschen Öl in alle Spalten an Kassette und Nabe; vielleicht bessert sich das Qietschen, das ich seit gestern habe. Ich denke aber eher, dass das Hinterrad irgendwann neue Lager benötigen wird. Na, bis Athen wird’s schon noch halten.
Die ganze Zeit während ich bastle ist Stergios um mich und wir plaudern viel. Stergios ist der Besitzer vom Kassaros und da ich schon einige Male hier war, kennen wir uns. Er betreibt auch ein kleines Bus-Reise-Unternehmen und veranstaltet Jeep-Tours in die Nationalparks im Pindos und Epirus, kennt sich somit super aus und hilft mir immer wieder mit wertvollen Tipps und Informationen weiter. Er holt seine große, plastifizierte Griechenlandkarte hervor, die früher im Eingangsbereich hing und wir diskutieren dies und das und haben viel Spaß dabei. Dann kommt auch noch Christo, der Cousin seiner Frau, dazu, ein begeisterter Mountainbiker und somit ist mein Info-Center perfekt Nach einer Stunde kenne ich jeden Stein zwischen hier und dem Plastiras-See!

Mir geht es gut, meine Beine fühlen sich normal – kein Muskelkater, nur ein bisschen müde – an.
So werde ich morgen wieder aufbrechen, weiter über den Katara-Pass (1690m) Richtung Kalambaka. Irgendwo zwischen der Hauptstraße und Pertouli werde ich Quartier machen.
Ich habe auch gleich für September ein Zimmer reserviert, damit uns ja nichts dazwischen kommt und das Haus vielleicht voll ist. Ich möchte mit Petra auf alle Fälle wieder hier im Kassaros sein!
Halb drei, ich sitze in einer kleinen Psistaria am Hauptplatz. Es gibt Würstchen oder Souvlaki vom Grill, dazu Brot. Klingt zwar wenig und wird spartanisch (auf Fettpapier) serviert, schmeckt aber ungemein lecker!
Eigentlich ist ganz schön was los hier, denn Metsovo ist eine der schönsten Städte hier in den Bergen und für die Griechen so etwas wie für uns der Semmering, ein Naherholungs- und Kurzurlaubsziel. Und viele Tour-Veranstalter haben Metsovo auf ihrem Tagesplan. Das merkt man natürlich, denn mittags und tagsüber sind alle Lokale gut gefüllt.

Heute ist es gar nicht sonnig, sondern durch den Hochnebel eher trüb; trotzdem hat es 26°C, was mich überrascht, ich hatte es hier in den Bergen viel kühler erwartet. Immerhin liegt ringsum auf den Gipfeln noch jede Menge Schnee. Ist der Mittagstrubel vorüber, schläft Metsovo wieder. Die Lokale leeren sich, die Busse fahren ab und es kehrt wieder totale Ruhe ein. Im „Petrino“, ganz hinten am Platz, sitze ich gemütlich und denke, schreibe, trinke Kaffee… So richtig faul und relaxed.

Mittlerweile ist der Himmel stark bewölkt und eigentlich sähe es sehr nach Regen aus.
Für morgen ist angeblich „ein Bisschen“ Regen angesagt. Boah, was soll´s – wie sagte doch Werner im letzten SMS:

„Berti, halt durch, es ist nicht mehr weit nach Galini…!“

Irgendwie findet sich kein vernünftiger Weg von Pezoula nach Karpenissi. Hinaus ins Flachland, über Karditsa und Kendros, wäre es zu machen; das sind aber über 150km durch größtenteils langweiliges Flachland. Direkt nach Süden geht’s durch die Berge, sicher schöner – aber viele „weiße“ Straßen und nur kleine Dörfer, wo ich nicht weiß, ob es dort überhaupt Quartier gäbe. Würde mir streckenmäßig aber deutlich besser gefallen.

Abendessen im „To Tsaki“: Amstel € 4,-/Schwein vom Grill € 9,-/Tomatensalat € 4,50
Danach noch ein Ouzo im Hotel, dann ab ins Zimmer, packen für morgen.


Do, 6.5.                    Metsovo-Chrisomilia                    (89km/1445Hm/7:00)

                                        

7:00 aufstehen, packen und Frühstück
8:30 Abfahrt
Es ist  grau in grau, in der Nacht hat es etwas geregnet. Habe nicht gut geschlafen, viel vollkommenen Scheiss geträumt und war x-mal wach.
Vom Hotel weg geht es gleich ans „Eingemachte“, 2km steil hinauf zur Hauptstraße. Dort wird es natürlich gar nicht besser; bis hinauf zum Katara sind es in Summe vielleicht 500 Straßenmeter ohne Anstieg…
Das Grau am Himmel wird dunkler, je höher ich komme und dort, wo der Blick weit nach Norden möglich ist, sieht es verdammt nach Regen aus. Aber mehr als nur hin und wieder ein paar Tropfen passiert nicht, es bleibt trocken bis zum Pass hinauf. Beim letzten Abzweig, wo sich die Straße zum Katara oder nach Grevena gabelt, steht ein „Einfahrt verboten“-Schild mitten auf der Fahrbahn, daneben ein für mich unverständlicher Zusatztext. Na, auf alle Fälle wird das so etwa in der Art lauten „Pass gesperrt“. Aber was soll mir das denn, mit dem Rad, ausmachen? Außerdem will ich ja nicht nach Grevena, sondern über den Katara-Pass! Basta!
Also fahre ich weiter und langsam wird mir klar, warum diese Absperrung steht; stellenweise ist die Straße übersät mit kleinem Geröll und immer wieder gibt es Stellen, wo die Fahrbahn über die ganze Breite gut 50cm abgesackt ist! Die typischen griechischen Winterschäden halt

Das Schild „Katara open“ bezieht sich, wie ich jetzt aus eigener Erfahrung weiß, bloß darauf, dass der Pass schneefrei ist und sonst nichts. Dass oben, 10km vor dem Pass, ein weiteres Schild mit „Katara closed“ steht, bezieht sich wiederum auf den Zustand der - eigentlich offenen - Passstraße… Somit ist der Pass, der einerseits offen ist, andererseits doch geschlossen. Solls verstehen wer will, ist halt „griechisch“.

Das alles kann einen Berti natürlich nicht aufhalten, es geht Meter um Meter weiter nach oben und nach knapp zwei Stunden stehe ich am Katara-Pass, der mit 1690m höchstgelegenen Passstraße Griechenlands. Es ist ziemlich kühl hier und neben der Straße liegen überall noch die letzten Schneereste des vergangenen Winters. Für die bevorstehende lange Abfahrt muss ich mich sowieso warm und dicht verpacken. Fleece- und Gore-Jacke, Rad- und Fleece-Handschuhe, kurze und lange Hose und Wollhaube unter dem Helm. Wie ein Micheline-Männchen sehe ich aus
Nach dem Pflicht-Foto-Termin geht’s nun bergab! Und wie!!! Die folgenden 18km und über 1000Hm muss ich kein einziges Mal treten! Und mir begegnen auf der gesamten Strecke über den Pass nur zwei Autos – echt viel los hier.

Während ich das schreibe, sitze ich schon wieder in einer schönen grünen Wiese in der Sonne und ca. 1.000.000 Viecher aller Gattungen kommen mich besuchen
Keine Ahnung, wo das hier genau ist, aber ich muss aus den Klamotten raus – hier hat es mindestens 25°C und ich bin noch immer angezogen wie der Bauer im Winter!

12:00 weiter geht’s. Kurz später Frappe-Pause in Koridalos.

Puh, anstrengend. Streckenkilometer 45, irgendwo vor Kerasi. Es geht nicht eben dahin, sondern immer schön klein leicht hügelig, leicht bergauf. Nicht viel, aber dauernd. Und dazu unangenehmer Gegenwind, fühlt sich an wie Fahren mit angezogener Handbremse. Ein Stück weiter treffe ich bei einem Stopp zwei ältere oberösterreichische Pärchen, mit Camping-Van und Mountainbikes hinten drauf. Ein bisschen plaudern und heimatliche Stimmen hören, und weiter geht’s.

Bei Kerasi biege ich, wie von Christo vorgeschlagen, scharf rechts ab. Steil geht es durch das Dorf hinunter zum breiten Fluss und über die alte, desolate Brücke. Gleich dahinter mache ich in einem Cafe kurz Pause, von hier sind es „nur“ noch 24km bis nach Chrisomilia. Dort sollte ich heute noch hin, dann passt es auch mit den Tagesetappen bis Pezoula.

Tja, diese 24km haben es definitiv intus. Im Nachhinein betrachtet, war dieser Tag die Königsetappe bisher. Zuerst geht es immer schön am Fluss entlang, die Brücke zuvor lag auf etwas unter 300m SH. Ganz langsam steigt die Straße an, es geht durch ein wunderschönes Tal - viele Bäume, der Fluss, die Berge zu beiden Seiten - tolles Panorama. Einzig der Gegenwind aus Süden ist heftig und macht das Vorankommen zeitweise ziemlich mühsam. Nach ein paar Kilometern kehre ich wieder in einem kleinen Lokal am Straßenrand ein, ich brauche etwas zu trinken und auch Nachschub für meine Flaschen. Und wieder weiter. Zeitweise ist es extrem, der starke Wind bläst aus den Wäldern richtige Pollen-Wolken, die wie Nebelschwaden über die Straße ziehen und unbeschwertes, freies Atmen fast unmöglich machen; das kratzt fürchterlich im Hals und reizt Rachen, Nase und Augen gewaltig.

