31.8.-26.9.2010 Petra & Robert reisen mit der Twin nach Kreta


Auf Grund der besch...enen Wetterverhältnisse entscheiden wir kurzfristig, dass Petra mit dem Auto nach Celje fährt und ich alleine auf dem Motorrad den Regen genießen werde. Es hat hier in Wien 10°C und pünktlich um 7:00 setzt der angekündigte Regen ein.
Ich packe alles Gepäck ins Auto, auch die Alu-Boxen, und habe nur noch meinen kleinen Rucksack im TopCase dabei.
Es soll ja nur nördlich der Alpen so schlecht sein, also nehme ich an, dass es ab Graz etwa wieder besser sein wird.
Meine Fahr-Bekleidung: Schi-Unterwäsche, GoreTex-Jacke, Schi-Jacke; lange Unterhose, Motorrad-Hose, Regenhose; Schi-Stutzen und Gore-Stiefel; gestern war ich noch beim Louis und habe mir dicke Gore-Handschuhe gekauft, die dünnen Tuareg Summer hätten wohl nicht gereicht. Sturmhaube. Ich komme mir vor wie auf einer Nordpolexpedition...


Di, 31.8.          Wien-Celje-Ljubljana-Venedig          (655km)

                                        

8:00 Abfahrt.
Petra im wohlig warmen, trockenen Passat, ich "in der freien Natur" am Mopped. Strömender Regen, kalt.

9:30 Zöbern.
Kurzer Stopp, nur schauen, ob alles passt.

Am Wechsel zeigt das Thermometer 4°C!!!
Trotzdem geht es mir aber sehr gut, nur an den Zehenspitzen kommt etwas die Kälte durch. Und am Kragen der Schijacke drückt es mir etwas Regen hinein, die Feuchtigkeit verliert sich aber zwischen den vielen Schichten und kommt nicht zu mir an den Körper. Abgesehen davon bin ich trocken und warm. Alles bestens, habe ich eigentlich nicht so erwartet und mir deutlich schlimmer vorgestellt.

11:00 Gralla.
Treffpunkt, Kaffeepause. Langsam kriecht mir trotz der vielen Wäsche die Kälte in die Knochen.

12:00 Celje - und sonnige 20°C!!! Seit Graz war es trocken, und endlich ist es wieder angenehm warm
Metka hat Essen für uns vorbereitet (und auch gleich noch Sandwiches für die Fähre), Renato die Garage für mein Auto frei gemacht. Essen, plaudern, auftauen, Petra "Mopped-reisebereit" machen.

15:00 Ljubljana.
Kurzbesuch bei Miro. Kaffeepause, wir halten uns aber nicht lange auf; mit jeder Pause wird unser Zeitplan straffer. Aber es wird wärmer und wärmer, mittlerweile hat es schon herrlich angenehme 25°C!

18:30 Ankunft in Venedig.
29°C bei strahlend blauem Himmel. Wir sind fast die letzten, die auf die Fähre gehen, nur noch drei oder vier LKWs warten hinter uns. Ich fahre ins Untergeschoß, hinter mir wird die Abfahrtsrampe geschlossen. Eigentlich sollten wir somit in Igoumenitsa unter den Ersten sein und flott aus der Fähre kommen.

Lefka Ori, Kabine 7023; 2-Bett außen. Eine "richtige" 2-Bett-Kabine mit Doppelbett, schön geräumig.

19:00 Ahoi!
Es geht los, die Fähre legt ab!


Mi, 1.9.          Venedig-Igoumenitsa          (1000km auf See)

                                        

Laaange schlafen! Gestern Abend haben wir nicht mal mehr eine Runde auf dem Schiff geschafft; wir waren beide ziemlich k.o. und schnell im Land der Träume.

Es ist viel los auf der Fähre; sonnig und heiß. Wir pendeln zwischen in der Sonne sitzen und in der Kabine dösen (Kabinenparty, hehe).
Pünktlich um 19:00 legen wir in Igoumenitsa an. Vom Deck 2 (1. Unterdeck) dauert es trotzdem über eine Stunde, bis ich mit der Twin aus dem Bauch der Fähre daußen bin...

Die Sonne geht schon unter und wir fahren direkt zum Hotel Egnatia. Zimmer 305, alt und einfach wie immer.
Es h
at sich nichts verändert - außer dem Preis: stolze € 40,- ohne Frühstück; ganz schön heftig für dieses doch sehr rustikale Haus.

Wir gehen noch essen in eine der nahen Psistarias, unsere Unterkunft liegt ja mitten im Zentrum.
2x Gyros-Pita, 2 Bier, 1 Cola, 1 Salat € 13,- geht ja wieder!

Dann ab ins Bettchen und schnell fallen uns die Äuglein zu.


Do, 2.9.          Igoumenitsa - Metsovo          (175km)

                                        

9:00 Abfahrt.
Noch schnell zum Bäcker, Frühstück kaufen. Dann fahren wir hinauf zu dem großen Café am Hügel hinter der Stadt, von wo man einen tollen Ausblick auf die ganze Bucht und den Hafen hat. Leider ist das Café geschlossen und auch die Zugänge zu den Terrassen sind mit Gittern und Ketten versperrt. Damit wird es leider nichts mit dem tollen Ausblick...

So verdrücken wir unser Frühstück am Straßenrand in der Morgensonne und fahren weiter.
Über Vrossina (kurze Pause) erreichen wir Ioanina. Dort spazieren wir ein bisschen in der Altstadt herum und auch hinauf zur Moschee. Dann noch ein Kaffee in einem der Lokale am Seeufer; es ist sehr warm hier, knapp 30°C.

Entlang der alten, kurvigen Straße nach Metsovo gibt es kaum Verkehr, auf den 50km begegnen uns vielleicht fünf Fahrzeuge.
Gegen 16:00 sind wir in Metsovo beim Hotel Kassaros. Stergios empfängt uns mit einer "Spezialität", er hat vor einigen Tagen eine Flasche Raki aus Kreta bekommen

Wir beziehen unser Zimmer 305 (1. Stock, ganz rechts hinten) und spazieren danach durch die Ortschaft. Essen in dem kleinen Grill-Lokal am Hauptplatz; dort, wo man das Fleisch noch auf Fettpapier serviert bekommt.
Dann noch mal ein paar Schritte um den Platz und zurück ins Hotel.


Fr, 3.9.          Metsovo - Monodendri - Metsovo         ( 210km)

                                        

Um 10:00 fahren wir los, es soll eine große Runde durch die Zagoria werden. Das Wetter ist schön; zwar kühl, aber sonnig. Wir fahren am Ufer des Aoos-Lakes entlang nach Norden; schöne, menschenleere und unbesiedelte Landschaft. Immer wieder Kühe, Schafe und auch Pferde auf und neben der Straße. Kurven, Kurven, Kurven. Das Fahren macht echt Spaß hier. Wir sehen viele der alten Steinbrücken, auch die bei Kipi und die große Kokori´s Bridge ein Stück davor. Es sind zwar nur 110km, trotzdem erreichen wir Monodendri erst gegen 14:00. Wir spazieren zum Aussichtspunkt bei Oxia und genießen den beeindruckenden Blick in die Tiefe und Weite der Vikos-Schlucht.

