31.5.-28.6.15 Dete, Verena & Berti unterwegs in den Kaukasus



Vorbereitungen:


Sprit:


Geld:


Sonntag, 31.5.15            Wien - Villach (370km, 4:30)


                                         


12:00 Abfahrt Wien
1x tanken, auf der Autobahn gönnt sich die Twin 7l/100km. Petra im Auto, wir fahren die ganze Strecke immer schön gemeinsam.

16:30 Ankunft in Villach am Optima Tours-Terminal, Udinestraße 20
Papiere lösen und warten. Am Bahnhof vergeht die Zeit langsam, Dete und Verena treffen kurz nach uns ein. Ihre Anreise aus Hannover war auf zwei Tage aufgeteilt; Nächtigung in Nürnberg, regenbedingt in einem Hotel. Hier im Süden ist das Wetter ok, wir sind alle trocken angekommen.

Ganz schön was los hier, die Fahrzeuge stehen in einer langen Schlange. Fast nur deutsche Kennzeichen und türkische Insassen, viele Urlaubs-Heimreisende. Um ca 19:00 beginnt die Verladung der Fahrzeuge, um 20:00 können wir unsere Abteile "beziehen"; vier Personen, sehr wenig Platz... Unsere vierte Mitreisende im Abteil ist eine ältere türkische Dame, gut gelaunt, freundlich und unkompliziert.
Als es um 21:20 endlich los geht, fällt uns - und ganz besonders Petra - der Abschied sichtlich schwer. Wir werden uns fehlen...


Montag, 1.6.15            Villach - Edirne (36 Std. im Autoreisezug "Optima-Express")


                                         


01:30 Grenzübergang Slowenien-Kroatien.
Ab hier laufen die Waggons deutlich ruhiger! Ich schlafe ganz gut, liege rechts oben.

07:30 Grenzübergang Kroatien-Serbien.
Scheint ein sonniger, heißer Tag zu werden! Das hin- und herräumen, Betten hochklappen (damit alle bequem sitzen können) ist schon etwas mühsam, es ist einfach wenig Platz im Abteil. Wie machen die das erst in den 6er-belegten Abteilen? Wir haben zumindest die beiden oberen Liegen als Stauraum zur Verfügung...

09:00 Beograd...

15:30 Nis
Es ist drückend heiß im Zug und es geht sooo langsam dahin...
Viele Abschnitte sind nur eingleisig und werden dazu noch mit nur 30km/h gefahren. Kein Wunder, dass wir für 1500km gut 34 Stunden benötigen! Bis jetzt waren wir elektrisch unterwegs, hier wurde eine Diesellok vorgespannt. Weiter Richtung bulgarischer Grenze wird die Landschaft endlich etwas attraktiver. Es geht durch enge Schluchten und viele Tunnel.

19:30 Grenzübergang Serbien-Bulgarien.
Wieder werden die Pässe eingesammelt. Zuerst von den Serben, dann auch von den Bulgaren. Jeder Grenzübertritt dauert etwas länger als der Vorangegangene, nun stehen wir schon über eine Stunde hier.
Obwohl in den Waggons in den Gängen mehrere Steckdosen sind, gibt es Strom nur im Speisewagen und da nur an einem Dreifach-Verteiler am "Personaltisch". Alle anderen Dosen sind funktionslos.
Dafür fahren wir wieder elektrisch. Vielleicht müssen wir ja deswegen Strom sparen.


Dienstag, 2.6.15            Edirne - Kepez (250 km, 3:50)


                                         


06:00 Seit gut 3 Stunden stehen wir nun schon am Bahnhof SIMEONOVGRAD, quasi im Niemandsland vor der türkischen Grenze. Aber es beginnt ein wunderschöner sonniger Tag!

07:30 Grenzübergang Bulgarien-Türkei
Die bulgarische Kontrolle haben wir schon hinter uns, aber der "große Brocken" türkische Einreiseformalitäten steht uns noch bevor.

09:30 Endlich! (Fast) alles erledigt, jetzt fehlt nur noch in ca. 20km, direkt an der Grenze, die Zoll-Abwicklung der Fahrzeuge.

10:30 An der Grenze.
Alle raus aus dem Zug und zum Abfertigungsschalter. Das dauert natürlich wieder, aber hier gibt es auch die Möglichkeit eines Duty-Free-Einkaufes, da ist ein kleiner Shop am Bahnhof. Hier gibt´s hauptsächlich Zigaretten und Spirituosen, davon aber eine gute Auswahl; die Fahrgäste stehen entsprechend Schlange. Gleich daneben eine kleine mobile Kantina, dort nehmen wir einen türkischen Kaffee (instant, aus dem Beutel - sogar mit Kaffeesatz!) und beobachten das Treiben. Nach dem erneuten Wechsel auf Diesellok (deswegen der lange Aufenthalt, auf die mussten wir erst warten) geht es endlich weiter zum Bahnhof EDIRNE. Hier muss ich zuerst gleich eine grüne Versicherungskarte für die Türkei abschließen, kostet € 30,- für 4 Wochen.
Geldwechsel am Mobilen Bankschalter (€ 1,-/TL 2,85).

Dann dauert es noch gut eine Stunde, bis wir unsere Moppeds endlich aus den Waggons fahren können. Ganz ordentlich nach ausgehängter Liste werden wir nach und nach aufgerufen.
Das schöne Wetter und die 31°C vertreiben unsere "Schlechtwetter-Ängste" (eigentlich leichtsinnig) und der nette Optima-Mitarbeiter (*1) nimmt einen großen Plastiksack mit all unseren möglicherweise überflüssigen "Platzfressern" (Regenbekleidung, Thermo-Handschuhe, Jeans, lange Unterwäsche, ...) in Verwahrung (Dete kennt ihn von seinen früheren Reisen, deswegen macht er das für uns). Der Sack soll nun 4 Wochen vier Wochen auf uns warten...

12:00 Los und raus aus EDIRNE! Ab auf die Hauptstraße Richtung KILITBAHIR.

13:00 Mittagspause in einer kleinen Taverne irgendwo hinter UZUNKÖPRÜ, Salat und Wasser

Dann geht´s entlang der Hauptstraße über KESAN nach ECEABAT zur Fähre über die Dardanellen, von Europa nach Asien. Wir kommen gerade recht, sind die ersten, die in die Fähre einfahren können. Preis je Fahrzeug TL 12,- (~€3,50), Personen sind frei. Schnell ist die Fähre mit Bussen, LKW´s und Fußgängern voll und legt ab. War wirklich "just in time". Die Überfahrt nach CANAKKALE dauert 30 Minuten. Dort zielen wir uns Richtung IZMIR, wir müssen noch einen Campingplatz finden. Wir halten uns aus der Stadt heraus Richtung Süden, können aber keinen Platz entdecken, obwohl in unseren Karten hier in der Gegend drei Symbole eingezeichnet sind. Nach mehrmaligem Fragen und einigen Irrläufern (Platz existiert nicht, falsche Auskunft, Platz ist geschlossen) fahren wir gut 5km retour zu einer kleinen Siedlung kurz vor KEPEZ und finden einen Platz direkt am Strand, das Camping Sun San. Eine Wiese mit einigen Bäumen, daran Strom, daneben ein kleines Lokal und auf der anderen Seite ein separates Gebäude mit den Sanitäranlagen. Die Lage ist nett, wir sitzen in Asien und schauen über die Dardanellen hinüber auf Europa.

Duschen fällt dann doch aus, weil die sanitären Anlagen völlig verdreckt und desolat sind und es außerdem nur kaltes Wasser gibt. Aber auch mit Warmwasser hätte ich darauf und auf jeden Kontakt irgendwo darin verzichtet. Ich habe schon Hemmungen, nur den Kaltwasserhahn zu berühren.

Abendessen für Drei (Burger & Pommes, Bier, Cola, Salat) TL 68,-
Tuborg 100% Malt 0,5 TL 8,-
Preis pro Zelt TL 10,-
W-Lan-PW SunSan17, funktioniert aber nur direkt im Lokal. Steckdosen bei den Tischen.


MIttwoch, 3.6.15            Kepez - Foca (290 km, 4:10)


                                         


Es war eine sehr windige Nacht und ist am Morgen noch ziemlich stark bewölkt.
Kaffee kochen, packen.

10:00 Abfahrt mit Tagesziel FOCA.
Die erste Stunde fahren wir noch auf gut ausgebauten Freilandstraßen, dann kommen viele km Baustelle und danach alte, enge Straßen.

11:00 Kaffeepause in einer kleinen Grillbude am Straßenrand.
Noch immer ziemlich bewölkt, aber langsam kommt die Sonne durch und es hat angenehme 26°C.

14:00 Mittagspause in HACIOSMAN.
Die Strecke ist schrecklich. 4-spurig, fast ausschließlich durch Industriegebiete und endlose Hotelsiedlungen. Ortschaften gehen fließend ineinander über. Leichter Regen, keine Sonne. Tristes grau in grau bei 32°C.

17:30 Ankunft am Campingplatz in FOCA.
Irgendwie sind alle Campingplätze hier einfach nur ungepflegte "Gstettn". Auch hier sieht es aus wie schon Jahre verwahrlost. Alle Tische und Stühle kaputt, die Taverne geschlossen und völlig desolat. Keine Toiletten, kein Wasser - nichts. Der Platz läge auch wieder ganz nett, in einer großen Bucht mit zwei Stränden; angeblich hat die Saison noch nicht begonnen, deswegen der Zustand. Zumindest ist der Betreiber bemüht, er gibt uns die Möglichkeit, in einem kleinen 500m entfernten Privathaus warm zu duschen. Das kommt sehr willkommen, meine erste Dusche seit der Abreise! Ein Genuss! Eine Wohltat :-)

Als die Zelte aufgebaut sind und wir uns eingerichtet haben, wird es stark windig und beginnt zu regnen.
Wir stehen unter abgespannten Sonnenschutz-Netzen, die natürlich den Regen nicht abhalten. Damit wir zumindest halbwegs im Trockenen sitzen können, spannen wir wieder mal Detes Zeltunterlage als Regenschutz auf. So können wir zumindest, etwas zusammengedrängt, unser Abendessen trocken genießen. Brot, Streichkäse, Thunfisch aus der Dose, dazu Oliven. Standard auf solchen Reisen, aber trotzdem ganz gut :-)

Um 22:00 treibt es uns in die Zelte, weil der starke Wind uns den Regen unter die Plane bläst und es langsam unangenehm wird. Hoffentlich hält dieses Regenwetter nicht an...
Wir haben noch keinen Plan für morgen, aber ich würde gerne Richtung GÖREME weiterfahren. Denn falls wir schon wegen dem Wetter festsitzen, dann doch wenigstens dort, wo etwas Infrastruktur vorhanden ist. Nicht hier, in the middle of nowhere.


Donnerstag, 4.6.15            Foca - Pamukkale (306 km, 4:50)


                                         


Es hat die ganze Nacht durchgehend mehr oder weniger stark geregnet und es war ziemlich windig.
Wir beschließen, weiter Kilometer zu machen und fahren gegen 11:00 los Richtung PAMUKKALE.
Die heutige Fahrt lässt sich als "Flucht vor dem Regen" betiteln. Es ist stark windig und tief grau in grau. Immer wieder regnet es und wir wissen nicht, wie weit wir kommen werden oder wann uns das Wetter von den Moppeds holt.
In ALASEHIR erwischt uns ein kräftiges Gewitter, wir finden ein Cafe direkt am Markt und machen kurz Zwangspause. Nach einer halben Stunde lockert es wieder auf und wir beschließen, weiter zu fahren. Sind ja nur noch 90km bis PAMUKKALE.

18:30 Pamukkale.
Von Weitem schon kann man die große, weiße Fläche am Berghang sehen, ohne aber Details der Terrassen erkennen zu können. Ein großer, weißer Berg einfach. Beim Erreichen des Ortes merkt man schnell, wie touristisch es hier ist. Von allen Seiten werden wir belagert - Hotel? Room? Antwortet man genervt mit "nein", ist man sofort wieder uninteressant. Wir fragen nach Camping und finden ein Schild Richtung 5km außerhalb. Als wir auf die Straße abbiegen, schließt ein Auto hupend zu uns auf, der Fahrer wild gestikulierend. Er hätte einen Campingplatz im Ort und dieser da oben wäre ohnehin geschlossen. Naja, wers´s glaubt, wird selig...

Trotzdem folgen wir ihm zurück in den Ort und kommen zu seinem kleinen, aber wirklich netten Platz. 2 Autos und 2 Motorräder (einer aus "NK") stehen schon da und mit unseren beiden Zelten ist der Platz dann auch schon voll. TL 20,- pro Person inkl. Dusche und Pool-Benützung. Er hätte auch ein 3-Bett-Zimmer für TL 150,-/Nacht, aber wir lehnen ab. Der Zimmerpreis fällt auf TL 135,- aber wir bleiben trotzdem bei den Zelten. Die Entscheidung war richtig, denn der Abend und die nacht bleiben trocken und angenehm warm.

Verena kocht uns eine Suppe und wir verbringen einen netten, angenehmen Abend. Das Einzige was mir Stress bereitet ist das Versenden von Fotos an Petra. Ich kann mit Outlook zwar Mails empfangen, aber keine Verbindung zum Postausgangsserver herstellen. Muss irgendwas mit der türkischen IP zu tun haben. Direkt über meinen UPC-Account funktioniert es letztendlich doch, wenn auch nicht so komfortabel wie aus Outlook und zudem schnarch-langsam. Ärgerlich, weil ich zuvor zwei Stunden damit verschi..en hatte.

Morgen steht der Besuch der Kalk-Sinter-Terrassen an, dann fahren wir weiter.


Freitag, 5.6.15            Pamukkale - Isparta - Ergirdir (225 km, 3:10)


                                         


Die Nacht war angenehm ruhig und vor allem trocken, nur ein bisschen kühl. Irgendwann in der späten Nacht schlüpfe ich in meine Jacke.

Um 07:00 gibt´s Kaffee. Die Sonne scheint, sieht nach einem schönen Tag aus.

Nach dem Frühstück gehen Verena und ich zu den Kalksinter-Terrassen, Dete hat kein Interesse und bleibt am Platz. Zu Fuß sind es höchstens fünf Minuten zum Eingang und den Kassen.
Eintritt: TL 25,- / Person

Wir gehen den vorgegebenen Weg hoch und kurz hinter dem Eingang muss man die Schuhe ausziehen, denn das Gelände darf nur barfuß begangen werden. Muss man aber sowieso, weil man immer wieder durchs abfließende Wasser oder auch durch die Becken muss.

Kurz zusammengefasst: einfach sehenswert, beeindruckend!

Zum Teil waren die Becken leer, ich glaube, dass die verschieden geflutet werden, aus welchem Grund auch immer. Auch muss man sich unbedingt an den vorgegebenen begehbaren Bereich halten, sonst wird man von den Parkwächtern sofort zurückgepfiffen und zurechtgewiesen. Also planlos herumlaufen darf man nicht. Irgendwie verständlich, sonst wäre ja alles schon plattgelatscht. Am oberen Zugang darf man die Schuhe wieder anziehen. Muss man auch, hier liegt die antike Stadt HIEROPOLIS aus dem 3. Jhdt. und der Boden ist wieder normal und steinig. Viel mehr als das Theater und weitläufige Grundmauern ist aber nicht mehr vorhanden. Trotzdem kann man sich ein Bild von der Größe der Stadt machen, vor allem die Lage am oberen Ende der Terrassen ist toll. Haben die damals gut gewählt :-)

Wir spazieren durch das Areal und langsam füllt sich das Gelände; wir waren ja sehr zeitig hier und zu Beginn waren noch nicht viele Besucher da.