Der Wirt vom letzten Cafe meinte: „noch 20km, also eine halbe Stunde“ – ein lustiges Kerlchen, oder…?
Es geht ins Tal hinein, immer enger und schöner. Vor mir auf der Straße eine Schafherde und Hundegebell – huch! Aber da auch mehrere Schäfer dabei sind, denke ich mir nichts Großartiges.  Aber – der diesbezügliche „Supergau“, auf den ich schon längst warte, tritt ein: nicht ein Hund, sondern sieben oder acht Köter stürmen von allen Seiten auf mich zu, riesen Viecher, so langzottelige, ungepflegte Schäferhunde, und schnappen im Laufen auf mich her. Irgendwie überkommt mich ein kleiner Anflug von Sorge… Ich wusste echt nicht, was tun; wohin? Also einfach auf die Schäfer zu halten, die werden ihre Viecher doch im Griff haben, oder?!?
Und ja, so ist es auch: ein bisschen schreien und pfeifen, und die Meute ist wie Hase ohne Duracell! Wahnsinn! Einer der Schäfer deutet noch in meine Richtung, so in der Art „ach, eh nix passiert, wozu die ganze Aufregung?“, aber ich hab mich echt fast angemacht… Nein danke. Hatte ich, brauch ich nimmer.

14km vor Chrisomilia fülle ich an einer gefassten Quelle wieder meine Flaschen auf (plus Isostar- und Magnesium-Tabs), es ist drückend heiß heute. Und gut war es (das Auffüllen), denn jetzt geht’s wieder absolut ans Eingemachte. Die Straße steigt an, wird stellenweise so steil, dass ich lieber ein paar hundert Meter schiebe, und windet sich an der Schlucht-Flanke hoch. Irgendwo weit – wirklich weit – oben sehe ich eine Straße verlaufen und denke mir „nein, bitte nicht; lass das nicht meine Strecke sein…“. Aber doch, so ist es. Auf den nächsten 10km windet sich die Straße fast 500Hm den Berg hoch. Das raubt mir für heute meine letzten Reserven. Im Kriechgang plage ich mich weiter hoch, halte immer Ausschau nach Plätzen, wo ich zur Not meinen Schlafsack aufbreiten könnte, falls es mich vom Rad wuchtet… Hier und jetzt komme ich zum ersten Mal an meine Grenzen. Es geht höher und höher… Ich fahre nur noch automatisch, ein Kurbeltritt nach dem Anderen.

Und da bin ich wieder bei der Geduld: egal, wie weit es noch ist, es geht voran. Langsam, aber stetig.

Es ist kurz nach 19:00, als ich Chrisomilia erreiche. Überall, wo ich „Rooms“ gesehen habe, sind die Läden geschlossen, hier ist scheinbar nur im Sommer Betrieb. Ich fahre zum Hauptplatz, da ist eine geöffnete Taverne, und rede den jungen Mann, der da bei einem Frappe sitzt, nach einer Unterkunft an. Er klingt nett, meint, das sei gar kein Problem und telefoniert, redet mit vorbeigehenden Leuten – ja, ok, in einer Stunde bekomme ich ein Zimmer! So ist es auch, kaum 200m von hier, im Obergeschoß eines Privathauses.

Vicky (Vasiliki), die Apothekerin hier im Ort, spricht sehr gut Englisch, aber leider auch sehr viel…
Was mir aber egal ist, Hauptsache ich habe ein Zimmer. Dieses ist zwar klein, aber ganz nett. Mit Balkon und Blick über das Dorf auf die Berge.
Ich werde zwei Nächte bleiben, morgen brauche ich einen Ruhetag. Der Preis ist mit € 40,- etwas happig, aber ich bin auch in einer etwas ungünstigen Verhandlungs-Position…

Abendessen in der Taverne von vorher, viel Auswahl gibt’s nicht, ich bin der einzige Gast hier. Fleisch, Patates, Salat. Dimitri, so heißt der Typ, bringt mir das Essen und sagt „if you don´t like it, you dont pay it“ und verschwindet wieder im Lokal, mit einem Grinsen im Gesicht. Es hat gepasst, ich hab bezahlt, nach Hause ins Bettchen und schlafen.


Fr, 7.5.                    Chrisomilia                    Ruhetag

                                        

Morgensonne am Balkon. Hähne krähen, Schafe blöken, Vögel zwitschern, das Welleternit-Dach lebt geräuschvoll auf. Kein Lüftchen bewegt sich, ein wunderbarer Tag, herrliche Ruhe hier.
Musste jetzt mal meine Wäsche durchdrücken, Hose und Jacke standen schon von selbst und gerochen haben mich die Menschen hier auch schon bevor gesehen…
In der Nacht ging ziemlich starker Wind, heute ist alle mit einer gelblichen Schicht überzogen; die Pollen, die mir gestern auch schon zu schaffen machten.

Schade, dass es hier kein Frühstück gibt, das wäre jetzt super angenehm am Balkon! Obwohl, im Zimmer steht eine offene Packung griechischer Kaffee und eine kleine elektrische Kochplatte… Fertig! Auf dieser Mini-Kochplatte hat es zwar 10 Minuten gedauert, bis die Tasse Wasser kocht, aber es gibt Kaffee!

11:00 richtiges Frühstück im Cafe. Schinken-Käse-Fleck und Nescafe, ganz lecker. Und irgendwo gibt es hier W-LAN, zeigt mir das Handy per „Netz suchen“ an. Da werde ich wohl später im Cafe „Club Panorama“, über der Taverne, einkehren müssen, denn das Netz ist verschlüsselt.

Habe mir eine alternative Strecke angesehen: statt über Karpenissi (uff, Berge!) durchs östliche Flachland (uninteressant…) Lamia, Thiva usw.; ich kenne diese Strecke vom Motorrad, das ist echt öde und langweilig – zig Kilometer durch plattes Land, schnurgerade Schnellstraße. Gar nicht mein Fall. Ich könnte auch ein Stück (Lamia-Thiva) mit der Bahn fahren… Schöner wäre es natürlich durch das zentrale Bergland.

Hier am Platz steht so eine mobile Imbiss-Stube, mit Gyros & Souvlaki, die werde ich heute Abend heimsuchen. Sogar der Periptero am Platz hat geschlossen.
Schade, das mit dem W-LAN im Cafe ist nichts geworden. Dieses Lokal ist eine ziemliche Spelunke, in der sich die Halbwüchsigen am Wuzzler und beim Kartenspielen die Zeit vertreiben. Es gibt zwar Internet hier, aber nur so einen pay-Automaten, der mir natürlich bei meinen Mails gar nicht hilft. Ich finde zwar das Netz, aber niemand kennt das Passwort und das glaube ich denen hier auch, die wissen wahrscheinlich nicht mal was W-LAN ist.

Ich verbringe den Tag absolut faul. Am Abend gehe ich in eine Taverne essen, denn heute haben mehrere geöffnet und die sind auch gut besucht, merkwürdig. Ich spaziere bis zur Letzten am Platz und esse Paidakia vom Holzkohlengrill, Patates und Salat. Auf das Bier dazu werde ich eingeladen, finde ich sehr nett. Alles zusammen € 11,-.

Zurück im Zimmer muss ich noch meine sieben Sachen vorbereiten, damit ich morgen Früh halbwegs flott aufbrechen kann. Aber die 45km bis Mouzaki kann es sowieso kein Problem geben; zuerst noch ein paar Kilometer bergauf, dann langgezogen hinunter ins Flache. Mouzaki liegt wieder auf deutlich unter 200m Seehöhe.


Sa, 8.5.                    Chrisomilia – Mouzaki – Pezoula                    (65km/1300Hm/5:20)

                                        

7:15 Tagwache, 8:00 Abfahrt
In der Nacht hat es kurz geregnet, aber nur unergiebig.

Gleich von Chrisomilia weg geht es steil bergauf, 200Hm auf 2,2km! Als Frühstücks-Einlage nicht schlecht… Oben am Pass steht ein relativ modernes, großes Gebäude, Taverna/Hotel Magema. Ein Stück weiter gleich noch eines, und dann noch Eines in Bau (da sitzen die Steinmetze und klopfen fleissig).

Ein „pain in the ass“ sind die vielen Hunde. Wenn Schäfer dabei sind, geht’s ja noch. Aber diese streunenden Köter machen echt Stress! Stürmen kläffend herbei, laufen nebenher, knurren, bellen und gebärden sich teilweise völlig irre… Zwei Hunde haben mich jetzt ein Stück Weg „begleitet“, sind einfach ruhig mit mir mitgetrabt, das war ja ok; aber dann kommen vier so kleinere, Jagdhund-ähnliche Köter aus dem Wald heraus auf mich zu – und meine beiden Begleiter haben sich denen so richtig gestellt, mich verteidigt und die Vier vertrieben! Pfau! Bei einer kleineren Abfahrt hänge ich meine Beschützer ab und bin wieder alleine unterwegs.

Kurz vor dem Abzweig Richtung Pertouli steht wieder ein Hotel/Taverne an der Straße, mit Ski-Doo-Verleih (ich bin hier auf 1200m in einem Wintersportgebiet). Heute ist der erste Tag, an dem ich mit kurzer Hose losgefahren bin; und da es nieselt, mir kalt ist und ein Auto davor steht, gehe ich hinein. Am offenen Kamin sitzen die beiden Hausherren, ein älteres Ehepaar. Ich frage nach Kaffee und natürlich bekomme ich ein schönes großes heißes Häferl Nescafe. Direkt am Feuer ist es sehr gemütlich! Währen ich meinen Kaffee schlürfe, werden die üblichen Fragen gestellt und ich erfahre, dass der Sohn der Wirtin in Innsbruck im Gastgewerbe arbeitet.
Ab hier ist auf der Straße wieder etwas mehr los; die Strecke Pertouli-Pigi ist eine Hauptstraße und ich nähere mich wieder der Zivilisation

10:00 Elati. Ein kleiner, sauberer, sehr schöner Ort, erinnert mich stark an Metsovo. Hier gibt es jede Menge Tavernen und Unterkünfte. Sehr gepflegt! Am Ortsende stehen viele Verkaufsstände am Straßenrand, ich bleib stehen und schaue – alles nur lokale Süßigkeiten! Sieht zwar sehr lecker aus, aber alles sicher picksüß; und mir ist mehr nach Tyropita oder so etwas ähnlichem. Der junge Typ und das Mädchen hinter der Theke sind sehr nett, ich darf kosten, wir plaudern ein bisschen und weiter geht’s. Die Bäckerei ein Stückchen weiter am Weg hat leider geschlossen.