Anschließend essen wir eine Kleinigkeit in der Taverne in Monodendri. Das Dorf mausert sich von Jahr zu Jahr; wirklich sehr schön und gepflegt hier.

Weil es schon seit einiger Zeit immer trüber wird und schon ziemlich düster ist, beschließen wir, den Heimweg etwas zu verkürzen. Statt die anspruchsvolle und zeitaufwändige, aber schöne Strecke über Giftokambos und Vouvoussa durch die Berge und den Nationalpark zu nehmen, fahren wir auf Asphalt direkt nach Ioanina hinunter und über die Autobahn zurück nach Metsovo. Eine gute Wahl, denn kaum zurück im Kassaros beginnt es intensiv zu regnen. Abendessen in der Grilltaverne gleich nebenan.


Sa, 4.9.          Metsovo - Pezoula         ( 135km)

                                        

Es regnet die ganze Nacht ohne Unterlass.
Um 8:00 ist es immer noch grau in grau und nach wie vor regnet leicht, bei frischen 12°C. Leider sieht es auch gar nicht nach großartiger Besserung aus; im Gegenteil, die Prognose für nachmittags ist wieder deutlich schlechter. Also ab zum Frühstück und bei gutem Wind los!

Strecken-Alternativen gibt es keine, denn auch Kalambaka, Ioanina, Karpenissi und Igoumenitsa haben Schlechtwetter; also eigentlich quer durch das ganze Festland hier im Norden. Scheiße...
Im Moment regnet es wieder ziemlich stark und so haben wir keine Eile beim Frühstücken und Packen.

Etwa gegen 11:00 brechen wir auf, der Regen lässt gerade etwas nach. Wir befolgen Stergios´ Rat und fahren nicht über den Katara-Pass, sondern nehmen die Autobahn. Oben auf 1750m ist es sicher noch deutlich kälter und es ist nicht auszuschließen, dass es möglicherweise sogar Schneeregen geben könnte. Entlang der Odos Egantia haben wir, zumindest hier in den Bergen, mehr Tunnel als "freie" Abschnitte; so kommen wir die ersten 20km bis Panagia sogar relativ trocken voran. Hier verlassen wir die Autobahn und fahren auf der alten Straße weiter; jetzt regnet es wieder sehr stark.

Je weiter wir uns aus den Bergen hinaus bewegen, desto mehr lichtet sich der schwarze Himmel über uns und auch der Regen lässt langsam nach. Eigentlich läuft es besser als erwartet, wir haben beide alles an Jacken, Shirts und Hosen an, was unter die Motorradwäsche passt

Wir kommen tiefer und tiefer und an der Brücke nach Kerasia ist das Wetter bereits trocken. Und deutlich wärmer! Hier auf nur mehr 300m Seehöhe hat es bereits 23°C, was bedeutend angenehmer ist als die in die Knochen kriechende feuchte Kälte im Gebirge.

Weiter nach Chrisomilia und hinauf Richtung Pertouli dreht sich das Wetter wieder, mit zunehmender Höhe kommt auch der Regen wieder zurück. Hier auf 1300m Höhe fahren wir komplett in der Wolkendecke, die Sichtweite beträgt stellenweise keine 20m! Das ist jetzt das unangenehmste Stück Strecke heute; Regen, Kälte und dazu auch keine Sicht...

Etwas später, in Pili und Mouzaki, ist es wieder trocken und warm; wir sind ja auch wieder ziemlich tief unten, auf nur mehr weniger als 200m Seehöhe.

Aber, unschwer zu erraten, ab hier und hinauf zum See Plastiras fahren wir wieder in die Wolken und den Regen hinein. Eigentlich wie erwartet. Heute bekommen wir aber wirklich laufend kalt-warm-trocken-nass... An der Stelle, wo man das erste Mal Blick auf den See hätte, sehen wir nichts außer 20m Straße vor uns und ringsum dicke graue Nebelsuppe. Erst kurz vor Kalivia heben sich die Wolken und geben den Blick auf den See frei. Es bleibt aber den ganzen Tag kühl, feucht und wechselhaft.

Als wir in Pezoula im Haus "To Petrino" ankommen, steht sofort Dora in der Türe und begrüßt uns aufs Herzlichste! Nach einer kurzen Begrüßungsplauderei beziehen wir unser Zimmer und wärmen uns erstmal ein wenig auf.

Am Abend gemütliches Beisammensein mit Dora und Tasos und den anderen Gästen hier im Haus: ein griechisches Pärchen aus Mesolongi und Kostis, der hier in der Nähe bei Ausgrabungen beschäftigt ist. Der Abend wird lange, Tasos bestellt telefonisch Essen von der Grill-Taverne in Neohori (ja, auch hier gibt es Lieferservice) und wir haben viel Spaß! Kostis lebte einige Jahre auf Kreta und kennt Details zu fast jeder Ecke und jeder noch so kleinen Siedlung, besonders in Westkreta. Ein schier unerschöpfliches Thema - er überhäuft mich mit tollen Informationen, die gemachten Notizen dazu reichen für mindestens fünf Jahre Urlaub auf Kreta aus...!


So, 5.9.          Pezoula         (63km)

                                        

Ausgiebiges Frühstück, wieder lange und interessante Plauderei mit Kostis; er spricht perfekt Englisch, hat in London Anthropologie studiert.

Es ist schon fast Mittag und langsam wird es draußen freundlicher. Die Wolkendecke hängt zwar immer noch geschlossen über uns, aber deutlich heller und höher. Man kann durch sie auch schon erkennen, wo die Sonne steht

Freudig satteln wir unser Eisenpferd und fahren zum Kloster Pelekitis. Es ist jedesmal wieder beeindruckend, wie sehr verwinkelt die Gänge, Räume und Treppen angeordnet sind; der Eingangsbereich führt durch einen Höhlengang, das Innere der Kapelle ist prunkvoll eingerichtet.
Hier auf 1200m sind wir wieder mitten in den Wolken; wir fahren weiter zum Staudamm und spazieren herum. Viele Wochenend-Ausflügler, die Verkaufsstände mit Souvenirs und "Waren aller Art, die man unbedingt braucht" sind gut besucht. Etwas später sind wir wieder zurück in Kalivia und genießen einen Kaffee unten am See.

Um 20:00 ist Treffpunkt im Haus, wir gehen mit Dora und Tasos essen. Eigentlich wollten wir nach Anthochori zu Eleni, doch die hat eine ganze Woche geschlossen, weil ihr Sohn geheiratet hat. So fahren wir hinauf nach Filakti. Dort gibt es ganz leckere Paidakia! Petra verlegt sich aufs Gemüse und zu Spaghetti, wir verdrücken ein Kilogramm Lamm-Kotelettes!