Zurück geht´s wieder barfuß durch die Terrassen, die Sonne blendet irre auf dem strahlend weißen Gestein und das viele Wasser, das oft nur als ganz dünner Film fließt, tut sein Übriges zur Förderung des Sonnenbrandes in meinem Gesicht. Puh, das hab ich unterschätzt!

Gegen 11:00 sind wir wieder zurück im Camp.
Dete hat schon alles gepackt, ich gehe zügig ans Werk und um 12:00 sind wir abfahrbereit.
Weiter geht´s Richtung EGIRDIR. Dort sollte am See ein Campingplatz sein.

13:30 Mittagspause in DAZKIRI
Köftö, Salat, Pizza, Tee, Ayram, alles sehr lecker. Alles zusammen für uns Drei TL 37,-

Nach Tank und Lebensmittel auffüllen in ISPARTA erreichen wir um 18:00 EGIRDIR und finden natürlich keinen Campingplatz, so wie in unseren Karten eingezeichnet. Mehrmaliges Fragen bringt genausoviele gegensätzliche Antworten - ja, dort - nein, gibt es nicht - ja, aber andere Richtung...

Als wir die Stadt bereits verlassen wollen, um außerhalb ein geeignetes Plätzchen zu finden, fahren wir noch zu einer Tankstelle, weil meine Kette schon sehr trocken läuft. Während ich mein Mopped versorge, fragt Dete den Tankwart und siehe da, er bekommt kanz genaue Auskunft und sogar den Namen des Campingplatzes - "Golden Beach", am Seeufer, mitten in der Stadt! Also zurück und dann rechts ab, hinunter zum See. Leider nicht die richtige Straße erwischt, wir landen zuerst erneut im Nirgendwo. Da stehen zwei junge Frauen, die fragen wir nochmal! Ui, nix verstehen...
Drei junge Männer kommen dazu, diskutieren mit wild herum, noch zwei Leute kommen dazu, ein Moppedfahrer bleibt stehen, im nu ist ein richtiger Auflauf beisammen! Alle diskutieren heftig, wo denn der Platz sei, und schlussendlich begleitet uns der Moppedfahrer bis zum letzten Abzweig. An dieser Gasse sind wir zuvor schon zweimal vorbei gefahren...

Der Platz liegt mitten im Ort, direkt am Strand und ist irgendwie halb-öffentliche Fläche. Gepflegtes Grün, viele Bäume, Strom, 10 kleine Hütten und Tische mit Bänken. Alles super hier, ganz besonders die schöne Lage am Ufer und dem Ausblick auf die den See umgebenden Berge. Nur die Sanitäranlagen lassen wieder einmal zu wünschen übrig... Ziemlich versiffte Steh-WC´s und grausige Duschen - ok, fällt wieder aus.

Beim Essen sitzen wir mit einem jungen deutschen Studentenpärchen beisammen, die mit dem Rad von Myanmar über Indien, den Oman, Irak und die Türkei zurück nach Hause fahren. Sie sind seit einem Jahr unterwegs und haben viel zu erzählen; es wird ein netter Abend.

Mir gefällt die Lage ausgesprochen gut. Der See ist riesig und die Wellen, die der Wind vor sich hertreibt, fallen ein wie die Brandung am Meer.
Ich vermisse mein Babylein, denke oft an meine Petra. Bussi!


Samstag, 6.6.15            Egirdir - Göreme (480 km, 6:15)


                                         


7:00 Tagwache.
Diese Millionen von Insekten, die nachts unsere Zelte bevölkerten, lassen mich wenig schlafen. Bei jedem Öffnen des Zeltes fliegen ein paar dieser Biester herein und lärmen im Zelt herum. Aber auch der Raum zwischen Innen- und Außenzelt ist voll mit diesen Viechern. Wahnsinn.

In der Früh ist das ganze Vorzelt voll, in den Stiefeln, in der Jacke, überall sitzen diese 2cm großen fliegenden Viecher.

9:00 Abfahrt Richtung KONYA.
Wir wollen so weit als möglich nach GÖREME kommen.

13:00 Mittagspause in einem Restaurant auf dem Pass HANÖNÜ BELI, 1560m, in der Nähe von KIZILÖREN.
Natürlich beginnt es wieder wie gewohnt zu regnen, das Thermometer fällt auf frische 12°C! Als wir weiterfahren, zieht auch das Gewitter ab, leider in unsere Richtung und der Himmel über uns bleibt tief schwarz. Der Wettergott meint es aber doch halbwegs gut mit uns, bis auf ein paar schwache Ausläufer verschont uns das rund um uns heftig tobende Gewitter. Zu beiden Seiten der Straße strömen Schlamm und Wasser die Hänge herunter.

In einer aus den Felsen gehauenen Linkskurve steht plötzlich ein LKW quer zur Fahrbahn vor uns: vorne bis zur Frontscheibe hinauf beschädigt, das Heck "steckt" an der Felswand fest, alle drei Hinterachsen im Graben. Sieht so aus, als hätte es ihn längs einmal um die eigene Achse gedreht, und er vorne und hinten Felskontakt gehabt. Scheint eben erst passiert zu sein, denn alle Leute stehen heftig gestikulierend und telefonierend herum. Wir fahren weiter, wollen uns im jetzt gerade einsetzenden strömenden Regen nicht unnötig aufhalten.

Als wir die 1,5 Mio - Stadt KONYA erreichen, lassen wir die Schlechtwetterzone hinter uns, es wird wieder sonniger und wärmer.
Von der steilen Straße aus den Bergen kommend, hat man einen tollen Ausblick über die große, moderne Stadt. Ich bin überrascht, wie schnell und einfach wir auf der Hauptstraße durch die Stadt kommen, kaum Ampeln auf dieser vierspurigen Straße und es geht immer flott dahin.

Danach wird´s flach und langweilig. 140km bis AKSARAY durch brettl-ebenes Hochland. In KIZÖREN wollen wir tanken, aber leder gibt es hier keinen Sprit - alles leer. 2km weiter die nächste Tankstelle, und hier streiken auf Grund eines technischen Problems die Zapfsäulen! Da wir beide schon auf "Reserve" fahren, schmücken wir uns aus, wie wir denn die nächsten 100km bis AKSARAY kommen werden...? Bei mir würde der Rest im Tank möglicherweise nicht mehr reichen.

Verena erkennt den "Ernst" der Lage und beruhigt uns mit einem Magnum-Eis aus der Tanke.

Während wir so vor uns hin sinnieren und das Eis genießen, kommen zwei Männer an, machen sich an den Zapfsäulen zu schaffen und beheben den Fehler. An den moderneren türkischen Tankstellen muss vor dem Tanken die Fahrzeug-Nummer and der Zapfsäule eingegeben werden, und diese Terminals scheinen öfters zu streiken. Wir füttern unsere Moppeds und spulen ohne weitere Vorkommnisse unsere verbleibenden 180 Tages-Km herunter.

Ab AKSARAY wird die Landschaft deutlich schöner und abwechslungsreicher. Viel Grün, Felder und Obstplantagen, sanfte Hügel und felsige Kuppen.

Gegen 18:00 passieren wir NEVSEHIR und bald darauf erreichen wir den Campingplatz in GÖREME.
Hier planen wir zwei Tage zu bleiben und ich bin mir sicher, die werden kurzweilig sein und wie im Fluge vergehen. GÖREME/KAPPADOKIEN war vom ersten Eindruck beim Ankommen schon sehr beeindruckend und löst in mir sofort Verlangen nach Mehr aus.

Morgen werden wir einen Ruhetag einlegen, ich muss ohnehin die Möglichkeit von W-LAN nutzen und meinem Babylein die versprochenen Fotos mailen :-)
Und übermorgen werde ich an einem organisierten Tagesausflug in der Umgebung von GÖREME teilnehmen, darauf feue ich mich schon sehr!


Sonntag, 7.6.15            Göreme (Ruhetag)


                                         


Zeitig in der Früh holen mich die startenden Heißluftballoons aus dem Schlaf, der Startplatz liegt unmittelbar neben dem Camp und an die 100 Balloons fahren hier los.

Die Nacht war kalt, irgendwie mag mich mein "13°C-ComfortZone-Daunenschlafsack" nicht warm halten. T-Shirt, Millet-jacke, lange Unterhose und zusätzlich noch der Baumwoll-Hüttenschlafsack müssen herhalten, damit mir halbwegs warm bleibt.

Nach dem Frühstück wird endlich wieder einmal angenehm geduscht und auch Wäsche gewaschen.
In der Früh war es nebelig kühl und bewölkt, mittlerweile kommt die Sonne häufig durch und es ist amngenehm warm.
Während Verena den Einkauf fürs Abendessen heut erledigt (Spaghetti), besuchen Dete und ich den Barbier für ein "Voll-rundum-Programm", das wie folgt abläuft:

) erste Rasur
) zweite Rasur
) Nase und Ohren ausschneiden und abbrennen (also nur die Haare, hihi)
) Haarschnitt
) Gesichtsmaske
) Wartezeit, Tee trinken
) Haare waschen, Maske abspülen
) Haare fertig nachschneiden
) Massage Nacken, Schultern, Arme, Hände
) Rückenmassage mit einem Riesen-Vibrator (huch, was ist denn das für ein Ding)!
) Rasierwasser, Gesichtswasser, Creme

Dauert 1 Stunde und kostet TL40,-

Danach ein kleiner Spaziergang durch Göreme, Mitbringsel und Ansichtskarten kaufen. Dann zurück zum Campingplatz, Mittagessen und Kaffee trinken.
Den Nachmittag verbringen wir am Platz. Hier gibt es einen richtig großen Pool, sicher 10x15m, und eine große Wasserrutsche. Luuustig!

Leider ist das Internet ziemlich unzuverlässig. Ich weiß nach wie vor nicht, warum ich mit Outlook keine Mails verschicken kann.
Am späten Nachmittag fahren Dete und ich in die Stadt, er braucht eine Radler-Unterhose. Auf halbem Weg dorthin trennen sich aber unsere Wege, es gibt hier in GÖREME und NEVSEHIR so unendlich viel zu sehen, dass ich lieber etwas herumfahren und fotografieren will. Die Landschaft und die kleinen Orte hier sind einfach einzigartig schön und interessant. Ich fahre gut eine Stunde im Kreis herum, bleibe immer wieder stehen, gehe ein paar Schritte und hinter jeder Ecke und Biegung tun sich neue faszinierende Blicke auf.

Um 19:00 bin ich zurück im Camp, weil in der Nähe ein kräftiges Gewitter aufzieht und mit dem aufkommenden Wind in unsere Richtung zieht. Dete ist auch gerade erst zurück gekommen, seine Suche nach einer Radler-Hose war, wie wahrscheinlich zu erwarten, erfolglos. Wir bereiten das Abendessen vor, Verena kocht Spaghetti mit Gemüsesauce. Der Regen naht und mit den ersten fetten Tropfen haben wir am überdachten Essplatz alle unsere Sachen beisammen und den Tisch vorbereitet.
Wir haben einen netten Abend, plaudern viel und ich erfahre so wesentliche Dinge wie z.B. dass Dete´s Meerschweinchen "Piefke" und "Hopsi" hießen :-)

Verena hat heute schon ihre zwei "Plan"-Skizzen gemacht (sie zeichnet täglich ein bis zwei Motive), eine davon bildet mich ab :-)

Abends kann ich wieder Mails versenden, ich versorge mein Babylein mit Fotos der letzten Tage. Hier in Kappadokien würde es ihr auch gefallen. Auch ist dieser Campingplatz sehr angenehm. Duschen und WC´s sehr ok, Kochgelegenheit, Waschgelegenheit, Strom und Licht, WiFi. Einzig die gleich nebenan startenden Heißluftballoons holen uns täglich frühmorgens mit ihren Brennern aus dem Schlaf. Was beim ersten mal natürlich gut ist, denn das ist schon ein einzigartiges Schauspiel.

Ich habe heute meinen Schlafsack ergiebig aufgeschüttelt. Ich glaube, dass die Daunen kompakt in den Kammern liegen und mir deshalb die letzten Nächte gar so kalt war.

Morgen mache ich meinen organisierten Tagesausflug (TL 120,-) durch Kappadokien, damit habe ich auf einfache Weise die Möglichkeit, einige der herausragendsten Orte der Gegend besuchen zu können. Übermorgen müssen wir dann wieder weiter, uns läuft sonst etwas die Zeit davon. Wir müssen auch noch besprechen, ob wir zum NEMRUT DAGI fahren oder nicht, kostet uns einen Tag extra.


Montag, 8.6.15            Göreme (Tagesausflug Kappadokien)


                                         


Um 05:00 holen mich wie erwartet die startenden Balloons aus den Federn. Da der Startplatz unmittelbar neben dem Camp liegt, haben die Balloons über uns erst eine Höhe kaum über den Baumwipfeln. Der Himmel ist voll, bei 50 habe ich aufgehört zu zählen und es kommen immer weitere Ballone hoch.

Um 09:00 werde ich von einem Kleinbus abgehölt. Es dauert letztendlich bis 11:00, bis alle Gäste aus allen Hotels zusammengesammelt sind... Ersten Tagesziel ist das Höhlenkloster SELIME.

Ca. 1 Std Fahrt bis dorthin, dann 30 min Zeit zur Besichtigung der Anlage. Beeindruckend, wie der Komplex 8 Etagen hoch aus dem Tuffgestein herasugearbeitet wurde. Bis 1995 war das Areal fei zugänglich, was für dessen Erhaltungszustand wenig förderlich war. Seither ist es "geschütztes Kulturgut".

Weiterfahrt zur IHLARA-Schlucht.
Mit 14km Länge die längste Schlucht der Türkei. Kleiner Fluss, viel Grün. Einfacher Spazierweg am Ufer entlang, nix spektakuläres. Nach 3,5km erreichen wir eine kleine Siedlung, wo wir schon erwartet werden und unser Mittagessen bekommen. Linsensuppe, gemischter Salat, Beef mit Reis und Gemüse, ganz gut. Im "Tagespreis" inkludiert, exkl. Getränke (Dose Cola TL 5,-). Kurzer Aufenthalt, dann Weiterfahrt zur Höhlenstadt DERINKUYU.

In der Ferne keuchtet der schneebedeckte Gipfel des HASAN DAGI, einer der beiden längst inaktiven Vulkane, die für die Entstehung der Landschaft hier verantwortlich waren, hervor. Der Untergrund ist Vulkanasche, diese wurde von Lava bedeckt. Durch Erdbeben bekam die harte Oberfläche Risse, Regenwasser konnte eindringen und den weichen Untergrund ausspülen. So entstanden die typischen Tuffsäulen (weiche Asche-Säulen mir hartem Lava-Deckel).
Die Ursprünge der unterirdischen Stadt DERINKUYU gehen 4000 Jahre zurück. Die in den Fels gehauenen Räume und Gänge erstrecken sich über 8 Etagen bis in eine Tiefe von 65m und boten bis zu 3000 Menschen Platz. Am tiefsten Punkt gibt es einen Brunnen, der nochmals 60m in die Tiefe geht. Die verwinkelten Gänge und Treppen in diesem Labyrinth haben manchmal nur eine Höhe von kaum 120cm. Auch sind die Abschnitte oft 20m lang und gewunden, bevor man den nächsten Raum erreicht. Richtig unheimlich wenn man denkt, dass hier einmal Menschen gelebt haben. Die Führung ist interessant und beeindruckend, aber die Höhle füllt sich zunehmends mit Besuchern und so bin ich froh, bald wieder an der Oberfläche an der frischen Luft zu sein.

Der Rest des Tages fällt in die Kategorie "Streichposten".
Weder der Kurzbesuch in der Edelsteinschleiferei mit ausgiebiger angeschlossener Verkaufsschau noch der Besuch der Süssigkeitenerzeugung, wo man natürlich auch zu "special-last-offer" einkaufen kann, reissen mich vom Hocker.