11:00 Brücke Toxotis, 1000 Höhenmeter tiefer (die haben meiner vorderen Bremsscheibe die Bläue ins Gesicht getrieben…).
Sukzessive wird es wärmer, oben am Berg war es heute Früh arschkalt. Ich sitze in dem kleinen Lokal an der alten Steinbogen-Brücke, hier haben Jenny, George und ich uns 2008 kennen gelernt. Kaffee- und Toast-Pause. Ziemlich touristisch hier, die Brücke ist eine Sehenswürdigkeit und Ausflugsziel für die Griechen. Zwei Kaffeehäuser mit Tischen direkt am Flussufer, entsprechende Preise. Auch der Toast ist eine Attraktion: eine einzige Scheibe trockener „Schinken“ zwischen zwei Scheiben Toastbrot für € 2,50! Aber der Nescafe ist zumindest… heiß. Naja, Touri-Nepp halt.
Oben auf der Brücke habe ich ein getrocknetes Blümchen geschenkt bekommen, weil ich einen Mann mit seiner Tochter (oder doch seinem Enkelkind) fotografiert habe

Verschiedene kleine Pausen, gegen Mittag bin ich in Pili. Gleich eines der ersten Cafe´s lacht mich an, es sieht modern aus und ich frage nach W-LAN; ja natürlich, und sofort, noch vor der Bestellung, schreibt mir die freundliche Kellnerin den Zugriffscode auf. Na gut, dann bleibe ich halt hier! Kaffee trinken und Mails abfragen. Alle vorbereiteten Mails versenden. Wow, die sind ja flugs weg, obwohl alle mit Fotos befüllt waren.
Ein bisschen mit Baby schreiben…

Dann muss ich aber wieder weiter, denn es ist noch zu früh zum lange rasten. Ich plündere noch den Bankomaten der Greek National Bank (denn der in Kalivia funktioniert mit meiner Karte nicht, weiß ich vom vorigen Mal) und wenig später bin ich in Mouzaki. So. Aber noch immer viel zu früh. Ich fahre weiter, Quartiere sind hier in der Gegend kein Problem, in jedem Ort gibt es Tavernen und Zimmer. Naja, irgendwann bin ich schon auf halber Strecke nach Pezoula, da werde ich den Rest doch auch schaffen…? Obwohl, Pili liegt auf 180m Seehöhe und Pezoula auf 920m… Also schon noch ein hartes Stück Arbeit. Egal, es geht dahin, immer wieder kurze Pausen – trinken, Traubenzucker, Magnesium; und kurz vor 17:00 bin ich nach 20 sehr anstrengenden Kilometern bei Tasos in Pezoula!

Unten an der Hauptstraße am See hatte ich fast einen Herzinfarkt erlitten. Breite, gerade Straße, kein Verkehr, plötzlich voll quietschende Reifen unmittelbar hinter mir, ich verreiße das Rad im Reflex nach rechts zum Straßenrand und stürze fast in den Graben – und ein roter Seat mit drei jugendlichen Vollidioten, die total verblödet aus den Fenstern grinsen, fährt an mir vorbei. Sauidioten! Kurz darauf muss ich stehen bleiben, weil mir speiübel ist vom Schreck. Aber nach einem Moment der Beruhugung ist das wieder vergangen und ich fahre weiter. Scheissgeburten.

Als ich ankomme, das Haus liegt im 300-Seelen-Dorf Pezoula ziemlich am oberen Ende, schlägt Ringo der Dobermann an und Theodora kommt in den Hof. Begrüßung & Co und keine 3 Minuten später sitze ich im Schatten unter dem Kirschenbaum bei Saft, Kaffee, Bier, Keksen, Gugelhupf und Käsekuchen… Und ob ich noch Wurst und Brot und Eier und Käse wolle, denn ich müsse doch Hunger haben…!
So sitze ich erst mal eine Stunde einfach nur da und genieße die Ruhe hier.  Dann kommt Tasos nach Hause und wir plaudern lange, es gibt ja viel zu erzählen!

Am Abend fahren wir alle zusammen (Tasos, Theodora, deren Sohn Niko (?), Maki & Rosa) nach Neohori Lamm essen. Eine urige, kleine, alte, rustikale Taverne, die zugleich auch noch „Supermarket“ und „Postoffice“ ist
Essen und Wein sind sehr gut und gegen Mitternacht falle ich wie tot in mein Bettchen.

Das knackende Geräusch am Hinterrad hat aufgehört, seit ich in Metsovo Nabe und Achse mit ein paar Tropfen Öl behandelt habe.


So, 9.5.                    Pezoula                    Muttertag!

                                        

Mein Ruhetag war so ausgefüllt, dass ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin!
Lange schlafen, fast bis 9:00, dann mega-leckeres Frühstück. Alles schon vorbereitet, der Tisch gedeckt wie für Drei, alles nur für den kleinen Berti! Ich glaube, Dora wartet auf das Geräusch meiner WC-Spülung oder Dusche oder auf sonst ein Geräusch aus meinem Zimmer, und startet dann in die Küche
Ich sitze schon beim Frühstück, da kommt noch ein Omelette (gestern haben mich die Hühner noch frech angegackert, heute esse ich ihre Eier) und ich bin damit noch nicht fertig, kommt noch frischer Käsekuchen nach . Nochmal: ich bin der einzige Gast hier im Haus!
Ich glaube, als ich mit dem Frühstück fertig bin, ist es schon fast mittags.
Auf der gemütlichen kleinen Bank im Hof vergeht die Zeit aber auch ganz besonders schnell. Tasos erzählt mir von seinen Bienenstöcken und von der Arbeit damit, nach einer Stunde bin ich fertig ausgebildeter Imker.
Später fahre ich in den Hauptort Kalivia hinunter, einfach ein bisschen auf und ab, und viel schauen. Mir fällt ein kleines Geschäft auf, weil ein paar Mountainbikes davor stehen - und die folgenden zwei Stunden komme ich auch nicht mehr aus selbigem heraus. Dimitri, der Besitzer, ist totaler MTB-Freak, verwendet auch ein Garmin GPSmap 60CSx und bastelt selbst an Kartenmaterial der Gegend hier. Das alles zusammen bildet Gesprächsstoff für Stunden… Ich bekomme die Anavansi-GR-Karten auf mein Garmin (die ich mir nie gekauft hätte, kosten etwa € 350,-) kopiert, wir fachsimpeln über Routing, Maps, Tracks, Bikes, Reisen, Fotografie als Hobby und die Zeit vergeht wie im Fluge.

So um 16:00 verabschiede ich mich wieder, bekomme aber von Dimitri die Zugangsdaten für sein W-LAN. Das heißt, auch wenn er später nicht mehr hier sein sollte, kann ich mich jederzeit in den Garten vor dem Laden setzen und ins Internet. Ich fahre hinunter zum See. Dessen Füllstand ist um gute 8-10m höher als im letzten Jahr und somit bis zum Überlauf gefüllt. Das sieht super toll aus, weil nun die Bäume nicht am, sondern im Wasser stehen! Angeblich ist es erst das zweite Mal seit Errichtung des Stausees, dass er komplett gefüllt ist. Lustig auch das Cafe am See: die Terrasse, auf der ich voriges Jahr gesessen bin, ist vollkommen überflutet. Sieht komisch aus, wenn aus der Wasseroberfläche nur noch die Glaskolben der Gartenbeleuchtung herausragen, oder Telegrafenmasten (!) 1/3 unter Wasser stehen! Ich schreibe meine Mails und mache mich nach Kaffee und viel Sonne wieder auf den Weg zurück hinauf zum Tavropos-Shop, Mails senden.
Nebenan hat Janni, Dimitris Sohn, eine kleine Cafebar, aber ich komme erst gar nicht dazu, mich gemütlich zu setzen. Dimitri meint, wir können den Kaffee auch unterwegs trinken – mit „unterwegs“ meint er auf dem See, denn dort betreibt er noch einen kleinen „Schwimmrad“-Verleih und diesen werden wir jetzt nutzen
Also einen Coffe-to-go in den Flaschenhalter am Bike gepackt und wieder hinunter zum Ufer. Die folgenden zwei, drei Stunden verbringen wir auf dem Wasser, ich hätte nicht gedacht, dass das so toll sein würde!
Durch den außergewöhnlich hohen Wasserstand sind die jahrelang trocken gelegenen flachen Uferbereiche weit überflutet und wie in einer Sumpflandschaft fahren wir durch aus dem Wasser ragende Bäume und Sträucher, und den kleinen Flusslauf ein Stück hinein.
Diese überflutete Landschaft ist ein Paradies für alle möglichen Vogelarten und traumhaft anzusehen, eigentlich fast ein bisschen unnatürlich. Wir strampeln so 2-3km dem Ufer entlang und dann wieder zurück zur der Anlegestelle.
Jetzt wird’s schon Abend und etwas kühler, ich verabschiede mich von Dimi und Janni und fahre zurück, hinauf in den Ort Pezoula.
Schön langsam, schön gemütlich; nach der „Abendtoilette“ würde ich gerne auf ein Gläschen Wein in eine der beiden Tavernen gehen, vielleicht auch eine Kleinigkeit essen. Aber die Eine ist zappenduster (hat nämlich nur am Wochenende geöffnet) und Antonis alte Taverne ist wegen der Finanz (und deren diverse Auflagen, unter Anderem eine Registrierkasse zu führen) geschlossen, er darf keine Speisen mehr anbieten. Extrem schade um dieses urige, einfache Lokal; denn seine fünf Gäste am Tag machen weder ihn noch die Finanz reich. Die komplette kaufmännische Neuorganisation ist für den alten Antoni nicht mehr möglich (und natürlich auch nicht finanzierbar), die angedrohten Strafen im vierstelligen €-Bereich verfehlen ihre abschreckende Wirkung aber nicht und somit gibt es ein wirklich sehenswertes, traditionelles Dorfgasthaus weniger. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als den Abend daheim zu verbringen, was mir aber auch nichts ausmacht; denn hinunter nach Kalivia will ich heute nicht mehr. Ich setze mich im Dunkeln auf Tasos´ Bank im Hof, zünde mir eine Zigarre an und genieße die absolute Ruhe hier.