Und ausreichend Wein dazu!
Der Abend ist sehr nett und wir haben etwas Schönes vereinbart: Tasos wird der Taufpate unseres Kindes sein


Mo, 6.9.          eine Runde um den See          (101km)

                                        

Zuerst möchte ich die neue Straße nach Neraida nehmen, die ganz oben am Wald, am Ortsende von Pezoula, beginnt. Tasos sagte, bis auf ein Stück von 500m sei sie fertig asphaltiert. Das stimmt eigentlich auch, aber genau dieses eine Stück der Straße ist nach dem Regen der vergangenen Tage so sehr matschig, mit dem "Endourance" einfach nicht fahrbar. Also umdrehen und zurück auf die "alte" Straße, die etwas weiter unten verläuft. Bald sind wir in dem kleinen Ort, der aus vielleicht 20 Häusern besteht - aber trotzdem etwas Besonderes ist: hier gibt es einen Schilift! Wir fahren weiter den Berg hoch, bis zum Schutzhaus auf 1520m. Bis hierher ist die Straße auch ganz neu asphaltiert. Leider ist mit "Blick auf den See" gar nichts, denn wir stecken wieder mal in den Wolken...

Kurzer Rundgang, dann versuche ich mich am direkten Weg zum Kloster Pelekitis, es sind ja nur mehr 2km von hier. Aber dasselbe wie schon zuvor - mit diesen Reifen einfach nicht fahrbar. Total rutschiger Erdboden - tief, nass, weich und klebrig. Also auch hier Umkehr. Wieder bereue ich es, dem Metzeler Tourance den Vortritt gegen den Mitas E09 gegeben zu haben. Aber das Sicherheitsdenken in Erwartung vieler nasser Straßen-Kilometer war hier ausschlaggebend; leider müssen wir deswegen jetzt hier auf einigen Spaß und interessante Strecken verzichten.

So kommen wir wieder hinunter bis Kalivia und starten von dort unsere See-Runde; zum Damm und am gegenüber liegenden Ufer wieder zurück. Einige Stopps unterwegs, Kaffee in einer Taverne auf einer Landzunge, als einzige Gäste. Von hier können wir auch sehr schön den Regen beobachten, der gerade über Kalivia und Pezoula am Westufer niedergeht!
Es ist kohlrabenschwarz über den Bergen, aber wir hier herüben bleiben trocken und bekommen nur ein paar einzelne, große fette Tropfen ab.

In Mesonikolas halten wir an und suchen nach einem Weingeschäft, denn aus diesem Ort sollen ausgezeichnete Weine kommen. Ich frage im Kafeneion und der nette junge Mann verweist mich an das letzte Haus im Ort. Dort angekommen bin ich einigermaßen überrascht: das ist ja eine richtige Weinkellerei, total modern und groß aufgezogen.

Die Mama des Hauses begrüßt uns freundlich und sofort stehen einige Kostproben bereit, die Roten schmecken mir zum Teil sehr gut! Aber kaufen möchte ich "normalen" Tischwein, den gibt es in der 5-Liter-Box (€ 10,-); genau das brauchen wir für Tasos, deswegen sind wir hier.

Wieder weiter unten am Seeufer fahren wir noch eine Landzunge ganz hinaus bis zu einer kleinen Insel, ziemlich genau gegenüber von Kalivia, und dann weiter "nach Hause".
Um 18:00 sind wir wieder im Zimmer.

Tasos hat schon den Grill vorbereitet, heute gibt es Kontosouvli im Ölpapier; 4 Kilo Fleisch auf 2 Spießen, zweieinhalb Stunden am Grill. Mampf! Petra ruht etwas, ich setze mich zu Tasos und bei einer Flasche Tsipouro und tiefsinnigen Gesprächen ist die Zeit schnell um

Dora hat in der Zwischenzeit drinnen den Tisch vorbereitet und um 21:00 ist es soweit, die große Völlerei geht los! Salat aus dem Garten, Feta, Käseaufstrich, Tsatsiki, eingelegte gebratene Paprika und viel Brot und Wein dazu. Seeehr lecker!
Es kommen noch weitere Gäste; Maria und Thanasis vom Shop im Ort unten, der 81jährige Onkel Takis und noch ein Gast vom Haus hier.
Randvoll bis zum Hals sitzen wir hier bis weit nach Mitternacht, bis endlich alles weggeputzt ist... Ein sehr schöner, netter Abend.

Dora und Tasos sind perfekte Gastgeber!!!

Die Taverne "903" (der Name leitet sich von der Seehöhe des Dorfplatzes her) hat auch wieder geschlossen und steht zum Verkauf; teuer scheint nur die Ablöse zu sein (keine Ahnung, wie viel), denn Eigentümer ist die Kirche und die monatliche Pacht beträgt nur € 200,-. Tasos scheint ernsthaft zu überlegen, denn er träumte vergangenes Jahr schon von einer eigenen Taverne hier im Ort.


Di, 7.9.          Pezoula

                                        

ENDLICH SONNE!!!!!!!!!!!!!!!!

Gemütliches Frühstück und danach gleich ein bisschen in der Sonne sitzen!
Die ersten Sonnenstrahlen seit Metsovo!
Herrlich angenehm!

Am späten Vormittag fahren wir hinunter zum See, zu Dimitris Platz, und leihen uns zwei Hydrobikes (Tretboot-Fahrräder). Damit radeln wir fast zwei Stunden am See herum und das macht Petra sehr viel Spaß, mir natürlich auch
Auf einer kaum 20m² kleinen Insel mit einem einzigen kleinen Baum legen wir eine Pause ein und genießen Ruhe und Sonne. Badeklamotten haben wir keine dabei, denn ich hab nicht erwartet, dass der See so warm ist; also hüpfe ich eben wie Gott mich schuf ins Wasser.

Wieder zurück beim Verleih lässt sich Alex nichts bezahlen – „Dimitris said so“.
Aber zumindest für Paschalis, Dimitris Hund, haben wir etwas dabei; Petra hat von gestern Abend die Knochen und Reste eingepackt und jetzt ist für Paschalis Ostern und Weihnachten zugleich!

Zu Paschalis, Dimitris Hund:

Das ist ein riesengroßes Tier, ein Kopf wie ein Fass und Pranken wie ein Bär. Wiegt etwa 50kg, ist aber die Gutmütigkeit in Person. Paschalis war auch im Mai schon hier; er ist Dimitri beim Shop zugelaufen, war aber sichtlich schwer krank und hat scheinbar auf diese Weise Hilfe gesucht. Er war total schwach und schlapp, konnte sich kaum mehr richtig auf den Beinen halten und hat sich nur mehr ganz zaghaft bewegt. Er kam einfach zum Shop und ging nicht mehr weg. Nach ein paar Tagen hatte Dimitri den Hund ins Auto gepackt und ist mit ihm nach Karditsa ins Tierspital gefahren. Dort wurde eine Blutvergiftung diagnostiziert und er musste für ein Monat dort bleiben; schließlich wurde er wieder gesund und ist jetzt ein großer, lieber und verspielter Hund! Und weil das Ganze zu Ostern war, was im Griechischen "Pas-cha" heißt, nannte Dimitri den Hund eben Paschalis.