Um ca. 18:00 sind wir wieder zurück in GÖREME. Ich besorge noch ein paar Lebensmittel fürs Abendessen und Frühstück und spaziere gemütlich hinaus zum Campingplatz. Verena und Dete haben mit dem Essen auf mich gewartet - und haben dafür lustigerweise die selben Dinge eingekauft, wie ich jetzt auch: Brot, Wasser, gefüllte Weinblätter, Käse, Oliven und Tomaten. Nur das Ayram, weswegen ich eigentlich noch einkaufen ging, habe ich vergessen.
Wir besprechen den weiteren Routenverlauf und stellen wenig überraschend fest, dass wir bisher mehr Zeit in der Türkei verbrachten, als uns lieb war. Wir sind nun schon über 2000km unterwegs und sind immer noch fast 1000km von POSOF an der georgischen Grenze entfernt. Das heißt, der NEMRUT DAGI, eines meiner Wunschziele, muss leider ausfallen. Sehr schade. Aber die Strecke dorthin schwenkt zu sehr nach Süden, das kostet uns zumindest einen weiteren Tag und wir müssen endlich nach Georgien, sonst läuft uns die Zeit davon.

Zumindest wird das Wetter langsm stabiler, heute hat es nicht geregnet und es war ein sonniger Tag.


Dienstag, 9.6.15            Göreme - Zara (350 km, 4:30)


                                         


Es war eine ruhige Nacht, auch die erste, in der mir nicht kalt war. Zwei Schlafsäcke, T-Shirt, Jacke, lange Unterhose.
3 Nächte TL 30,- p.P.

Nach dem Frühstück fahren wir los Richtung SIVAS. Die Strecke heute ist sehr eintönig. Leicht hügelige Landschaft durchzogen mit endlos langen Geraden.
Vor KAYSERI haben wir unsere erste Polizeikontrolle und werden rechts ran gewunken:

"Tourist? Problem. Traffic control."
"Haha, no Problem. Turkish Motorbike Problem. Go!"

... weiter km machen...

13:00 Mittagspause bei SARKISLA, eine Art Raststätte mit LKW-Abstellplatz. Der Himmel zieht zu und von weit her hören wir Donnergrollen. Wir sollten schleunigst weiter. Eigentlich liegen wir gut in der Zeit, aber das Wetter könnte uns jederzeit einen Strich durch die Rechnung machen...
KAYSERI liegt am Fuß des 3920m hohen ERCYIES DAGI. Das einzige landschaftliche Highlight bisher.

14:00 Weiterfahrt. Kurz danach beginnt es zu regnen. Die Straße zieht sich höher und höher und wir erreichen den Pass auf etwa 1500m. Und hier legt das Wetter richtig los. Binnen weniger Minuten fällt die Temperatur auf 12°C und es beginnt, volle Kanne zu Hageln. Wir stellen uns an einer Tankstelle unter und warten ab, bald ist der Spuk vorüber und wir fahren weiter. Doch wenig später das selbe Spiel von vorne. Hagel-Unwetter vom Feinsten. Von SIVAS, wo wir erneut an einer Tankstelle Unterstand gefunden haben, fahren wir auf eine schwarze Wand zu, hoffend, dass wir unser Ziel ZARA erreichen, bevor das Wetter uns erreicht. Und das geht sich dann gerade so aus.

Hier in ZARA kommen wir im Hotel GÜLISTAN um TL 50,- / Zimmer inkl. Frühstück unter. Kaum haben wir unsere Moppeds am Gehsteig direkt vor dem Hotel geparkt und unsere Zimmer bezogen, bessert sich die Lage zusehends. Langsam kommt wieder die Sonne durch und die tiefschwarzen Wolken verziehen sich rasch. Wenn morgen das Wetter mitspielt, dann sollten wir es bis ERZURUM schaffen. Von dort wäre POSOF nahe der georgischen Grenze nur noch eine Tagesetappe mit etwa 300km.

Am Abend zischen Verena und ich noch eine Runde durch den Ort, der 0,0% Touristisches bietet, dafür aber 110% Türkei. Am Rückweg gönne ich mir noch ein Döner-Kebap, dann gehts ab ins Bettchen.


Mittwoch, 10.6.15            Zara - Erzurum (400 km, 5:00)


                                         


Ich habe suuuper gut geschlafen und werde 3 Minuten vor meinem Wecker (5:57) wach :-)
Das Frühstück ist ganz gut und bietet ausreichend Auswahl, Frühstücksraum im Untergeschoß. Außer uns nur einheimische Gäste, allein reisende Männer.
Heute wird es wohl ein sonniger Tag werden, es ist schon ziemlich warm.

08:45 Abfahrt.

10:30 Kaffeepause in REFAHIYE. Schöne Strecke bisher, nur der Zustand der Straße wird langsam merklich schlechter. Viele Berge ringsum, an deren Hängen die letzten Schneefelder. Sehr grün, viele kleine Flüsse und Seen. Wir passieren den KIZIDAG-Pass (2190m).

13:30 Versuch einer Mittagspause in einem kleinen, heruntergekommenen Ort mit mehrheitlich verfallenen Häusern, aber einer superschönen neuen Moschee. Hier gibt es zwar freundliche Menschen, aber leider nur Tee und nirgendwo etwas zu essen. Weiterfahrt.

14:00 Mittagspause in MERCAN.

18:00 Wir erreichen ERZURUM, eine 350.000 Nüfus-Stadt. Wir vermeiden das Zentrum und wählen eine Route eher am Stadtrand, können aber keinen Campingplatz finden. Also fahren wir weiter, bis nach einem erneuten 2000m-Pass die Straße uns wieder in niedere Lagen führt. Nach einigen Km sehen wir ein Schild "Camping" und fahren zu. Das ist hier aber kein Campingplatz, sondern eine Art Grillplatz mit vielen im Gelände verteilten Holzhütten - und gut besucht. Wir quartieren uns etwas außerhalb des Areals auf einer Wiese abseits der Straße ein und schlagen unsere Zelte auf. Die Strecke heute war sehr schön und abwechslungsreich. Wir hatten drei 2000m-Pässe, dazwischen ging es immer wieder tief hinunter. Aber fast ausschließlich durch Lagen höher 1500m. Die Gipfel der 3000er zu beiden Seiten sind noch gut schneebedeckt.

Als später die Sonne hinter dem Bergkamm verschwindet, wird es deutlich kühler. Ich gehe mal davon aus, dass mir heute wieder eine etwas kühlere Nacht bevorsteht. Falls das meine letzten Zeilen gewesen sein sollten (in Anbetracht der erwarteten Nachttemperatur) möchte ich gesagt haben: ich kann von meinem Zelt aus den Schnee sehen!!!


Donnerstag, 11.6.15            Erzurum - Damal (270 km, 3:50)


                                         


Die Nacht war wie erwartet frisch, aber erträglich. Mit der Mopped-Thermo-Innenjacke war´s ganz ok.

Aber meine dauerschmerzende Schulter hat mich heute wieder stark gequält. Kaum eine Stunde habe ich durchgeschlafen. Das Problem scheint auch etwas temperatur-abhängig zu sein, in den kalten Nächten ist´s immer schlimmer. Dazu noch der LKW-Verkehr auf der doch zu nahen Straße... Die Sonne steht schon hoch am Himmel, es wird warm (Sonnenaufgang 4:45).

06:00 Tagwache.
Die Krähen. In den Bäumen ringsum sitzen ein oder zwei lärmende Biester - oder sind es 1000-2000...??? Jedenfalls machen die Viecher höllischen Krach. Was die sich in aller Frühe schon so viel zu erzählen haben...? Shut up! You stupid birds! Hitchcock lässt grüßen :-)

Gleich an der nächsten Tanke Ölkontrolle. Langsam wird der Ölverbrauch meiner Twin auffällig: bei 82650 km nimmt sie 1 Liter auf 2700km

11:00 Rauch- und Kaka-Pause an einem netten Rastplatz ca. 35km nach dem Abzweig auf die 955er Richtung OLTU. Hier wäre die letzte Nacht sicher angenehmer gewesen, aber wer soll das wissen, dass quasi gleich ums Eck noch so ein schönes Plätzchen auf uns gewartet hätte...? Wilder Bach, Hängebrücke, kleine überdachte Lagerplätze, ein Plumpsklo. Ui, das ist in der Moppedhose schwierig - aber unbedingt notwendig :-)

12:00 Bankomat in OTLU TL 700,- behoben.
Danach führt die Strecke durch tolle, "bunte" (rot, braun, beige, grau,...) Berge

13:00 Mittagspause in GÖLE.
Ein kleines, eher schmutziges Nest mit einer einzigen Döner-Bude. Diese ist entgegen dem ersten Eindruck aber ausgesprochen gut! Ganz im Gegensatz zu meinem Getränk "do gan ay", von dem ich dachte, dass es Limonade (Farbe wie dunkler Traubensaft) sei. Tatsächlich aber schmeckt es nach versalzenem Essig! Hochachtung vor jedem, der es kauft und trinkt, weil es ihm schmeckt! Ich bringe keinen weiteren Schluck davon hinunter. Die scharfen Peperoni aus dem Glas am Tisch helfen mir, diesem außergewöhnlichen Geschmackserlebnis wieder zu entkommen. Das Getränk muss "hinüber" gewesen sein. So kann nichts mit Absicht schmecken.

16:00 Ankunft in DAMAL, auf 2000m hoch in den Bergen, vor der Grenze.
Es sieht wieder einmal verdammt nach Regen aus, ringsum türmen sich die Wolken auf und Donnergrollen hallt durch die Berge.

Ob es hier ein Hotel gibt...?
Wir fragen uns durch und nach den einigen Misserfolgen hilft uns eine freundliche junge Dame weiter. Sie ist Englisch-Lehrerin hier im Ort, stammt aus Istanbul und wurde, weil sie nicht verheiratet ist, für 4 Jahre hierher zwangsverpflichtet - für sie ans andere Ende der Welt. Ein halbes Jahr hat sie schon. Jedenfalls hilft sie uns weiter, fragt nach einer Unterkunftsmöglichkeit und findet tatsächlich ein Haus mit Gästezimmern für uns. Der Typ holt uns ab und geht mit uns zum Haus, direkt an der Hauptstraße. Naja, ohnehin die einzige Straße hier. Sie redet und übersetzt und erst als alles geregelt ist, verabschiedet sie sich freundlich von uns.
Die Motorräder parken direkt vor dem Haus an der Straße und wir räumen ein paar Dinge ins Zimmer. Das Haustor darf nicht ins Schloss fallen, denn wir haben nur einen Zimmerschlüssel.
Dann gehen Dete und ich zum Friseur, rasieren lassen - na wui, sind das aber einfache Verhältnisse hier! Das Service ist natürlich nicht so "luxuriös" umfangreich wie in Göreme, dafür aber gut und billig, TL 10,- für beide.

Draußen herrscht Weltuntergang-Stimmung. Grau in Grau in Schwarz und immer wieder heftige Gewitter.
Was für ein Glück, dass wie dank Egire (ich glaube, so oder ähnlich hieß die Englisch-Lehrerin) diese Unterkunft bekommen haben. Im Zelt wäre es hier und jetzt seeehr unangenehm.


Freitag, 12.6.15            Damal - Ninotsminda/Lake Khanchali (170 km, 3:35)


                                         


Um 4:30 knallt uns schon die Sonne ins Zimmer, es ist taghell. Himmel blau, schön warm.
Detes Spruch zum Tage: "Was Tempo für die Rotze ist, Kamille für die ..... ..."
Frühstück im Zimmer, packen-fertig-los. Absolut sommerliche Temperaturen.

Unsere Vorbereitung zur Abfahrt gestaltet sich zum "Schaulaufen", wir sind "die" Attraktion im Ort. 10 oder 15 Männer stehen rings um uns und unsere Moppeds und beobachten jeden unserer Handgriffe. Viel Gemunkle in den faltigen Gesichtern, hin und wieder ein freundliches, fröhliches Lächeln.

10:00 Ankunft an der türkischen Seite der Grenze, gleich hinter POSOF.
In Posof hab ich kurz Dete und Verena verloren, waren mir einfach aus dem Blick geraten und ich bin anstatt rechts Richtung GÜRCISTAN (Georgien) abzubiegen, geradeaus in den Ort hinein gefahren. Da Posof blöderweise nur aus Einbahnen zu bestehen scheint, war es etwas mühsam, aus dem Netz der engen verkehrsreichen Gassen wieder zurück zur Hauptstraße zu kommen. Aber kurz nach dem Ort finden wir uns wieder, die beiden stehen am Straßenrand und haben gewartet.

12:00 auch die georgischen Formalitäten und Kontrollen sind erledigt und die georgischen Grenzbeamten sind sehr freundlich!
Nur der Typ am kleinen Geldwechselschalter nervt etwas. Für vier Wechselvorgänge (vor uns) braucht er eine schlappe Stunde. Starrt immer wieder, mit Formularen in der Hand, in seinen Monitor, kratzt sich am Kopf und murmelt für uns unverständliches Zeugs. Ja und langsamer bewegen ist auch nicht mehr möglich, sonst würde man ihn für tot halten.

Wechselkurs: € 100,- = GEL 245,70
Tanken gleich nach der Grenze GEL 2,- / Liter.
Also mit umgerechnet € 0,80 deutlich billiger als in der Türkei, wo der Liter bis zu € 1,70 kostet.

14:00 Mittagspause vor ASPINDZA, in einem kleinen Lokal kurz vor der Ortschaft.
Ich wähle Cooked Calf. Kommt als Suppentopf und hat einen extrem intensiven Geschmack nach einem mir (in dieser Intensität?) unbekannten Gewürz. Dank Google-Übersetzer finden wir heraus, dass es sich bei dem grünen Zeug um Tarkhunda, also Estragon, handelt. Sehr eigenartiger Geschmack; nicht schlecht, aber sehr intensiv.
Bin mir nach wie vor nicht sicher, ob es hier wirklich um Estragon geht.
Inklusive Getränk: GEL 7,-

Die Strecke weiter ist super schön, immer im Talboden am KURA River entlang. Leider, wie jeden Nachmittag, ziehen Gewitter auf, die irgendwann in Dauerregen übergehen.
In AKHALKALAKI decken wir uns mit Lebensmitteln ein, heute campen wir noch irgendwo in Georgien; die armenische Grenze werden wir wegen des schlechten Wetters wohl nicht mehr erreichen. Unser Ziel ist der KHANCHALI Lake (auf 1950m Seehöhe) bei NINOTSMINDA. Im Ort finden wir keinen fahrbaren Zugang zum See, die Ufer sind weitläufig flach und sumpfig. Also fragen wir uns wieder mal durch, was auch das Interesse der Polizei erregt. Alle sind freundlich und bemüht und schließlich werden wir von der Polizei bis zum letzen Abzweig an der Zufahrt zum See geleitet.