Genau fünf Minuten lang.

Dann öffnet sich die Haustüre: „Robert, what are you doing here? Let´s go for a glass of wine?“ – Aber ja, natürlich!
Keine zwei Minuten später sitzen wir im Auto und fahren zur Taverne in Filakti hinauf, dem nächsten Dorf in Richtung der Berge. Wir trinken guten Wein, essen wahnsinnig leckere Paidakia, tratschen über Gott und die Welt und verbringen einen absolut gemütlichen Abend. So soll es sein…


Mo, 10.5.                    Pezoula                    20km/300Hm

                                        

Bin heute Früh durch die Gästezimmer des Hauses, sieben an der Zahl. Das Schönste ist links, das Erste. Jedes sieht anders aus, alle sind schön, aber dieses ist das Gefälligste. Drei Zimmer befinden sich im neuen Teil des Hauses (2006), die anderen vier im Alten (1900); diese sind geschmackvoll eingerichtet und haben ein ganz eigenes Flair.

Heute mache ich wirklich Ruhetag. Muss auch endlich ein „Sammelmail“ an meine Freunde schicken.
Am Vormittag waren wir in Karditsa, der nächsten größeren Stadt hier, wo es alle möglichen Geschäfte gibt. Dora musste ohnehin in die Stadt und so habe ich die Gelegenheit genutzt, nach neuen Bremsbelägen Ausschau zu halten. Drei Rad-Shops haben wir gefunden, doch überall dieselbe Auskunft: „Hayes? No, what´s that…? Shimano I have!“ Vielleicht sollte ich meine Bremsen auf ein weniger exotisches System wechseln… Ich habe die Vorderen Beläge erst getauscht, die sind neu, aber eine Reserve wäre schon nicht schlecht - und die Hinteren sind hart am Limit … Naja, wird sich schon ausgehen, denn 0,5mm sind ja noch vorhanden

Wieder im Schatten unter dem Kirschenbaum im Hof.
Die Hühner gackern rund um mich und alle wollen meinen Käsekuchen… Es ist nichts zu hören außer dem leichten Wind in den Blättern, den zwitschernden Vögeln und dem allgegenwärtigen Summen der Bienen.
Ich will nicht ins östliche Flachland hinaus; aber direkt nach Süden, durch die Berge, geht auch nicht. Das sind an die 100km zumeist unbefestigte Straßen und kaum Ortschaften. Ist mir mit dem Rad etwas zu riskant.

Die einzige vernünftige Lösung scheint mir über Loutra Smokovou zu führen:
Pezoula – Smokovou                                70km
Smokovou – Karpenissi                            80km (direkt, aber sehr bergig)
Smokovou – Makrakomi – Karpenissi     100km (länger, aber flacher)
Karpenissi – Meg. Horio                            15km

Also zumindest zwei, aber eher drei Tagesetappen. Auf alle Fälle schwierig und anstrengend.
Habe mir die hinteren Bremsbeläge angesehen, die sind definitiv auch „hinüber“. Damit komme ich keinesfalls durch die bevorstehenden Berge. Dimitri bestellt mir Ersatz direkt bei der Hayes-Zentrale in Athen, die sollten am Mittwoch per Botendienst in Karditsa sein. Von dort müssen sie nur noch geholt werden; entweder Dimitri selbst fährt oder Dora nimmt sie mir mit. Habe gleich 2 Sets bestellt, damit ich auch wieder eine Reserve habe.

Der Abend ist total super: am Rückweg von Karditsa hat Tasos Paidakia gekauft und die liegen jetzt am Grill im Hof. Drinnen ist auch schon alles vorbereitet: Brot, Salat, selbstgemachter Schafskäse, selbstgemachter Wein (vom Schwiegerpapa am Peloponnes) und Tsipouro. Mampf!
Tasos ist ein intelligenter Mensch, er war Elektroniker beim Nachrichtendienst der Armee und spricht tadelloses Englisch. Wir plaudern über alles Mögliche und schwupp ist es Mitternacht, die Teller und Gläser sind leer, unsere Bäuche voll und wir beide müde…
Lustig zwischendurch: er hat hier in der Wohnung einige Funkgeräte stehen und Maki, einer seiner Freunde (hab ich auch kennen gelernt) betreibt in Karditsa eine Radiostation, die hier natürlich im Radio läuft. Also er schnappt sich das Funkgerät, spricht mit Maki (ich höre meinen Namen und „Fahrrad“ und so) und sagt danach zu mir „jetzt hören wir Radio“.
Kurz darauf spricht der Moderator so in der Art „…und jetzt begrüßen wir Robert, unseren Freund aus Österreich, der hier mit dem Fahrrad unterwegs ist und wünschen ihm alles Gute!“ – lustig, oder?

Später falle ich hundemüde ins Bettchen und schlafe wie ein Baby. Apropos Baby: ich vermisse meine Petra…


Di, 11.5.                    Pezoula                    20km/300Hm

                                        

Und heute wieder ein Ruhetag…
Um 17:00 soll ich bei Dimitri im Tavropos sein, er möchte mit den Wasserfahrrädern den See überqueren. Wir werden 4-5 Leute sein, das wird ganz bestimmt nicht langweilig.

Am Vormittag kommt Tasos´ Schwager Dimitri aus Volos zu Besuch und wir sitzen alle zusammen. Etwas später, gerade als ich hinunter in den Ort fahren wollte, kommt auf die Idee, mir ein Essen zuzubereiten, damit ich im Ort nicht so teuer essen gehen muss… Er hat Pastizio von zu Hause mitgebracht und macht mir frischen grünen Salat mit Zwiebel dazu. Sehr lecker!
So sitzen wir ein Weilchen und später, als er wieder nach Volos fährt, zische ich hinunter zum Tavropos und checke meine Emails. Es geht schon gegen 15:00, da wird es ziemlich dunkel am Himmel über den Bergen und bald fallen auch die ersten Tropfen. So fahre ich zurück zum Zimmer, Tasos sitzt noch immer im Hof und arbeitet wieder an seinen neuen Bienenstöcken. Bald geht das Gewitter richtig los. Damit fällt die See-Überquerung regelrecht ins Wasser. Ich sitze am Balkon, sinniere über der Karte, trinke Kaffee, rauche meine Zigarren und genieße die Gewitter-Atmosphäre.

Am Abend ist der Spuk vorüber, die Wolken reißen auf und die Sonne kommt wieder durch. Zuvor war es ziemlich kühl, nun ist es gleich wieder angenehm warm. Tasos zischt schon wieder im Haus herum, holt Wein aus dem Keller, Würstchen und Brot, Eier aus dem Stall und ich glaube, er wird bald unser Abendessen zubereiten
Ist irgendwie eigenartig; ich hab ein superschönes Zimmer mit Frühstück zum super Preis, und dann bekocht er mich auch noch jeden Abend… Und ich kann mich gar nicht revanchieren dafür. Nicht mal die Getränke, die ich mir aus dem Kühlschrank nehme, lässt er sich bezahlen – „eh, die sind im Zimmerpreis dabei…“.

Meine weitere Routenplanung hat sich auch wieder geändert, denn mit den neuen Bremsbelägen bleibe ich in den Bergen! Von hier werde ich nach Fourna fahren, da gibt es angeblich ein Hotel. Sollte problemlos zu schaffen sein; ist zwar einiges an Bergen, aber „nur“ 65km. Von Fourna bis Karpenissi sind es dann nur 45km und weitere 15km bis Megalo Horio. Also von den Entfernungen her ganz brauchbar. Und bin ich danach erst mal in Proussos und Thermo, sind die Berge sowieso „gelaufen“!

Um es nochmal mit Werners Worten zu sagen: „...es ist nicht mehr weit nach Galini“!


Mi, 12.5.                    Pezoula                    20km/300Hm

                                        

Frühstück, faul sein, herumspazieren, Route überdenken und auf die Bremsbeläge warten.
Der Tag vergeht absolut entspannt, um 17:00 kommt Dimitri mit den Belägen, Kaffee, Galaktoburiko und neuem Anavansi-Kartenmaterial zu Shop. Die zwei Garnituren Ersatzteile kosten € 32,- und der Botendienst € 7,-. Ist doch schwer in Ordnung, ich hab mit deutlich mehr gerechnet. Schnell sind die Beläge getauscht und ich bin ziemlich bald wieder im Zimmer, vorbereiten für die morgige Abreise.