Petra sagt, er ist ein "Shar Planinar", ein jugoslawischer Hirten-(Schäfer-)Hund.

Anschließend fahren wir hinauf zum Shop und treffen dort wie vereinbart Dimitri, wir wollen gemeinsam Fisch essen gehen. Wir tauschen kurz GPS-Kartenmaterial aus und zu meiner großen Überraschung schenkt mir Dimitri das Buch in dem ich gestern so interessiert geblättert hatte, "Radreisen in England, Schottland und Irland"! Er hat vorne auch noch etwas sehr nettes hineingeschrieben, worüber ich mich sehr gefreut habe: "... für meinen Freund Robert!"

Wir fahren mit seinem Auto nach Messa (?), einem kleinen Anwesen, einer Fischzucht; total abseits, versteckt im Wald, am Fluss. Hier gibt es eine Taverne, die aber bis weit über den See hinaus für ihre Forellen bekannt ist. Wir sitzen auf der Terrasse, die auf Gerüst-Stelzen über dem Fluss errichtet ist und gar nicht besonders stabil aussieht... und essen ganz ausgezeichnet:

Vorspeise: Tsipouro, als Meze dazu geräucherte Forelle mit diversen pikanten Beilagen
Hauptspeise: Forelle vom Grill, leckere Beilagen, dazu Weißwein aus Mesenikolas
Nachspeise: gab e auch, kann mich aber nicht mehr erinnern...

Kurz vor Ende stehle ich mich davon um zu bezahlen, denn eigentlich wollen wir Dimitri heute einladen - was er aber gar nicht so sieht. Als er bei der Nachspeise den Kellner nach der Rechnung fragt und dieser sagt, das wäre schon erledigt, gibt es kein Entkommen für mich. Er besteht vehement darauf, die Rechnung selbst zu übernehmen und letztendlich muss ich mich dem fügen... Nebenbei möchte ich bemerken, dass die € 50,- für dieses ausgezeichnete Essen, die Menge und Qualität gar nicht teuer ist.

Von hier fahren wir weiter nach Neohori, ganz hinauf zu Dimis Haus, gleich neben der Kirche. Hier hat er sich eingemietet, in einem alten, kleinen Haus, mit traumhaftem Fernblick über den See Plastiras und noch weiter hinaus in das dahinter und tiefer liegende Flachland. An klaren Tagen sieht man von hier bis zu den Meteora-Felsen und auch den Olymp; ich denke, das werden dann gute 100km sein.

Wir schlürfen griechischen Kaffee auf der Terrasse, Petra schaukelt im Hängestuhl und wir genießen den absolut tollen Ausblick. Später fahren wir wieder zurück zum Shop, wo auch unser Motorrad steht; wir nehmen einen Abstecher zum Seeufer hinunter, dort gibt es unzählige schöne kleine versteckte Plätze, die zum Grillen und Campen einladen. Dimi packt ein riesiges Stück Holz ins Auto, das komme ins Geschäft - er hat sowohl im Shop als auch in der Wohnung ganz skurrile Holzstücke zusammengetragen, im Wohnzimmer z.B. hängt ein gut 4m langer, schlangenförmig gewundener Ast an der Wand

Wir verabschieden uns sehr herzlich und fahren heim nach Pezoula. Das war heute ein sehr schöner und angenehmer Tag in Dimis Gesellschaft. Vielleicht kommt er ja auch im Winter mit Margarita, seiner Lebensgefährtin, einmal nach Wien - das wäre ganz nett!

Petra geht ins Zimmer, ich sitze noch ein Weilchen mit Tasos bei einem Kaffee beisammen. Es kommen noch Alexandros und Maki dazu, aber ich bin auch bald im Zimmer und obwohl der Tag körperlich gar nicht anstrengend war, fallen wir beide todmüde in unser Bettchen.


Mi, 8.9.          Pezoula         (62km)

                                        

"Lazy Day" in Pezoula.
Lange schlafen, lange frühstücken, die Sonne und die Ruhe genießen und aufsaugen.

Später setzen wir uns aufs Mopped und fahren in der Gegend herum:

) Moni Panagia: die kleine Kirche außerhalb Pezoulas, tief versteckt im Wald
) Thanasis & Marias Antiquitätenshop und Kunstgalerie: hier kaufen wir das Hochzeitsgeschenk für Jenny & Jorgo, eine auf Holz gemalte Ikone
) Taverne Eleni in Antochori: ist ja wegen der Hochzeit des Sohnes geschlossen; wir fahren trotzdem hin und sehen uns den kleinen Ort an
) Mouzaki: Kaffee am Hauptplatz, in einem typischen "Landstraßen"-Kafeneion: billig, aber einfach; Eis am Periptero
) Abendessen mit Dora & Tasos in Neochori, in der kleinen Post/Supermarket/Periptero/Casino - Taverne. Paidakia und Rotwein. Alles ganz gut, aber mir persönlich "lämmert" das Fleisch hier ein bisschen zu viel. Mir schmecken die Paidakia in Filakti besser.
) Von Dora haben wir ein kleines Geschenk bekommen: einen "Schlüssel zum Glück"

Zimmer bei Tasos & Dora: € 200,- für fünf Nächte, und das "absolutely all inclusive"!

Im Oktober sollen die beiden her im Haus endlich Internet bekommen!


Do, 9.9.          Pezoula - Megalo Horio          (153km)

                                        

Dora bäckt extra für uns zum Frühstück Tiropites; aber eigentlich gibt es sowieso jeden Tag etwas Frisches!

Heute ist der Tag unserer Abreise; langsam packen wir unsere Dinge und satteln die Twin reisefertig, Tasos und Dora beobachten uns dabei belustigt.
Die Beiden fahren heute mit der Bahn nach Athen, es gibt nach 6 Monaten endlich einen Miet-Interessenten für ihre Wohnung im Zentrum; um 13:00 Abfahrt, 4 Stunden Bahnfahrt (ohne Zigarette!), 18:00 Termin, 21:00 Rückfahrt (wieder 4 Stunden nix Rauchen für Tasos...).

Kurz bevor wir losfahren kommt auch noch Takis herüber zu uns; um 11:00 geht’s aber los!
Wir fahren zuerst hinunter nach Karditsa, da geht es erst mal kurvige 600Hm bergab ins Flachland. Von dort über langweilige Gerade weiter nach Kedros, erst ab da wird die Gegend wieder etwas hügelig - aber trotzdem keine schöne Landschaft, nach den vielen Bergen bisher. Den Umweg zum Damm Smokovou hätten wir uns sparen können, dort gibt es aber auch gar nichts sehenswertes. Damm und Stausee, aber beides unspektakulär und unattraktiv.