Wir sind jetzt am hügeligen Ufer, etwa gegenüber der Ortschaft, und über den weiten See können wir die Häuser von Ninotsminda sehen.
Hier reichen die Ausläufer des Waldes bis an den Uferbereich, dazwischen immer wieder mit satten Wiesen durchzogen. Unterwegs fragen wir einen Bauern, der uns auf seinem Traktor entgegen kommt, ob wir hier denn auch campen dürfen. Auch wenn er unsere Frage und wir seine Antwort nicht verstehen, Motorrad und Zelt und schlafen dürfte er verstanden haben und es ist möglicherweise gut, wenn jemand weiß, dass wir hier sind und sich nicht später des Nachts neugierige Dorfbewohner auf machen um zu sehen, was denn da am See los ist. Ach ja, das Gebiet hier ist ein Nationalpark oder wir sind zumindest knapp dran an dem geschützten Gebiet. Schnell schlagen wir unsere Zelte auf, es regnet ja immer noch. Dann bereiten wir unser Abendessen zu, heute gibt es Eierspeise, denn die Eier sind am Transport zum Teil kaputt gegangen und sind schon fertig verrührt :-)

Langsam lassen die Regenschauer nach und mit der Zeit können wir erkennen, welch wunderschönen Platz wir uns hier ausgesucht haben! Neben uns plätschert ein kleiner Bach, zwischen uns und dem See liegt noch ein kleiner Teich und wir haben einen super Ausblick über den See auf die schneebedeckten Gipfel gegenüber. Unser Lagerfeuer möchte nicht so recht durchzünden, kein Wunder - trockenes Holz ist Mangelware und zu mehr als einem kleinen Achtungserfolg reicht es heute nicht.

Später am Abend kommt ein Auto angefahren, quält sich den Pfad zu ins hoch; ein alter, schwarz qualmender Ford Transit und uns schwant nichts Gutes. Ist es jetzt mit der Ruhe doch vorbei...? Zwei junge Männer steigen aus, kommen wortlos auf uns zu und begrüßen uns dann doch freundlich. Einer kramt seine Geldbörse hervor und zeigt mir einen Ausweis, der ihn als Nationalpark-Ranger ausweisen soll. Unsere Verständigung reicht nicht über das übliche Gestikulieren und Verwenden einfachster Wörter hinaus, da nimmt er sein Telefon, ruft irgendwo an und und drückt mir nach ein paar Sätzen das Telefon in die Hand. Am anderen Ende der Leitung begrüßt mich eine freundliche Frauenstimme in gutem Englisch. Der Mann sei NP-Ranger und falls wir etwas brauchen oder Hilfe benötigen, sollen wir es ihm sagen - er wird uns helfen. Ich erzähle kurz, dass alles in Ordnung sei, wir heute hier campen und morgen weiter ziehen. Die Dame wünscht uns noch einen schönen Aufenthalt am See, die beiden Männer verabschieden sich, steigen in ihren alten Transit und sind gleich darauf wieder in der Dämmerung verschwunden.

Der Abend ist ruhig. Die Wolken lösen sich auf und geben den Blick auf den Abendhimmel frei; am Horizont über dem See sind in der Dunkelheit noch länger Blitze zu sehen. Ach ja, zwischendurch hatten wir Besuch von einer zumindest hundertköpfigen Kuhherde, denn das Gelände hier ist, so scheint es, eine leckere Weide und wir sitzen mitten drin!


Samstag, 13.6.15            Ninotsminda/Lake Khanchali - Sevan (215 km, 4:30)


                                         


Die Nacht war ruhig und vor allem gar nicht so kalt, wie von mir befürchtet bzw. erwartet. Irgendwann bei meiner nächtlichen Pinkelpause habe ich gesehen, dass ich nichts sehe - weil wir in einer dicken Nebelsuppe steckten. Nichts, nichtmal der kleine Teich unmittelbar vor unseren Zelten, war zu erkennen.

Mit den ersten Sonnenstrahlen raus aus den Federn, frühstücken, packen, Abfahrt. Sieht nach einem wunderschönen und trockenen Tag aus (zumindest vormittags...)

10:00 Grenzübergang Georgien-Armenien.
Das erste was auffällt, ist der Zustand der Fahrbahn und der Grenzstation selbst. Schlaglöcher, teilweise unbefestigte Fahrbahn, desolate Gebäude. Die georgischen Formalitäten haben wir schnell durch. Die armenische Einreise-Abwicklung gestaltet sich etwas mühsamer. Zuerst zum Zoll, im Untergeschoß des Gebäudes, Zugang durch einen Kellergang, € 15,- Gebühren zahlen. Es dauert ewig, bis die Typen die Fahrzeug- und persönlichen Daten abgetippt haben; die Formulare werden immer wieder von einem zum Anderen geschoben und gestempelt, unterzeichnet, weiter ausgefüllt...
Aber wir bekommen Tee und Kekse von den Beamten, ist ja eine nette Geste!
Dann in einen anderen Raum, zur Passkontrolle. Mit allen Formularen weiter zur Bank (ein 1,5m x 1,5m kleiner Raum den man, weil die geöffnete Türe im Weg ist und am Schreibtisch des Beamten ansteht, nichtmal richtig betreten kann) und nochmal € 15,- Gebühren zahlen. Wieder Dokumente ausfüllen und nebenan stempeln lassen. Das dauert natürlich auch wieder gefühlt ewig...
Dann endlich, alles fertig! Go! Alles schön einpacken und los! Aber nach 15m wirft sich uns ein Grenzer mit dicken Orden an den Schultern in den Weg - Kontrolle! Alles wieder raussuchen, jetzt wird geschaut, ob eh alles richtig gemacht und auch bezahlt wurde. Das darf doch nicht wahr sein. Der Typ sieht uns eineeinhalb Stunden lang zu, wie wir wie die Lemminge von einem Schalter zum nächsten ziehen, wartet, bis wir alles verstaut haben und macht sich dann nochmal oberwichtig. Langsam kratzt es etwas an meiner Geduld.
Und in nichtmal einer Sekunde hat er dann alle Papiere "geprüft" und für in Ordnung befunden - der Weg ist frei. Ein Erlebnis.

12:00 Kaffeepause in GYOMRI.
Eine laute, musik-lärmende Kaffeebude an einer Autowaschanlage.

13:30 Mittagspause kurz hinter SPITAK, im Restaurant "Ocean".
Nomen est Omen - es gibt hier (fast) nur Fisch. Forellen und Störe tummeln sich in den Becken links und rechts vom Eingang und ich habe mich in der Sekunde entschieden: Stör!
Verena und Dete überlegen hin und her, ob Gemüse oder nicht, und Salat ja/nein, oder doch Fleisch... Für mich Stör, und das schnell :-)
Frischer gehts nicht. Raus aus dem Becken, eins auf die Rübe, cut in pieces und ab auf den Grill. Einfach suuuper gut! Boah, lecker!
Alles zusammen bezahlen wir 10.000,- Armenische Dram (€ 1,- = AMD 525,- ).

Am späteren Nachmittag erreichen wir SEVAN am gleichnamigen See.
Die Strecke hierher war wenig spektakulär; viel Grün, viele Berge, viel Wasser. Und viele Schlaglöcher. Die Hauptstraßen sind schlecht asphaltiert, Nebenstraßen gar nicht. Auch nach der Grenze hörte bald der Asphalt auf.

Hatten wir in der Türkei 1 Schlagloch auf 1000km, ist es hier umgekehrt - 1000 Schlaglöcher auf 1km. Das Verhältnis bleibt ja gleich :-)

Außerdem scheint sich hier niemand etwas um Verkehrsregeln zu scheren - Ampeln werden ignoriert, STOP-Schilder sind für armenische Augen vermutlich unsichtbar und wenns durch einen Kreisverkehr nach links kürzer (1/4 statt 3/4 rundum) ist, fährt man halt nach links ein. Die Armenier sind das so scheints gewohnt, denn alle bleiben stehen und nehmen Rücksicht auf den "Kreisverkehr-Geisterfahrer". Hier wird man gaaanz schnell gaaanz vorsichtig. Vertrauensgrundsatz? Was ist das?
Überholt wird immer und überall. Egal ob Kurve, Brücke oder Tunnel. Und einfach in der Spur geradeaus fahren gibts es sowieso nicht, weil man laufend den tiefsten Schlaglöchern ausweichen muss, damit die Fahrzeuge nicht noch kaputter werden. LKW´s setzen ohne Rücksicht verkehrt in die Hauptfahrbahn zurück, Traktoren mit Anhänger queren unmittelbar vor uns, von Feldwegen kommend, ohne von uns Motorradfahrern geringste Notiz zu nehmen. Wenn möglich, dann auch gleich noch mit dem halben Hänger auf der Fahrbahn stehen bleiben. Gefährlicher als hier habe ich Straßenverkehr noch nie erlebt.

Fahren in Armenien - ein unvergessliches Erlebnis!

Von VANADZOR bis DILIJAN führt die Strecke durch schöne, abwechslungsreiche Landschaft und weiter bis SEVAN über den 2000m hohen Sevan-Pass, der mittlerweile durch einen langen und sehr schlecht beleuchteten Tunnel unterfahren werden kann. Darin wird natürlich genauso hemmungslos überholt wie überall. Und das bei einer einzigen Richtungsfahrbahn und mit Gegenverkehr...
Als wir den See erreichen, dauert es ein bisschen, bis wir das versteckt liegende HOTEL SEVAN, ein etwas heruntergekommenes Relikt aus Soviet-Zeiten, finden. Es liegt, über eine rechts abgehende verwachsene Piste erreichbar, am Anfang der Sevan-Halbinsel.
Leider gibt´s heute gleich nebenan eine Art Feier, mit Live-Gesang und irre lauter Retorten-Musik. So laut, dass wir uns auf unserem Balkon in 50-70m Entfernung nicht unterhalten können.
Beim Zimmerpreis lässt sich mit der Wirtin nicht viel verhandeln, satte $25,- sowohl für das Doppel- als auch für mein Einzelzimmer (ca. AMD 12.000,-).

Die Bezeichnung "Hotel" ist etwas übertrieben, "altes Haus mmit Zimmern" wäre passender. Denn sonst gibt´s hier gar nichts. Kein Restaurant, kein Cafe, nichts. Alles geschlossen (und in dem gewohnten desolaten Zustand). Wir sind froh, als Selbstversorger einige Lebensmittel dabei zu haben; Verena kocht uns heute Spaghetti. Um 22:00 ist die Beschallung von Nebenan auch zu Ende und wir verkriechen uns in unseren Zimmern. Ich bin heute hundemüde, habe gestern wieder mal sehr schlecht geschlafen wegen meiner Schulter.


Sonntag, 14.6.15            Sevan - Geghard - Yerewan - Sevan (220 km, 4:00)


                                         


Heute habe ich gut geschlafen. Das Bett ist brettl-hart und es war kühl, aber angenehm.
Gestern hatten wir unsere Moppeds auf Drängen des Hausherrn im ehemaligen Speiseraum eingestellt, denn das sei sicherer als vor dem Haus. So weit so gut.
Nur, dass heute um 10:00 noch immer niemand von den Wirtsleuten wie gestern versprochen hier ist und ich seit über einer Stunde darauf warte, an meine Koffer zu können, nervt mich gewaltig.
Apropos nerven: es gibt hier Milliarden von Mücken, ganz kleine, die in Schwärmen auftreten und dann das Atmen fast unöglich machen.

Nochmal zur Erinnerung: die Bezeicnung "Hotel" ist eine Frechheit.

Um 10:30 kommen endlich die Leute des Hauses. Endlich kann ich mein "Affi" aus der "Garage" holen, endlich kann ich die Koffer abnehmen und im Zimmer verstauen, endlich kann ich losfahren.
Dann muss ich noch nach SEVAN tanken und etwas Geld abheben. Wahnsinn, welch armseliges Nest Sevan ist. Alleine vom Zustand der 2km langen Zufahrtsstraße würde man nicht erwarten, in städtisches Gebiet zu kommen. Schlaglöcher, dass Fußbälle darin verschwinden würden, und davon hunderte. Die Fahrbahn ist defacto vollständig zerstört. Auch in der Stadt wird es kaum besser. Der zentrale Kreisverkehr sieht aus wie eine Baustellenzufahrt. Löcher, Steine, Asphaltreste - völlig desolat. An der Tankstelle kann ich das Mopped am Seitenständer kaum abstellen...

Geldautomaten gibt es einige hier, aber erst der Vierte (Ararat Bank) ist Mastercard-tauglich und spuckt Bares aus.
Nun gehts los zum Kloster GEGHARD, 30km außerhalb von YEREWAN. Die Strecke (Freilandstraße, Autobahn?) ist gut zu fahren, je näher zu Yerewan, desto besser die Straßen.
Irre viele Menschen hier beim Kloster, vielleicht, weil Sonntag ist. Ganze Busladungen Kinder werden abgeladen, der Parkplatz völlig überfüllt und der stressige Parkwächter möchte mich unbedingt in den letzten abgelegensten Winkel lotsen, was ich aber nicht will und zu seinem Unwillen auch nicht tue. Ich will von hier wieder weg wann ich will und nicht, wenn die 10 Autos hinter mir es gütigerweise zulassen.

Das Kloster stammt aus dem 9. Jhdt und wurde seither kaum verändert. Das Innere der Kirche wurde aus dem Fels gehauen, das Kloster daran gebaut. Im hintersten Raum entspringt in der dunkelsten Nische eine Quelle, der heilige Kräfte nachgesagt werden. Entsprechend ist der Andrang, jeder möchte sich Flaschen mit dem Wasser befüllen. Ich schaffe es gerade mal, meine Hand unter den Strahl zu halten und einen Schluck zu nehmen, dann werde ich auch schon wieder weiter geschoben. Die anderen Räume der Kirche sind bei weitem nicht so stark frequentiert, da kann man sich ganz in Ruhe umsehen. Hier sieht wirklich alles aus wie vor 1000 Jahren. Der nackte Steinboden, die aus dem Fels gehauenen Säulen, die vom Rauch geschwärzten Wände und Decken... Eine Zeitreise.

Das einzige Licht in den fensterlosen Räumen kommt jeweils duch eine zentrale kleine Öffnung in der Decke, in der Mitte der Kuppeln. Das Sonnenlicht bildet in den von Kerzenrauch gefüllten Räumen einen unwirklich scheinenden Lichtstrahl, der für alle Besucher eine magische Anziehungskraft hat. Jeder will mal darunter stehen. Vielleicht hat es ja auch eine Bedeutung?
Ich spaziere lange herum und sehe mir alles an. Kaufe fünf Kerzen und entzünde sie für die Menschen, die mir lieb und wertvoll sind.
Ich komme mit einem armenischen Reiseführer ins Gespräch und frage ihn zu den Grenzübergängen nach Georgien. Einer, bei VOSKEPAR, soll ziemlich unsicher sein; diesen würden wir zwar nicht nehmen, denn er führt nach Aserbaidschan, aber auf dem kürzesten Weg nach Georgien müssten wir an dieser Grenzstation unmittelbar vorbeifahren. Von zwei anderen weiß er nicht, ob sie offen sind oder nicht. Das geht auch aus unseren Karten (World Mapping Pjoject) und Büchern (Reise KnowHow und Lonely Planet) nicht eindeutig hervor. Er meint aber, dass die schon offen sein müssten. Was mir aber mehr Sorgen macht, sind die schweren Unwetter gestern in Georgien rund um TBILISI. Angeblich gab es 10 Tote. Zusätzlich hat das Unwetter den Zoo in TBILISI zerstört und es sollen jeweils mehrere Löwen, Tiger, Bären, Wölfe, Nilpferde und Krokodile entkommen sein. Das würde mich beim Campen in der Umgebung der Stadt doch etwas beunruhigen...

Ich weiß noch nicht, wie wir damit umgehen werden!

Später fahre ich noch in die Hauptstadt YEREWAN. Eine große, laute, heiße und teils sehr moderne Metropole; ich fahre ins Zentrum zum Republic Square und gönne mir in einem der trendigen Cafe´s einen Eiskaffee um AMD 1700,-. Auf der Fahrt hierher hatte ich in einem kleinen Laden am Straßenrand nur AMD 650,- für ein Cola, ein Snickers und ein Eis bezahlt.

Um 17:00 bin ich wieeder zurück in SEVAN. Verena kocht, wir essen zu Abend und bereiten unsere Moppeds auf die Abreise vor.