Heute Abend gehen Tasos und ich im Ort essen, und diesmal lade ich ein.
Da hier und auch in Kalivia alle Tavernen geschlossen sind, fahren wir nach Antochori. An dieses 100-Seelen-Nest erinnere ich mich sehr gut, die Straße durch den Ort bietet wundervolle Steigungen von an die 20%!

Taverne Eleni, gleich neben der Kirche: das Essen ein Wahnsinn! So gut und vor allem so schön – das hätte ich nicht im Traum erwartet!
Vorspeise:         Käsekuchen aus der Pfanne; knusprig, saftig, würzig
Salat:                Karotten, Tomaten, Kraut, Oliven; serviert in einer Schale aus gebratenem Käse!
Hauptspeise:   „Schweinefleisch im Beutel“; das Fleisch kommt in einem Teig-Beutel überbacken, dazu Kartoffeln.
Nachspeise:      in Sirup eingelegte Walnüsse
Dazu ausreichend Rotwein; die Portionen jeweils so groß, dass eigentlich jeweils eine Portion für uns beide gereicht hätte. Preis: summa sumarum € 28,-


Do, 13.5.                    Pezoula – Fourna                    67km/1800Hm/8:00

                                        

6:00 Tagwache, alles packen und einfaches Frühstück. Ich habe Tasos gestern schon gesagt, dass er mir heute keine Eier oder Omelette zubereiten soll; das ist zwar jedes Mal lecker, liegt aber doch sehr lange im Magen und das kann ich heute nicht gebrauchen.
7:30 Abfahrt. Kurzer Abschied (Tasos hat schon wieder an seinen Bienenstöcken gewerkt) und los geht’s. Ich komme ja bald wieder, sind doch keine vier Monate mehr!
Ich fahre hinunter zu Dimi´s Shop, denn er hat mir gestern Abend angeboten, mich mit dem Auto bis zum Damm mitzunehmen. Zuerst dachte ich mir, eigentlich ist das dann ja ein bisschen geschummelt, aber so eng brauchen wir das ja auch nicht sehen. Und es sind ja nur 16km Straße.
Dimi ist wirklich pünktlich da, letztendlich dauert es aber doch eine gute Stunde, bis wir von hier weg kommen. Gemütlich fahren wir zum Damm, bleiben unterwegs nur hier und da zum Fotografieren stehen. Der Stausee sieht mit seinem hohen Füllstand wirklich schön aus.

Ohne Dimi´s Hilfe hätte ich den Einstieg in diese Strecke, die hoch über dem Damm an einem kleinen Tunnel beginnt, wahrscheinlich gar nicht gefunden.
Um 9:00 etwa habe ich meinen Gaul fertig gesattelt und ziehe los gen Süden.

Die Strecke ist echt geil, so richtig nach meinem Geschmack. Unbefestigte Waldstraßen in toller Landschaft: tief unten rauscht der Fluss, oben strahlt die Sonne auf den letzten Schnee der Berge ringsum. Schnell erreiche ich Angathes, fahre aber ohne Stopp weiter. Es geht ziemlich viel bergauf und bergab, und der Höhenmeter-Zähler des GPS rasselt fröhlich vor sich hin…
Gegen 11:30 bin ich auf 1100m Höhe am Pass vor Neraida angelangt. Von hier geht’s in einem Schwung wieder ganz hinunter ins Tal! Unten am Fluss, jetzt befindet sich dort eine klapprige Brücke, kann man noch die alte befestigte Furt erkennen. Ein Stück daneben befinden sich, zwischen zwei mächtige Platanen gespannt, noch die Reste einer alten Hängebrücke.

13:00 Neraida. Ein kleines, unscheinbares Dorf; keine Taverne, kein Kafeneion. Auch hier halte ich mich nicht auf. Von der Furt bis hierher ging es ganz schön bergauf und ab hier verschwindet der Fahrweg im Wald und hoch den Berg. Auf 1150m ist der nächste Pass erreicht und kurz danach komme ich an eine beschilderte Wegkreuzung: noch 16km bis Fourna.
Hier gibt es eine gefasste Quelle, hier steht eine kleine Kapelle und an einem alten Gebäude (To Spiti to…) wird fleißig gearbeitet, entsteht eine Taverne.
Kurze Pause, Flaschen füllen. Dann geht’s zur Abwechslung wieder mal bergab; und siehe da, nach kaum 200m ist die Straße asphaltiert!
Es wird schön flott, aber leider alles Höhenmeter, die ich heute auch noch wieder hoch muss…

Beim Dorf Klisto gibt es einen kleinen Aussichtspunkt, von hier kann ich Fourna schon sehen. Es liegt am anderen Ende des Tales am Gegenhang in der Sonne. Luftlinie 8km, Straße 16km. Unfair.
Unten am Fluss an der Brücke habe ich wieder 700m-Höhenlinie erreicht und weiter geht es echt nur steil und kurvig bergauf… Die Hitze setzt mir schon ein bisschen zu, ich plage mich wieder bergwärts nach Fourna und wie der Teufel es will, geht es unmittelbar (!) vor dem Ort nochmal schööön hinunter in einen kleinen Einschnitt, nur damit die letzten paar hundert Meter wieder anständig ansteigen können. Ich glaube, die machen das mit Absicht

Gegen 17:00 erreiche ich den Hauptplatz, vom erwähnten Hotel ist weit und breit nichts zu sehen. Ich frage einen jüngeren Mann nach Taverne, Kafeneion und Zimmer mit Dusche – und bekomme alles! Das Zimmer dauert zwar noch ein bisschen, denn die „Mama“ ist grad nicht da oder schläft, jedenfalls öffnet niemand und so setze ich mich ins Kafeneion.
Nur Männer, ganz typisch, und der einzige freie Tisch genau in der Mitte… So wird man schnell zum Tagesgespräch, für Abwechslung im Ort ist wieder gesorgt!
Die Strecke heute war super, viel unbefestigt und Waldstraßen. Toll!
Ein Frappe, bissi Beine relaxen, dann ab ins Zimmer. „Mama“ ist da, Zimmer einfach aber ok, und nach einer Dusche ist die Welt auch gleich wieder in Ordnung!
So gegen 20:00 gehe ich in die Taverne am Platz. Wieder nur Männer; essen, trinken, diskutieren. Ich finde einen Platz und kaum sitze ich, wird mir vom Nebentisch schon ein Stück Kuchen gereicht. Und gleich noch eines… Lustig, alle schauen und beobachten mich, als ob ich aus einer anderen Welt wäre, hihi
Dann kommt der Chef und endlich – ich darf in die Küche, ich die Töpfe schauen!!!!! Rindfleisch mit Sauce, dazu Patates und davor Juvalakia!
Der mit dem Kuchen fragt mir Löcher in den Bauch, will wissen woher , warum und wohin; die anderen höre ich reden „das ist der mit dem Rad…“
Ich hab schon wieder einen Strudel bekommen… Das ist Galaktobureko, also Milchrahmstrudel, aber mit Ziegenmilch!


Fr, 14.5.                    Fourna – Megalo Horio                    50km/915Hm/4:50

                                        

Das besagte Hotel in Fourna gibt es doch, es befindet sich aber 2km außerhalb an der Straße nach Karpenissi, hoch über dem Ort. War für mich gestern Abend unerreichbar…

7:15 aufstehen, 8:00 Abfahrt.
Fürchterlich. Gleich vom Hauptplatz weg geht’s erbarmungslos bergauf; 6km/500Hm. Aber wunderschöne Strecke durch dichten, finsteren, unheimlichen Wald – Tasos hat mir gestern von Bären erzählt…

9:30 am Pass! Die nächsten 15km bleibt die Straße auf dieser Höhe, es geht halbwegs angenehm dahin, nicht mehr so anstrengend wie bis hierher.  Sind in Summe nur mehr weiter 200Hm durch schöne alpine Landschaft. In der Ferne glänzt der letzte Schnee am Timfristos, dahinter versteckt sich Karpenissi. Luftlinie knapp 11km, tatsächliche Strecke 25km. Zum hinauf/hinunter kommt erschwerend heiß/kalt dazu; bergauf schwitze ich was das Zeug hält, aber kaum geht’s hinunter friere ich sofort, denn die Luft ist kalt und ohne Jacke geht’s dann gar nicht. So plage ich mich Kurve um Kurve höher, bis ich um 12:00 am Scheitel der Strecke angelangt bin, am Pass auf 1500m. Hier kann ich sogar noch einmal in den (letzten) Schnee greifen und ganz weit hinten am Horizont sehe ich zum ersten Mal seit Igoumenitsa wieder das Meer! Müsste etwa die Richtung nach Itea sein, in ungefähr 80km Entfernung. Ab jetzt geht es wirklich nur noch bergab, all die anstrengenden Anstiege sind vergessen; es läuft und läuft…

Ups, ich habe eine Abzweigung verpasst!
Hatte mir nämlich eine Abkürzung gesucht, eine Waldstraße, die bei einer Kapelle rechts weggeht. Das spart zur „normalen“ Straße sicher 10km. Also ein Stück zurück, ist nicht weit, und ab durch den Wald nach Karpenissi! Super schöne Strecke und 40 Minuten später erreiche ich die ersten Häuser der Stadt, der Fahrweg aus dem Wald endet in der Nähe des Friedhofes. Bis ins Zentrum zur Plateia ist es jetzt nicht mehr weit und dort mache ich ausgiebig Pause bei Kaffee und Cola. Alle großen Bankinstitute sind hier um diesen kleinen Platz vertreten und es gäbe auch mehrere Möglichkeiten W-LAN zu nutzen, bloß sitze ich dafür im falschen Lokal (die Netze sind alle geschützt). Aber wechseln mag ich jetzt auch nicht mehr, Mails müssen warten bis Megalo Horio. Hier ist total viel los, nach den vielen Dörfern der vergangenen Tage eine richtige Großstadt!