Aber zumindest wird ab hier die Strecke wieder schöner.
Es geht wieder in die Berge, und ab Fourna ist die Strecke wieder richtig toll zu fahren: Wald, bergauf, bergab, schmale Straße, viele Kurven und kein Verkehr!

Kaffeepause in Fourna. Wir werfen einen Blick in den kleinen Laden am Platz, der aussieht, als wäre die Zeit vor hundert Jahren stehen geblieben. Die Regale voll mit allem, was in so einem kleinen Dorf notwendig ist; Lebensmittel, Zeitungen, Hausrat, Zigaretten, Spielzeug, usw... Da kramt der Besitzer alte Fotos und ein vergammeltes Buch hervor und wir staunen nicht schlecht, als er uns alte Geschäftsaufzeichnungen bis zurück zum November 1896 zeigt!

Nach einem Besuch im Kafeneion, das mit dem Dimarcheion in einem Gebäude gleich neben der Kirche untergebracht ist, fahren wir wieder weiter. Jetzt geht es nochmals über einen Pass auf ca. 1500m, bevor wir Karpenissi erreichen. Doch plötzlich steht da mitten auf der Straße ein Schild: "Straße gesperrt" und irgendwas von "Danger" und "Felsen". Umleitungen über Dörfer links und rechts in jeweils ca. 20km Entfernung; aber soweit der Blick reicht, ist auf der Straße nichts zu erkennen, und man sieht vor hier schon fast bis zum Pass hinauf. Naja, fahr ma halt weiter und schaun mer mal
Umdrehen können wir ja immer noch.

Es liegen immer wieder kleinere Steine auf der Fahrbahn, aber nichts, was eine Sperre rechtfertigen würde - bis jetzt!
Schon in Sichtweite zum Pass, also vielleicht noch 10km bis Karpenissi, erkennen wir den Grund der Sperre: eine wilde Baustelle, hier wird eine Steinschlag-Verbauung errichtet. Und es gibt natürlich kein Durchkommen, zwischen Schalungen, Gerüsten und kreuz und quer vernagelten Brettern und Pfosten - für Autos.

Ich fahre ganz nahe heran, um mir die Sache genauer ansehen zu können, da winkt mich auch schon einer der Arbeiter näher und fordert mich auf zum Durchfahren der Baustelle! Na gut, dann fahr ich halt! Petra muss zuvor absteigen, zwischen den Pfosten und Planken ist es schon ziemlich eng, aber nach hundert weiter gefüsselten Metern sind wir durch und haben uns einen riesen Umweg erspart! So etwas wäre bei uns nicht denkbar.

An der anderen Seite den Berg hinunter nehme ich die kürzere Strecke, die Schotterpiste durch den Wald, direkt hinein nach Karpenissi. Ich bleibe ein paarmal stehen um zu fotografieren, da klopft mir Petra wie wild auf den Rücken und ruft "Fahr, fahr, Hunde, Hunde!" Da sehe ich sie auch schon, die vier oder fünf kläffenden Köter, die hinter uns herlaufen. Gang hinein, ein Dreh am Griff, Hunde weg. Affi ist halt doch schneller als Hundi.

Nach einer Pause in Karpenissi am Hauptplatz fahren wir die letzten Kilometer bis Megalo Horio.
Im Haus "Petrino" ist alles ruhig; entweder niemand zu Hause, oder sie schlafen alle - eher Letzteres. So rauchen wir erst mal Eine auf der Bank und während ich die Alu-Boxen vom Motorrad abschraube, kommt auch schon Elena, die Tochter des Hauses, anspaziert.

Kurz darauf sitzen wir auch schon auf der Terrasse unseres Zimmers im Untergeschoß, mit weitem Blick über das Dorf und das Tal.

Am Abend besuchen wir Thanassis´ kleine Taverne. Standardmenü: Kalamakia vom Holzkohlengrill, griechischer Salat, Patates und Brot dazu. Ganz lecker! Danach setzen wir uns noch ins Cafe Karveli auf ein Glas Wein, denn hier gibt es Internet/W-Lan. Mails abfragen, Wetterprognose schauen. Und die schaut leider gar nicht so gut aus: morgen noch schön, dann aber zwei Tage Regen! Das heißt, wenn wir morgen bleiben und den schönen Tag hier verbringen, müssen wir bei Schlechtwetter nach Athen fahren, was wir aber gar nicht mögen. Die Regenzone erstreckt sich bis hinunter zur Küste am Golf von Korinth, erst Athen soll wieder trocken sein. Also kurzfristige Planänderung: wir fahren morgen Früh gleich wieder weiter. Ab ins Zimmer, alle Sachen wieder einpacken und rein ins Bettchen.

Das war diesmal ein Kurz-Aufenthalt hier in Megalo Horio. Sehr schade, denn jetzt im September wäre es problemlos möglich, zu den Wasserfällen von Panta Vrechi (im wunderschönen Evritania) zu wandern...

Zimmer € 0,- wie versprochen, unser Hochzeitsgeschenk von Kiki - Danke!


Fr, 10.9.          Megalo Horio - Athen          (360km)

                                        

Frühstück, Mopped packen, Abfahrt.

Hinunter durch die engen Gassen des alten Ortskernes zur Hauptstraße und weiter nach Süden.
Foto-Stop an dem beeindruckend schmalen, tiefen Einschnitt der Schlucht, dann weiter bis zu dieser kleinen Kapelle am Straßenrand. Dort treffen wir Thanassis wieder, der ganz alleine an seinem Verkaufsstand steht. Die Überraschung ist groß, als ich den Helm abnehme und er mich wiedererkennt
Wir verplaudern gut eine Stunde, erzählen uns alle Neuigkeiten die uns auf die Schnelle so einfallen und Petra bekommt ein paar kleine Souvenirs geschenkt. Wir müssen dann aber weiter, denn es ist schon 11:00 und wir haben heute noch über 350km bis Athen vor uns.

In Proussos besuchen wir das Kloster, hier ist heute aber total viel los; der Parkplatz voller Fahrzeuge, im Klosterinneren drängen sich dicht die Besucher. Keine Ahnung, ob das normal ist, es wird wohl wahrscheinlich irgendeinen besonderen Anlass dafür geben. Wir spazieren einmal auf und ab - das Innere der Kapelle ist beeindruckend schön - halten uns aber kurz und fahren bald wieder weiter.

Hinauf den Berg, über den Pass, wo es mich im Frühjahr auf dem Mountainbike so fürchterlich abgehagelt hat und weiter bis Kato Lampiri. Hier hat die kleine Taverne mal wieder geöffnet, es gibt Lamm vom Grill und so kehren wir "gezwungenermaßen" ein Aber auch diesen Aufenthalt gestalten wir eher kurz, unsere Zeit ist heute wirklich knapp.