Ich öffne Petras zweite Karte: "Mit dir zusammen ist die ganze Welt einfach rosarot! Dickes Bussi!"


Montag, 15.6.15            Sevan - Marneuli (185 km, 3:30)


                                         


Nach dem Frühstück Abfahrt Richtung Grenze. In DILIJAN machen wir kurz Kaffeepause, um uns im Internet über die aktuelle Sitauation in TBILISI zu informieren. Was ich so lese, lässt uns beschließen, die Stadt großräumig zu umfahren. Abgesehen von den Bildern der Zerstörungen, wenn noch nicht alle entkommenen Raubtiere eingefangen oder erschossen sind ist es wohl besser, das Zelt etws weiter weg aufzustellen...

Die Strecke von DILIJAN nach VAREDZA ist wenig prickelnd, dafür wird es danach bis ALAVERDI super schön. Die tiefe, lange DEBED-Schlucht ist toll zu fahren und sehr schön anzusehen. Viele kleine, alte Ortschaften, aber auch jede Menge schrottreife, zerstörte Industrie.
"Aufregende" Straßentunnel; keine Beleuchtung, Fahrbahnbelag voller Schlaglöcher, nass, dunkel und kurvig. Man kann die roh aus dem Fels gehauenen Tunnelwände kaum erkennen. Ein richtig spannendes Fahrerlebnis :-)

13:00 Mittagspause kurz nach ALAVERDI.
Schönes Lokal am Fluss, rutsikales Inventar, viel Holz. Gute Karte, alle Preise in AMD; die teuersten Speisen AMD 2000,- also knapp € 4,-.
Die Strecke weiter durch die DEBED-Schlucht bleibt sehr schön. Um 16:00 erreichen wir bei SADAKHLO die Armenisch-Georgische Grenze. Die Abwicklung verlauft diesmal halbwegs zügig.
An der Armenischen Seite zuerest wieder zum Broker-Center, das Visum fürs Fahrzeug vorweisen und austragen lassen. Dafür sind GEL 10,- fällig. Am Schalter gleich daneben kann ich meine restlichen AMD 59.000,- auf GEL 245,- wechseln. Die Typen vom Zoll sind immer schlechter drauf als die bei der Passkontrolle. Auch hier: der armenische Beamte bietet uns einen Kaffee an, während sein Kollege unsere Pässe überprüft. Wo sonst gibt es das? Als alles fertig ist, verabschiedet er mich mit einem freundlichen Lächeln und den deutschen Worten "Auf Wiedersehen"! Das gefällt mir sehr und macht die Menschen einfach sympathisch.
Die georgischen Einreiseformalitäten sind unkompliziert und schnell erledigt.

Dann fahren wir weiter Richtung TBILISI, wohl wissend, dass wir die Stadt meiden müssen. Laut Medien ist die Einfahrt ohnehin nicht möglich, auch der Grenzbeamte weist uns ungefragt darauf hin. Wir wollen die Stadt östlich umfahren, kommen aber ohnehin nur bis kurz vor MARNEULI, finden hier ein Zimmer in einer unterklassigen Absteige mit dem Charme eines Stundenhotels.

Unterwegs hatten wir eine Polizeikontrolle.
Wir fahren gemütlich Tempo 100 auf einer ewig langen Landstraße, als am anderen Straßenrand entgegen unserer Fahrtrichtung im Schatten eines Baumes ein Polizeiauto steht. Als wir vorbeifahren, reisst er das Blaulicht und das Folgetonhorn an, wendet mit quietschenden Reifen und ist hinter uns her. Wir, uns keiner Schuld bewusst, fahren rechts ran. Der Beamte steigt (wie mir nachher auffällt, ohne Kappe) aus, kommt auf uns zu und plaudert hemmungslos in brüchigem Englisch los. Woher, wohin, ob uns Georgien gefällt und wie "bäh" Armenien doch sei. Er lacht und winkt uns weiter. Als wir losfahren, steht er mit seinem Polizeifahrzeug neben uns, lässt den Motor aufheulen, gibt Gummi und zieht mit quietschenden Reifen wie ein Irrer davon.
Angeber :-)

Als wir ihn wenig später in der nächsten Ortschaft wieder sehen, hat er bereits sein nächstes Opfer (einheimisches Auto) gefunden. Auffällig: diesmal mit Kopfbedeckung, also quasi "offiziell". Als wir vorbeifahren, grüßt er "amtlich" seriös mit Hand zur Kappe.

Hotel Orient, GEL 50,-/Zimmer, ohne Frühstück. Außer einem Getränke- und einem Kaffeeautomaten gibts hier sowieso nichts. Erste Worte der nicht sehr sympathischen Dame: "Passport, Money".


Dienstag, 16.6.15            Marneuli - Ananuri (150 km, 3:00)


                                         


Gegen 10:00 Abfahrt vom Hotel, es ist schon drückend heiß.
An TBILISI fahren wir östlich vorbei, kommen zuvor aber bis an die Stadtgrenze. Der Verkehr ist höllisch. An einem Y-Knoten, einem undefinierten Mittelding zwischen Kreuzung und Kreisverkehr, sollten wir rechts abbiegen, müssen aber geradeaus und dann wenden und zurück. Hier als Einspuriger unfallfrei durchzukommen, ist eine Herausforderung. Das Ignorieren sämtlicher Verkehrsregeln in Kombintion mit den elendigen Fahrbahnverhältnissen macht die Sache einen Moment ziemlich nervenaufreibend. Fahren hier ist definitiv gefährlich. Nach einigen Kilometern weg von der Stadt verlassen wir diese stark befahrene Hauptstraße wieder und der Verkehr wird deutlich entspannter. Vor einem Baustellenbereich steht ein 70er-Zeichen - kurz dahinter geht es in einer einzigen Stufe einen guten halben Meter tiefer! Voll in die Eisen, der Übergang ist heftig, aber es geht so. Mit 70km/h oder etwas mehr wäre da sicher ein kleiner Abflug drin. Kurz danach noch eine Baustelle, aber wir sind ja gewarnt und gut ist´s.
Wir folgen der Straße weiter nach Norden und es wird ruhiger. Viele Verkaufsstände für Obst, Gemüse, Wein und Schnaps am Straßenrand. An einer der letzten Tankstellen bevor es in die Berge geht, machen wir voll. Bald erreichen wir den Abzweig am ZHINVALI-Stausee, wenige km nach der gleichnamigen Ortschaft.

Direkt am See , aber hoch über dem Ufer, kehren wir in eine kleine "Straßenküche" ein, der Platz liegt idyllisch am Waldrand neben einem kleinen Wasserfall. Das Bestellen läuft wie immer etwas holprig ab. Ich nehme Käsekuchen (Kachapuri) und Fleischtaschen (Chinkali). Beides frisch zubereitet (ich konnte in der Küche zuschauen) und lecker, aber viel zu viel für eine Person. Dete sieht den runden Teig und meint es sei Pizza - groß ist die Überraschung, als er auch einen ganzen Käsekuchen bekommt :-)

Wir machen ein paar Fotos mit den Wirtsleuten, Bursch und Mädel, die sind von den Motorrädern sehr angetan.
Die Straßen-Markierer, die wir vor einiger Zeit passiert hatten, kommen auch vorbei, etwas später dann auch der "Hütchen-Sammler" auf deinem seltsamen "Tuk-Tuk".
Wenig später erreichen wir das auf einer Landzunge liegende Kloster ANANURI. Kurzer Rundgang, ein paar Fotos - und endlich finde ich die Kappe für Werner (ein guter Freund, dem ich versprochen hatte, eine traditionelle Kopfbedeckung mitzubringen)! Am Kloster-Parkplatz gibt es einige Verkaufsstände, mit vielen lokalen "Souvenirs" aber auch nochmehr China-Ramsch.

Es ist ein schwül-heißer Tag heute, deswegen halten wir uns nicht lange auf und fahren weiter. Wir müssen noch unsere Vorräte auffüllen und einen Schlafplatz finden. Außerdem sieht es wieder ein bisschen nach Regen aus, deswegen wollen wir nicht allzuviel Zeit verlieren. Gleich hinter dem Kloster liegt auch der Ort ANANURI. Ort ist vielleicht übertrieben, eher eine kleine zusammengewürfelte Siedlung. Aber zumindest gibt es hier ein kleines Geschäft, wo wir Wasser, Brot und Käse kaufen können, unser heutiges Abendessen. Dann fahren wir ein kleines Stück zurück, da war eine kleine Brücke über den Fluss, zur anderen Seite des Stausees, mit sanften grünen Wiesen. Die Straße wechselt nach der Brücke schnell zum schlammigen Fahrweg, wir plagen uns voran bis etwa gegenüber vom Kloster. Hier schagen wir direckt am Ufer unsere Zelte auf. Kaum sind wir damit fertig, beginnt es wieder mal leicht zu regnen. Also erstmal Kaffee kochen und warten, es sieht ja nicht soooo schlimm aus. Wir sitzen also mit unseren Tassen am Waldrand unter den Büschen, als eine Herde Kühe vorbei kommt und gemütlich zwischen unsern Zelten und Moppeds grast. Als uns die Viecher aber immer näher kommen, also so in unsere Fluchtdistanz von maximal zwei Meter, vertreiben wir sie mit lautem Gerede und Gestikulieren. Irgendwie fühlen wir uns etwas unwohl, wenn 20-30 Kühe vor, neben und hinter uns herumlatschen und wir mitten drin. ja, die Viecher traben auch durch das Unterholz und die Büsche, die bieten keinen Schutz im Rücken! Denen ist unser Verhalten aber relativ egal, die zucken nur kurz und grasen ungestört vor sich hin. Langsam ziehen sie weiter, irgendwann ist auch die letzte Kuh hinter den Sträuchern am Ufer verschwunden und es kehrt wieder Ruhe ein. Der Regen lässt auch nach und wir setzen uns zum Abendessen zusammen. Es ist angenehm und gar nicht kalt, der See liegt ja auch nur auf ca. 800m Höhe.

Die Zeit vergeht, die Frösche quaken ohne Ende und langsam bricht die Dämmerung herein. Wir bereiten uns auf die Nacht vor, Dete und Verena verschwinden in ihrem Zelt und ich rauche noch eine Abschluss-Zigarre.

Da bewegt sich doch etwas, unter den Bäumen am Ufer. Kommen die Kühe wieder? Diesmal nicht, es sind Pferde, die ebenfalls das satte saftige Gras am Seeufer schätzen. Nur sind die Pferde nicht so dreist wie die Kühe zuvor, sondern etwas scheuer. Als sie mich wahrnehmen, bleiben sie in Respektabstand nebeneinander, wie aufgefädelt, stehen und schauen. Neugierig scheinen sie ja doch zu sein!
Aber jede meiner Bewegungen löst nervöse Unruhe aus. Nach kurzer Zeit scheinen sie sich aber beruhigt zu haben und grasen ruhig vor sich hin. Nun kann ich auch etwas herumgehen, und sie nehmen keinerlei Notiz mehr von mir. Ok, zu nahe komme ich ihnen natürlich nicht. Fünf Pferde und ein Fohlen. Wie schon die Kühe grasen sie laut schmatzend vor sich hin und ziehen langsam weiter, bis auch sie in der Dunkelheit hinter der Biegung am Ufer verschwunden sind. Nun ist es auch für mich Zeit, in meinen Schlafsack zu kriechen. Am See rudern zwei Fischer vorbei und legen ihre Netze aus. Das Froschtheater ist ein Wahnsinn. Eine Geräuschkulisse der Sonderklasse!


Mittwoch, 17.6.15            Ananuri - Stepantsminda (Kazbegi) (92 km, 2:00)


                                         


Die Nacht am See war angenehm, ruhig und vor allem moskitofrei, womit ich gar nicht gerechnet hatte. Leider begann es irgendwann wieder zu regnen, das hielt auch bis in der Früh an. Pünktlich zur Tagwache war es aber wieder vorüber. Der Geruch der morgenfeuchten Wiese - herrlich, wie in einem Kräutergarten!
Frühstück läuft heute etwas gemächlicher ab, weil ja die Zelte noch trocknen müssen. Wieder den Kühen zusehen, diesmal von rechts zurück nach links... Eine sehr entspannende Szenerie. Als die Sonne durch die Wolken kommt, wird es sofort richtig warm; aber es war heute Nacht ohnehin nicht kalt.

08:00 Abfahrt mit Ziel STEPANTSMINDA.
Die Straße führt uns weiter durch das endlos lange Tal nach Norden, immer wieder schöne Ausblicke frei gebend. Unmittelbar links von uns, westlich, liegt die Grenze der unabhängigen, aber international nicht anerkannten Republik SÜDOSSETIEN, teilweise keine 2 km entfernt.
Je nördlicher wir kommen, desto alpiner wird die Landschaft. Am Horizonz blitzen die ersten schneebedeckten Gipfel hervor. Die Strecke windet sich Meter für Meter höher, bis wir das Russendenkmal kurz vor dem Pass auf 2370m erreichen. Dieses bunte Bauwerk am Ende einer Felsnase ist schon etwas monumental und weithin sichtbar. Andersrum, es gibt von hier heroben aber auch einen grandiosen Ausblick! Wir lassen den Pass und die letzten Schneefelder hinter uns und die Straße windet sich in endlos weiten Kurven wieder ins Tal hinunter. Super tolle Strecke.
Am frühen Nachmittag erreichen wir STEPANTSMINDA, parken uns am Hauptplatz ein und werden sofort von Zimmer-Keilern "überfallen". Naja, erstmal einfach ignorieren und nur "unauffällig" zuhören. Verena kramt ihren Reiseführer hervor und sucht nach den von ihr markierten Unterkünften. Wir wollen zu "Shorena´s Hotel" - aah, wir stehen ja genau davor!
Also kurz hineinschauen, Preis erfragen und gut ist´s. Das Lokal im Erdgeschoß sieht sehr nett und gepflegt aus, die Zimmer sind halt sehr einfach gehalten. Drei- und Vierbett-Zimmer, ein TV, ein Sessel, ein Kästchen zur Ablage; sonst nichts. Etagendusche und -WC. Für GEL 30,- inklusive Frühstück aber ok. Die anderen Häuser, die "richtigen" Hotels, sind deutlich teurer. Der Wirt, der sich als "Rudolph" vorstellt, spricht sehr gut Englisch und das sehen wir auch als großen Vorteil an. Das vermeidet die sonst üblichen Kommunikationsprobleme.

Wir quartieren uns ein und spazieren durch den kleinen Ort. Hoch am Berg, gleich außerhalb des Ortes, thront die Kirche "Gergeti Trinity" vor dem schneebedeckten Gipfel des Kazbeg, "dem" Fotomotiv hier schlechthin. Wir besuchen das kleine Heimatmuseum und sind überrascht, dass viele der alten Exponate einfach frei herumstehen. Die drei Damen, die uns das Eintrittsticket verkauft haben, sitzen weiter draußen und quatschen und häkeln, nehmen weiter keinerlei Notiz von uns herinnen. Das ist ein "Museum zum Angreifen" sozusagen. Ein Schelm ist, wer Böses denkt - aber dass hier nichts verschwindet, wundert mich schon. Da liegen sogar Dinge beschriftet mit "1893" im Mülleimer zwischen Tüten und Dosen.