Mit Zigarren muss ich mich noch eindecken, dann geht’s auf das letzte Stück Weg nach Megalo Horio. Sollte in einer Stunde machbar sein. Ach ja, heute habe ich zum ersten Mal einen Muskelkater in den Beinen. Gestern war anstrengend, heute auch; aber trotzdem bereue ich es nicht, die direkte Strecke durch die Berge genommen zu haben und nicht übers östliche Flachland ausgewichen zu sein!

Gegen 15:00 erreiche ich Megalo Horio. Von Karpenissi geht es im Tal am Fluss entlang fast immer nur leicht bergab; trotzdem sind die vielen kleinen Anstiege zwischendurch schon sehr anstrengend. Ich glaube, die Hitze ist daran auch nicht ganz unbeteiligt, es hat seit Karpenissi 33°C.
Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich nach fünf (Ruhe-)Tagen in Pezoula wieder fit sein werde wie zu Beginn meiner Reise, aber dem ist gar nicht so. Und der Muskelkater heute ist auch komisch; warum erst jetzt?

In Megalo Horio ist im „Haus Petrino“ niemand daheim. Die Fensterläden sind geöffnet, die Blumen frisch gegossen, also ist die Familie einfach nur irgendwo unterwegs. Ich setz mich auf die Bank vor dem Haus, zünde mir eine Zigarre an und bin noch nicht mal fertig damit, da kommen Kiki und ihre Tochter (***) die Straße entlang. Waren zu Besuch bei der Omi.
Große Überraschung, dass ich wieder hier bin, ein bisschen plaudern über dies und das; (***) spricht mittlerweile sehr gutes Englisch!
Zimmer ist natürlich kein Problem, das Haus steht zurzeit komplett leer. Auspacken, ein bisschen ausruhen, duschen; auf der Terrasse sitzen, ins Tal schauen, relaxen…

Später gehe ich in meine „Stammkneipe“ (darf ich das so sagen? Ich war ja schon viermal hier), das „Kafeneio Karveli“ und frage Thanasis nach einer Möglichkeit von W-LAN hier im Ort. Antwort: ja natürlich, hier bei mir
Na super, alles bestens! Mails schreiben, Mails empfangen, Neuigkeiten von Baby lesen!

Anschließend übersiedle ich in die „best tavern in town“, das glaube ich kleinste Lokal im Ort hier, ganz oben am Ende der Gasse. „Grill Thanasi“ hat heuer wieder geöffnet (nicht dass er richtig geschlossen hatte, ist aber nicht immer offen wenn ich hier bin…). Greek Salad, Patates und fünf mega leckere Kalamakia vom Holzkohlengrill. Ein Amstel dazu und alles wird gut. Uff, da hätte ich mich fast übernommen mit dieser Portion, drei Spießchen hätten es mit all den Beilagen auch getan! - Alles zusammen € 19,-


Sa, 15.5.                    Megalo Horio                    Ruhetag

                                        

Frühstück im strömenden Regen.
Kiki sagte gestern schon, dass für heute schlechtes Wetter angesagt sei. Es hat irgendwann nachts begonnen zu regnen und als ich aufstehe, schüttet es noch immer in Strömen.
Während ich auf meiner Terrasse frühstücke, heben und lichten sich die Wolken ein bisschen, zuvor konnte ich nicht mal die paar hundert Meter bis ins Dorf hinunter sehen. Es ist kühl, aber nicht kalt und irgendwann wird´s schon wieder aufhören. Ist ohnehin ein Ruhetag heute.

10:30 der Regen ist vorüber. Aber noch hängen dicke fette schwere Wolken rundum in den Bergen. Habe die Zeit genutzt und mir die nächste Etappe genauer angesehen. Bis Proussos halbwegs normal im Tal entlang; danach aber kommt es nochmal faustdick: denn dann hab ich den letzten richtigen Berg vor mir, einmal noch hinauf auf 1500m! Ab dann abwärts an den Golf von Korinth, ans Meer! Habe aber doch gehörigen Respekt vor dieser letzten anstrengenden Etappe!

Und weiter geht’s mit Regen…

Wahrscheinlich hänge ich noch einen Tag an, hier in Megalo Horio. Meine Beine sind ziemlich schwer und müde.
Von hier sollte ich über Thermo (Quartier), Nafpaktos/Patras (Quartier), Bahn nach Kiato und weiter nach Korinth (Quartier) und Piräus-Fähre-Heraklion am 21.5. in Galini ankommen.

Kiki hat mir gesagt, dass unser nächster Aufenthalt hier im Haus gratis, ein Geschenk anlässlich unserer Hochzeit, ist. Finde ich total nett!

14:00 der Regen ist vorüber, die Wolken haben sich bis über die Berge gehoben, aber es ist ziemlich windig und sieht jederzeit nach neuerlichem Regen aus.
Der Tag ist gelaufen; abwechselnd stürmt und regnet es, dann kommt fünf Minuten die Sonne durch, dann wieder Weltuntergang… Die letzte Prognose für morgen ist etwas freundlicher, aber wirklich besser soll es erst am Montag werden. Na hoffentlich ab 8:00

Später Nachmittag im Cafe von Thanasi I. und Abendessen in der Taverne bei Thanasi II.


So, 16.5.                    Megalo Horio                    Ruhetag

                                        

Hab nach den drei Gläsern Wein gestern Abend gut geschlafen und bin heute um 8:30 wach geworden, weil die Sonne durch die Vorhänge geblinzelt hat! Das ist ein gutes Zeichen!
Beim Frühstück auf der Terrasse ist es aber doch ziemlich windig und kühl. Viel mehr als 10°C hat es nicht; Jean, T-Shirt, Hemd und Jacke und mir ist nicht warm. Wenn gerade diese dunklen bedrohlichen Wolken vorüber ziehen, ist es trüb und kalt; kommt aber zwischendurch die Sonne hervor, brennt es mir die Rübe weg! Extrem.

Der Tag plätschert so dahin, ich spaziere im Dorf herum; aber nach zwei Wandertagen hier kennt man jedes Gässchen und jedes Haus… Ich gehe die alte Ortseinfahrt hinunter bis zur Hauptstraße im Tal, ein schöner Spaziergang; aber egal wie langsam ich auch gehe, nach einer Stunde bin ich wieder zurück.

Ich sitze wieder im Karveli bei Kaffee und Galaktobureko; dieser ist ganz frisch aus dem Ofen und noch brennheiß. Aber seeeehr  lecker!
Alexandros hat 2009 bei einem Wettbewerb mit diesem Kuchen den ersten Platz und eine Auszeichnung gewonnen!

Kuchen ist vertilgt, ich sitz da, die Familie bereitet einen Tisch für deren Mittagessen vor; und weil es ihnen unhöflich scheint, bekomme ich auch ein paar Kleinigkeiten vorgesetzt Bifteki, Wurst, Brot, gebratene Paprika mit Käse gefüllt und ein Glas Rotwein dazu. Damit habe ich nicht gerechnet, ich war doch noch gar nicht eingestellt auf Essen!

Später spaziere ich im Ort auf und ab, aber bald sitze ich wieder bei Thanasi im Cafe, weil es letztendlich doch wieder zu regnen beginnt. Wenn das Wetter morgen doch nur so lange aushält wie heute, dann reicht mir das schon; denn bis 14:00 sollte ich Proussos und den Pass hinter mir haben – hoffentlich!

18:00 es schüttet wieder volle Kanne. Hier vom Kafeneion hat man einen tollen Panoramablick über das Tal hin zu den Bergen – normalerweise. Jetzt sieht man nur Regen.
Morgen fahre ich auf alle Fälle weiter; werde vormittags bei gutem Wind aufbrechen und falls es nicht anders – wetterbedingt – geht, nur bis Proussos fahren und dort ein Quartier nehmen.

Thanasis Cafe:    www.karvelis.com.gr   thancarvelis@hotmail.com


Mo, 17.5.                    Megalo Horio – Thermo                    61km/1410Hm/5:15

                                        

8:00 Abfahrt. Das Wetter sieht gar nicht freundlich aus, aber ich muss los. Ich sehe ja, wie weit ich es schaffe. Es nieselt und ist sehr kühl.
An dem tiefen Einschnitt kurz nach Meg. Horio mache ich einen Foto-Stopp und gleich darauf bleibt ein Auto bei mir stehen. Ein Grieche steigt aus, spricht mich mit sehr gutem Englisch an und wir plaudern kurz. Ein paar Kilometer weiter hat er einen Verkaufsstand an der Straße und ich solle doch auf einen Kaffee vorbeikommen. Gesagt, getan; er, Thanasis, lebt normalerweise in London und ist nur zu Besuch bei seiner Familie hier.

Die Zeit vergeht schneller als mir lieb ist, das Wetter bessert sich ganz langsam – es kommt immerhin die Sonne schon ein wenig durch, dann ist es auch gleich richtig warm! Ich glaube, ich werde heute trotzdem in Proussos Station machen, denn eigentlich möchte ich gerne das Kloster besuchen. Proussos ist angeblich eines der bedeutendsten Klöster Griechenlands.
Es ist schon 10:30 und ich sitze bei Dipotamo, dem Zusammenfluss von Karpenisiotis (braun) und Trikeriotis (klar), in dem kleinen Cafe im Garten. An der Färbung der beiden Flüsse erkennt man gut, in welcher Gegend es zuletzt stark geregnet hat.