Wir fahren weiter bis Thermo, kurze Erfrischungspause. Gegen 14:00 erreichen wir Nafpaktos und gönnen uns einen ruhigen Kaffee in einem der kleinen Lokale am alten Hafen.
Ab jetzt geht es etwas zügiger dahin. Die Strecke bis hierher an die Nordküste des Golfes von Korinth war bergig, kurvig und schmal; durch die vielen kleinen Dörfer kommt man nur langsam voran.
Jetzt auf der Küstenstraße bläst uns der heiße Fahrtwind so richtig um die Ohren!

In Itea brauchen wir wieder eine "Popo"-Pause, nach 150km und bereits vier Stunden im Sattel...

Hinauf geht es nach Delfi und Arachova, hier oben auf 1200m pfeift der Wind ganz schön heftig!
Auch sehen die Wolken jetzt gar nicht mehr so freundlich aus wie zuvor. Etwas mulmig wird mir beim Schild "Athen: 195km" in Anbetracht der sich rasch ändernden Wetterverhältnisse... Uff!
Ab jetzt heißt es, am Gas zu bleiben; kurz vor Megara nochmals kurze Tank- und Pipi-Pause.
Die alte "National Road" wäre ja ganz schön zu fahren, aber leider ist hier sehr viel LKW-Verkehr und es bietet sich nur selten eine Möglichkeit zum Überholen.

Jetzt noch durch Elefsina und auf die Autobahn. Athen bzw. Piräus kommt immer näher, wir liegen knapp aber doch in der Zeit.
20:00 ist mein Ziel für Piräus, um 20:30 legt die Fähre ab. Sollte sich locker ausgehen.

Tja, und dann passiert etwas Merkwürdiges...

Links von uns fährt ein Auto auf, der Beifahrer hält eine Marke mit der Aufschrift "Police" ans Fenster und deutet mich rechts ran. Na gut, denk ich mir, eine Polizeikontrolle ist ja nichts schlimmes. Der Typ steigt aus (aus diesem zivilen Pkw) und verlangt Pass und Papiere. Sofort fragt er nach Drogen und stierlt in unserem Gepäck herum. Immer wieder fragt er nach Geld und Drogen, schnüffelt demonstrativ an allem herum und eigentlich kommt mir das Verhalten schon etwas merkwürdig vor. Plötzlich nimmt er mir die Papiere aus der Hand (und in diesem Umschlag sind auch unsere Tickets und unser ganzes Geld, mehrere hundert Euro), faselt etwas von "I have to check this" und dreht sich zum Auto um. Als dessen Fahrer den Motor startet, klingelt es bei mir erst richtig und die Situation eskaliert: Petra stürzt sich wie ein Tiger von hinten auf ihn, verkrallt sich mit ihren langen Fingernägeln in seinem Nacken, schreit "You are no Police!" und reißt ihm die Mappe mit den Unterlagen wieder aus der Hand.

Erst jetzt fällt mir auch auf, dass im Auto noch drei Personen sitzen, allesamt vom Typus "Zigeuner". Ich nehme unsere Papiere von Petra, schmeiße sie schnell in das Topcase und verschließe es. Da steigt auch der Fahrer aus, faselt irgendwas von "Sorry, it was a mistake, we thought you are Swiss...." (hä?) und plötzlich sind beide ganz freundlich und auf beschwichtigen unterwegs.

Baby, du hast es richtig erkannt - das sind waschechte Ganoven, die sich als Zivilpolizei ausgeben!

Eigentlich sollte ich die Typen und das Auto jetzt fotografieren, die Autonummer notieren und die Polizei anrufen. Aber daran denken wir in diesem Moment natürlich nicht, denn wir wollen beide nur schnell weg von hier.
Jetzt tun sie auch noch so, als ob sie für uns den Verkehr regeln würden, damit wir ungehindert losfahren können!
Ich glaube, das ist denen nun ziemlich in die Hose gegangen und die sind auch froh, wenn wir wieder weg sind und sie keine Konsequenzen zu befürchten haben...

Mit wirren Gedanken und einem sehr mulmigen Gefühl im Bauch fahren wir wie ferngesteuert weiter, knapp nach 20:00 sind wir in Piräus an der Fähre. Lange noch gehen mir die Ereignisse im Kopf um und ich kann es immer noch nicht fassen, was da zuvor passiert ist. Zum Glück eigentlich gar nichts, aber...

Am Anek-Schalter tausche ich die offenen Chania-Tickets in welche für heute nach Heraklion um, wie immer anstandslos und ohne Probleme.
Pünktlich um 20:30 sind wir auf der Fähre, der Kriti II, in Kabine 6027.

Das war ein langer und zuletzt auch aufregender Tag heute!


Sa, 11.9.          Heraklion - Agia Galini          (85km)

                                        

Um 6:00 erreichen wir Heraklion und keine zehn Minuten später rolle ich mit der Twin aus dem Bauch der Fähre.
Es ist noch dunkel, als wir losfahren.

Irgendwo an der Hauptstraße, noch im Stadtgebiet von Heraklion, hängt ein Pickup an einer Palme am Mittelstreifen, so in 1,5m Höhe und hat diese richtig gekappt. Die Palme liegt halb auf der Fahrbahn, Polizei und ein paar Leute stehen herum, aber alles ganz ruhig. Also entweder nix grobes passiert oder schon vorüber.

Wir fahren durch die Stadt und nach Süden, erst als wir nach Ag. Varvara sind leuchten die ersten Sonnenstrahlen über den Horizont herauf. In Timbaki machen wir Halt und kaufen uns Frühstück beim Bäcker.
Um 8:30 sind wir in Ag. Galini im Haus Stelios.

Die Erste die uns begrüßt ist Beate
Kaffee trinken, plaudern, müde sein...
Wir beziehen unser Zimmer (203) und holen bis mittags etwas vom versäumten Schlaf nach.

Und ab jetzt nur noch faulenzen und Urlaub!

Abendessen mit Frank, Christina und Werner im Drossolites.


So, 12.9.          Ag. Galini

                                        

) Fußmarsch nach Ag. Jorgos (hin 59min, retour 45min)

) Abendessen bei Popi (Pizza von Grigori)


Mo, 13.9.          Mopped-Runde          (80km)

                                        

) Preveli: der Palmenhain ist vor wenigen Wochen komplett abgebrannt. Es sieht aber so aus, als ob sich die Palmen wieder erholen würden; die Stämme sind zwar verkohlt und die äußeren Wedel schwarz, aber im Kern der Kronen sind alle noch grün. Trotzdem eine gespenstische Szenerie, alles niedere Strauchwerk ist verkohlt, nur kahle schwarze Flächen im Hain. Die Taverne ist unbeschadet geblieben, 30m davor endete das Feuer.