Am Abend sitzen wir unten in der Bar des Hauses und ich "teste" zwei georgische Biere; das "Golden Eagle" ist nicht schlecht, aber das "Khevsuruli" wird mein Favorit! Danach falle ich müde in mein Nachtlager.
W-Lan-PW: ABC2.4.6.8.9


Donnerstag, 18.6.15            Rund um Stepantsminda (45 km, 1:00)


                                         


Sehr gutes Frühstück, ich bin überrascht!
Danach wandern Verena und ich hinauf zur Gergeti-Kirche aus dem 14. Jhdt, auf ca, 2200m. Der steile Anstieg hat es in der Hitze ganz schön in sich. Die Fahrstraße führt in weitem Bogen über 6,5km hinauf, der Fußweg schneidet zwar einiges direkt ab, es bleiben aber doch noch 4km, teilweise sehr steil. Oben angekommen, werden wir mit einem grandiosen Ausblick belohnt. Zur einen Seite der mächtige, allein stehende schneebedeckte Gipfel des Kazbeg (5043m, zweithöchster Gipfel Georgiens), zur anderen Seite tief vor uns im Tal die Ortschaft Stepantsminda und dahinter der über 4000m hohe Gebirgszug, der das Tal nach Osten begrenzt. Und traumhaft schönes Wetter!

Als wir oben ankommen, rauschen gleichzeitig ein paar Fahrzeuge an, die jede Menge Besucher ausspucken. Da ist erstmal ziemlich viel los hier, aber es dauert nicht lange und nach und nach fahren alle wieder ab. Nach einem Weilchen haben wir das Kloster wieder fast für uns alleine. Es ist einfach toll, hier zu sitzen und den grandiosen Rundum-Ausblick aufzusaugen!
Die Kapelle ist sehr prunkvoll eingerichtet, viele Vitrinen mit Opfergaben und Malereien an den Wänden. Fotografieren ist leider verboten, denn die Kirche ist kein touristischer, sondern ein heiliger Ort. In der Ecke gibt es einen sehr einfachen, kleinen Verkaufsstand mit ein paar Souvenirs, Kerzen und Ansichtskarten. Die Einnahmen kommen der Kirche zugute.

Hier treffe ich auch Jakub wieder, einen polnischen Tenere-Fahrer, der gleichzeitig mit uns in Pamukkale am Camping war. Später sehen wir, dass er auch bei uns im Haus untergekommen ist, nachdem er zuerst ein "Privatzimmer" angenommen hatte und damit gar nicht zufrieden war.

Der Rückweg geht dann etwas flotter, obwohl wir zum Teil dem Fahrweg folgen; aber manche Abschnitte sind doch zu steil und steinig, um locker und gemütlich wieder ins Tal zu kommen. Trotzdem stürzt Verena auf einem steinigen Stück Weg und schlägt sich das Knie auf. Hose kaputt, Knie ziemlich aufgeschlagen; Verena ziemlich aufgelöst und einer kleinen Panik nahe, uiui...

Wieder zurück im Hotel, versorgen wir ihr Knie, naja, das ist schon eine schöne Ecke aufgeschlagen. Dabei ist sie nur einmal vorwärts aufs Knie gestolpert und nichtmal hingefallen. "Buben" reagieren bei sowas anders als "Mädchen", liegt wohl in der Natur.
Verena, das wird schon wieder.
Wir treffen einen schweizer Radfahrer, der auf dem Weg von der Türkei nach Aserbaidschan ist. Fährt ein Rad mit Planeten-Schaltung, hab ich noch nie gesehen. Sehr interessant.
Sein Alter: 74 Jahre - die man ihm nie und nimmer ansieht! Hut ab und alles Gute!

Am Nachmittag fahren Dete und ich eine kleine Runde durch die Gegend. Zuerst Richtung russischer Grenze, auf immer abenteuerlich werdender Strecke mit wenig Vertrauen erweckenden Brücken und wilden, unbeleuchteten Tunnel. Je näher wir der Grenze kommen, desto enger und tiefer wird die Schlucht. Die Schilder "Dangerous Zone" geben mir zu denken - richtig bedrohend, abschreckend liegt der Grenzübergang im tiefsten Einschnitt. Man bekommt richtig vermittelt "hier geht´s nach Russland"... Nein danke, ich bleib lieber hier!
Am Rückweg fahren wir dann auch nochmal zur Kirche hoch, die Strecke ist stellenweise richtig ruppig und macht viel Spaß!

Das Postamt in Stepantsminda ist nicht leicht zu finden. Ich frage mich durch und durch bis ich endlich vor einem Gebäude stehe, das als Postamt nicht erkennbar ist. Ein Eingang, ein Vorraum, drei Türen, Geräusche. Die hier...? Ja! Eine Frau sitzt in dem Zimmer, das aussieht wie ein Lagerraum, in der Mitte ein Kanonenofen, das Ofenrohr zum Fenster hinaus. Ich bezahle GEL 9,- für 3 Marken, die ich aber nicht zu sehen bekomme - mein Geld und die Ansichtskarten verschwinden irgendwo in einem Stapel Allerlei, das wars.

Die drei Karten sind nie bei den Empfängern angekommen.

Am Abend besprechen wir den Rückweg, verschiedenen Varianten nach Edirne liegen zwischen 1700km (Schwarzmeerküste) und 2000km (über Ankara). Fünf Fahrtage plus Reserve. Die letzte Nacht wollen wir am Campingplatz vor Edirne verbringen. Vielleicht geht sich ja auch noch ein Badetag am (griechischen) Meer aus.


Freitag, 19.6.15            Kazbegi - Zestaponi (305 km, 5:20)


                                         


Das Frühstüch ist wieder sehr gut, heute bekommen wir auch selbstgemachte Marmelade serviert.
Der KAZBEG zeigt sich von seiner besten Seite und ist zum ersten Mal für wenige Minuten völlig wolkenfrei gegen den blauen Himmel zu sehen. Ich tausche mit Jakub noch Mail-Adressen aus, dann fahren wir los. Wir haben für heute einen ehrgeizigen Plan, vielleicht schaffen wir es bis BATUMI, zur georgisch-türkischen Grenze.
Die Strecke durch die Berge zurück bis zum Kloster Ananuri ist genauso faszinierend wie bei der Herfahrt, ich kann mich an der Landschaft kaum satt sehen. Viele lustige Fahrzeuge begegnen uns, zum Beispiel ein Lada, der schwer beladen hinten bis zum Anschlag in den Federn hängt und dafür vorne so aussieht, als ob er jeden Moment abheben würde :-)
Oder der Truck, der mehrere 15m lange Stahlrohre mit 40 oder 50cm Durchmesser transportiert - einfach am Seil hängend, hinter sich am Boden schleppend...
Oder jeder der vielen Kamaz-Trucks, die schwer beladen bergauf undurchdringbare Abgaswolken ausstoßen.
Oder einfach all die kleinen Irren, die jederzeit und überall überholen, als gäbe es kein Morgen. Es wundert, dass hier nicht alle paar Minuten ein Unfall passiert...

Kaffeepausen zwischendurch in kleinen Straßenlokalen.

Vor TBILISI erreichen wir die Autobahn, nun geht´s wirklich flott voran. Die Temperatur steigt auf 37°C, es ist trotz Fahrtwind unerträglich heiß. Irre. Was auffällt, hier sind trotz Rechtsverkehr viele rechtsgesteuerte Fahrzeuge unterwegs. Warum? Ich habe keine Ahnung.

Wenige Kilometer nach GORI endet die Autobahn und geht in eine normale, zweispurige Straße über. Und hier beginnt´s. Es scheint, als hätten sich alle Vollidioten der Welt hier und jetzt versammelt. Die fahren wie die Volltrottel. Hinten auf 50cm drauf und hupen, man solle doch zur Seite. Überholen ist wegen des dichten Gegenverkehres kaum möglich, aber zumindest links neben uns auffahren und wenn nicht zum Überholen reicht, einfach neben uns hineinpressen. Spannend und lustig, aber nicht auf dem Motorrad. Beim dritten Mal platzt mir fast der Kragen und ich muss mich höllisch beherrschen, um den Cayenne nicht eine Delle in die Beifahrertüre zu treten. Das sind wirklich Vollidioten hier. Aber Hauptsache, die teuersten BMW, Mercedes und Porsche fahren. So viele Autos der Luxusklasse wie hier in den paar Tagen habe ich sonst mein ganzes Leben noch nicht gesehen. Eine Bergab-Spur, doppelte Sperrlinie, zwei Bergauf-Spuren. Trotz zweispurigem Gegenverkehr wird - im Konvoi - überholt. So geht das über -zig Kilometer, zu allem Überdruss beginnt es auch noch zu regenen, was den Idioten aber natürlich überhaupt nichts ausmacht. Licht? Wozu. Blinken? Wozu. Überholen? Überall. Sogar in unbeleuchteten Tunnel, bei Gegenverkehr. Irre.

Ich will jetzt nur noch raus aus den Bergen, weg von dieser viel befahrenen Straße zwischen KHASHURI und ZESTAPONI. Zum einen, weil in unserer Richtung die Wolken etwas heller werden, aber hauptsächlich wegen dem Verkehr und der Fahrweise. Die Kombination aller Umstände sehe ich als sehr ungünstig für Motorradfahrer an. Ich bin wirklich schon auf "1000", als wir eines heftigen Gewitters wegen eine Unterkunft suchen (müssen). Dem Nächsten, der mich von der Seite schief angemacht hätte, hätte ich wohl unangekündigt eine aufs Maul gehauen.
Nicht gut, dass es regnet, aber gut, dass ich vom Mopped und damit auch selbst wieder "runter komme". Ich bin schon ziemlich geladen. Klatschnass erreichen wir ZESTAPONI und finden Unterkunft in einem Motel an einer großen Tankstelle. Die Zimmer sind nicht mal so schlecht und sehr geräumig, aber das Umfeld... Tankstelle vor der Türe, Fabriksschlote und Hallen rundherum...
Aber es gibt zumindest ein modernes Cafe nebenan, interessanterweise ein "Cafe Blaser"; scheint eine alte schweizer Kette zu sein, so zeigt es zumindest das große Bild an der Fassade.

Verena klagt noch immer wegen ihrem Knie herum. Wenns nicht abheilt, braucht sie einen Arzt.
Als ich ihr sage, dass das einfach mal ordentlich gereinigt gehört, also gut abgerieben, die lose Haut entfernt (was natürlich etwas schmerzhaft sein wird) meint sie, dazu brauche sie aber eine Lokalanästhesie... Autsch. Als Kinder hatten wir sowas und mehr jeden zweiten Tag und leben immer noch. Aber bei Frauen scheint das eine lebensbedrohende Verletzung zu sein. Uff. Meine Stimmung ist ziemlich schlecht heute.


Samstag, 20.6.15            Zestaponi - Rize (320 km, 5:15)


                                         


Ein anstrengender Tag.
Das begann schon in der Früh. Wir waren dank der angrenzenden Tankstelle alle schon vor 7:00 wach, trotzdem dauert es bis nach 9:00, bis wir endlich losfahren. Ich sitze schon eine ganze Stunde abfahrbereit parat, aber die Beiden machen keine Anstalten, einen Schritt schneller zu schalten. Bei Verena bin ich es ja gewohnt, aber auch Dete schleicht heute auffallend langsam herum. Fällt mir auf und es ärgert mich ein bisschen, weil wir mittlerweile alle genau wissen, dass uns jeden Nachmittag erneut der Regen vom Mopped holt. Die sonnigen Stunden in der Früh vertrödeln wir mit endlos Kaffee trinken, Schmierbrötchen essen und Eier kochen. Und Eine nach der Anderen rauchen. Und diskutieren. Naja, vielleicht steckt ja noch immer etwas Frust von gestern in mir und ich sehe das etwas zu schwarz...

Dete nuschelt mir aus dem aufgesetzten Helm heraus, dass er weiß, dass es heute etwas länger dauert und ich ruhig voraus fahren könne, wir treffen später wieder aufeinender. Seltsam.
Tu ich natürlich nicht, gemeinsam unterwegs ist gemeinsam unterwegs. Egal was auch.
Endlich geht es los, Abfahrt Richtung BATUMI.

Keine Stunde später die erste kurze Pause. Schweigen. Ruhe. Eigenartig. Irgendwas stimmt hier nicht. Zoff gehabt?
Weiterfahrt.
Eine halbe Stunde später die nächste Pause. Dete kommt mir heute etwas zittrig und unsicher vor, sehr eigenartig. Als er den Helm abnimmt, fällt mir sein abfallender Mundwinkel auf und dass er sich beim Sprechen schwer tut - er sagt noch "ich glaub, ich hatte heute Nacht einen Schlaganfall" und in der Sekunde schaltet´s bei mir auf Alarmstufe "rot" um!
Ach du Scheisse! Dete, du brauchst schleinigst einen Arzt!

Er tut sich beim Kuppeln schwer, weil die linke Hand nicht so tut wie er will.
Wir besprechen kurz und deutlich die Situation und sind uns einig, dass wir auf jeden Fall noch über die Grenze in die Türkei müssen, Georgien scheint uns in dieser Situation nicht geeignet. Denn kommen wir bis BATUMI, sind wir auch schon gleich über der Grenze und zurück nach TBILISI kommt keinesfalls in Frage. Wir müssen in die Türkei, sind dann auch wieder quasi "in Europa" und unsere Schutzbriefe greifen.
Sein Reaktions- und Wahrnehmungsvermögen scheint normal, bloß die linke Hand hat deutliche Aussetzer.

Dass wir weiter fahren müssen, steht außer Frage.
Also packe ich Verena und Rucksack zu mir auf die Twin, damit Dete so unbelastet als möglich fahren kann. Er fährt voraus, damit ich ihn immer im Blick habe. Nach ein paar "Kontrollpausen" erreichen wir gegen Mittag die Grenze hinter BATUMI.

Ich finde heraus, dass es in HOPA, 15km hinter der Grenze, ein Spital gibt. Bis dahin müssen wir es noch schaffen. Uns ist klar, dass unsere gemeinsame Reise hier und jetzt zu Ende ist. Dete muss vom ADAC nach Hause gebracht werden, an ein Weiterfahren ist natürlich nicht zu denken. 2000km bis Edirne, dann nochmal 1100km Villach-Hannover. No way. Das Fahren hier und jetzt ist schon ein extremes Risiko, welches wir aber nehmen müssen und keine Alternative haben.

Ich finde das Spital in HOPA und mache mich sofort auf die Suche nach einer Ansprechperson. Zuerst ein Mann vom Wachpersonal, dann ein Mitarbeiter der Aufnahme, dann der diensthabende Arzt. Schnell ist erklärt, worum es geht und schnell ist klar, was Sache ist: ein (glücklicherweise leichter) Schlaganfall. Totale Scheisse.

Ich dränge den Arzt immer wieder, aber hier in diesem kleinen Spital gibt es keine Neurologie und weiterführende Utersuchungsmöglichkeiten. Ja dann, was nun??? Die nächste Neurologie sei über 100km entfernt, in RIZE. Ok, dann müssen wir dort hin, aber natürlich nicht selbst! Auf mein weiteres Fragen und Drängen organisiert der Arzt einen Ambulanz-Transport in die Universitätsklinik nach RIZE. Geschafft. Alles läuft.

Es wird nun wie folgt weitergehen: Dete & Verena & alles Gepäck in das Rettungsfahrzeug nach RIZE. Robert mit der Twin nach RIZE. Dete versorgen. Robert mit Taxi oder Bus oder sonstwie zurück nach HOPA und mit Dete´s BMW wieder nach RIZE. Rest mit ADAC abklären. Ich mache immer wieder Druck, damit etwas wietergeht. Telefonieren, mitteilen, Informationen einholen. Zack zack zack.