12:00 Proussos. Das Kloster liegt tief unten in der Schlucht, ist sehr groß und gepflegt. Die Kapelle selbst ist aber nur sehr klein und an die Felswand geschmiegt. Zwei Leute haben mir zuletzt unabhängig voneinander gesagt, ich solle doch eine Nacht im Kloster verbringen, das sei problemlos möglich und ganz normal; ich solle bloß den Priester danach fragen. Eigentlich hätte ich das auch sehr gerne gemacht, aber es war niemand anzutreffen, nur ein Portier-ähnliches Helferlein; als ich den danach frage, erhalte ich nur ein kurzes „no no“. Schade, war wohl der falsche Ansprechpartner…

Ich fahre wieder in den Ort hinauf, hier sollte es doch Zimmer geben – aber leider auch Fehlanzeige. In der einzigen geöffneten Taverne frage ich, aber es gibt hier keine Unterkünfte. Aber wenigstens gibt mir der Wirt eine Visitenkarte von einem neuen Hotel, südwärts außerhalb der Ortschaft am weg Richtung Lampiri. Der einzige Haken an dieser Sache ist, dadurch muss ich heute noch über den Pass, was zeitmäßig so nicht geplant war… also los!

Gleich nach Proussos war ein Straßenstück von gut 50m Länge komplett weggesackt, inklusive meterlanger, dicker Betonstützwände, Geröll und Bäumen. Die Stelle war aber schon wieder provisorisch aufgeschüttet und passierbar.

14:00 kurze Pause auf 1000m. Verdammt kalt hier.

15:00 auf 1300m beginnt es zu regnen. Widerwillig ziehe ich die Regenjacke über, denn das heißt ab jetzt „Sauna“. Freundlicherweise wird es jetzt auch richtig arschkalt, sodass die zweite Jacke ohnehin notwendig ist. Auch das zweite Paar Handschuhe und die Wollhaube unter dem Helm tun gut …

15:45 der Pass ist erreicht, 1450m. Und damit ich auch wirklich alle Facetten des griechischen Wetters genießen kann, geht der Regen in Hagel über. Klein, aber fein. Das Spektakel ist aber zum Glück nur von kurzer Dauer und die Abfahrt nach Lampiri, zu dem Hotel, kann beginnen. Allerdings eher verhalten und vorsichtig, die Straße ist klitschnass und ohnehin in einem bedauernswerten Zustand.
Wenige Minuten und Kurven später zwingt mich ein wolkenbruchartiger Regen zu einem Halt; da trifft es sich, dass ich gerade eine kleine Kapelle passiert habe, das bedeutet trockenen Unterstand. Und wieder ist kurz danach alles vorüber und die Sonne knallt wieder zwischen den Wolken hervor. Im Großen und Ganzen bleibt es aber kalt und regnerisch.
Das erwähnte Hotel steht etwas abseits der Straße auf einem Hügel im Wald, also nochmal Kräfte sammeln und hoch. Aber schon in Sichtweite wird mir klar, dass der Weg umsonst war: außer zwei hysterisch kläffenden Kötern ist weit und breit nichts und niemand zu sehen – geschlossen.

Zurück zur Straße und weiter talwärts. Irgendwo an einer Taverne frage ich nach Quartier und bekomme als Auskunft in Kallithea. Sind etwa 12km, kein Problem. Ich erreiche so gegen 17:00 Kallithea, mittlerweile ist es wieder wärmer, und frage nochmals nach Hotel: „jaja, sicher, gleich da vorne“! Und was ist? Geschlossen! Es liegt zwar noch etwas außerhalb des Ortes, ich habe aber keine Lust, in den Ort hinunter zu fahren, erst recht nichts zu finden und wieder zur Hauptstraße hoch zu müssen. Thermo ist nicht mehr weit, ca. 10km, und da gibt es zumindest zwei Hotels, das weiß ich.
Also wieder weiter, es geht flott voran, am hauptplatz in Thermo frage ich wieder, in der Apotheke. Ja, gleich hier ums eck gibt es ein ganz einfaches Hotel, oder 2km außerhalb ein sehr schönes, modernes Haus. Ich nehme das Alte, gleich hier ums Eck; da bin ich zentral und habe Geschäfte und Lokale in Reichweite.
Ja, dieses Haus ist wirklich einfach – und für eine Nacht gerade noch ok. Durchgelegenes Bett und  launische Dusche, das war es aber auch schon. Ich habe Hunger und gehe auf Futtersuche. Kali Orexi!
Hier kann man ja wieder zu richtig vernünftigen Preisen essen: 2x Gyros-Pita und ein Amstel dazu € 4,50!
Und es gibt jede Menge Cafe-Bars am Platz und fast überall offenes W-LAN.

Vor dem heutigen Tag, dieser Etappe, hatte ich richtig Schiss; die Strecke, die Höhenmeter, der Pass… Und die Erfahrung, dass ich trotz fünf Ruhetagen in Pezoula immer noch genauso lahme Beine hatte wie davor!
Aber heute war irgendwie alles anders. Obwohl ich über 1400Hm zu bewältigen hatte, ist es mir viel leichter gefallen als die vergangenen Tage. Vielleicht liegt es doch auch an Klima und Temperatur? Heute war es den ganzen Tag kalt; von Dipotamo bis zum Pass hinauf sind es über 1000m Höhenunterschied!


Di, 18.5.                    Thermo-Patras                    67km/770Hm/5:15

                                        

Bis 8:00 geschlafen, eigentlich ganz gut; außer dass mir irgendwann in der Nacht unter dem dünnen Leintuch ziemlich kalt war und ich mir eine dieser alten ekeligen Decken nehmen musste… Dann war´s aber schön warm!
Frühstück vom Bäcker, ein Schinken-Käse-Tascherl und ein Milko-Kakao dazu.

Dann Abfahrt mit Ziel Patras. Eigentlich dachte ich, dass die Berge vorüber seien, die „richtigen“ sind es ja auch; aber das Land ist ja trotzdem nicht platt wie Friesland und so sitze ich jetzt, um halb zwölf, bei meinem Mittagskaffee in Analipsi wieder auf 600m. Mit den Bergen fallen die Preise: Nescafe € 1,-!

Der Wind bläst stark aus Westen, vertreibt dadurch aber auch die Wolken, die teilweise nach wie vor ziemlich düster aussehen. Im Schatten ist es kalt, wirklich kalt, und an einem windgeschützten sonnigen Plätzchen wie hier gerade ist es total angenehm warm.

Nach Analipsi zweigt links eine ehemals unbefestigte, jetzt schmal aber super asphaltierte Straße ab, die genau zum Damm am Evinos und zur Brücke führt. Super tolle Abfahrt, steil und viele Serpentinen!
An der Brücke wollte ich eine Pause einlegen, fahre aber doch bald weiter, weil beide kleinen Tavernen geschlossen haben. Hier finde ich wieder zwei neue bellende Freunde, einen Kleinen und einen Großen. Einer trabt vor mir, der Andere hinter mir her und beide verbellen alles, was mir entgegen kommt, mich überholt oder sich mir sonst irgendwie nähert. Echt super, die zwei! Der Größere fällt irgendwann zurück, der Kleine aber begleitet mich einige Km weit und „verabschiedet“ sich erst unfreiwillig von mir, als es bergab zur Küste geht und ich ihm zu schnell werde.

Jetzt interessiert mich keine Gegend mehr, ich rieche das Meer!!!

Um 14:30 erreiche ich bei Nafpaktos die Küste. Irgendwie ein tolles Gefühl, nach fast 700km durch die Berge! Ich bin auch ein kleines bisschen stolz auf mich - jawohl, jawohl!
Jetzt stellt sich mir die Frage: Nafpaktos oder Rio oder Patras?
Die Richtung ist klar, zur Brücke, zur Fähre, Richtung Patras. Dort will ich hin, dort muss ich hin. Bald bin ich in Antirio, am nördlichen Ende der Brücke, gleich daneben legen die Fähren ab. Ich weiß nicht, ob seit der Eröffnung der Brücke noch immer 24h-Betrieb ist, aber während ich an der Imbißbude eine kleine Jause zu mir nehme – 2 Kalamakia mit Brot, 1 Amstel – legen drei Fähren ab, alle voll gefüllt mit LKWs. Die Maut der Brücke wird wohl deutlich höher sein als das Fährticket. Ich fahre gratis, denn bezahlen muss man nur für Fahrzeuge. Eine Kategorie „Podilato“ (Fahrrad) existiert nicht und Personen fahren sowieso gratis. Die Überfahrt dauert 10-15Minuten und ich gehe in Rio (nein, ich bin noch in Griechenland!) von Bord.

Während ich Richtung Patras fahre, achte ich auf Unterkunftsmöglichkeiten, aber viel bietet sich nicht. Es gibt schon große Strandhotels, aber eigentlich brauche ich etwas in Bahnhofsnähe. So fahre ich weiter und weiter, durch trostloses vorstädtisches Industrie- und Geschäftsgebiet und erreiche letztendlich doch noch Patras. Einfach immer geradeaus, direkt zum Hafen und zum Bahnhof gleich daneben.
Und diese eingleisige Verbindung ist die Hauptader vom Peloponnes nach Athen…? Wahnsinn.

Hotel habe ich relativ schnell gefunden, obwohl die beiden Ersten geschlossen waren… Ich frage in einem Ticketbüro und erhalte gute Informationen. „Hotel Olympic Star“, 3 Sterne, gleich 2x um die Ecke. Ok, € 55,- inklusive Frühstück sind zwar kein Schnäppchen, aber ich habe keinen Bock, jetzt hier zwei Stunden lang nach günstigen Häusern zu suchen. Außerdem ist es nur ein Katzensprung bis zum Bahnhof, vielleicht 500m. Maximal, und die sind bergab
Aaah… ein richtiges Hotel… Duschen, rasieren, ausruhen… Es kommt die Sonne durch und ich sitze zwei Zigarren und zwei Amstel lange auf dem kleinen Balkon in der warmen Sonne…!