) Triopetra: ein bisschen baden, leider sehr viel Tang im Wasser. Essen bei Stelios im Apanemia, günstig und lecker wie immer. Gemüse aus dem Ofen, gegrillte Sardinen, Käse-Saganaki und Salat.

) Rückfahrt entlang der Küste: über die neue, noch gesperrte Piste von Ag. Pavlos nach Ag. Jorgos. 2km Asphalt, dann wechselnd zwischen gut geschottert, planiert und ganz grob geschoben. Stellenweise ziemlich unangenehm zu fahren. Hat reinen "experimentier"-Status!

) es ist wieder ein Streik der Tankstellen angekündigt


Di, 14.9.          Ag. Galini

                                        

) Fußmarsch nach Ag. Jorgos (hin 50min, zurück 50min)

) Abendessen bei Agamemnon in Kentrochori. 13 Personen: Werner, Wolfi, Frank & Christina, Jürgen & Brigitte & Pia, Beate, Barbara, Paul & Jutta, unsere Wenigkeiten. Essen viel und gut, Pauschale inkl. Getränke € 15,- p.P.

) Anschließend noch Tagesausklang bei Popi. "Lagebesprechung" für unseren Marsch am Donnerstag, Aufgabenverteilung (wer besorgt was, Essen und Getränke). Um 03:00 haben wir alles geklärt


Mi, 15.9.          Ag. Galini

 

Lange schlafen, gegen Mittag fahren wir nach Mires.
Paket aufgeben (Jenny & Jorgos Hochzeitsgeschenk), Postkarten schreiben, Geld wechseln (den 500er, der für galinesische Verhältnisse einfach zu groß ist...), ISO-Tabs besorgen.

=> nichts davon erledigt...:
Post schon geschlossen, Banken schon geschlossen, ISO-Tabs gibts nirgendwo (ausser irgendwelche SuperSonderWundertabs zum Preis von fast € 40,- in der Apotheke - nein danke), Postkarten haben wir vergessen...
Also zurück nach Ag. Galini und gleich weiter nach Ag. Jorgos, zum baden und entspannen.


Do, 16.9.          Ag. Galini - Rethimnon          (60km)

                                        

Werner, Wolfi und ich on Tour! Unser geplanter Fußmarsch, offroad von der Süd- an die Nordküste.
Läuft nicht ganz so gut wie voriges Jahr, wir brauchen länger und sind am Ende viel erledigter...


Fr, 17.9.          Ag. Galini

                    

RUHETAG!!!!!

Beine schmerzen, mein ganzer Körper ist schwer und müde...
Der erste "Termin" heute ist um 15:00 die Abreise von Frank & Christina; wir treffen uns im Megalonissos, dann bring Wolfi die Beiden zum Flughafen.

Ein 100% fauler Tag.
Abendessen bei Michalis "am Eck", dann zu Popi. Um 01:00 gehen wir schlafen, so zeitig wie noch nie...


Sa, 18.9.          Kali Limenes / Lentas          (130km)

                                        

Ein sehr heisser Tag.
Wir fahren mit dem Mopped eine kleine Runde: Kalamaki - Komo - Matala - Kali Limenes - Lentas.

Wir finden den gesuchten Granatapfelbaum; die Früchte sind entweder schon überreif, offen und leergefressen oder noch etwas geschlossener und nicht ganz "fertig". Was sich später, zuerst bei Petra, dann auch bei mir, äußerst negativ bemerkbar macht. Unsere Körper entledigen sich heftig rücksichtslos, vorne und hinten, oben und unten der gegessenen Granatäpfel...

Abendessen: Pizza bei Grigori im La Strada, die schmeckt uns schon wieder!


So, 19.9.          Ag. Jorgos

                                        

Badetag.
Wieder sehr heiß! Seit Tagen liegt die Temperatur am Nachmittag bei über 35°C!
Das Wasser ist paradiesisch warm


Mo, 20.9.          Chania

                                        

Werner, Jürgen, Brigitte, Pia, Petra und ich einen Tag unterwegs in Chania.

) Shopping-Stop in Rethimnon (Pool-Plane besorgen)

) Besuch der Ausstellung von Steve Gianakis in Chania

) Mittagessen im "Portes": ein wahres Minijuwel; klein aber fein. Außergewöhnliche Spezialitäten und hervorragende Zubereitung.

) Bummel durch Chania; die Stadt ist sehr belebt und es ist wieder sehr heiß

) Am Rückweg "Last Stop" im Cafe Vigla in Kria Vrissi


Di, 21.9.          Ag. Galini

                                        

) Sonne tanken am Strand.

) Abendessen in der (eigentlich schon lange geschlossenen) kleinen Taverne hinter dem Campingplatz; sehr einfach, aber ausgezeichnete Souvlaki von Holzkohlengrill. Im Garten steht der (angeblich denkmalgeschützte) angeblich älteste Olivenbaum der Gegend, angeblich 800 Jahre alt.


Mi, 22.9.          Ag. Galini

                                        

Nix tun, auf der Terrasse, und das den ganzen Tag lang...


Do, 23.9.          Ag. Galini - Heraklion          (97km)

                                        

) vormittags nochmal in Ag. Jorgos Baden (wir können am Nachmittag noch das Zimmer nutzen - danke Niko!)

) packen, Werner treffen und um 17:30 Abfahrt

) Zimmer: 12 Tage inkl. Frühstück, aller Getränke und den leckeren Omeletten € 480,-

) 21:00-06:00 auf der Fähre Heraklion-Piräus; sehr wenig los, schnell drinnen, schnell draußen.


Fr, 24.9.          Piräus - Patras          (295km)

                                        

06:00 Ankunft in Piräus.
Das Ausfahren aus dem Hafenbezirk ist wie immer nervig und anstrengend. Es ist noch dunkel, der Asphalt aalglatt und alle uns geläufigen Verkehrsregeln werden zumeist konsequent ignoriert. Nicht mal auf eine grüne Ampel würde ich mich 100%ig verlassen. Dazu kommt noch, dass Schilder teilweise falsch stehen oder gar keine Hinweise vorhanden sind. So kommt es auch, dass, obwohl ich vom Verständnis her gerade weiter fahren müsste, an einer Ampel dem Schild "Korinth" rechts abbiegend folge. Die Straße schwenkt weiter und weiter und wenn wir noch 20 Minuten dem Verlauf folgen, kommen wir wieder zurück nach Piräus. Keine Ahnung, was dieses blöde Schild hier soll. Also umdrehen und zurück. Im frühmorgendlichen Verkehrs-Chaos aber leichter gesagt als getan.

Aber irgendwann sind wir wieder auf Kurs und machen, schon in einem Vorort am Stadtrand, Frühstückspause in einem kleinen Café.
Später folgt noch ein Foto-Stop am Kanal von Korinth und ab da fahren wir mit nur noch kurzen Pausen bis nach Rio.