Die Ambulanz fährt mit Blaulicht los, ich habe noch ein paar Dinge zu packen und Dete´s Motorrad an geeigneter Stelle abzustellen, im Videoüberwachten Einfahrtsbereich des Spitals. Dann fahre ich auch los. Eigentlich dachte ich, die Rettung rasch einzuholen, immerhin fahre ich durchwegs schneller als erlaubt >120km/h. Aber nix da, die haben scheinbar auch ordentlich Gas gegeben! Zusätzlich hält mich ein unmittelbar vor mir passierter kleiner Verkehrsunfall auch noch auf, so dauert es deutlich über eine Stunde, bis ich in RIZE bin. Das Spital finde ich sofort, Navi sei Dank. Dete und Verena sind noch in der Aufnahme, also sind sie noch nicht so lange da. Das Rettungsfahrzeug ist aber leider schon wieder am Rückweg; ich hatte gehofft, dass ich gleich mit der Ambulanz wieder zurück nach HOPA fahren und Dete´s BMW heute noch holen kann. Leider nicht.

Die nächsten zwei Stunden vergehen mit diversen Untersuchungen und letztendlich wird Dete stationär aufgenommen.
Die Neurologin wurde vorab schon angefordert und informiert, ein Mitarbeiter des Spitals begleitet uns als Übersetzer und eigentlich ist alles gut organisiert. Wir fühlen uns gut aufgehoben und behandelt. Dete kommt in ein geräumiges Einbett-Zimmer mit Fernblick über die Stadt und aufs Meer; Helm, Jacke, Stiefel und das ganze Gepäck können wir auch hier verstauen. Nun gilt es als Nächstes, die weitere Vorgangsweise mit dem ADAC zu klären.
Verena bleibt hier im Spital, bekommt in Dete´s Zimmer eine Klapp-Couch bereitgestellt, super!
Ich hätte auch gleich mit Matte und Schlafsack hierbleiben können, alles also wirklich sehr unkompliziert hier. Nehme ich aber nicht in Anspruch, werde mir ein Hotel suchen.

Um 18:00 fahre ich los, eine Unterkunft suchen. Die Stadt hat über 100.000 Einwohner, also sollte sich doch was brauchbares finden lassen. Ich starte meine Suche mitten in der abendlichen Rush-Hour, fürchterlich nervenaufreibendes stop-and-go in den engen Gassen und Straßen. Natürlich beginnt es auch wieder zu regnen, was sich in einen saftigen Wolkenbruch auswächst. Binnen kürzester Zeit bin ich nass bis in die Unterwäsche und meine Stiefel laufen über... Nach einer erfolglosen Stunde kreuz und quer durch die Stadt, entnervt von Wetter und Verkehr und völlig müde und durchnässt, erreiche ich eine Tankstelle am Stadtrand und stelle mich unter.
Der freundliche Mann nennt mir ein Hotel in ca. 3km Entfernung, wieder zurück Richtung Zentrum. Da die Auskunft glaubwürdig klang und ich ohnehin keine Wahl hatte, fahre ich wieder los und lande fast dort, wo meine Odyssee begann, in Sichtweite des Spitals, einfach nur quer über den zentalen Kreisverkehr, im Hotel OKUTUR. Als ich ankomme, schüttet es in Strömen, keinen Hund würde man jetzt vor die Türe treiben. Das Zimmer kostet TL 80,- inklusive Frühstück, ist völlig ok und auch egal, ich brauche einfach nur ein Dach über dem Kopf und ein Bett. Nur als letzte Option wäre ich wieder ins Spital und hätte dort auf meiner ISO-Matte geschlafen; aber das wollte ich nicht. Es bleibt die Frage, wäre das bei uns überhaupt denkbar und möglich...? Wohl nicht.

Ich bin trocken gelegt und habe ein großes 3-Bett-Zimmer für mich ganz alleine :-)
In dem ganzen Trubel habe ich vergessen, mir etwas fürs Abendessen zu besorgen und jetzt habe ich keine Lust mehr, das Zimmer zu verlassen. Was hab ich noch in meinen Vorräten...? Ein paar Kekse, die restlichen Oliven und eine Flasche georgischen Schnaps, den Tschatscha von Shorena aus Kazbegi. Auch gut, in dieser Situation alles unheimlich lecker :-)
Vom Fenster kann ich über das Zentrum bis zum Spital sehen, ist keine 1,5km entfernt.
Ich hätte in wenigen Minnuten dieses Zimmer finden können, wäre ich nur... jaja, blabla. Wäre und hätte und könnte.

Morgen muss ich irgendwie zurück nach HOPA, Dete´s Mopped holen und zum Spital bringen. Dort könnten wir Papiere und Schlüssel hinterlegen, zur Abholung durch den ADAC.
Schaun mer mal, was ich morgen schaffe.
Bis mir die Augen zufallen, höre ich den Regen heftig an die Fenster trommeln.


Sonntag, 21.6.15            Rize - Hopa - Rize (200 km)


                                         


Ab 06:00 bin ich wach, es regnet noch immer in Strömen. Bei diesem Wetter kann ich Dete´s Motorrad nicht holen.
Noch eine Stunde schlafen.
Es schüttet noch immer.
Frühstück, ganz brauchbar, im großen Raum im ersten Stock, mit Blick auf die Stadt und hinaus auf das Meer.
Es schüttet noch immer.

Der Vormittag vergeht, der Regen lässt nicht nach. Der Himmel ist grau in grau in grau ohne Lichtblick bis zum Horizont. Ich quatsche verschiedene Hotelgäste an in der Hoffnung, dass einer Richtung HOPA fährt und mich mitnimmt. Leider erfolglos. Zwei Jungs sind freundlich und nett, haben aber selbst ein Problem zu lösen, hatten einen Unfall mit ihrem Mietwagen; sonst hätten sie mich hingebracht.
Der Mann mit dem Halbmond-Bart fährt in die andere Richtung, nach Trabzon. Wie sich später herausstellt, ist er Mitglied einer Zirkustruppe ("Anatol Theater"), die allesamt hier im Hotel übernachtet hatten und heute weiter ziehen.
Der Mann mit Frau und Kind, der mir x-mal erzählt, wie schön Antalya ist, fährt auch nicht in meine Richtung. Vielleicht eh besser, der redet mir sonst die Ohren wund.
Der arme Kerl an der Rezeption, der kein Wort Englisch spricht, mir aber dauernd äußerst freundlich und bemüht mit irgendwas helfen möchte... :-)

Um 13:00 stapfe ich trotz unveränderter Wetterlage los zum Zentrum, das Busterminal suchen. Es schüttet, es ist warm, ich trage meine Motorradklamotten und schwitze mir einen Wolf. Außen Regen, innen Schweiß. Aber ich kann nicht länger zuwarten, muss was tun. Schnell finde ich den Minibus nach HOPA, vom Bus-Terminal gibt es scheinbar Verbindungen bis ans Ende der Welt. Aber der Fahrer des Busses deutet zu einem anderen Bus oder zum Wartehäuschen, ich kann nicht verstehen, was er mir sagen will. Das ist doch der richtige Bus! Und er ist fast voll. Da kommen zwei Leute, es fällt das Wort "Hopa", sie steigen ein und bekommen die beiden letzten Sitzplätze. Sag mal du Arsch, gehts noch? Jetzt stehe ich hier im Regen und der Bus ist voll. Ich krieg die Krise. Aber jetzt deutet er mir, ich solle doch einsteigen und im Einstiegsraum auf einer kleinen Kiste Platz nehmen. Na super, aber ich hab ja keine andere Wahl...

So geht´s flott nach Hopa. Der Bus leert sich und um 15:00 lässt er mich, als letzten Fahrgast, direkt vor dem Spitalseingang aussteigen. Ich bezahle TL 20,- und bin am Ziel.

Und sonst?
Ja, genau - es schüttet noch immer in Strömen...! Juhuuu!
Was solls, rauf aufs Mopped und los. Schnell habe ich mich an die F800GS gewöhnt und wenn nicht der heftige Regen wäre, könnte mir die Fahrt sogar richtig Spaß machen. Geht gut, das Dings!
So aber bleibt mir nur das feeling, nässer und immer nässer zu werden und als ich nach etwas mehr als einer Stunde wieder beim Spital in Rize bin, steht mir wieder mal das Wasser von den Socken bis zur Unterlippe.

Dete weiß heute nicht mehr als gestern schon, es ist ja Sonntag und da tut sich im Spital nicht viel außer Notversorgung.
Sein Zucker macht ihm zu schaffen, weil das Spital darauf besteht, sein gewohntes Insulin abzusetzen und ein Medikamet des Spitals zu nehmen. Warum auch immer. Jedenfalls läuft das nicht so rund, als wie wenn man sich schon Jahrzehnte selbst mit seiner Krankheit beschäftigt und weiß, wie der eigene Körper reagiert.

Vor Dienstag wird es keine Entscheidung darüber geben, wie die Behandlung weiter gehen und vor allem der Heimtransport ablaufen wird. Laut Ärztin ist Dete aktuell nicht flugtauglich. Die Druckverhältnisse im Flugzeug könnten einen weiteren Anfall auslösen.
Den OPTIMA-Express am Freitag wird er aber auch nicht in Anspruch nehmen können, weil Mopped fahren natürlich völlig ausgeschlossen ist.

Nach dem Spitalsbesuch gehe ich zurück ins Hotel und versorge meine nasse Kleidung. Das ganze Zimmer hängt voller Mopped-Klamotten, ich fürchte aber, dass das bis morgen nicht trocken wird. Ich muss wahrscheinlich wieder mal in nass-kalte Sachen schlüpfen. Später besorge mir noch etwas zu Essen und laufe nochmal ins Spital hinüber. Verena wird auch weiterhin bis zu ihrer Abreise hier im Zimmer bleiben, das ist gut so.

Bis ca. 21:00 bleibe ich im Spital, wir versuchen Daten an die Versicherung zu mailen und allerlei andere organisatorische Dinge zu erledigen.
Eines ist klar: ich muss morgen alleine von hier weiter und die Beiden werden am Freitag nicht mit mir im Zug sein.
Es regnet weiter, bis tief in die Nacht hinein.
Ich habe ein schlechtes Gefühl dabei, Dete und Verena alleine hier zurückzulassen, aber es geht nicht anders, denn ich muss ja in Edirne den Zug erreichen und habe noch ein breites Stück Weg vor mir.

Auf wiedersehen, ihr beiden, alles Gute!

Hotel OKUTUR
EZ TL 80,- (war in meinem Fall ein Dreibett-Zimmer), DZ TL 120,- p.P. Inkl. Frühstück
Parkmöglichkeit vor dem Haus, Infrastruktur 700m im Zentrum; Busverbindungen nach überall hin

Ich öffne Petras dritte Karte: "Du bist stark, du schaffst das!"
Wie passend :-)


Montag, 22.6.15            Rize - Ilgaz (700 km, 7:30)


                                         


Grau in grau, aber kein Regen mehr.
Alle meine Klamotten sind noch feucht, es ist ziemlich unangenehm, in die kalte Wäsche zu kriechen.

Nach dem Frühstück fahre ich los, Ziel so weit als möglich Richtung Istanbul.
Der Tag bleibt immer stark bewölkt, aber trocken.

Trabzon bekommt ein neues Fußballstadion.
Samsun auch.
Wie geht es Dete?

13:30 Mittagspause in Samsun
Es war heute lange Zeit bewölkt, die ersten Sonnenstrahlen ereilen mich nach ORDU, und dann wirds aber auch gleich ordentlich warm bei knapp 30°C. Hose, Jacke und Handschuhe sind mittlerweile wieder trocken, Socken und Stiefel brauchen noch etwas.
Außer den Tankstops, einigen Pipi- und der Mittagspause fahre ich durch. Die Strecke entlang der Schwarzmeerküste wurde mir wegen der vielen Ortschaften als langsam und mühsam beschrieben, es geht ja fast endlos ein Ort in den nächsten über. Aber das war nicht so, überhaupt nicht. Die Strecke führt fast ausschließlich Ampel- und Kreuzungslos auf eigenen Fahrspuren durch die Orte und man kommt dadurch sehr gut voran. Die wenigen Situationen, wo ich an einer Ampel stoppen musste, lassen sich an einer Hand abzählen. Klar, in den größeren Städten gibt es auch entsprechend mehr Verkehr, das war aber die Ausnahme. Ich hatte nie erwartet, so flott voranzukommen. SAMSUN wird auf einer Umfahrung passiert, dann zieht die Strecke von der Küste ins Landesinnere. Sehr dünn besiedeltes Gebiet und sehr wenig Verkehr, auch auf der Küstenstraße. Manchmal hatte ich das Gefühl, heute völlig alleine unterwegs zu sein; kilometerlang begegnet mir kein Fahrzeug. Ab MERZIFON wird auch die Landschaft deutlich schöner.

OSMANCIK scheint nur aus Ton- und Blechgeschirr-Läden zu bestehen! Laden um Laden reiht sich aneinander.
Ich komme heute bis ILGAZ und das trifft sich, denn kaum steige ich ab und beziehe im Hotel AKBAK ein Zimmer, setzt auch schon der tägliche Abendregen ein. Diesmal aber nur kurz.
Das Hotel ist empfehlenswert. Der Komplex besteht aus Shell-Tankstelle, einem gut sortierten Markt-Shop, großem Restaurant und eben dem Hotel, das sehr schön und in ausgezeichnetem Zustand ist.

Hotel AKBAK
1 P. im DZ inkl. Frühstück TL 80,- / $ 25,-


Dienstag, 23.6.15            Ilgaz - Komotini (820 km, 9:00)


                                         


Die Nacht war sehr ruhig und ich habe super gut geschlafen.
Früh aus den Federn und abfahrbereit machen.
Vor dem Frühstück noch tanken und Ölstand kontrollieren.

Das Frühstück ist ein Witz.
Liegt wohl daran, dass ich in dem riesigen Hotel so scheint es der einzige Gast bin. Ich bekomme einen vorgefertigten Teller serviert mit, na sagen wir, spärlichen, aber dafür stark verbesserungswürdigen Inhalt. Da hat sich jemand aber auch gar keine Mühe gegeben. Dazu fader Kaffee. Ok, weg damit und los.

Heute geht es wieder ans Kilometerfressen und das Wetter ist wie üblich gegen mich. Vom Start weg bin ich auf der Flucht vor dem Regen, immer wieder fahre ich auf nasser Straße, entkomme dem großen Guss immer wieder knapp. Das geht so viele -zig Kilometer, aber letztendlich gibt es dem nassen Finale kein Entkommen. Ich werde heute 3x richtig nass, bis in die Socken. Und dazwischen kommt wieder die Sonne mit voller Kraft hervor, damit ich den nächsten Regeschauer wieder schön getrocknet genießen kann.

Bis GEREDE geht´s so halbwegs. Dort kaufe ich im Postamt (Ptt) die Karte für die Autobahn-Maut (TL 15,- Chip-Karte und TL 30,- Maut-Guthaben). Dazu benötigt der freundliche, gut Englisch sprechende Herr Mehmet Name, Pass-Nr und Fahrzeugdaten. Die Maut wird beim Passieren der Stationen automatisch von der Chip-Karte abgebucht und der Status am Display angezeigt.

Originell finde ich die Überkopf-Geschwindigkeitswarnungen:
Fahrzeug-Nr XYZ, sie fahren soundso schnell! Super, nicht? Damit gleich alle sehen, wie böse man ist :-)

Je nächer ich ISTANBUL komme, desto schlechter wird das Wetter.
Die einzelnen Schauer gehen in Dauerregen über, was mir aber mittlerweile völlig egal ist. Regen? Was ist das?