Später gehe ich hinüber zum Bahnhof, Tickets für morgen – Rad & mich – besorgen. Patras-Kiato. Schock!!! 1. Zug um 3:30! Hä? Wann bitte? 2. Zug um 7:30, na gut. 3. Zug 20:irgendwas. Uninteressant.
Na gut, wenn das alles ist, nehme ich den um 7:30, habe ja keine großartige Wahl. Also wird leider nichts aus länger schlafen und Frühstücksbuffet genießen… nixi nixi! Aufstehen um 6:00 und hoffen, dass es schon Kaffee gibt!

Der Preis ist ein Hammer; ich hab zweimal nachgefragt und glaube es immer noch nicht recht: € 6,90 für beide Tickets. Hoffentlich komme ich auch wirklich bis Kiato? Draufstehen tut es, und zwei Tickets hab ich auch…

Jetzt sitze ich in einem großen Fast-Food an der Hauptstraße, bei Gyros-Pita und Mythos. Auffällig sind die Mengen der Schwarzen hier; nervig die Straßenhändler, mit Müll und Ramsch. Zusätzlich noch die Zigeunerkinder, die ebenfalls alles Mögliche und Unmögliche verscherbeln wollen oder einfach nur betteln. Das liegt wohl am Internationalen Hafen und den theoretischen „Möglichkeiten“, als blinder Passagier irgendwohin nach Europa zu kommen.
In der Stadt spielt es sich voll ab. Verkehr, Menschen, Geschäfte, Lokale – da ist echt die Hölle los! Langeweile herrscht hier keine. In der Fußgängerzone gibt es Kaffeebars, hypermodern und riesen-riesen-groß, wie Kinosäle. So etwas in diesen Dimensionen kenne ich von Wien nicht.

Jetzt muss ich mich nur noch mit dem 7:35-Zug-Gedanken abfinden…


Mi, 19.5.                    Patras-Piräus                    (160km mit Bus, Bahn & Schiff) 35km/200Hm/2:30

                                        

6:00 aufstehen. Tyropita & Milko vom Periptero.
7:30 Abfahrt. Schas. Der Zug fährt nur bis Diakofto; ab dort dann Schienenersatzverkehr mit Bussen bis Kiato, die Bahnstrecke wird komplett erneuert, ausgebaut und elektrifiziert. Da es im Bus keine Fahrradmitnahme gibt, heißt das für mich, ein zusätzlicher Fahrtag. Denn ich hab nun eine Lücke von etwa 60km.

Na ging ja doch mit dem Rad. 50 Minuten bis Diakofto, kurz auf den Bus warten, den Fahrer fragen – und ab mit dem Rad in den Gepäckraum, wo ich es sogar stehend unterbringe, so geräumig ist das. Eine knappe Stunde später erreiche ich Kiato. Hinauf zum Bahnsteig, keine 10 Minuten später sitze ich im Zug Richtung Megara. Ab hier ist die Strecke schon vierspurig ausgebaut, aber noch nicht fertig elektrifiziert. Ich könnte mit dieser Verbindung sogar bis direkt nach Piräus, zum Hafen, fahren – aber was mache ich um 11:00 schon dort? Deswegen Megara und weiter mit dem Rad über die Insel Salamina nach Athen.

Von Megara ist es dank GPS und Feldwegen nur ein Katzensprung zur Fähre nach Salamina. Die kostet übrigens € 0,60! Die Überfahrt dauert keine 5 Minuten und eigentlich müssten sich die drei hier verkehrenden Fähren andauernd in die Quere kommen

Die Weiterfahrt durch Salamina ist nett, aber unspektakulär. Nach 40 Minuten bin ich am Hafen an der Ostseite der Insel.
Vom Flair des Rembetiko habe ich leider nichts bemerkt…

War der Hafen an der Westseite nicht mehr als ein kleiner Kiosk an einer betonierten Anlegestelle, ist hier die Hölle los! Fähre neben Fähre, soweit das Auge reicht; Autos, Menschen, Lärm, Verkehr… Ein Vorgeschmack auf Piräus. € 0,90 kostet das Ticket für die Überfahrt nach Perama.

13:00 ich sitze irgendwo - ist das schon Piräus?  - in einer Art Fußgängerzone in einer kleinen Taverne und führe meinem Körper Elektrolyte in Form eines Amstels zu. Ich habe jede Menge Zeit, es sind nur noch 5km bis zum Hafen, zum Gate 3. Der Tag, die Fahrt von Patras nach Athen, lief ja doch viel besser als erwartet.

13:30 Ankunft in Piräus am Hafen. Die Fahrt ist zwar etwas mühsam, solange ich mich auf den Hauptstraßen bewege, aber doch auch weniger schlimm als befürchtet. Das letzte Stück fahre ich auf parallel verlaufenden Nebenstraßen und da ist nur sehr wenig Verkehr.

Den Nachmittag verbringe ich in der Hafengegend. Ich fahre zu der Taverne, wo ich auch mit Chrisi schon gewesen bin, am Markt, zwischen Fisch- und Fleischständen mit entsprechender Atmosphäre, Live-Musik und Gesang. Ein Erlebnis! Ich esse eine Kleinigkeit und schlendere durch die Hafen-Gegend, damit die Zeit vergeht. Hier gibt es immer viel zu sehen, bald ist es 18:00 und ich kann auf die Fähre. Kabine 6016, 4-Bett außen. Noch alleine, also gleich duschen, es war sehr heiß heute.

Das Ticket, welches ich in Venedig auf ein „offenes“ nach Chania getauscht hatte, wurde hier wiederum anstandslos und freundlich auf eines nach Heraklion gewandelt. In dieser Hinsicht ist ANEK wirklich vorbildlich kundenfreundlich und entgegenkommend.

Ich war seit dem Auslaufen nicht mehr in der Kabine, erst jetzt, um zu sehen, wer denn die Kabine mit mir teilt. Aber jippiiieee, ich bin alleine!
Habe mir an Bord eine W-LAN-Wertkarte gekauft, 90min/€ 6,- ist ganz ok.


Do, 20.5.                    Heraklion-Agia Galini                    15km/300Hm/1:15

                                        

In der Nacht werde ich irgendwann wach, weil das Schiff rollt und die Wellen laut gegen den Rumpf schlagen. Es ist aber nicht besonders arg und nach einiger Zeit wieder vorüber. Der Rest der Überfahrt ist ruhig.
Pünktlich um 6:00 erreichen wir Heraklion. Es ist nicht besonders viel los auf der Fähre und nach kaum 5min bin ich draußen und unterwegs zum Chania Porta; ausserhalb dieses alten Stadttores befindet sich die Busstation nach Mires/Timbaki/Galini. Ticket € 6,50 und Rad € 3,-

Abfahrt des Busses 6:30, besser könnte es nicht sein. Eine halbe Stunde zwischen Fähre und Bus ist perfekt.
Auch hier ist das Rad kein Problem und scheint üblich zu sein. Eigentlich möchte ich so schnell als möglich nach Galini, die Strecke quer durch Kreta reizt mich überhaupt nicht. Ich hätte den Bus bis Ag. Varvara nehmen können, dann wäre ich auf halbem Weg am höchsten Punkt und es ginge hauptsächlich bergab zur Südküste; aber wie gesagt, die Strecke gibt überhaupt nichts her und ist mir viel zu langweilig. Bis nach Galini möchte ich aber auch nicht fahren, das widerspricht meiner Vorstellung von „mit dem Rad nach Galini“…

Also entscheide ich mich für den bestmöglichen Kompromiss: Bus bis Kokkinos Pirgos, die letzten 15km dann mit dem Rad. So kann ich ruhigen Gewissens sagen, ich bin mit dem Rad angekommen!

8:00 Kokkinos Pirgos, 9:15 Agia Galini

Hafenrunde,  Erinnerungsfotos an der Ortstafel und am Hafen unten; zu Niko ins Haus Stelios und Zimmer beziehen. Nummer 6, das Große über der Bar. Plaudern, Essen bekommen, Wein dazu… wie jedes Mal.
Dorfrunde machen, bei Werner melden, viele Bekannte treffen. Heike & Christian; Rosi & Kurt; die beiden älteren Mädels, die ich mal von Jorgos entlang der Küste nach Galini "geschickt" habe…

Irgendwie schon eigenartig: egal, wann ich hier bin, seit Jahren läuft man immer wieder den selben Gesichtern über den Weg. Galini hat einen großen Teil „Wiederkehrer“. Ist das überall so?
Abendessen bei Popi: Kalamari, Käse, Wurst, Salat, Brot; Wein, Bier, Raki.


Mit der Ankunft in Agia galini ist meine Reise nach Kreta zu Ende. Die kommenden Tage werden einfach Urlaubstage sein, für Petra ihre Ersten, denn sie war noch nie zuvor in Griechenland.
Hoffentlich gefällt es ihr


Fr, 21.5.             Agia Galini

Ab jetzt Urlaub. Jeden Tag dasselbe, jeder Tag ein bisschen anders.
Ostria: Suzuki Jimny € 180,-/7 Tg.
Agamemnon, 14 Personen; wieder einmal super gut. Die üblichen Vorspeisen, Hauptspeise Akrimi (Kretische Wildziege, Jagdverbot)

Mo, 24.5.           Petra kommt!

Baby abholen vom Flughafen. Bei der Rückfahrt Demonstration und Straßensperre oben bei Mantras, wegen Kallikratis-Plan (Zusammenlegung von Gemeinden). „Zwangspause“ in Kokkinos Pyrgos.

Benzin: € 1,84, Diesel: € 1,45 !!!

Do, 27.5.            unser offizieller Verlobungstag!

Abendessen bei Janni in Lochria; Torte von Werner. Schön!