Es ist noch früh, erst 14:00, also werden wir den Nachmittag irgendwo verbringen, wo es etwas netter ist, keinesfalls in Patras. Wir nehmen die Fähre hinüber nach Antirio aufs Festland, fahren die paar Kilometer zurück nach Nafpaktos und setzen uns dort in eine der kleinen Tavernen am breiten Kiesstrand. Nach dem Essen legen wir noch eine ausgedehnte Ruhepause auf den her zur Verfügung stehenden Liegestühlen ein
Der Wind bläst unverändert stark, aber in der Sonne ist es trotzdem ganz angenehm.
Leider zieht es immer mehr zu und so gegen 17:00 ist es vorbei mit der Hetz hier am Strand, es wird uns zu kühl.

So bereiten wir uns vor auf unser letztes Stück Weg auf griechischem Boden und fahren über die Brücke wieder hinüber auf den Peloponnes und nach Patras. Hier müssen wir die restlichen Stunden irgendwie totschlagen, es ist erst 18:00 und der Anek-Schalter öffnet nicht vor 22:00.

Das Wetter ist hier, kaum 15km weiter, wieder deutlich angenehmer und so bummeln wir etwas herum, trinken Kaffee in einem der unzähligen modernen Lokale entlang der Fußgängerzone und beobachten das unterhaltsame Treiben der Menschen am Hafen.

Endlich wird es Zeit, wir lösen die Tickets am Check-In und sind kurze Zeit später an Bord der Sofoklis V in unserer Kabine 7013.


Sa, 25.9.          auf See

Korfu und Igoumenitsa registriere ich nur anhand des lauten Rumpelns der Ankerketten. Umdrehen, weiter schlafen.
Mittlerweile regnet es, der Himmel ist grau in grau und es gibt keinen Grund, das warme Bettchen eilig zu verlassen...

Frühstück im Dauerregen - an Deck, warm angezogen.
Und so vergeht auch der ganze Tag; nass, kalt, langweilig.


So, 26.9.          Venedig - Ljubljana - Celje - Wien          (650km)

09:00 Venedig
Als wir Venedig erreichen, sieht das Wetter ganz passabel aus; die letzten Stunden der Nacht hatte es immer wieder geregnet.
Raus aus der Fähre, alles was wir am Schiff dabei hatten irgendwie in die Koffer stopfen und ab nach Hause! Es ist hell und freundlich, sieht wettermäßig eigentlich ganz gut aus, super!
Leider ändert sich das, je näher wir zur italiensich-slowenischen Grenze kommen. Von weitem schon sehen wir die dunklen Wolken über dem Landesinneren hängen. Kaum sind wir an der Grenze, beginnt es intensiv zu regnen.

12:00 Ljubljana
Regen ohne Unterbrechung. Petra hinter mir kommt ganz gut weg, sie ist fast trocken und bekommt kaum Regen ab; ich aber bin schon nach kurzer Zeit klatschnass bis auf die Haut.
In Ljubljana besuchen wir Renata und ich habe diese Pause bitter notwendig. Ich triefe, als ob ich in einen Pool gesprungen wäre. IN den Schuhen steht das Wasser!
Wir hängen meine Klamotten über die Heizkörper und ich nehme eine heiße Dusche; während Petra und Renata ganz fröhlich plaudern und unseren Aufenthalt genießen, bin ich intensiv damit beschäftigt, meinen Körper langsam wieder zu erwärmen und auf normale Temperatur zu bringen. Trockene Wäsche aus den Koffern hilft auch ein wenig, aber Jacke und Hose bleiben kalt und feucht und die Schuhe sowieso völlig nass.

15:00 Celje
Fortsetzung, wie zuvor. Es schüttet ohne Unterlass und in Celje das selbe Prozedere: raus aus den Klamotten und unter die heiße Dusche!
Der einzige Vorteil ist jetzt, dass ich hier am Beginn unserer Reise meine warmen Sachen hinterlegt habe und von Celje bis Wien endlich richtig ausgerüstet und bekleidet bin.
Metka und Renato versorgen uns mit warmen Essen, wir sitzen gemütlich beisammen und die Zeit vergeht viel zu schnell; um 18:00 mache ich mich auf den Weg, Petra bleibt noch ein bisschen. Sie ist ja ab hier wieder mit dem Auto unterwegs. Ich tanke noch voll, damit ich ohne Stop bis Wien durchkomme.

Die Fahrt von Celje nach Wien wird in meinen Aufzeichnungen ais die schrecklichste Fahrt meines bisherigen Motorradlebens eingehen; der Regen wird statt weniger immer stärker und über den Wechsel ist es der blanke Horror.
Schneller als 40km/h kann ich nicht fahren, ich sehe nichtmal, auf welcher Fahrspur ich unterwegs bin; erst wenn ich ganz zum Fahrbahnrand komme, erkenne ich irgendwie ein bisschen die Leitplanken und kann mich wieder etwas zur Mitte halten. Die Sicht nach vorne gleicht ebenfalls null. Wenn mich ein Auto überholt, versuche ich mich anzuhängen, solange es geht; in kurzem Abstand fahre ich blindlings den Rücklichtern nach, links und rechts nur schwarz und absolut nichts zu erkennen. das wird mir aber immer wieder zu gefährlich, denn bremsen könnte ich im Notfall überhaupt nicht mehr rechtzeitig. Verliere ich den Anschluss, ist bei 40km/h wieder mein Maximum erreicht, wo ich noch minimal erkennen kann, wo ich fahre. Wahnsinn. Das Fahren bis Wien ist dermaßen anstrengend, ich mache keine einzige Pause, weil ich keine einzige Sekunde verlieren will und mich nur 100% auf die Straße konzentriere.

Der strömende Regen, die Dunkelheit, die absolut schlechte Sicht, der Gegenverkehr und sein permanentes Blenden; jeder einzelne Kilometer erscheint mir wie eine kleine Ewigkeit.

Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals zuvor so sehr über Straßenbeleuchtung gefreut zu haben, als wie in dem Moment wo die Südautobahn das Wiener Stadgebiet erreicht.
Es war so eine Erlösung, endlich wieder gute Sicht zu haben; die Straße vor sich zu erkennen; mir war der Regen schon völlig egal, ich war nur mehr mit Spurhalten beschäftigt, hatte keinen Resourcen mehr frei, mir über irgendetwas anderses Gedanken zu machen. Fahren wie ein Automat. Es war, als ob mir jetzt im Licht der Laternen eine tonnenschwere Last von den Schultern fiel, ich habe den Regen auf der Tangente schon fast genossen im Vergleich zu den vergangenen fast 300km.

22:00 Wien
Nach fünf Stunden extrem anstrengender Regenfahrt ohne Unterbrechung bin ich endlich zu Hause und so erledigt wie noch nach keiner Fahrt zuvor.
Kurze Zeit später kommt auch Petra heim
Ich war heilfroh, dass sie nicht mit mir auf dem Motorrad, sondern sicher im Auto unterwegs war.