Ab IZMIT merkt man am Verkehrsaufkommen, dass man sich dem Großraum Istanbul nähert. Irre viele LKW´s und das dreispurig, im heftigst strömenden Regen. Macht irre Spaß. Nichts sehen, auf den Verkehr achten, Abstand halten, nicht zu langsam fahren, den richtigen Weg finden. Das macht heftig Stress. Ich möchte mich nicht im Regen zwischen LKW´s lang machen...
Dann ab Istanbul lockert es schlagartig auf und der Himmel wird wieder völlig blau! Möchte mich diese riesige Stadt freundlich empfangen...? Scheint so!
Ist aber eh gut, denn HIER fahren, grenzt an Masochismus. Die Seitenkoffer sind echt ein Hindernis, sonst ginge es irgendwie einfacher.
Ich schwitze brav im fünfspurigen stop-and-go Verkehr, bis mich Mopped- und sogar Autofahrer darauf aufmerksam machen, doch rechts am Streifen zu fahren. Das geht auch wirklich gut, nur einen allfälligen Abzweig darf man nicht übersehen und muss sich rechtzeitig wieder zur Mitte schwindeln...

Immer wieder steht Polizei auf Zubringern und Abfahrten. Zu Beginn hatte ich Respekt und Skrupel, aber mit der Zeit erkenne ich, dass denen das völlig egal ist. Die stehen am Fahrbahnrand und wenn man als Einspuriger daherkommt, machen sie einen Schritt nach hinten und geben kommentarlos Platz!
Und dann kommt sie, "DIE Brücke"! Einfach geil! 6-spurig, 65m hoch, 1100m Spannweite zwischen den Pylonen. Beeindruckend. Toller Ausblick auf den Bosporus. Mautpflichtig nur Richtung Europa.
Dahinter zieht sich die Stadt weiter schier endlos dahin, hinter jedem Hügel erneut Häuser bis zum Horizont. Der Verkehr lässt aber nach und es wird deutlich angenehmer zu fahren. Irgendwann schon außerhalb der Stadt mache ich Pause, es wird langsam wieder richtig heiß! Da ich bisher gut voran gekommen bin und die Grenze in Reichweite scheint, beschließe ich, bis Griechenland weiter zu fahren.

Ab TEKIRDAG gehört die Straße wieder fast mir alleine, bald bin ich in KESAN und nur mehr wenige Kilometer vor der Grenze. Dort hatte ich mit wesentlich mehr Formalitäten und Bürokratie gerechnet, aber viel mehr als ein "have a nice trip" an der türkischen und "welcome to Greece" an der griechischen Seite war nicht drin :-)
Beide Grenzstationen liegen auch sehr idyllisch inmitten von dichtem Grün, gar nicht "grenztypisch". Natürlich werden die Papiere kontrolliert und der türkische Zoll fragt auch nach dem Inhalt der Koffer, aber alles läuft sehr entspannt und unkompliziert ab. Die Brücke über den Grenzfluss EVROS wird von beider Seiten Militär bewacht, auch die grüßen freundlich und gut gelaunt beim Passieren.

So, ich bin in YUNANISTAN (Griechenland)!

Jetzt gehört die Straße wirklich mir ganz alleine, zügig spule ich die letzten km bis ALEXANDROUPOLI und weiter bis KOMOTINI herunter. Mein langjähriger Freund Dimitri hat mir ein Hotel im Zentrum, das altehrwürdige ASTORIA, genannt, das ich auch punktgenau ansteuere.
EZ € 48,- inkl. Frühstück. Puh, da hauts den Berti aber aus den Socken! Da war ich bisher etwas andere Preise gewöhnt... Naja, man gönnt sich ja sonst nichts. Die Lage ist natürlich sehr schön, mitten im Zentrum in der Fußgängerzone und absolut verkehrsruhig. Ich komme mir mit der Twin etwas deplaziert vor, parke zwischen Tischen und Stühlen vom hotelzugehörigen Cafe. Gleich ein erstes Bierchen, € 3,50 für ein Kleines - Europa hat mich wieder!
Nach dem ersten Schock und einer kurzen Eingewöhnungsphase beginnt es mir hier zu gefallen. Ist eine schöne kleine Stadt, Komotini! Irre viele Lokale, extrem junges, modernes Publikum. Und in den Seitengassen der FuZo bekommt man um € 2,- auch schon ein großes Bierchen.

Ich telefoniere mit Dete:
- er fühlt sich schon etwas besser
- muss aber noch mindestens 10 Tage im Spital bleiben, ist nicht flugfähig; er macht schon eine Art Reha
- Verena fliegt am Samstag nach Hannover
- das Mopped wird am Donnerstag abgeholt und nach Trabzon transportiert, von dort geht es dann per LKW auf die Heimreise


Mittwoch, 24.6.15            Komotini - Maroni - Alexandroupoli (165 km, 3:10)


                                         


Sonne, Sonne, Sonne, Sonne.
Baden am Strand bei MARONIS. Dort ist eine kleine Imbissstube, sehr schön um auszuspannen und ein Kaffee Frappee im Schatten zu genießen.
Da schlängelt sich blitzschnell eine Schlange unter meinem Tisch durch, ich hebe im Reflex beide Beine, die Schlange kriecht weiter, unter meinem Rucksack durch und verschwindet so schnell wie gekommen unter der Hütte. Ich war völlig baff. Ohne Übertreibung, die war länger als einen Meter und ganz schön kräftig! Eine Kreuzotter war es nicht, aber vielleicht eine Ringelnatter. Es ging aber viel zu schnell, um genau auf die Zeichnung zu achten.

Später fahre ich noch nach ALEXANDROUPOLIS, wollte auch hier einen gemütlichen Kaffee trinken. Habe aber keinen netten Platz gefunden, die Stadt gefällt mir überhaupt nicht.
Zurück nach Komotini.

Am Abend kommt Dimi aus Athen zurück, holt mich ab und wir fahren einen Sprung bei ihm zu Hause vorbei, seine Frau Foni und die Kinder begrüßen. Natürlich ist das nicht in fünf Minuten erledigt, wir haben uns ja schon seit gut 3 Jahren nicht mehr gesehen. Dann fahren Dimi und ich mit den Motorrädern in die Stadt, er hat eine schöne gepflegte BMW. Etwas abseits der FuZo, aber nicht weit davon, sitzen wir an einem kleinen Platz in einer Taverne und gönnen uns alles, was gut, lecker und griechisch ist: Souvlaki, Patates, Bifteki, Salat, Pilze, Peperoni, Ouzo, Bier. Von allem ausreichend :-)
So wie unser Gesprächsstoff, der findet auch kein Ende. Bis nach Mitternacht sitzen wir hier, viel zu schnell verfliegt die Zeit.

Nun habe ich wieder einen Hauch Ahnung von den Dingen, die Dimi beschäftigen. Die Käserei ausbauen, die fünf Fotovoltaik-Anlagen optimieren, in Athen hat er sich fünf Lizenzen für Wasserflugzeug-Landeplätze gesichert... Eine Firma in Bulgarien, eine Firma in Zypern und noch so viele Ideen mehr; die Hälfte davon habe ich wahrscheinlich gar nicht vestanden. Wenn er mal lossprudelt, ist er nicht mehr zu bremsen.
Und sein Vater, ehemals angesehener Notar in Limenas auf der Insel Thassos, hat ihm als Erbe einen Haufen Schulden überlassen.

Morgen werden wir den Tag gemeinsam verbringen, und ich werde zu ihnen ins Haus übersiedeln.


Donnerstag, 25.6.15            rund um Komotini (130 km)


                                         


Aufstehen, Frühstück. Dieses ist nicht schlecht, aber etwas eigenartig. Kaffee und Saft, zu Essen gibts sehr viel aber alles irgendwie mit Kuchen verwandt. Kuchen süß, Käsekuchen, Spinatkuchen, Kekse, wasweißichnochalles.
Das ASTORIA ist das älteste Hotel in der Stadt und hat schon sehr viel Politik und Gechichte erlebt und beherbergt. Die vielen alten Fotos und Texte im Eingangsbereich zeugen davon; eine Legende.

Um 9:00 bin ich bei Dimi zu Hause, wir verstauen meine Sachen im Gästezimmer und fahren gleich wieder los. Ein Interessent aus Volos möchte die Käserei sehen.
Treffpunkt 11:00 Maroneia. Hier war ich gestern schon. Das Schild mit der Aufschrift "KAPOLLAS" war mir aber nicht aufgefallen. Die Photovoltaik und die Käserei stehen am selben Grundstück, etwas abseits der Straße.
Was? Käserei? DAS ist alles? Eine Box in der Größe eines 48-Fuß-Containers, mit zwei Türen - das war´s. Habe mir das irgendwie anders, technischer und größer, vorgestellt. An der einen Seite koppelt der Milch-LKw an, die Rohmilch durchläuft einen Separator. Dann gleich in den Pasteurisator. Von dort in ein 1000 Liter - Becken, wo die Kulturen angesetzt werden. Über den Auslauf in die viereckigen Käse-Formen. Dann 7 Tage bei 18°C in den ersten Kühlraum, danach für 2 Monate bei 4°C in den Zweiten. Käse fertig. Keine Verpackung, kein Verkaufsladen, keine Logistik. Hausverkauf im Ort, etwa 500kg in der Woche. Und viel Eigenverbrauch :-)
Käserei als Hobby, sozusagen. Profit wirft das, in dieser Größenordnung, keinen ab. Danach fahren wir in ein nettes Cafe am Strand und dort gibts dann viel Blabla mit dem Interessenten. Ich lasse meine Seele baumeln und genieße das Rauschen des Meeres, die Brise und den herrlichen Ausblick. Wie schön kann das Leben doch sein...

Später, als wir wieder alleine sind, fahren wir weiter die Küste entlang und besuchen Fonis Eltern in deren Haus am Strand. Hier essen wir natürlich frische, selbsgemachte Tyropita von der Schwiegermama. Wir schlendern weiter, besuchen das in der Lagune liegende, über einen langen Steg erreichbare Kloster LAGOS und genießen den Tag.

Zurück in Komotini gibts Mittagessen mit der Familie. Fisch, Fisch, Fisch und Salate. Dazu Tsipouro für die Erwachsenen und Limo für die Kleinen. Dann Siesta. Später am Abend gehen wir wieder in die Stadt und treffen Vasilis, den Guten Geist, der Dimi und seiner Familie als Arbeiter, aber auch als Freund zur Seite steht und vieles für sie erledigt. Eine Hand wäscht die andere.
Wieder viel Gequatsche, im Zentrum ist die Hölle los. Wir ziehen von Lokal zu Lokal, 15.000 Studenten beleben die Szene und alle Lokale sind total voll. Heute kommen wir wieder etwas später nach Hause :-)


Freitag, 26.6.15            Komotini - Edirne (200 km, 2:30)


                                         


Ausgiebiges Frühstück.
Foni bereitet alles vor, der Tisch für Sechs ist bis zum Biegen gefüllt. Richtig schlemmen.

Dann das Mopped reisefertig packen, langsam gehts ans Abschied nehmen. Das dauert natürlich auch, erst müssen noch Fotos mit den Juniors auf dem Motorrad gemacht werden und auch ein gemeinsames Erinnerungsfoto von uns.

um 12:00 ist es soweit, ich fahre los.
Alexandroupolis, Orestiada, die Straße gehört mir. Kein Schwein unterwegs, ich scheine heute alleien auf der Welt zu sein. Kann rechts, kann links, kann Slalom fahren, ganz wie ich will :-)
Immer an der Grenze zur Türkei entlang. Ist ein sehr dünn besiedeltes Gebiet entlang des Evros.
Zuerst noch Autobahn, dann Freilandstraße, zuletzt schmale Regionalstraße. Eine enge Kurve und ich stehe an einem kleinen Platz - hoppla, das ist die Grenze hier.
Griechisch - Brücke mit Militär - Türkisch. Alles total klein, aber sehr gut bewacht.

Nach dem Grenzübertritt sind es noch etwa 10km bis zum bahnhof EDIRNE. Kurz nach 15:00 bin ich da und habe noch ausreichend Zeit, mich und meine Sachen auf die Zugfahrt vorzubereiten.
Die bei unserer Ankunft hier hinterlegten Dinge sind unauffindbar und scheinen verschwunden. In dem kleinen Raum am Bahnhof liegen zwar ein paar Plastiksäcke und Kartons herum, aber nichts von unseren Sachen dabei. Na gut, schade drum; aber weg ist weg.
Etwas später frage ich nochmal danach und siehe da, Volltreffer: diesem jungen Mann, Milan Stamenkovic (er gehört zum Optima-Zugspersonal), hatte Dete unsere Sachen übergeben und der hatte sie in seiner Wohnung gleich neben dem Bahnhof deponiert. Deswegen wusste niemand anderer davon und mir war das auch nicht so bewusst. Freude, alles da! Danke!

Formalitäten erledigen, Mopped in den Zug; darauf warten, dass die Zeit bis zur Abfahrt vergeht. Alles völlig stressfrei, denn: 6 Autos, 1 Motorrad, 10 Fahrgäste. Der Zug ist fast völlig leer. Ich habe ein Abteil für mich alleine, sehr angenehm.

Pünktlich um 19:40 fahren wir ab. Bis zur bulgarischen Grenze, und dort stehen wir bis 23:00. So lange dauert es, bis die bulgarische Lok hier ist und die Reise weiter gehen kann. Wieder die Möglichkeit, im kleinen Duty Free einzukaufen. Nachtruhe. Ich schlafe kaum, meine Schulter schmerzt heute wieder höllisch.


Samstag, 27.6.15            im Optima-Express

Ich öffne Petras letztes Karte: "Ich freue mich so, dass du da bist! Endlich!!!!!!!"

7:00 Grenze Bulgarien - Serbien.
Dauert über eineinhalb Stunden. Ganz schön, für die Kontrolle von 10 Pässen.
Frage eines Zöllners: "Have you anything to declare? Haschisch, Heroin?"
Meine gedankliche Antwort: "Natürlich, und ich würde es dir auch sofort sagen."
Wir fahren wieder Diesel.

10:15 Nis.
Hier am Bahnhofsgelände stehen viele alte Loks und Waggons herum, leider habe ich die Kamera nicht schnell genug bei der Hand.
Wir fahren wieder elektrisch, aber eingleisig und irre langsam.

SMS von Dete: Verena fliegt heute um 17:00 nach Hause, er selbst am Montag in Begleitung eines Arztes. Sehr gut!

16:00 Belgrad.
Ab hier ist die Strecke modernisiert und wieder zweigleisig.

18:00 Sid, vor der Grenze Serbien-Kroatien. Passkontrolle.

19:30 back to EU!

23:30 Zagreb.


Sonntag, 28.6.15            Villach - Wien (380 km, 4:00)

Ich öffne Petras letztes Karte: "Ich freue mich so, dass du da bist! Endlich!!!!!!!"

7:00 Grenze Bulgarien - Serbien.
Dauert über eineinhalb Stunden. Ganz schön, für die Kontrolle von 10 Pässen.
Frage eines Zöllners: "Have you anything to declare? Haschisch, Heroin?"
Meine gedankliche Antwort: "Natürlich, und ich würde es dir auch sofort sagen."
Wir fahren wieder Diesel.

10:15 Nis.
Hier am Bahnhofsgelände stehen viele alte Loks und Waggons herum, leider habe ich die Kamera nicht schnell genug bei der Hand.
Wir fahren wieder elektrisch, aber eingleisig und irre langsam.

SMS von Dete: Verena fliegt heute um 17:00 nach Hause, er selbst am Montag in Begleitung eines Arztes. Sehr gut!

16:00 Belgrad.
Ab hier ist die Strecke modernisiert und wieder zweigleisig.

18:00 Sid, vor der Grenze Serbien-Kroatien. Passkontrolle.

19:30 back to EU!

23:30 Zagreb.

00:00 Grenze Kroatien-Slowenien

03:30 Jesenice, Lokwechsel.

04:30 Villach!

Schnell sind alle Fahrzeuge ausgeladen, keine 15 Minuten nach der Ankunft fahre ich los.

10:00 Wien, wieder zu Hause.